Die ersten Christen

Das, was zuerst da war, ist wahr. Die Wahrheit ist von Anfang an.

Schlaf

Direkt zu den Quellen springen Auszüge von 8 Kirchenvätern

Häufig zitierte Schriftstellen

Psalmen 4:5
Zürnt, aber sündigt nicht; was ihr in euren Herzen sprecht, das lasst euch auf euren Lagern im Innersten treffen und durchbohren

Auszüge der Kirchenväter

Apostel Petrus spricht:
Clemens von Romca. 50-100Rom
„Da der Frühling nun den Tag verlängert hat, ist die Nacht natürlich kürzer. Wenn also jemand einen Teil der Nacht für sein Studium nutzen will, darf er nicht das ganze Jahr über stur dieselben Uhrzeiten zum Wachen einhalten. Er muss stattdessen immer exakt dieselbe Zeitspanne schlafen, völlig egal, ob die Nacht nun länger oder kürzer ist. Dabei muss er extrem aufpassen, dass er nichts von seiner gewohnten Studienzeit opfert, nur um länger zu schlafen und seine Wachzeit zu verkürzen. Außerdem muss Folgendes strikt eingehalten werden: Wenn der Schlaf unterbrochen wird, während das Essen noch unverdaut ist, belastet dieser unverdaute Ballast den Verstand. Er dünstet rohe Dämpfe aus und macht den inneren Sinn völlig verwirrt und trübe. Es ist also absolut richtig, dem Körper genau das Maß an Ruhe zu gönnen, das er braucht. Nur wenn seine eigenen Bedürfnisse vollständig gestillt sind, kann der Körper dem Verstand in allen anderen Dingen den gebührenden Dienst erweisen.“
Erkenntnisse, Buch 6, Kapitel 1
Clemens von Alexandriaca. 190-211Alexandria
Alles, was du tust, soll für Gott geschehen, Taten wie Worte. Alles, was dein ist, beziehe auf Christus. Wende deine Seele beständig zu Gott und lehne dein Denken an die Macht Christi, als ruhe es in einem Hafen, durch das göttliche Licht des Erlösers, von allem Reden und Handeln aus. Teile deine Gedanken am Tag oft den Menschen mit, am meisten aber Gott, bei Nacht ebenso wie bei Tag. Denn viel Schlaf soll dich nicht von deinen Gebeten und Hymnen zu Gott abhalten, da langer Schlaf ein Nebenbuhler des Todes ist.
An die Neugetauften, Kapitel 1
Clemens von Alexandriaca. 190-211Alexandria
Vielleicht bezeichnet jene zehnsaitige Harfe das Wort, Jesus, das durch die Zahl zehn offenbart wird. Wie wir den Schöpfer segnen, bevor wir irgendetwas essen, so ist es auch richtig, ihm zu singen, wenn wir von dem trinken, was er geschaffen hat. Denn ein Psalm ist ein musikalischer Segen, und zwar ein verständiger. Der Apostel nennt den Psalm ein „geistliches Lied“. Bevor wir schlafen gehen, ist es richtig, Gott für seine Gnade und Güte zu danken, damit wir auch im Schlaf mit Ehrfurcht zu ihm hinzutreten. „Bekennt ihn mit Liedern der Lippen“, heißt es, „denn in seinem Gebot liegt alles Wohlgefallen, und an seinem Heil fehlt nichts.“
Der Erzieher: Buch 2, Kapitel 4
Clemens von Alexandriaca. 190-211Alexandria
Da wir nun von hier zum Schlaf übergehen, sollen wir uns an die Gebote über die Selbstbeherrschung erinnern. Darum muss jetzt auch dies gesagt werden. Nach der Mahlzeit sollen wir Gott segnen, weil er uns Dinge zum Genuss gegeben und den Tag zu seinem Ende geführt hat, und dann Worte einladen, die zum Schlaf passen. Die üppigen Lager aber sollen wir fortschicken: goldgewirkte Teppiche, fein bestickte Leinen, purpurgefärbte Decken, kostbare Kissen und reich verzierte Überwürfe, dazu die Betten, die man „weicher als der Schlaf“ nennt. Üppiger Schlaf ist nicht nur wegen seiner Genusssucht tadelnswert, sondern sogar schädlich; denn auf Federbetten mit weichen Decken zu schlafen ist, als fiele der Körper in eine tiefe Grube. Durch die Weichheit der Matratze sinkt der Körper ein, und sie gibt dem keinen Halt, der sich im Bett von einer Seite auf die andere wendet. Der Körper muss sich mühsam von beiden Seiten wieder hochheben, und dadurch wird der Schlaf beschwerlich. Solche Betten fördern auch die Verdauung nicht, sondern verschlechtern sie, indem sie die Speise verderben. Sich aber auf einem einfachen, ebenen Bett umzuwenden, wirkt wie eine natürliche Übung im Schlaf und hilft, dass die Verdauung richtig geschieht. Wer sich auf glatten Betten bewegen kann, hat gewissermaßen eine natürliche Schlafübung; sie hilft ihm, seine Nahrung leichter zu verarbeiten, und bereitet ihn besser auf alles vor, was kommen mag.
Der Erzieher: Buch 2, Kapitel 9
Clemens von Alexandriaca. 190-211Alexandria
Das Bett soll schlicht sein und glatte Füße haben, weil kunstvolle Schnitzereien an Bettgestellen oft kriechende Insekten anziehen, die in den Ritzen des Holzes wohnen und nicht leicht wieder verschwinden. Vor allem soll die Weichheit des Bettes männlich und maßvoll sein. Der Schlaf darf keine völlige Erschlaffung des Körpers sein, sondern nur Erholung. Darum sollen wir nicht aus Trägheit schlafen gehen, sondern um unsere Kräfte für das Handeln wiederzugewinnen. Wir müssen also so einschlafen, dass wir bereit wieder aufwachen. Denn die Schrift sagt: „Eure Lenden sollen umgürtet sein und eure Lampen brennen; seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, wenn er von der Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sofort öffnen, wenn er kommt und anklopft. Selig sind jene Knechte, die der Herr wachend findet, wenn er kommt.“ Ein Mensch nützt nichts, wenn er schläft, als wäre er schon tot. Darum müssen wir nachts oft vom Bett aufstehen und Gott preisen; selig sind die, die für ihn wachen. Sie gleichen den Engeln, die wir „Wächter“ nennen. Ein schlafender Mensch ist zu nichts würdig, nicht mehr als einer, der tot ist. Wer aber das Licht hat, wacht, und die Finsternis überwindet ihn nicht; auch der Schlaf nicht, denn Schlaf ist nicht Licht. Wer also erleuchtet ist, wacht für Gott, und ein solcher Mensch lebt wirklich. „Was durch ihn geworden ist, war Leben.“ Und die Weisheit sagt: „Selig ist der Mensch, der auf mich hört, der meine Wege bewahrt, der täglich an meinen Türen wacht und die Pfosten meiner Eingänge hütet.“ „Also lasst uns nicht schlafen wie die Übrigen“, sagt die Schrift, „sondern lasst uns wachen und nüchtern sein. Denn die schlafen, schlafen bei Nacht, und die betrunken sind, sind bei Nacht betrunken“, das heißt in der Finsternis der Unwissenheit. „Da wir aber dem Tag gehören, wollen wir nüchtern sein. Denn ihr alle seid Kinder des Lichts und Kinder des Tages; wir sind nicht von der Nacht und nicht von der Finsternis.“
Der Erzieher: Buch 2, Kapitel 9
Clemens von Alexandriaca. 190-211Alexandria
Wer nun am meisten über uns wacht, damit wir wahrhaft leben und echt denken, ist so lange wie möglich wach geblieben, hat nur das bewahrt, was für die Gesundheit nötig ist, hat den Schlaf nur so weit gebraucht, wie er hier nützlich ist, und auch das nicht viel, und hat daraus eine gute Gewohnheit gemacht. Übung in Selbstzucht bringt durch Mühe beständige Wachsamkeit hervor. Darum soll uns die Nahrung nicht beschweren, sondern erleichtern, damit wir durch den Schlaf keinen Schaden nehmen: Wie Schwimmer, die Gewichte tragen, hinabsinken, aber, wenn sie davon befreit werden, wieder nach oben treiben, so soll uns die Selbstbeherrschung aus dem tiefen Abgrund zur Oberfläche der Wachsamkeit emporheben. Denn das Hinabsinken in den Schlaf gleicht dem Tod. Es zieht uns durch Gedankenlosigkeit in die Empfindungslosigkeit und schneidet das Licht ab, wenn sich unsere Augenlider schließen. Wir aber, die Kinder des wahren Lichts, sollen dieses Licht nicht durch unsere Türen ausschließen, sondern es nach innen wenden, den verborgenen inneren Menschen erleuchten, die Wahrheit selbst klar sehen und an ihren Strömen Anteil haben. Dann können wir die wirklichen Bedeutungen der Träume recht und weise aufdecken. Und was den gerechten Lot betrifft, auch wenn ich jetzt von meiner Erklärung der Wiedergeburt abschweife: Er wäre nicht in jene gesetzwidrige Verbindung geraten, wenn er nicht von seinen Töchtern betrunken gemacht und im Schlaf überwältigt worden wäre. Wenn wir also die Ursachen übermäßigen Schlafs abschneiden, werden wir nüchterner schlafen. Denn „es ist nicht recht, dass die, in denen das Wort wohnt, der immer Wache, die ganze Nacht verschlafen.“ Vielmehr müssen wir in der Nacht aufwachen, besonders wenn die Tage kürzer werden. Wer das Studium liebt, soll lesen; wer ein Handwerk hat, soll arbeiten; Frauen sollen ihre Wolle spinnen; und jeder soll den Schlaf so weit wie möglich abwehren. So gewinnen wir durch Wachsamkeit mehr Zeit zum Leben, denn der Schlaf ist wie ein Steuereintreiber, der uns die Hälfte unseres Lebens nimmt. Gewiss sollen wir uns dann nicht erlauben, am Tag viel zu schlafen, besonders wenn wir schon den größten Teil der Nacht wach verbringen. Schläfrigkeit, Müdigkeit, Sichstrecken und Gähnen sind Zeichen einer unruhigen Seele, der Festigkeit fehlt. Auch das müssen wir wissen: Nicht die Seele braucht Schlaf, denn die Seele ist immer in Bewegung, sondern der Körper. Er wird durch Ruhe gestützt, lässt los und hört auf zu arbeiten, wenn die Seele nicht mehr durch den Körper wirkt, sondern beginnt, für sich selbst nachzudenken. Darum sind die wirklichen Träume Gedanken einer nüchternen Seele, recht verstanden von einem, der gut urteilt. In jener Zeit wird die Seele nicht von körperlichen Empfindungen abgelenkt, sondern gibt sich selbst den besten Rat. Wenn die Seele aber völlig still und untätig wird, ist das ihr Verderben. Wenn sie also durch beständige Gemeinschaft mit Gott immer über Gott nachdenkt und im Körper die Wachsamkeit bewahrt, wird sie durch Gottes Gnade den Engeln gleich und nimmt durch die Übung des Wachens das ewige Leben an.
Der Erzieher: Buch 2, Kapitel 9
Clemens von Alexandriaca. 190-211Alexandria
Da wir nun von hier aus zum Schlaf übergehen wollen, sollen wir uns an die Gebote der Selbstbeherrschung erinnern. Darum muss jetzt Folgendes gesagt werden: Nach der Mahlzeit sollen wir Gott preisen, weil er uns Dinge zum Genuss gegeben und den Tag zu seinem Ende geführt hat, und dann Worte suchen, die zum Schlaf passen. Wir sollen die üppigen Lager, die goldgewirkten Decken, die fein bestickten Leinen, die purpurgefärbten Tücher, die kostbaren Kissen und die reich geschmückten Decken fortschicken, ebenso die Betten, von denen man sagt, sie seien „weicher als der Schlaf“. Üppiger Schlaf ist nicht nur wegen seiner Genusssucht tadelnswert, sondern sogar schädlich, weil der Körper beim Schlafen in Federbetten mit weichen Decken gleichsam in eine tiefe Grube fällt. Die Weichheit der Matratze lässt den Körper einsinken und gibt dem, der sich im Bett von einer Seite auf die andere wendet, keinen Halt. Der Körper muss sich von beiden Seiten mühsam wieder aufrichten, und das macht den Schlaf unbequem. Solche Betten fördern die Verdauung nicht, sie verschlechtern sie vielmehr und verderben die Nahrung. Sich aber auf einem einfachen, ebenen Bett umzudrehen, wirkt wie eine natürliche Übung für den Schlaf und hilft, dass die Verdauung richtig geschieht. Wer sich auf glatten Betten bewegen kann, hat gleichsam eine natürliche „Schlafschule“, und diese hilft ihm, die Nahrung leichter zu verarbeiten, und bereitet ihn besser auf alles vor, was kommen mag. Liegen mit silbernen Füßen sind Zeichen großer Überheblichkeit, und jene Liege aus Elfenbein, wo „die Seele den Körper verlassen hat“, ist nichts, was heilige Menschen gebrauchen würden; sie ist eine dumme Erfindung falscher Bequemlichkeit. Wir sollen uns also nicht um diese Dinge kümmern. Nicht als wäre denen, die sie besitzen, ihr Gebrauch verboten; falsch ist vielmehr, ihnen zu viel Aufmerksamkeit zu schenken, denn Glück liegt nicht in solchen Dingen. Andererseits gibt es auch eine falsche Demut, die sich zur Schau stellt, indem sie sich wie Diomedes gibt, der auf „der unter ihm ausgebreiteten Haut eines wilden Rindes“ schlief, es sei denn vielleicht, die Lage verlangt es. Auch Odysseus befestigte den beschädigten Teil seines Ehebettes mit einem Stein. Solche Schlichtheit und Selbstgenügsamkeit übten nicht nur einfache Leute, sondern sogar die Führenden unter den alten Griechen. Doch warum von ihnen sprechen? Jakob schlief auf der Erde und benutzte einen Stein als Kopfkissen, und gerade da wurde er für würdig erachtet, eine Vision zu sehen, die über menschliches Sehen hinausgeht. So sollen wir diesem Beispiel folgen und ein einfaches, schlichtes Bett gebrauchen, mit gerade so viel, wie uns tröstet: etwas, das uns im Sommer bedeckt und im Winter wärmt. Das Bett soll schlicht sein und glatte Füße haben, weil kunstvolle Schnitzereien an Bettgestellen oft kriechende Insekten anziehen, die in den Ritzen des Holzes wohnen und nicht leicht wieder verschwinden. Vor allem soll die Weichheit des Bettes männlich und maßvoll sein. Der Schlaf darf keine völlige Erschlaffung des Körpers sein, sondern nur Erholung. Darum sollen wir nicht aus Trägheit schlafen gehen, sondern um unsere Kräfte für das Handeln wiederzugewinnen. Wir müssen also so einschlafen, dass wir bereit wieder aufwachen. Denn die Schrift sagt: „Eure Lenden sollen umgürtet sein und eure Lampen brennen; seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, wenn er von der Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sofort öffnen, wenn er kommt und anklopft. Selig sind jene Knechte, die der Herr wachend findet, wenn er kommt.“
Der Erzieher: Buch 2, Kapitel 9
Hippolytusca. 200-235Rom
Jeder gläubige Mann und jede gläubige Frau soll, wenn sie im Morgengrauen vom Schlaf aufstehen, bevor sie irgendeine Arbeit beginnen, die Hände waschen und zu Gott beten. Danach können sie an die Arbeit gehen. Wenn es aber eine Unterweisung im Wort gibt, sollen sie dorthin gehen und bedenken, dass es Gott ist, den sie in dem hören, der unterweist.
Die Apostolische Tradition, Kapitel 41
Clemens von Alexandriaca. 190-211Alexandria
Wer nun am meisten über uns wacht, damit wir wahrhaft leben und echt denken, ist so lange wie möglich wach geblieben, hat nur das bewahrt, was für die Gesundheit nötig ist, hat den Schlaf nur so weit gebraucht, wie er hier nützlich ist, und auch das nicht viel, und hat daraus eine gute Gewohnheit gemacht. Übung in Selbstzucht bringt durch Mühe beständige Wachsamkeit hervor. Darum soll uns die Nahrung nicht beschweren, sondern erleichtern, damit wir durch den Schlaf keinen Schaden nehmen: Wie Schwimmer, die Gewichte tragen, hinabsinken, aber, wenn sie davon befreit werden, wieder nach oben treiben, so soll uns die Selbstbeherrschung aus dem tiefen Abgrund zur Oberfläche der Wachsamkeit emporheben.
Der Erzieher: Buch 2, Kapitel 9
Für mehr, lies der Erzieher - Buch 2, Kapitel 0
Origenesca. 215-253Alexandria, Cäsarea Maritima
„Sprecht dies in euren Herzen; auf euren Betten lasst euch von Reue durchbohren.“ Mit diesen Worten scheint er zu lehren, dass jeder, wenn er zu Bett geht, von sich selbst Rechenschaft über die Taten des ganzen Tages verlangen soll; und wegen dessen, was gegen die rechte Vernunft geschehen ist, soll er sich selbst zurechtweisen, sich anklagen und sich mit dem Wort scharf durchstechen. Denn wer dies beständig tut, wird davon abgehalten, von dem abzufallen, was sich gehört.
Fragmente zu den Psalmen, Kapitel 4
Basilius der Großeca. 356-378Cäsarea
Gib also nicht aus Gefühllosigkeit des Schlafes deine Zustimmung dazu, die Hälfte deines Lebens nutzlos zu machen; vielmehr soll dir die Nachtzeit zwischen Schlaf und Gebet geteilt sein, und selbst deine Träume sollen eine Übung in Frömmigkeit sein. Denn die Bilder, die im Schlaf erscheinen, sind meist Nachklänge der Gedanken des Tages. Und was ist seliger als ein Mensch, der, sobald der Tag beginnt, zum Gebet eilt und seinen Schöpfer mit Hymnen und Liedern ehrt? Wenn dann die Sonne klar aufgegangen ist und er sich seiner Arbeit zuwendet, ist das Gebet überall bei ihm, und er würzt seine Mühen mit Hymnen wie mit Salz. Denn die Tröstungen der Hymnen schenken der Seele einen heiteren und schmerzfreien Zustand. Vor dem Essen soll es Gebete geben, der Gaben Gottes würdig, für das, was er jetzt gibt, und für das, was er für die Zukunft aufbewahrt hat; und auch nach den Mahlzeiten Gebete, die Danksagung für das Empfangene und Bitte um das Verheißene enthalten. Ein gutes Gebet ist eines, das den Gedanken an Gott in der Seele lebendig macht; denn Gottes Einwohnung besteht darin, Gott durch Erinnerung fest in sich gegründet zu haben. Auf diese Weise werden wir ein Tempel Gottes, wenn die Beständigkeit dieser Erinnerung nicht durch irdische Sorgen unterbrochen und der Geist nicht durch unerwartete Leiden verwirrt wird, sondern vor all dem flieht, sich zu Gott zurückzieht, die Leidenschaften vertreibt, die ihn zur Zügellosigkeit einladen, und seine Zeit mit Beschäftigungen verbringt, die zur Tugend führen. Und was für andere Menschen die Morgenröte ist, das ist für den Kämpfer der Gottesfurcht die Mitternacht: Zu dieser Zeit gewährt die Stille der Nacht der Seele besonders Muße, wenn weder Augen noch Ohren schädliche Bilder oder Klänge ins Herz senden, sondern der Geist für sich allein mit Gott zusammen ist, sich durch die Erinnerung an seine Sünden zurechtbringt, sich Grenzen setzt, um sich vom Bösen abzuwenden, und von Gott Mitwirkung zur Vollendung dessen erbittet, wonach er strebt.
Predigt 9, Kapitel 1
Basilius der Großeca. 356-378Cäsarea
Für Gebet und Psalmengesang aber, wie überhaupt auch für manche anderen Pflichten, ist jede Stunde geeignet, damit wir, während unsere Hände mit ihren Arbeiten beschäftigt sind, Gott zuweilen mit der Zunge loben, wenn das möglich ist oder besser: wenn es der Erbauung dient; wenn aber nicht, dann wenigstens mit dem Herzen, „in Psalmen, Hymnen und geistlichen Liedern“, wie geschrieben steht. So können wir mitten in der Arbeit die Pflicht des Gebets erfüllen: indem wir dem danken, der unseren Händen Kraft zur Verrichtung der Arbeiten gegeben hat, unserem Verstand Klugheit zum Erwerb von Wissen, und der auch die Stoffe bereitgestellt hat, sowohl das, was in den Werkzeugen liegt, die wir gebrauchen, als auch das, was den Gegenstand der Künste bildet, mit denen wir uns beschäftigen; und indem wir beten, dass das Werk unserer Hände auf sein Ziel hin ausgerichtet werde: auf Gottes Wohlgefallen. So gewinnen wir einen gesammelten Geist, wenn wir bei jeder Handlung von Gott den Erfolg unserer Mühen erbitten, unsere Dankesschuld gegenüber dem erfüllen, der uns die Fähigkeit zur Arbeit gegeben hat, und, wie gesagt, das Ziel vor Augen behalten, ihm zu gefallen. Wenn das nicht der Fall ist, wie kann dann ein Einklang bestehen zwischen den Worten des Apostels, der uns gebietet, „unablässig zu beten“, und jenen anderen: „wir arbeiteten Nacht und Tag“? Weil aber die Danksagung zu jeder Zeit sogar durch das Gesetz geboten ist und sich aus Vernunft und Natur als notwendig für unser Leben erwiesen hat, dürfen wir deshalb keineswegs nachlässig werden in der Einhaltung jener Gebetszeiten, die in den Gemeinschaften gewöhnlich festgesetzt sind, Zeiten, die wir notwendig ausgewählt haben, weil jeder Zeitraum eine ihm eigene Erinnerung an die von Gott empfangenen Wohltaten enthält. Früh am Morgen werden Gebete gesprochen, damit die ersten Regungen der Seele und des Geistes Gott geweiht werden und wir keinen anderen Gedanken aufnehmen, bevor wir durch den Gedanken an Gott erfreut und gestärkt worden sind, wie geschrieben steht: „Ich gedachte Gottes und wurde erfreut“; und damit der Leib sich nicht mit Arbeiten beschäftigt, bevor wir die Worte erfüllt haben: „Zu dir will ich beten, Herr; am Morgen wirst du meine Stimme hören. Am Morgen werde ich vor dir stehen und sehen.“
Die langen Regeln, Kapitel 37
Basilius der Großeca. 356-378Cäsarea
Wenn das Werk des Tages beendet ist, soll Danksagung dargebracht werden für das, was uns gewährt wurde, oder für das, was wir darin richtig getan haben; und wir sollen unsere Unterlassungen bekennen, ob freiwillig oder unfreiwillig, oder auch eine verborgene Schuld, falls wir irgendeine in Worten oder Taten oder im Herzen selbst begangen haben. Denn durch das Gebet versöhnen wir Gott wegen all unserer Verfehlungen. Die Prüfung unserer vergangenen Handlungen ist eine große Hilfe, damit wir nicht wieder in ähnliche Fehler fallen; darum sagt der Psalmist: „Was ihr in euren Herzen sagt, darüber seid betrübt auf euren Betten.“
Die langen Regeln, Kapitel 37
Johannes Chrysostomusca. 380-407Antioch, Konstantinopel
So führt er eine apostolische Regel und eine Philosophie des Evangeliums ein, sagt dasselbe wie Christus selbst und fügt eine weitere Mahnung hinzu: „Was ihr in euren Herzen sagt, bereut auf euren Betten.“ Was bedeutet das? Es mag dunkel erscheinen. Er sagt: In der Zeit nach dem Abendessen, wenn du schlafen gehen willst, wenn tiefe Stille herrscht, Ruhe eingekehrt ist und niemand dich stört, dann wecke den Gerichtshof deines Gewissens; rufe ihn zur Rechenschaft. Welche bösen Gedanken du auch am Tag gebildet hast, welche Anschläge du geplant, welche Täuschungen du gesponnen, welchen Nächsten du zu Fall bringen wolltest oder welchen verdorbenen Begierden du Raum gegeben hast: Führe all das in jener stillen Stunde vor deinen Geist; setze dein Gewissen als Richter über diese schändlichen Gedanken; weise sie zurecht, fordere Recht von dir selbst und demütige die Seele, die gesündigt hat. Denn das bedeutet der Satz „bereut“: Schlage, verwunde und züchtige in euch selbst das, was ihr tagsüber in euren Herzen gesprochen habt. Mit anderen Worten: Welche bösen Gedanken oder verdorbenen Pläne du auch gehegt hast, richte und bestrafe sie auf deinem Bett, in jener stillen Nachtstunde, wenn kein Freund dich stört, kein Diener dich reizt, kein Geschäft dich drängt. Dann zieh alles zur Rechenschaft, was du den ganzen Tag getan hast. Und warum sagt er nicht „Worte und Taten“, sondern „böse Gedanken“? Er lehrt mit großer Weisheit: Denn wenn schon die bösen Pläne des Herzens bestraft werden müssen, damit sie nicht zur Tat werden, wie viel mehr muss die Seele über wirkliche Worte und Taten trauern und sich selbst züchtigen! Das soll deine tägliche Übung sein: Geh nie schlafen, Mensch, bevor du mit dir selbst über die Übertretungen des Tages abgerechnet hast. Dann wirst du am nächsten Tag gewiss langsamer sein, dieselben Sünden zu versuchen. Mach es wie mit deinem Geld: Du lässt nicht einmal zwei Tage vergehen, ohne deinen Diener zur Rechenschaft zu ziehen, damit durch Vergessen keine Verwirrung entsteht. Tu dasselbe mit deinen Taten: Fordere jeden Abend Rechenschaft von deiner Seele; verurteile den sündigen Gedanken; hänge ihn gleichsam an das Holz des Gerichts; quäle ihn und befiehl ihm, nie wieder dasselbe zu versuchen. Siehst du, was für eine ausgezeichnete Heilung das ist, wie er sowohl vorbeugende als auch heilende Arzneien gebraucht? Das Gebot „Zürnt und sündigt nicht“ ist das vorbeugende Heilmittel, das uns warnt, nicht in Sünde zu fallen; „Was ihr in euren Herzen sagt, bereut auf euren Betten“ aber ist das heilende Mittel, das nach der Sünde Heilung schenkt und uns lehrt, die Heilung gerade aus der Seele zu ziehen, die den Fehler begangen hat. Lasst uns also diese Heilung üben, die keine Schwierigkeit in sich trägt. Und wenn die Seele es nicht erträgt, an ihre Sünden erinnert zu werden, weil sie sich schämt und errötet, dann sag zu ihr: „Du gewinnst nichts durch Vergessen, sondern erleidest großen Schaden. Denn wenn du deine Sünden jetzt nicht gegen dich selbst in Erinnerung rufst, werden sie eines Tages vor allen Augen hingestellt werden. Wenn du sie aber jetzt ins Gedächtnis zurückholst, wirst du schnell von ihnen befreit werden und nicht so leicht in andere fallen.“ Denn die Seele, die das nächtliche Gericht fürchtet, damit sie nicht wieder verurteilt und gezüchtigt wird, wird der Sünde gegenüber vorsichtiger. So groß ist der Nutzen dieser Übung, dass wir, wenn wir sie nur einen Monat lang beständig tun, in uns die Gewohnheit der Tugend befestigen werden. Lasst uns ein so großes Gut nicht vernachlässigen. Denn wer diesen Gerichtshof hier in sich selbst aufrichtet, wird dort keinem bitteren Gericht begegnen. Denn es steht geschrieben: „Wenn wir uns selbst richten würden, würden wir nicht gerichtet; wenn wir aber gerichtet werden, werden wir vom Herrn gezüchtigt, damit wir nicht mit der Welt verurteilt werden.“ Damit wir also nicht verurteilt werden, lasst uns dies tun.
Psalm 4, Kapitel 8
Theodor von Mopsuestiaca. 380-428Antioch, Tarsus, Mopsuestia
Und als würde er gefragt: „Wie kann man sich denn von diesem Irrtum abwenden?“, sagt er: „Was ihr in euren Herzen sagt, bereut auf euren Betten.“ Was euch am Tag vor Augen tritt und Anlässe zu falschen Gedanken zu bieten scheint, das wägt, wenn ihr auf euren Betten liegt, mit gesunder Überlegung ab; kehrt zu nüchternem Verständnis zurück und zeigt durch das Zeugnis der Reue und Zerknirschung, dass ihr zuvor geirrt hattet.
Psalm 4, Kapitel 1
Theodoret von Kyrrhos ca. 423-460Antioch, Apamea, Kyrrhos
„Zürnt.“ Das ist für sich zu behandeln, und der Rest lautet so: „und sündigt nicht.“ Empfindet Zorn, sagt er, und Unmut, wenn ihr seht, dass die, die euch ungerecht bedrücken, Tag für Tag glücklich leben. Aber fügt nicht Böses zu Bösem hinzu, indem ihr die anderen zu überzeugen sucht, alles geschehe ohne Sinn und Ordnung. Vielmehr sollt ihr gerade entgegengesetzt handeln und euch nachts selbst wegen der Sünden zur Rechenschaft ziehen, die ihr am Tag begangen habt. Bereut im Bett, was ihr im Herzen sagt: Da die Nacht frei ist von äußeren Sorgen und unseren Gedanken Frieden bringt, hat er in diesem Vers zu Recht geboten, das, was am Tag gesagt oder getan wurde, nochmals durchzugehen, und uns verpflichtet, unsere Wunden mit dem Heilmittel der Reue zu heilen.
Kommentare zu den Psalmen > Psalm 4, Kapitel 1

Was überall, was immer, was von allen geglaubt wurde

Die apostolische Lehre zeigt sich daran, dass sie von Anfang an, weltweit, über verschiedene Orte, über Generationen hinweg und von zahlreichen Kirchenvätern bezeugt wird.

Kirchenväter
8
Zeitspanne
ca. 50-460
Orte/Regionen
9

Kartendaten: OpenStreetMap-Mitwirkende. Historische Einordnung: Im 1.-2. Jh. umfasste das Römische Reich ca. 60-75 Mio. Menschen und verband Europa, Nordafrika und Westasien um das Mittelmeer; dieses galt den Römern als mare nostrum und war die damals zivilisierte Welt. Quellen: Jongman, Harper/Imperium Romanum, Britannica: Ökumene, Lex.dk.

Clemens von Romca. 50-100
Rom 1 Zitat
Clemens von Alexandriaca. 190-211
Alexandria 7 Zitate
Hippolytusca. 200-235
Rom 1 Zitat
Origenesca. 215-253
Alexandria, Cäsarea Maritima 1 Zitat
Basilius der Großeca. 356-378
Cäsarea 3 Zitate
Johannes Chrysostomusca. 380-407
Antioch, Konstantinopel 1 Zitat
Theodor von Mopsuestiaca. 380-428
Antioch, Tarsus, Mopsuestia 1 Zitat
Theodoret von Kyrrhos ca. 423-460
Antioch, Apamea, Kyrrhos 1 Zitat

Kommentare

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