Erkenntnisse, Buch 6
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Sobald aber die Dunkelheit wich und der Tag die erste Morgendämmerung brachte, ging Petrus in den Garten, um zu beten. Als er von dort zurückkehrte und zu uns trat, entschuldigte er sich quasi dafür, dass er später als sonst aufgewacht und zu uns gekommen war, und sagte: „Da der Frühling nun den Tag verlängert hat, ist die Nacht natürlich kürzer. Wenn also jemand einen Teil der Nacht für sein Studium nutzen will, darf er nicht das ganze Jahr über stur dieselben Uhrzeiten zum Wachen einhalten. Er muss stattdessen immer exakt dieselbe Zeitspanne schlafen, völlig egal, ob die Nacht nun länger oder kürzer ist. Dabei muss er extrem aufpassen, dass er nichts von seiner gewohnten Studienzeit opfert, nur um länger zu schlafen und seine Wachzeit zu verkürzen. Außerdem muss Folgendes strikt eingehalten werden: Wenn der Schlaf unterbrochen wird, während das Essen noch unverdaut ist, belastet dieser unverdaute Ballast den Verstand. Er dünstet rohe Dämpfe aus und macht den inneren Sinn völlig verwirrt und trübe. Es ist also absolut richtig, dem Körper genau das Maß an Ruhe zu gönnen, das er braucht. Nur wenn seine eigenen Bedürfnisse vollständig gestillt sind, kann der Körper dem Verstand in allen anderen Dingen den gebührenden Dienst erweisen.“
Als er dies gesagt hatte und sich bereits sehr viele am gewohnten Platz im Garten versammelt hatten, um ihn zu hören, trat Petrus hinaus. Er grüßte die Menge auf seine übliche Weise und begann folgendermaßen zu sprechen: „So wie ein Acker, der vom Bauern vernachlässigt wird, zwangsläufig Dornen und Disteln hervorbringt, so hat auch euer Verstand durch lange Vernachlässigung unzählige schädliche Ansichten über die Dinge und Dogmen falscher Erkenntnis wuchern lassen. Jetzt ist enorme Sorgfalt nötig, um das Feld eures Geistes zu bestellen, damit das Wort der Wahrheit, der wahre und gewissenhafte Bauer des Herzens, es mit ständigen Unterweisungen kultivieren kann. Es ist nun eure Pflicht, diesem Wort absoluten Gehorsam zu leisten und alle überflüssigen Beschäftigungen und Sorgen radikal abzuschneiden, damit das giftige Gestrüpp den guten Samen des Wortes nicht erstickt. Es kann nämlich sehr wohl sein, dass ein kurzer, ernsthafter Fleiß die Vernachlässigung einer langen Zeit wiedergutmacht. Die Lebenszeit eines jeden Einzelnen ist völlig ungewiss; deshalb müssen wir uns mit unserer Rettung beeilen, damit der plötzliche Tod den Zögernden nicht unvorbereitet dahinrafft!
Genau deshalb müssen wir uns umso heftiger anstrengen, damit die angesammelten Laster der üblen Gewohnheit restlos abgeschnitten werden, solange noch Zeit ist! Und das werdet ihr nicht anders schaffen, als indem ihr zornig auf euch selbst werdet wegen eurer nutzlosen und schändlichen Taten. Denn das ist ein gerechter und zwingend notwendiger Zorn, durch den jeder Einzelne über sich selbst empört ist und sich selbst für all das anklagt, worin er geirrt und falsch gehandelt hat. Durch diese Empörung wird in uns ein Feuer entfacht. Wie auf ein unfruchtbares Feld geworfen, verzehrt und verbrennt es die Wurzeln der widerwärtigen Lust und bereitet den Boden des Herzens weitaus fruchtbarer für den guten Samen des Wortes Gottes vor. Und ich denke, ihr habt mehr als genug triftige Gründe für diesen Zorn, aus denen sich dieses vollkommen gerechte Feuer entzünden muss, wenn ihr nur einmal bedenkt, in was für Irrtümer euch das Übel der Unwissenheit hineingezogen hat! Bedenkt, wie es euch zu Fall brachte und kopfüber in die Sünde stürzen ließ, von welchen guten Dingen es euch weggerissen und in welche Übel es euch hineingetrieben hat – und, was noch weitaus schwerer wiegt als alles andere: dass es euch im kommenden Zeitalter den ewigen Strafen ausgeliefert hat! Entbrennt denn wegen all dieser Dinge jetzt nicht das Feuer der absolut gerechten Empörung in euch, da euch das Licht der Wahrheit aufgeleuchtet ist? Steigt nicht die Flamme jenes Zorns in euch auf, der Gott gefällt, damit jeder Keim verbrannt und samt der Wurzel vernichtet wird, falls in euch irgendein Trieb der bösen Begierde gewuchert haben sollte?
Daher hat auch Er, der uns gesandt hat, als er kam und sah, dass die ganze Welt in die Bosheit abgeglitten war, dem im Irrtum Befindlichen nicht sofort Frieden gewährt, um ihn nicht in seinen Übeln zu bestärken. Stattdessen hat er den Trümmern seiner Unwissenheit die Erkenntnis der Wahrheit entgegengesetzt, damit die Menschen, sollten sie zur Besinnung kommen und das Licht der Wahrheit erblicken, zu Recht darüber trauern, dass sie getäuscht und in die Abgründe des Irrtums hinabgerissen wurden, und damit sie das Feuer eines heilsamen Zorns gegen die Unwissenheit entfachen, die sie betrogen hat. Genau aus diesem Grund sagte er: „Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu senden, und wie sehr wünsche ich, dass es entzündet wird!“1 Es gibt also einen gewissen Kampf, den wir in diesem Leben ausfechten müssen! Das Wort der Wahrheit und Erkenntnis trennt die Menschen unweigerlich von Irrtum und Unwissenheit, so wie wir oft gesehen haben, wie verfaultes und abgestorbenes Fleisch des Körpers durch das schneidende Messer von der Verbindung mit den lebendigen Gliedern abgetrennt wird. Genau das bewirkt die Erkenntnis der Wahrheit. Es ist nämlich um der Rettung willen zwingend notwendig, dass zum Beispiel der Sohn, der das Wort der Wahrheit angenommen hat, von seinen ungläubigen Eltern getrennt wird; oder wiederum, dass der Vater vom Sohn oder die Tochter von der Mutter getrennt wird. Und auf diese Weise entbrennt zwischen gläubigen und ungläubigen Verwandten und Blutsverwandten der Kampf zwischen Erkenntnis und Unwissenheit, zwischen Wahrheit und Irrtum. Und deshalb sagte Er, der uns gesandt hat, wiederum: „Ich bin nicht gekommen, Frieden auf die Erde zu senden, sondern ein Schwert.“2
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Wenn nun jemand sagt: Wie kann es richtig sein, dass Menschen von ihren Eltern getrennt werden? So will ich euch sagen, wie. Denn wenn sie in ihrem Irrtum bei ihnen blieben, würden sie ihnen nicht nützen und selbst mit ihnen zugrunde gehen. Es ist daher recht und sehr recht, dass der, der gerettet werden will, sich von dem trennt, der nicht gerettet werden will.
Beachtet jedoch auch, dass diese Trennung nicht von denen ausgeht, die richtig verstehen; denn sie wünschen, bei ihren Verwandten zu sein, ihnen Gutes zu tun und sie in besseren Dingen zu unterrichten. Es ist vielmehr das Laster der Unwissenheit, dass sie das Licht der Wahrheit, das sie widerlegt, nicht ertragen können; daher geht diese Trennung von ihnen aus.
Diejenigen, die das Wissen um die Wahrheit empfangen, wünschen, wenn möglich, es mit allen zu teilen, da es von dem guten Gott gegeben ist, ja sogar mit denen, die sie hassen und verfolgen; denn sie wissen, dass die Unwissenheit die Ursache ihrer Sünde ist.
Deshalb betete der Meister selbst, als Er von denen, die Ihn nicht kannten, zum Kreuz geführt wurde, zum Vater für Seine Mörder und sagte: „Vater, vergib ihnen ihre Sünde, denn sie wissen nicht, was sie tun!“3
Die Jünger beteten ebenfalls, in Nachahmung des Meisters, selbst als sie litten, in ähnlicher Weise für ihre Mörder. Wenn wir also gelehrt werden, sogar für unsere Mörder und Verfolger zu beten, wie sollten wir dann nicht die Verfolgungen von Eltern und Verwandten ertragen und für ihre Bekehrung beten?
Lasst uns nun sorgfältig überlegen, aus welchem Grund wir unsere Eltern lieben. Es wird gesagt, dass wir sie lieben, weil sie die Urheber unseres Lebens zu sein scheinen. Doch unsere Eltern sind nicht die Urheber unseres Lebens, sondern lediglich die Mittel dazu. Sie schenken uns nicht das Leben, sondern ermöglichen uns den Eintritt in dieses Leben; der einzige und wahre Urheber des Lebens ist Gott.
Wenn wir also den Urheber unseres Lebens lieben wollen, lasst uns erkennen, dass Er es ist, der geliebt werden soll. Es wird jedoch gesagt: Wir können Ihn nicht kennen; aber sie kennen wir und halten sie in Zuneigung. So sei es: Ihr könnt nicht wissen, was Gott ist, aber ihr könnt sehr leicht wissen, was Gott nicht ist. Denn wie kann jemand nicht wissen, dass Holz, Stein, Messing oder andere derartige Materie nicht Gott sind?
Wenn ihr jedoch eure Gedanken nicht darauf richtet, die Dinge zu betrachten, die ihr leicht erfassen könnt, so ist es gewiss, dass euch das Wissen um Gott nicht durch Unmöglichkeit, sondern durch Trägheit verwehrt bleibt. Denn hättet ihr es gewollt, hättet ihr selbst aus diesen nutzlosen Bildern den Weg zum Verständnis finden können.
Es ist gewiss, dass diese Bilder mit eisernen Werkzeugen geschaffen werden; doch Eisen wird durch Feuer bearbeitet, und dieses Feuer wird durch Wasser gelöscht. Wasser hingegen wird durch den Geist bewegt, und der Geist hat seinen Ursprung bei Gott. Denn so sagt der Prophet Mose: „Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Die Erde aber war unsichtbar und unordentlich; und Finsternis lag über der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.“4
Dieser Geist, gleich der Hand des Schöpfers, trennte auf Gottes Befehl Licht von Finsternis; und danach brachte der unsichtbare Himmel diesen sichtbaren hervor, damit Er die höheren Orte zur Wohnung für Engel und die niederen für Menschen schuf.
Um euretwillen zog auf Gottes Befehl das Wasser, das über der Erde war, sich zurück, damit die Erde Früchte für euch hervorbringen konnte; und in die Erde fügte Er auch Feuchtigkeitsadern ein, damit Quellen und Flüsse für euch fließen könnten. Um euretwillen wurde befohlen, lebende Geschöpfe hervorzubringen und alles, was eurem Nutzen und Vergnügen dienen kann.
Ist es nicht für euch, dass die Winde wehen, damit die Erde durch sie Früchte hervorbringt? Ist es nicht für euch, dass die Regenschauer fallen und die Jahreszeiten wechseln? Ist es nicht für euch, dass die Sonne aufgeht und untergeht und der Mond seine Veränderungen durchläuft?
Für euch bietet das Meer seinen Dienst an, damit alle Dinge euch unterworfen sind, so undankbar ihr auch seid. Wird es da nicht eine gerechte Strafe der Vergeltung geben, weil ihr, mehr als alles andere, den Geber all dieser Dinge ignoriert, den ihr über alles anerkennen und verehren solltet?
Doch nun führe ich euch auf denselben Wegen zur Erkenntnis. Denn ihr seht, dass alle Dinge aus Wasser hervorgebracht werden. Zunächst wurde das Wasser vom Eingeborenen geschaffen; und der Allmächtige Gott ist das Haupt des Eingeborenen, durch den wir in der oben genannten Ordnung zum Vater gelangen. Wenn ihr zum Vater gekommen seid, werdet ihr lernen, dass es Sein Wille ist, dass ihr durch das Wasser, das zuerst geschaffen wurde, neu geboren werdet.
Denn wer durch Wasser regeneriert wird und das Maß guter Werke erfüllt hat, wird Erbe dessen, durch den er in Unvergänglichkeit regeneriert wurde. Daher nähert euch mit bereiteten Herzen als Söhne zu einem Vater, damit eure Sünden abgewaschen werden und vor Gott bewiesen werden kann, dass Unwissenheit deren einzige Ursache war.
Denn wenn ihr, nachdem ihr diese Dinge gelernt habt, im Unglauben bleibt, wird die Ursache eures Verderbens euch selbst zugerechnet werden und nicht der Unwissenheit. Glaubt ihr, dass ihr Hoffnung auf Gott haben könnt, selbst wenn ihr alle Frömmigkeit und Gerechtigkeit pflegt, aber die Taufe nicht empfangt? Vielmehr wird derjenige, der gute Werke nicht gut tut, einer größeren Strafe würdig sein; denn Verdienst kommt den Menschen durch gute Werke zu, aber nur, wenn sie so getan werden, wie Gott es befiehlt.
Gott hat angeordnet, dass jeder, der Ihn anbetet, durch die Taufe versiegelt wird; wenn ihr euch jedoch weigert und eurem eigenen Willen mehr gehorcht als dem Willen Gottes, seid ihr zweifellos widersprüchlich und feindlich gegenüber Seinem Willen.
Doch ihr werdet vielleicht sagen: „Was trägt die Taufe mit Wasser zur Anbetung Gottes bei?“ Zunächst einmal, weil das, was Gott gefällt, erfüllt wird. Zweitens, weil, wenn ihr regeneriert und neu geboren werdet aus Wasser und aus Gott, die Schwäche eurer früheren Geburt, die ihr durch Menschen habt, abgeschnitten wird, und so werdet ihr schließlich in der Lage sein, das Heil zu erlangen; andernfalls ist es unmöglich. Denn so hat der wahre Prophet uns mit einem Eid bezeugt: „Wahrlich, ich sage euch, dass niemand in das Reich der Himmel eingehen kann, es sei denn, er wird aus Wasser neu geboren.“5
Darum beeilt euch; denn in diesen Wassern liegt eine gewisse Kraft der Barmherzigkeit, die zu Beginn auf ihnen ruhte und die diejenigen anerkennt, die unter dem Namen des dreifachen Sakraments getauft werden, und sie von zukünftigen Strafen rettet, indem sie Gott die Seelen als Geschenk darstellt, die durch die Taufe geweiht sind. Wendet euch daher diesen Wassern zu, denn sie allein können die Gewalt des zukünftigen Feuers stillen; und wer zögert, sich ihnen zu nähern, der zeigt offensichtlich, dass der Götze des Unglaubens in ihm bleibt und ihn daran hindert, sich zu den Wassern zu begeben, die das Heil verleihen.
Denn ob ihr gerecht oder ungerecht seid, die Taufe ist in jeder Hinsicht notwendig für euch: für die Gerechten, damit die Vollkommenheit in ihnen vollendet wird und sie neu geboren werden zu Gott; für die Ungerechten, damit ihnen Vergebung der Sünden gewährt wird, die sie in Unwissenheit begangen haben. Daher sollten alle sich ohne Verzögerung beeilen, um zu Gott neu geboren zu werden, denn das Ende eines jeden Lebens ist ungewiss.
Wenn ihr durch Wasser regeneriert worden seid, zeigt durch gute Werke das Abbild des Vaters, der euch gezeugt hat. Nun kennt ihr Gott, ehrt Ihn als Vater; und Seine Ehre besteht darin, dass ihr gemäß Seinem Willen lebt. Sein Wille ist, dass ihr so lebt, dass ihr nichts von Mord oder Ehebruch wisst, dass ihr vor Hass und Gier flieht, Zorn, Stolz und Prahlerei ablegt, Neid verabscheut und all solche Dinge als völlig ungeeignet für euch betrachtet.
Es gibt wahrhaftig eine besondere Einhaltung unserer Religion, die nicht so sehr den Menschen auferlegt wird, sondern von jedem Gottesverehrer aufgrund ihrer Reinheit gesucht wird. Ich spreche von der Keuschheit, von der es viele Arten gibt, aber zunächst sollte jeder darauf achten, dass er „nicht zu einer menstruierenden Frau nahe kommt“6 ; denn dies betrachtet das Gesetz Gottes als abscheulich. Doch selbst wenn das Gesetz keine Mahnung in diesen Dingen gegeben hätte, sollten wir uns freiwillig, wie Käfer, im Schmutz wälzen? Denn wir sollten als vernünftige Menschen, die fähig sind, himmlische Sinne zu empfangen, etwas mehr haben als die Tiere. Unser Hauptanliegen sollte es sein, das Gewissen vor jeder Unreinheit des Herzens zu bewahren.
Darüber hinaus ist es gut und fördert die Reinheit, auch den Körper mit Wasser zu waschen. Ich nenne es gut, nicht als ob es das höchste Gut der Reinigung des Geistes wäre, sondern weil das Waschen des Körpers die Folge dieses Guten ist. So tadelte auch unser Meister einige der Pharisäer und Schriftgelehrten, die besser zu sein schienen als andere und sich vom Volk absonderten. Er nannte sie Heuchler, weil sie nur das reinigten, was von den Menschen gesehen wurde, während sie ihre Herzen, die nur Gott sieht, unrein und schmutzig ließen. Zu einigen von ihnen - nicht zu allen - sagte Er: „Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr reinigt die Außenseite des Bechers und der Schüssel, aber innen sind sie voller Unreinheit. O blinde Pharisäer, reinigt zuerst das Innere, dann wird auch das Äußere rein sein.“7
Denn wahrhaftig, wenn der Geist durch das Licht des Wissens gereinigt wird, kümmert er sich, sobald er rein und klar ist, auch um das, was außerhalb des Menschen ist, das heißt um sein Fleisch, damit auch dieses gereinigt wird. Wenn jedoch das Äußere, die Reinigung des Fleisches, vernachlässigt wird, ist es gewiss, dass keine Sorge um die Reinheit des Geistes und die Sauberkeit des Herzens besteht. So geschieht es, dass derjenige, der innerlich rein ist, ohne Zweifel auch äußerlich gereinigt ist, aber nicht immer der, der äußerlich rein ist, auch innerlich gereinigt ist - insbesondere wenn er diese Dinge tut, um den Menschen zu gefallen.
Aber diese Art der Keuschheit ist ebenfalls zu beachten: Der Geschlechtsverkehr darf nicht gedankenlos und nur um des bloßen Vergnügens willen stattfinden, sondern sollte der Fortpflanzung dienen. Da diese Einhaltung sogar bei einigen der niederen Tiere zu finden ist, wäre es eine Schande, wenn sie nicht von den Menschen, die vernünftig sind und Gott anbeten, beachtet wird.
Ein weiterer Grund, warum Keuschheit von denen, die den wahren Gottesdienst halten, beachtet werden sollte - in den Formen, von denen wir gesprochen haben, und in ähnlichen - ist, dass sie selbst unter denen, die noch vom Teufel in Irrtum gehalten werden, streng beachtet wird. Denn selbst unter ihnen gibt es in gewissem Maße die Beachtung der Keuschheit. Was also? Werdet ihr nicht einhalten, jetzt da ihr verändert seid, was ihr eingehalten habt, als ihr im Irrtum wart?
Vielleicht wird jedoch jemand von euch sagen: „Müssen wir dann alle Dinge befolgen, die wir taten, während wir Götzen anbeteten?“ Nicht alles. Aber was immer gut getan wurde, das sollt ihr auch jetzt einhalten; denn wenn etwas von denen, die im Irrtum sind, richtig getan wird, so ist gewiss, dass es aus der Wahrheit stammt. Hingegen, wenn etwas in der wahren Religion nicht richtig getan wird, so stammt es ohne Zweifel aus dem Irrtum.
Denn das Gute bleibt gut, auch wenn es von denen getan wird, die im Irrtum sind; und das Böse bleibt böse, auch wenn es von denen getan wird, die der Wahrheit folgen. Oder sollen wir so töricht sein, dass wir, wenn wir einen Götzenanbeter nüchtern sehen, uns weigern, nüchtern zu sein, damit wir nicht so scheinen, das Gleiche zu tun wie er? So ist es nicht.
Lasst uns vielmehr darauf achten, dass, wenn die Irrenden nicht morden, wir nicht einmal zornig sind; wenn sie nicht Ehebruch begehen, sollten wir nicht einmal nach der Frau eines anderen begehren; wenn sie ihre Nächsten lieben, sollten wir sogar unsere Feinde lieben; wenn sie denjenigen, die zahlen können, Geld leihen, sollten wir denjenigen geben, von denen wir nichts zu empfangen hoffen.
In allem sollten wir, die wir auf das Erbe der ewigen Welt hoffen, die übertreffen, die nur die gegenwärtige Welt kennen. Denn wir wissen, dass, wenn ihre Werke im Vergleich zu unseren am Tag des Gerichts gleich und gleichwertig befunden werden, es für uns Verwirrung geben wird, weil wir in unseren Werken denjenigen gleich gefunden werden, die wegen Unwissenheit verurteilt wurden und keine Hoffnung auf die kommende Welt hatten.
Und wahrlich, Verwirrung ist unser angemessener Anteil, wenn wir nicht mehr getan haben als diejenigen, die in Wissen unter uns stehen. Wenn es uns schon Verwirrung bringt, gleich wie sie in den Werken befunden zu werden, was wird dann aus uns, wenn die bevorstehende Prüfung uns als minderwertig und schlechter als sie erweist?
Hört daher, wie unser wahrer Prophet uns über diese Dinge gelehrt hat. Er spricht über diejenigen, die die Worte der Weisheit vernachlässigen: „Die Königin des Südens wird im Gericht mit dieser Generation aufstehen und sie verurteilen, denn sie kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören; und siehe, ein Größerer als Salomo ist hier, und sie hören Ihn nicht.“8
Und bezüglich derjenigen, die sich weigerten, von ihren bösen Taten umzukehren, sprach Er: „Die Männer von Ninive werden im Gericht mit dieser Generation aufstehen und sie verurteilen; denn sie taten Buße bei der Predigt Jonas; und siehe, ein Größerer als Jonas ist hier.“9
Ihr seht also, wie Er diejenigen verurteilte, die aus dem Gesetz unterwiesen wurden, indem Er das Beispiel derer anführte, die aus der heidnischen Unwissenheit kamen, und zeigte, dass die Ersteren nicht einmal denjenigen gleich waren, die in Irrtum lebten.
Aus all diesen Dingen wird also die Aussage, die Er aufstellte, bewiesen: Die Keuschheit, die in gewissem Maße sogar von denen, die im Irrtum leben, eingehalten wird, sollte von uns, die wir der Wahrheit folgen, in allen ihren Formen viel reiner und strenger gehalten werden, und zwar umso mehr, weil uns ewige Belohnungen für ihre Einhaltung zugesprochen werden.
Als er diese Dinge und andere in ähnlichem Sinne gesagt hatte, entließ er die Menschenmengen. Nach seiner Gewohnheit aß er mit seinen Freunden zu Abend und ging schlafen. Während er auf diese Weise drei ganze Monate lang das Wort Gottes lehrte und viele zum Glauben bekehrte, befahl er schließlich, dass ich fasten sollte. Nach dem Fasten spendete er mir die Taufe mit lebendigem Wasser in den Quellen, die am Meer liegen.
Als wir, dank der göttlich geschenkten Gnade der Wiedergeburt, fröhlich mit unseren Brüdern das Fest feierten, befahl Petrus denjenigen, die ihm vorausgehen sollten, nach Antiochien zu gehen und dort drei Monate zu warten. Nachdem sie gegangen waren, führte er selbst die zu den Quellen hinab, die, wie gesagt, nahe am Meer liegen, taufte diejenigen, die den Glauben an den Herrn vollständig angenommen hatten, und feierte mit ihnen die Eucharistie.
Er setzte Maro, der ihn in seinem Haus empfangen hatte und nun in allen Dingen vollkommen war, als Bischof über sie ein. Gleichzeitig ordinierte er zwölf Presbyter und Diakone. Er gründete auch den Orden der Witwen und regelte alle Dienste der Kirche. Er wies sie an, Maro, ihren Bischof, in allem zu gehorchen, was er ihnen befehlen würde. Als schließlich alles angemessen geordnet war und die drei Monate erfüllt waren, verabschiedeten wir uns von denjenigen in Tripolis und brachen nach Antiochien auf.
Schriftstellen
- Lk 12,49
- Mt 10,34
- Lk 23,34
- Gen 1,1-2
- Joh 3,5
- Lev 18,19
- Mt 23,25-26
- Mt 12,42
- Mt 12,41
