Die ersten Christen

Das, was zuerst da war, ist wahr. Die Wahrheit ist von Anfang an.

Sophistik und Einfachheit

Sophistik bezeichnet ursprünglich eine Strömung der griechischen Antike, in der Lehrer der Rede, Bildung und Argumentationskunst Menschen darin unterrichteten, überzeugend zu sprechen und in öffentlichen Streitgesprächen zu bestehen.

Mit der Zeit entwickelte sich Sophistik zu etwas, das bis heute besteht: eine Art zu reden, bei der nicht mehr die Wahrheit im Mittelpunkt steht. Ein Sophist ist dann jemand, der mit intelligent klingenden Formulierungen, komplizierten Worten und langen Ausschmückungen glänzen will - und meint, dadurch den Sieg zu erringen.

Christliche Einfachheit steht der Sophistik entgegen. Sie bedeutet Klarheit: eine Rede, die nicht blenden will, sondern zur Wahrheit führt und von jeden Menschen einfach verstanden werden kann. Das sieht man schon an den Aposteln: Christus erwählte nicht Redekünstler und Gelehrte, sondern einfache Männer, Fischer und gewöhnliche Menschen, durch die das Evangelium ohne menschlichen Prunk verkündet wurde.

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Häufig zitierte Schriftstellen

Hiob 5:13
Er ertappt die Weisen in ihrer Klugheit, den Rat der Verschlagenen aber bringt er aus der Fassung.
Matthäus 11:25
Zu jener Zeit antwortete Jesus und sagte: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies vor Weisen und Verständigen verborgen und es Unmündigen offenbart hast.“
Matthäus 13:34
Dies alles redete Jesus in Gleichnissen zu den Volksmengen, und ohne Gleichnis redete er nichts zu ihnen.
Apostelgeschichte 4:13
Als sie aber die Freimütigkeit des Petrus und Johannes sahen und begriffen, dass sie Männer ohne gelehrte Bildung und einfache Leute waren, staunten sie; und sie erkannten, dass sie mit Jesus gewesen waren.
1. Korinther 1:18-21
Denn das Wort vom Kreuz ist für die, die verloren gehen, Torheit; für uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft. Denn es steht geschrieben: „Ich werde die Weisheit der Weisen zunichtemachen, und die Einsicht der Verständigen werde ich außer Kraft setzen.“ Wo ist der Weise? Wo ist der Schriftgelehrte? Wo ist der Wortstreiter dieses Zeitalters? Hat Gott nicht die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt in der Weisheit Gottes Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott, durch die Torheit der Verkündigung die zu retten, die glauben.
1. Korinther 2:1; 1. Korinther 2:4
Und auch ich, Brüder, kam zu euch nicht mit überragender Rede oder Weisheit, als ich euch das Geheimnis Gottes verkündigte. (...) Und meine Rede und meine Verkündigung bestanden nicht in überredenden Weisheitsworten, sondern im Erweis von Geist und Kraft.
2. Korinther 11:6
Wenn ich auch in der Rede ungeübt bin, so doch nicht in der Erkenntnis; vielmehr haben wir das euch gegenüber in jeder Hinsicht und in allem offenbar gemacht.
Kolosser 2:8
Seht zu, dass euch niemand als Beute wegführt durch die Philosophie und leeren Betrug – nach der Überlieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt und nicht nach Christus.
1. Timotheus 6:20
Timotheus, bewahre das anvertraute Gut; wende dich weg von den entweihten leeren Reden und den Gegenbehauptungen der fälschlich so genannten Erkenntnis,
Exodus 4:10
Und Mose sprach zum Herrn: „Ich bitte dich, Herr: Ich bin kein fähiger Redner — weder war ich es gestern noch vorgestern, noch bin ich es, seitdem du begonnen hast, zu deinem Diener zu reden. Ich habe eine schwache Stimme und eine schwerfällige Zunge.“

Auszüge der Kirchenväter

Clemens von Romca. 50-100Rom
Unterdessen stand Petrus beim Hahnenschrei auf und wollte uns wecken, fand uns aber schon wach, da die Abendlampe noch immer brannte. Nachdem er uns wie gewohnt begrüßt hatte und wir uns alle wieder gesetzt hatten, begann er so: „Nichts ist schwerer, meine Brüder, als vor einer bunt gemischten Menschenmenge über die Wahrheit zu streiten! Denn wie sie wirklich ist, darf nicht jedem gesagt werden, wegen derer, die böswillig und hinterlistig zuhören; zu täuschen aber ist nützlich wegen derer, die die Wahrheit aufrichtig hören wollen. Was soll also der tun, der zu einem ungeschiedenen Volk spricht? Soll er die Wahrheit verbergen? Und wie soll er dann die unterweisen, die würdig sind? Wenn er aber denen, die das Heil nicht erlangen wollen, die reine Wahrheit präsentiert, tut er dem Unrecht, von dem er gesandt wurde und von dem er den Auftrag erhielt: „Wirf die Perlen seiner Worte nicht vor die Schweine und Hunde!“ Diese nämlich wehren sich mit Argumenten und Scheinargumenten dagegen, wälzen sie im Schlamm der fleischlichen Erkenntnis und zerreißen und zermürben die Prediger des Wortes Gottes mit ihrem Bellen und ihren schmutzigen Antworten! Deshalb habe auch ich oft versucht, in Umschreibungen zu reden, um die grundlegende Erkenntnis über die höchste Gottheit nicht vor unwürdigeren Ohren auszubreiten.“ Und danach begann er beim Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist und legte es uns derart kurz und unmissverständlich dar, dass wir Zuhörer uns alle wunderten, wie die Menschen die Wahrheit verlassen und sich der Nichtigkeit zuwenden konnten.
Erkenntnisse, Buch 3, Kapitel 1
Clemens von Romca. 50-100Rom
Doch da das Volk dem, was aufrichtig vorgetragen wurde, bereitwillig zustimmte und die schlichte Rede annahm, fingen jene, die sich selbst für gebildet hielten oder Philosophen waren, an, den Mann zu verspotten und zu verachten und Fangstricke aus Syllogismen wie gewaltige Waffen gegen ihn aufzufahren. Er aber ließ sich nicht einschüchtern, tat ihre Spitzfindigkeiten als das Gestammel von Irren ab und hielt sie nicht einmal einer Antwort für würdig, sondern führte furchtlos fort, was er begonnen hatte.
Erkenntnisse, Buch 1, Kapitel 8
Clemens von Romca. 50-100Rom
Völlig zu Recht hat der allmächtige Gott seinen Willen vor euch verborgen! Er hat vorausgesehen, dass ihr unwürdig seid, ihn zu erkennen. Das ist für jeden, der noch halbwegs bei Verstand ist, offensichtlich an dem zu sehen, was ihr hier treibt. Ihr seht doch, dass Prediger des göttlichen Willens angekommen sind. Aber weil ihre Sprache nicht mit grammatikalischer Kunst prahlt, sondern sie euch die göttlichen Befehle in schlichten und ungeschliffenen Worten überbringen – damit jeder Zuhörer folgen und verstehen kann –, lacht ihr über die Diener und Boten eures eigenen Heils! Ihr habt keine Ahnung! Es ist eure eigene Verurteilung – die ihr euch für so erfahren und eloquent haltet –, dass die Erkenntnis der Wahrheit bei Bauern und Barbaren zu finden ist. Wenn diese Wahrheit zu euch kommt, wird sie nicht einmal wie ein Gast aufgenommen. Dabei müsste sie eigentlich Bürgerin und Einheimische bei euch sein, wenn euch nicht eure Maßlosigkeit und Begierde im Weg stünden! Daran seid ihr überführt: Ihr seid keine Freunde der Wahrheit und keine Philosophen, sondern Prahler und Schwätzer! Ihr glaubt, die Wahrheit wohne nicht in schlichten Worten, sondern in verschlagenen und schlauen Floskeln. Ihr spuckt unzählige Worte aus, die nicht einmal den Wert eines einzigen wahren Wortes aufwiegen.
Erkenntnisse, Buch 1, Kapitel 9
Clemens von Romca. 50-100Rom
Denn auch wenn es so wirkt, als würde ich besiegt werden, heißt das noch lange nicht, dass das, was uns der wahre Prophet übergeben hat, schwach ist! Dennoch hoffe ich, dass wir in den Disputen nicht unterlegen sind – vorausgesetzt, die Zuhörer sind vernünftig und Freunde der Wahrheit. Sie müssen fähig sein, zwischen der echten Kraft der Worte und ihrem schönen Schein zu unterscheiden. Sie müssen erkennen, welche Rede aus sophistischer Kunst stammt und die Wahrheit nicht enthält, sondern nur ein Abbild der Wahrheit vorgaukelt – und welche Rede schlicht und ohne Schminke vorgetragen wird und ihre ganze Wucht nicht im schönen Schein und Zierde hat, sondern in der Wahrheit und Vernunft besitzt.
Erkenntnisse, Buch 1, Kapitel 17
Clemens von Romca. 50-100Rom
Daraufhin sagte ich: „Ich danke dem allmächtigen Gott! Denn jetzt bin ich genau so unterwiesen, wie ich es mir gewünscht habe. Du kannst dir meinetwegen absolut sicher sein: Es ist völlig ausgeschlossen, dass ich an den Dingen zweifle, die ich von dir gelernt habe. Selbst wenn du persönlich irgendwann versuchen würdest, mich von meinem Glauben an den wahren Propheten wegzureißen – du hättest absolut keine Chance! So tief und mit vollem Geist habe ich das in mich aufgesogen, was du mir übergeben hast. Und denk bloß nicht, ich würde hier den Mund zu voll nehmen, wenn ich behaupte, dass ich mich von diesem Glauben nicht mehr abbringen lasse. Für mich steht fest: Jeder Mensch, der diese Vernunftgründe über den wahren Propheten annimmt, kann an der Wahrheit unmöglich noch zweifeln. Deshalb setze ich mein ganzes Vertrauen auf diese göttliche Lehre, die direkt vom Himmel festgelegt wurde. In ihr wird jede bösartige List besiegt. Denn gegen die Prophetie kann keine Kunst bestehen, auch nicht die Gerissenheit von sophistischen Wortklaubereien und logischen Spitzfindigkeiten. Wer vom wahren Propheten hört, den muss sofort das Verlangen nach der Wahrheit selbst packen! Er wird sich nicht länger diversen Irrtümern ausliefern, nur unter dem Vorwand, er müsse die Wahrheit erst noch suchen. Deswegen, mein Herr Petrus, hör auf, dir Sorgen zu machen! Tu nicht so, als hättest du es mit einem zu tun, der nicht weiß, was er empfangen hat, oder der nicht kapiert, welch gewaltiges Geschenk ihm anvertraut wurde. Sei dir gewiss: Du hast deine Gnade einem gegeben, der Bescheid weiß und versteht. Ich lasse mich nicht leicht täuschen, denn was ich so lange ersehnt habe, scheine ich jetzt blitzschnell erlangt zu haben. Es kann nämlich passieren, dass der eine, der sucht, schnell ans Ziel kommt, während der andere selbst nach langer Zeit nicht das erreicht, was er begehrt.“
Erkenntnisse, Buch 1, Kapitel 18
Clemens von Romca. 50-100Rom
erhob sich Petrus und begann folgendermaßen zu sprechen: „Für mich ist es zutiefst erstaunlich, dass Menschen Dinge, die leicht herauszufinden sind, durch verworrene Gedanken und Worte derart verkomplizieren! Und das tun gerade diejenigen, die sich für weise halten und den Willen Gottes begreifen wollen. Sie behandeln Gott, als wäre er ein Mensch – ja, als wäre er etwas Geringeres als ein Mensch! Denn niemand kann die Absicht oder den Geist eines Menschen kennen, wenn dieser nicht selbst seine Gedanken offenbart. Ebenso wenig kann irgendjemand einen Beruf erlernen, wenn er nicht lange Zeit von einem Meister unterwiesen wird.
Erkenntnisse, Buch 8, Kapitel 58
Clemens von Romca. 50-100Rom
Lasst uns daher das Werk der göttlichen Vorsehung sorgfältig betrachten. Während nämlich die Philosophen spitzfindige und schwierige Worte eingeführt haben, sodass nicht einmal die Begriffe, die sie in ihren Reden verwenden, von allen gekannt und verstanden werden können, hat Gott gezeigt, dass diese vermeintlichen Wortschmiede im Hinblick auf die Erkenntnis der Wahrheit völlig unfähig sind. Denn die Erkenntnis der Dinge, die der wahre Prophet vermittelt, ist einfach, klar und kurz. Jene Männer aber, die auf Abwegen und durch die steinigen Hindernisse von Worten wandeln, haben davon absolut keine Ahnung! Wenn also bescheidene und einfache Gemüter sehen, dass vorhergesagte Dinge eintreffen, dann reicht es ihnen voll und ganz aus, durch das sicherste Vorherwissen die sicherste Erkenntnis zu empfangen. Und für alles Weitere können sie in Frieden leben, da sie die klare Erkenntnis der Wahrheit erhalten haben.
Erkenntnisse, Buch 8, Kapitel 61
Clemens von Romca. 50-100Rom
Und Petrus sagte: „Wenn du an die wahre Quelle des Lichts glauben würdest, könnte ich dich führen und dir zeigen, was dieses Unermessliche ist und wie es existiert, und ich würde dir keine hohle Fantasie auftischen, sondern die folgerichtige und zwingende Begründung der Wahrheit liefern! Ich würde mich nicht auf spitzfindige Behauptungen stützen, sondern die Zeugnisse des Gesetzes und der Natur nutzen, damit du weißt, dass gerade das Gesetz den Glauben an die Unermesslichkeit in sich birgt.
Erkenntnisse, Buch 2, Kapitel 67
Justin der Märtyrerca. 150-165Rom
Und es sei euch, als mächtigen Herrschern, empfohlen, zu prüfen, ob wir diese Dinge wahrhaftig gelehrt wurden und auch selbst lehren. Kurze und prägnante Äußerungen fielen von Ihm, denn Er war kein Sophist, sondern Sein Wort war die Kraft Gottes.
1. Apologie, Kapitel 14
Theophilus von Antiochca. 170-185Antioch
Eine flüssige Zunge und ein eleganter Stil bereiten jämmerlichen Menschen, deren Verstand verdorben ist, Vergnügen und jenes Lob, an dem die eitle Ruhmsucht sich ergötzt. Der Liebhaber der Wahrheit achtet jedoch nicht auf geschmückte Reden, sondern prüft den wahren Inhalt der Rede – was sie ist und von welcher Art sie ist. Da du mich also, mein Freund, mit leeren Worten angegriffen hast und dich deiner Götter aus Holz und Stein rühmst – gehämmert und gegossen, geschnitzt und graviert, die weder sehen noch hören, denn sie sind Götzen und Werke von Menschenhänden; und da du mich überdies einen Christen nennst, als wäre dies ein verdammenswerter Name, bekenne ich für meinen Teil, dass ich ein Christ bin, und trage diesen von Gott geliebten Namen in der Hoffnung, Gott nützlich zu sein. Denn es ist nicht so, wie du annimmst, dass der Name Gottes schwer zu ertragen wäre; vielmehr hegst du diese Meinung über Gott wahrscheinlich deshalb, weil du Ihm selbst noch nicht nützlich bist.
An Autolycus, Buch 1, Kapitel 1
Theophilus von Antiochca. 170-185Antioch
Und die Äußerungen der Philosophen, Schriftsteller und Dichter haben aufgrund der Schönheit ihrer Ausdrucksweise den Anschein von Glaubwürdigkeit; doch ihre Rede erweist sich als dumm und untätig, weil die Menge ihrer unsinnigen Frevel sehr groß ist und nicht ein einziger Krümel Wahrheit in ihnen zu finden ist. Denn selbst wenn sie scheinbar irgendeine Wahrheit geäußert haben, ist sie mit Irrtum vermischt. Und so wie ein giftiges Rauschgift, wenn es mit Honig oder Wein oder etwas anderem vermischt wird, die gesamte Mischung schädlich und nutzlos macht, so erweist sich auch die Eloquenz in ihrem Fall als vergebliche Liebesmüh; ja vielmehr als eine schädliche Sache für diejenigen, die ihr Glauben schenken.
An Autolycus, Buch 2, Kapitel 12
Irenäus von Lyonca. 175-200Lyon
So der Wahrheit entfremdet, wälzen sie sich verdientermaßen in allem Irrtum, werden von ihm hin und her geworfen, denken zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich über dieselben Dinge und erlangen niemals ein fundiertes Wissen, da sie mehr darauf bedacht sind, Sophisten der Worte zu sein als Jünger der Wahrheit.
Gegen die Häresien, Buch 3, Kapitel 24
Irenäus von Lyonca. 175-200Lyon
Wahre Erkenntnis besteht also im Verständnis Christi, was Paulus als die in einem Geheimnis verborgene Weisheit Gottes bezeichnet, die der natürliche Mensch nicht empfängt, nämlich die Lehre vom Kreuz. Wenn jemand davon kostet, wird er sich nicht den Disputationen und Haarspaltereien stolzer und aufgeblasener Männer anschließen, die sich in Dinge einmischen, von denen sie keine Wahrnehmung haben. Denn die Wahrheit ist unkompliziert; und das Wort ist dir nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen, wie derselbe Apostel erklärt, leicht verständlich für diejenigen, die gehorsam sind. Denn es macht uns Christus gleich, wenn wir die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden erfahren.
Fragmente aus den verlorenen Schriften des Irenäus, Kapitel 36
Clemens von Alexandriaca. 190-211Alexandria
Wie vollkommen beifallswürdig sind doch diejenigen, die sowohl lernbereit als auch fähig sind, laut Salomo „Weisheit und Unterweisung zu erkennen, die Worte der Weisheit zu verstehen, knifflige Worte aufzunehmen und wahre Gerechtigkeit zu begreifen“ – wobei es noch eine andere Gerechtigkeit gibt, die nicht der Wahrheit entspricht, gelehrt von den griechischen Gesetzen und den restlichen Philosophen. „Und um Urteile zu lenken“, heißt es – nicht jene der Richterbank, sondern er meint, dass wir die Urteilskraft in uns gesund und fehlerfrei bewahren müssen –, „damit ich den Einfältigen Klugheit gebe, dem jungen Mann Sinn und Verstand.“ „Denn der Weise“, der überzeugt wurde, den Geboten zu gehorchen, „wird, wenn er diese Dinge hört, noch weiser werden“ durch Erkenntnis; und „der Einsichtige wird Herrschaft erlangen und wird ein Gleichnis und ein dunkles Wort verstehen, die Aussprüche und Rätsel der Weisen.“ Denn es sind keine unechten Worte, welche die von Gott Inspirierten und jene, die von ihnen gewonnen wurden, ins Feld führen! Noch sind es Fallstricke, in denen die meisten Sophisten die Jugend verfangen, während sie ihre Zeit mit absolut nichts Wahrem verschwenden. Diejenigen aber, die den Heiligen Geist besitzen, „erforschen die Tiefen Gottes“ – das heißt, sie erfassen das Geheimnis, das in den Prophezeiungen liegt. „Das Heilige den Hunden zu geben“, ist strengstens verboten, solange sie Bestien bleiben! Denn niemals dürfen jene, die neidisch, verwirrt und in ihrem Verhalten immer noch ungläubig sind, die schamlos bellen, wenn man forscht, in den göttlichen und klaren Strom des lebendigen Wassers eintauchen.
Stromata, Buch 2, Kapitel 2
Clemens von Alexandriaca. 190-211Alexandria
Es gibt eine große Menge von diesem Schlag: Einige von ihnen, den Vergnügungen versklavt und gewillt, ungläubig zu bleiben, lachen über die Wahrheit, die aller Ehrfurcht würdig ist, und verspotten ihre angebliche Barbarei. Andere überheben sich und versuchen, verleumderische Einwände gegen unsere Worte zu erfinden, indem sie spitzfindige Fragen liefern; sie sind Jäger nach armseligen Phrasen, Ausführende jämmerlicher Kunstgriffe, Streithähne, Feilscher um knifflige Punkte, wie jener Abderit sagt: „Denn die Zungen der Sterblichen sind glatt, und auf ihnen liegen viele Reden; und ein weites Feld für Worte aller Art ist hier und dort.“ Und: „Von welcher Art das Wort ist, das du gesprochen hast, von derselben Art musst du auch hören.“ Aufgeblasen durch diese, ihre Kunst, plappern die jämmerlichen Sophisten in ihrem eigenen Jargon drauflos. Sie schuften ihr ganzes Leben lang an der Kategorisierung von Namen und der Natur der Zusammensetzung und Verbindung von Sätzen und erweisen sich als schlimmere Schwätzer als Turteltauben. Sie kratzen und kitzeln, meiner Meinung nach auf zutiefst unmännliche Weise, die Ohren derer, die gekitzelt werden wollen. „Ein Fluss von dummen Worten – nicht bloß ein Tropfen;“ genau wie bei alten Schuhen, wenn der ganze Rest abgenutzt ist und in Stücke fällt und nur noch die Zunge übrig bleibt. Der Athener Solon drückt es vortrefflich aus und schreibt: „Schaut auf die Zunge und auf die Worte des Heuchlers, aber ihr seht kein einziges Werk, das vollbracht wurde; jeder von euch wandelt in den Fußstapfen eines Fuchses, und in euch allen herrscht ein leerer Verstand.“ Dies, so denke ich, wird durch die Äußerung des Erlösers angedeutet: „Die Füchse haben Höhlen, aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ Denn einzig auf dem Gläubigen, der völlig von den Übrigen getrennt ist, die von der Schrift als wilde Tiere bezeichnet werden, ruht das Haupt des Universums, das gütige und sanfte Wort, „das die Weisen in ihrer eigenen List fängt.“ „Denn der Herr kennt die Gedanken der Weisen, dass sie nichtig sind“; wobei die Schrift jene Weisen (σοφούς) nennt, die in Worten und Künsten geschult sind, nämlich Sophisten (σοφιστάς). Daher wandten die Griechen die Bezeichnung der Weisen und Sophisten (σοφοί, σοφισταί) auch auf diejenigen an, die in irgendetwas bewandert waren. Kratinos sagte dementsprechend, als er in den Archilochoi die Dichter aufzählte: „Einen solchen Schwarm von Sophisten habt ihr gemustert.“ Und ähnlich sagt Iophon, der Komödiendichter, in Flöte spielende Satyrn: „Denn es trat ein, eine Schar von Sophisten, voll ausgerüstet.“ Über diese und ihresgleichen, die ihre Aufmerksamkeit leeren Worten widmen, sagt die göttliche Schrift höchst vortrefflich: „Ich werde die Weisheit der Weisen vernichten und den Verstand der Klugen zunichtemachen.“
Stromata, Buch 1, Kapitel 3
Clemens von Alexandriaca. 190-211Alexandria
Aber so wie wir sagen, dass ein Mensch auch ohne Gelehrsamkeit ein Gläubiger sein kann, so behaupten wir ebenso, dass es für einen Menschen ohne Gelehrsamkeit unmöglich ist, die Dinge zu erfassen, die im Glauben verkündet werden. Doch das gut Gesagte anzunehmen und das Gegenteilige abzuweisen, wird nicht allein durch den Glauben bewirkt, sondern durch den Glauben in Verbindung mit Erkenntnis. Wenn aber Unwissenheit ein Mangel an Übung und Unterweisung ist, dann bringt Lehre die Erkenntnis göttlicher und menschlicher Dinge hervor. Doch so wie es möglich ist, im Mangel an den Gütern dieser Welt rechtschaffen zu leben, so ist dies auch im Überfluss möglich. Und wir bekennen, dass man durch vorherige Schulung zugleich leichter und schneller zur Tugend gelangt. Sie ist zwar auch ohne Schulung nicht unerreichbar, aber sie ist nur dann in Fülle erreichbar, wenn man gelernt und „seine Sinne geübt“ hat. „Hass“, sagt Salomo, „erregt Streit, aber die Unterweisung hütet die Wege des Lebens“, sodass wir nicht von denen getäuscht oder in die Irre geführt werden, die in niederen Künsten geübt sind, um die Zuhörer zu schädigen. „Aber die Unterweisung wandelt tadellos“, heißt es. Wir müssen mit der Kunst des logischen Denkens vertraut sein, um die trügerischen Meinungen der Sophisten zu widerlegen.
Stromata, Buch 1, Kapitel 6
Clemens von Alexandriaca. 190-211Alexandria
So bewahrt er, da er großmütig ist und durch die Erkenntnis das Wertvollste und Beste von allem besitzt, da er sich rasch der Kontemplation widmet, in seiner Seele die beständige Wirkkraft der Objekte seiner Kontemplation, das heißt: die durchdringende Schärfe der Erkenntnis. Er strebt mit aller Macht danach, sich diese Kraft anzueignen, indem er die Herrschaft über all jene Einflüsse erlangt, die gegen den Verstand Krieg führen; indem er sich ohne Unterlass der geistigen Betrachtung hingibt, indem er sich in der Enthaltsamkeit von Begierden und in der Aufrichtigkeit all seines Tuns schult. Ausgestattet mit großer Erfahrung sowohl im Studium als auch im Leben, besitzt er zudem Freimut in der Rede – nicht die Macht einer plappernden Zunge, sondern eine Macht, die sich einer klaren Sprache bedient und die weder aus Gefälligkeit noch aus Furcht auch nur irgendetwas von dem verschweigt, was zur passenden Zeit, in der es unbedingt gesagt werden muss, würdig ausgesprochen werden kann. Da er also die Dinge Gottes vom mystischen Chor der Wahrheit selbst empfangen hat, gebraucht er eine Sprache, die die Größe der Tugend ihrem wahren Wert entsprechend eindringlich hervorhebt; und er zeigt deren Früchte mit einer vom Geist inspirierten Erhabenheit des Gebets, da er, soweit es überhaupt möglich ist, in wahrer Erkenntnis mit den intellektuellen und geistlichen Dingen verbunden ist.
Stromata, Buch 7, Kapitel 7
Clemens von Alexandriaca. 190-211Alexandria
Diejenigen, die eine Lehre der moralischen Gleichgültigkeit einschleppen, tun einigen wenigen Schriftstellen Gewalt an in dem Glauben, diese würden ihre eigene Liebe zur Vergnügungssucht stützen; insbesondere der Stelle: „Die Sünde wird keine Macht über euch haben; denn ihr seid nicht der Sünde unterworfen, sondern der Gnade.“ Es gibt noch andere solcher Stellen, aber es gibt keinen guten Grund, sie für diese Zwecke hier aufzuführen, denn ich rüste schließlich kein Piratenschiff aus! Lasst mich ihren Versuch rasch durchkreuzen. Der bewundernswerte Apostel höchstpersönlich wird ihre Behauptung mit den Worten widerlegen, mit denen er das vorherige Zitat fortsetzt: „Wie nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade stehen? Das sei ferne!“ Mit diesen inspirierten, prophetischen Worten zerschlägt er mit einem einzigen Schlag die sophistische Kunstfertigkeit, die im Dienst der Lust steht.
Stromata, Buch 3, Kapitel 8
Clemens von Alexandriaca. 190-211Alexandria
Die Kunst der Sophistik jedoch, welche die Griechen pflegten, ist eine fantastische Macht, die falsche Meinungen durch Worte wie wahr erscheinen lässt. Denn sie bringt die Rhetorik zum Zweck der Überredung hervor, und die Disputation zum Zweck der Zankerei. Wenn diese Künste also nicht mit der echten Philosophie verbunden sind, werden sie für jeden schädlich sein. Denn Platon nannte die Sophistik ganz offen „eine böse Kunst“. Und Aristoteles, der ihm darin folgt, entlarvt sie als eine unehrliche Kunst, die auf fadenscheinige Weise das gesamte Geschäft der Weisheit an sich reißt und eine Weisheit beansprucht, die sie gar nicht studiert hat. Um es kurz zu machen: So wie der Anfang der Rhetorik das Wahrscheinliche ist, ihr Prozess ein versuchter Beweis und ihr Ziel die Überredung, so ist der Anfang der Disputation das, was auf reiner Meinung beruht, ihr Prozess ein Wettstreit und ihr Ziel der Sieg. Auf dieselbe Weise ist der Anfang der Sophistik das bloß Scheinbare, und ihr Prozess ist zweifach: Der eine Teil ist rhetorisch, fortlaufend und ausschweifend; der andere logisch und fragend. Ihr Ziel aber ist bloße Bewunderung. Die in den Schulen beliebte Dialektik hingegen ist die Übung eines Philosophen in Meinungsfragen, einzig um der Fähigkeit des Disputierens willen. Aber die Wahrheit ist in all diesen Dingen absolut nicht zu finden. Mit gutem Grund sagt daher der edle Apostel, der diese überflüssigen, auf bloße Worte fixierten Künste geringschätzt: „Wenn jemand den gesunden Worten nicht zustimmt, sondern von irgendeiner Lehre aufgeblasen ist und nichts weiß, sondern krank (νοσῶν) ist an Streitfragen und Wortgefechten, aus denen Neid, Zank, Lästerungen, böse Verdächtigungen und ständige Reibereien von Menschen mit verdorbenem Verstand entstehen, die der Wahrheit beraubt sind.“ Du siehst, wie sehr er sich gegen sie wendet, indem er ihre Kunst der Logik – auf die sich diejenigen, denen diese schwatzhafte, schädliche Kunst teuer ist, ob Griechen oder Barbaren, so sehr etwas einbilden – schlicht als eine Krankheit bezeichnet.
Stromata, Buch 1, Kapitel 8
Clemens von Alexandriaca. 190-211Alexandria
Nun rief David: „Der Gerechte wird in Ewigkeit nicht erschüttert werden“; folglich auch nicht durch trügerische Rede oder durch in die Irre führende Lust! Daher wird er niemals aus seinem eigenen Erbe erschüttert werden. „Er wird sich nicht vor bösen Nachrichten fürchten“; folglich auch nicht vor unbegründeter Verleumdung oder vor den falschen Meinungen um ihn herum. Er wird sich nicht mehr vor listigen Worten fürchten, da er fähig ist, sie zu durchschauen oder richtig auf gestellte Fragen zu antworten. Ein derartiges Bollwerk ist die Dialektik, dass die Wahrheit von den Sophisten nicht mit Füßen getreten werden kann! Denn es gehört sich für diejenigen, die im heiligen Namen des Herrn preisen, so der Prophet, „sich im Herzen zu freuen, wenn sie den Herrn suchen. Sucht also Ihn und seid stark. Sucht sein Angesicht beständig auf jedem Weg.“ „Da Er nun zu verschiedenen Zeiten und auf vielerlei Weise gesprochen hat“, wird Er nicht nur auf eine einzige Weise erkannt.
Stromata, Buch 6, Kapitel 10
Clemens von Alexandriaca. 190-211Alexandria
Gerechtigkeit kommt folglich nicht ohne Diskurs zustande. Und so wie der Empfang von Gutem zunichte gemacht wird, wenn wir das Tun des Guten abschaffen, so werden Gehorsam und Glaube zunichte gemacht, wenn weder das Gebot noch jemand, der das Gebot auslegt, bei uns ist. Doch nun profitieren wir gegenseitig und wechselseitig durch Worte und Taten! Aber wir müssen die Kunst der Streitsucht und Sophistik restlos und völlig verwerfen, da diese Phrasen der Sophisten die Massen nicht nur verhexen und betören, sondern manchmal mit bloßer Gewalt einen Pyrrhussieg erzwingen! Denn wahrer als alles andere ist jener Psalm: „Der Gerechte wird bis ans Ende leben, denn er wird die Verwesung nicht sehen, wenn er erblickt, wie die Weisen sterben.“ Und wen nennt er weise? Höre auf die Weisheit des Jesus Sirach: „Weisheit ist nicht die Erkenntnis des Bösen.“ So nennt er das, was die Künste des Redens und Debattierens erfunden haben. „Du wirst also Weisheit bei den Gottlosen suchen und sie nicht finden.“ Und wenn du wiederum fragst, von welcher Art diese ist, wird dir gesagt: „Der Mund des gerechten Mannes wird Weisheit hervorbringen.“ Und in ähnlicher Weise wird in Bezug auf die Wahrheit die Kunst der Sophisterei als Weisheit bezeichnet.
Stromata, Buch 1, Kapitel 10
Tertullianca. 195-220Karthago
Wollte Gott, dass niemals Häresien notwendig gewesen wären, damit die Bewährten offenbar werden! Wir wären dann niemals gezwungen, unsere Kräfte in Debatten über die Seele mit Philosophen zu messen – diesen Patriarchen der Häretiker, wie man sie zu Recht nennen darf! Der Apostel sah tatsächlich schon zu seiner Zeit voraus, dass die Philosophie der Wahrheit gewaltsamen Schaden zufügen würde. Diese Ermahnung bezüglich falscher Philosophie fühlte er sich genötigt auszusprechen, nachdem er in Athen gewesen war, diese geschwätzige Stadt kennengelernt und dort einen Vorgeschmack auf ihre hausierenden Besserwisser und Schwätzer bekommen hatte. Auf gleiche Weise verhält es sich mit der Behandlung der Seele gemäß den sophistischen Lehren von Menschen, die ihren Wein mit Wasser mischen. Einige von ihnen leugnen die Unsterblichkeit der Seele; andere behaupten, sie sei unsterblich und noch etwas mehr. Einige entfachen Streitigkeiten über ihre Substanz; andere über ihre Form; wieder andere hinsichtlich jeder ihrer einzelnen Fähigkeiten. Die eine Philosophenschule leitet ihren Zustand aus verschiedenen Quellen ab, während eine andere ihr Scheiden unterschiedlichen Bestimmungsorten zuschreibt. Die verschiedenen Schulen spiegeln den Charakter ihrer Meister wider, je nachdem, ob sie ihre Eindrücke von der Würde Platons, der Kraft Zenos, dem Gleichmut Aristoteles', der Dummheit Epikurs, der Traurigkeit Heraklits oder dem Wahnsinn des Empedokles empfangen haben. Der Fehler der göttlichen Lehre liegt wohl darin, dass sie aus Judäa anstatt aus Griechenland stammt! Christus hat ebenfalls einen Fehler gemacht, als Er Fischer aussandte, um zu predigen, anstatt den Sophisten!
Über die Seele, Kapitel 3
Tertullianca. 195-220Karthago
Unglücklicher Aristoteles! Der diesen Menschen die Dialektik erfand, die Kunst des Aufbaus und Abbaus; eine Kunst, die in ihren Thesen so ausweichend, in ihren Vermutungen so weit hergeholt, in ihren Argumenten so hart und so streitbar ist – die sich selbst sogar in Verlegenheit bringt, alles zurücknimmt und wirklich von nichts handelt! Woher stammen die „Fabeln und endlosen Geschlechterverzeichnisse“ und „unnütze Fragen“? Aus all diesen Dingen, wenn der Apostel uns zurückhalten möchte, nennt er ausdrücklich die Philosophie als das, wovor wir uns hüten sollen.
Verschreibung gegen Häretiker, Kapitel 7
Tertullianca. 195-220Karthago
Ebenso stellte jene andere Art der Magie, die durch Wunder wirkt und selbst im Widerstand gegen Mose wetteiferte, die Geduld Gottes bis zum Evangelium auf die Probe. Denn von da an wurde Simon Magus, der gerade erst gläubig geworden war (da er immer noch ein wenig an seine gauklerische Sekte dachte; nämlich daran, dass er unter den Wundern seines Berufsstandes sogar die Gabe des Heiligen Geistes durch Handauflegung kaufen könnte), von den Aposteln verflucht und aus dem Glauben ausgestoßen. Sowohl er als auch jener andere Magier, der bei Sergius Paulus war, wurden (da er anfing, sich denselben Aposteln zu widersetzen) mit dem Verlust der Augen bestraft. Dasselbe Schicksal hätte, glaube ich, auch die Astrologen ereilt, wenn irgendeiner von ihnen den Aposteln in die Quere gekommen wäre. Doch wenn die Magie bestraft wird, von der die Astrologie eine Unterart ist, dann ist diese Unterart selbstverständlich bereits mit der übergeordneten Gattung verurteilt! Nach dem Evangelium wirst du nirgendwo mehr Sophisten, Chaldäer, Beschwörer, Wahrsager oder Magier finden, außer als eindeutig Bestrafte. Wo ist der Weise, wo der Schriftgelehrte, wo der Wortstreiter dieses Zeitalters? Hat Gott nicht die Weisheit dieser Welt dumm gemacht? Du weißt gar nichts, Astrologe, wenn du nicht weißt, dass du ein Christ sein solltest! Wenn du es wüsstest, hättest du auch wissen müssen, dass du nichts mehr mit diesem deinem Beruf zu tun haben solltest, der von sich aus die Krisenjahre anderer vorhersingt und dich über seine eigene Gefahr belehren könnte. Du hast weder Anteil noch Los an diesem deinem System. Derjenige kann nicht auf das Himmelreich hoffen, dessen Finger oder Zauberstab den Himmel missbraucht!
Über den Götzendienst, Kapitel 9
Tertullianca. 195-220Karthago
Die Jünger waren hungrig gewesen; an jenem Sabbattag hatten sie einige Ähren gepflückt und sie in ihren Händen zerrieben; indem sie auf diese Weise ihre Nahrung zubereiteten, hatten sie den heiligen Tag verletzt. Christus entschuldigt sie und wurde ihr Komplize beim Brechen des Sabbats. Die Pharisäer erheben die Anklage gegen Ihn. Marcion interpretiert die Phasen dieser Kontroverse sophistisch (wenn ich die Wahrheit meines Herrn zu Hilfe rufen darf, um seine Künste der Lächerlichkeit preiszugeben!).
Gegen Marcion, Buch 4, Kapitel 12
Tertullianca. 195-220Karthago
Wir bekennen jedoch, dass die prophetische Erklärung Simeons erfüllt ist, die er über den neugeborenen Erlöser sprach: Siehe, dieses Kind ist gesetzt zum Fall und zum Auferstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird. Das Zeichen (das hier gemeint ist) ist jenes der Geburt Christi, gemäß Jesaja: Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären. Wir entdecken also, was das Zeichen ist, dem widersprochen werden soll – die Empfängnis und die Niederkunft der Jungfrau Maria, über die diese Sophisten sagen: „Sie gebar als Jungfrau und doch als Nicht-Jungfrau, und doch gebar sie nicht“; ganz so, als ob eine derartige Sprache, wenn sie denn überhaupt geäußert werden muss, nicht viel eher für uns selbst passend wäre, sie zu gebrauchen! Denn sie gebar, weil sie Nachwuchs aus ihrem eigenen Fleisch hervorbrachte, und doch gebar sie nicht, da sie Ihn nicht aus dem Samen eines Ehemannes hervorbrachte; sie war eine Jungfrau, was die (Enthaltsamkeit von einem) Ehemann anging, und doch keine Jungfrau im Hinblick auf ihr Gebären eines Kindes.
Über das Fleisch Christi, Kapitel 23
Origenesca. 215-253Alexandria, Cäsarea Maritima
Wir behaupten nun Folgendes: Wenn es das Ziel der Botschafter der Wahrheit ist, der größtmöglichen Zahl von Menschen Gutes zu tun und aus lauter Menschenliebe absolut jeden ohne Ausnahme – die Intelligenten wie auch die Einfältigen, nicht nur Griechen, sondern auch Barbaren – soweit wie möglich auf ihre Seite zu ziehen (und wahrlich großartig ist die Menschlichkeit, der es gelingt, den Bauern und den Unwissenden zu bekehren!), dann ist völlig offensichtlich, dass sie einen Sprachstil wählen müssen, der fähig ist, allen Gutes zu tun und Menschen jeder Art zu gewinnen. Diejenigen hingegen, die sich von den Unwissenden abwenden, als seien sie bloße Sklaven und ohnehin unfähig, die fließenden Sätze eines geschliffenen und logischen Diskurses zu begreifen, und die deshalb ihre Aufmerksamkeit einzig und allein denjenigen widmen, die mit literarischen Studien aufgewachsen sind – solche Leute sperren ihre Vorstellung vom Gemeinwohl in extrem enge und beschränkte Grenzen!
Gegen Celsus, Buch 6, Kapitel 1
Origenesca. 215-253Alexandria, Cäsarea Maritima
Singt dem Herrn mit der Harfe, mit der Harfe und der Stimme des Psalmengesangs, mit getriebenen Metalltrompeten und dem Klang des Widderhorns. „Gott wurde erhöht, das Horn seines Gesalbten“, sagt die Mutter Samuels, Hanna. Von diesem Horn stammt also die Horntrompete, mit der wir singen. Es gibt auch andere getriebene Metalltrompeten, geschmiedet aus dem Silber des Wortes. Jene, die das Wort der Wahrheit brillant und auf vielfältige Weise verkünden, blasen die getriebenen Trompeten; aber jene, die fähig sind, in die Schlacht gegen Sophismen und trügerische Argumente zu ziehen, blasen die Horntrompeten – denn das Horn ist eine gewaltige Verteidigung für die, die es besitzen! Wenn also jemand mächtig und passend in seinen Zurechtweisungen die Horntrompete bläst, dann erkenne: Der Ausleger der göttlichen Unterweisung nutzt die getriebene Trompete, wenn er Worte auf lehrende und beweisende Weise hervorbringt; aber er greift zur Horntrompete, wenn er diejenigen zum Schweigen bringt, die der Wahrheit widersprechen! Die Horntrompete ist das absolute Symbol des Sieges. Denn die Hebräer bliesen die Horntrompete, als sie im Kampf siegreich waren; so blies auch Joab die Horntrompete, als er Absalom besiegte. Wer also mit dem Apostel sagen kann: „Ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt“, dieser hat denjenigen besiegt, der danach trachtete, das Königreich unseres Christus David an sich zu reißen, und er hat die Horntrompete geblasen!
Fragmente zu den Psalmen, Kapitel 1
Origenesca. 215-253Alexandria, Cäsarea Maritima
Diese Bemerkungen habe ich als Antwort auf die Vorwürfe gemacht, die Celsus und andere gegen die Einfachheit der Sprache der Schrift erheben – eine Einfachheit, die scheinbar vom Glanz geschliffener Rhetorik in den Schatten gestellt wird. Doch unsere Propheten, Jesus selbst und seine Apostel achteten sorgfältig darauf, einen Sprachstil zu wählen, der nicht einfach nur die Wahrheit vermittelt, sondern der exakt dafür geeignet war, die breite Masse zu gewinnen! Und das so lange, bis jeder Einzelne, angezogen und vorwärtsgeführt, so weit wie ihm irgend möglich zu dem Begreifen jener Geheimnisse aufsteigt, die in genau diesen scheinbar einfachen Worten verborgen liegen.
Gegen Celsus, Buch 6, Kapitel 2
Origenesca. 215-253Alexandria, Cäsarea Maritima
„Ich danke Gott, dass ich niemanden von euch getauft habe ... denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkünden, nicht in der Weisheit der Rede, damit das Kreuz Christi nicht entleert werde.“ Das Evangelium zu verkünden, ist ein größeres Werk als zu taufen; und da Paulus wusste, dass einige speziell für das Taufen ausgesondert waren, dankt er dafür, dass er eine noch gewaltigere Berufung empfangen hat als jene der Taufe. In der Apostelgeschichte wird das Wirken bestimmter Apostel aufgezeigt – zum Beispiel taufte Philippus, aber der Geist wurde dem Getauften nicht durch Philippus vermittelt; vielmehr legte Petrus denen die Hände auf, die von ihm getauft worden waren, und der Geist kam über sie. So taufte Philippus jene, die aus Wasser und Heiligem Geist wiedergeboren wurden, nur mit Wasser, Petrus aber taufte mit dem Geist! Es bedarf gar nicht so sehr der Worte, sondern der wahren Kraft; deshalb steht geschrieben: „Der Herr wird denen, die mit großer Macht die frohe Botschaft verkünden, ein Wort geben, der König der Mächte des Geliebten.“ Christus hat mich also nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu predigen – nicht mit der Weisheit der Rede, nicht mit der bloßen Brillanz des Ausdrucks; denn wenn ich dies tue und das Wort auf diese Weise übermitteln will, erreicht die Kraft Christi die Seele der Zuhörer überhaupt nicht! Sie entleert sich und raubt der Gnade jede Kraft.
Kommentar zum 1. Korintherbrief, Kapitel 5
Origenesca. 215-253Alexandria, Cäsarea Maritima
Das zweischneidige Schwert, das aus dem Mund des Erlösers hervorgeht, ist seine Lehre, von der es im Evangelium heißt: „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“ Es wird zweischneidig genannt, weil es in beide Richtungen schneidet: Es durchtrennt die Werke der Bosheit und zugleich die falschen Lehren des Verstandes. Daher wird es völlig zu Recht auf jene in Pergamon angewandt, die in ihrer Mitte die Lehren des Propheten Bileam und der Nikolaiten dulden. Denn mit dem Wort muss Er die Sophistereien der Häretiker niederhauen und endgültig zerstören!
Kommentar zu Offenbarung, Kapitel 12
Origenesca. 215-253Alexandria, Cäsarea Maritima
Es steht geschrieben: „Der die Weisen in ihrer List fängt.“ Ich sage, es ist keine große Sache, wenn Gott als Gott die Weisen in ihrer List fängt, sondern in Paulus, der bezeugt: „Denn obwohl wir im Fleisch leben, führen wir keinen Krieg nach dem Fleisch; denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig durch Gott zur Zerstörung von Festungen, womit wir Vernunftschlüsse zerstören und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt.“ Damit du dies noch klarer begreifst, sieh dir Paulus an, wie er Athen besucht und sich auf die einlässt, die ihm zufällig begegnen, sodass sogar bestimmte epikureische und stoische Philosophen mit ihm diskutierten; denn damals umzingelte er sie durch die Gnade Christi und entlarvte gnadenlos ihre Sophistereien! Ich bin überzeugt, dass hier genau diese Sophisten als die „Weisen“ bezeichnet werden – jene, die nichts als verworrene Sophistereien schwätzen, aber niemals die Wahrheit lehren!
Kommentar zum 1. Korintherbrief, Kapitel 16
Origenesca. 215-253Alexandria, Cäsarea Maritima
Was von Logikern ein untätiges Argument genannt wird – was ein Sophismus ist –, wird für Celsus zwar kein Sophismus sein, solange er sich dagegen wehren kann, aber nach gesundem Menschenverstand ist es eben doch ein Trugschluss. Um dies glasklar zu zeigen, nehme ich aus den Schriften die Vorhersagen bezüglich Judas, also das Vorherwissen unseres Retters über ihn als den Verräter; und aus den griechischen Überlieferungen das Orakel, das Laios gegeben wurde – wobei wir dessen Wahrheit für den Moment einfach zugestehen, da es unser Argument nicht beeinträchtigt. Nun wird in Psalm 108 Judas aus dem Mund des Retters mit Worten erwähnt, die wie folgt beginnen: …… „Daraus wird völlig klar, dass es in der Macht des Laios lag, nicht den Versuch zu unternehmen, Kinder zu zeugen. Denn das Orakel hätte niemals eine Unmöglichkeit befohlen! Ebenso lag es in seiner Macht, das genaue Gegenteil zu tun, sodass keiner von beiden Wegen ein unentrinnbarer Zwang war. Die Konsequenz daraus, dass er sich nicht davor hütete, Kinder zu zeugen, war eben jene, dass er genau durch diese Handlung die verheerenden Katastrophen erlitt, die in den Tragödien über Ödipus, Iokaste und ihre Söhne beschrieben werden. Das, was man das untätige Argument nennt – was reine Haarspalterei ist –, ist dergestalt, dass es etwa auf einen kranken Mann angewendet werden könnte, um ihn auf sophistische Weise davon abzuhalten, einen Arzt für seine Genesung aufzusuchen. Das klingt dann in etwa so: Wenn es vorherbestimmt ist, dass du von deiner Krankheit genesen sollst, wirst du genesen, ob du nun einen Arzt rufst oder nicht; ist es aber vorherbestimmt, dass du nicht genesen sollst, wirst du nicht genesen, ganz gleich, ob du einen Arzt rufst oder nicht. Aber es ist doch gewiss vorherbestimmt, ob du genesen sollst oder nicht; folglich ist es völlig sinnlos, einen Arzt zu rufen. Diesem Unfug lässt sich spöttisch Folgendes entgegenhalten: Wenn es vorherbestimmt ist, dass du Kinder zeugen sollst, wirst du sie zeugen, ob du nun mit einer Frau verkehrst oder nicht. Ist es aber vorherbestimmt, dass du keine Kinder zeugen sollst, wirst du es nicht tun, egal, ob du mit einer Frau verkehrst oder nicht. Aber es ist doch gewiss vorherbestimmt, ob du Kinder zeugen sollst oder nicht; folglich ist es völlig sinnlos, dass du mit einer Frau verkehrst! Denn genauso wie im letzteren Fall der Verkehr mit einer Frau nicht sinnlos ist – da es für denjenigen, der ihn nicht vollzieht, absolut unmöglich ist, Kinder zu zeugen –, so ist im ersteren Fall, wenn die Genesung von der Krankheit durch ärztliche Kunst erreicht werden soll, der Arzt zwingend herbeizurufen. Es ist schlichtweg falsch zu behaupten, dass man den Arzt vergeblich ruft. Wir haben all diese Veranschaulichungen nur wegen der Behauptung dieses ach so gelehrten Celsus angeführt, der meint, da Er als Gott diese Dinge vorhergesagt habe, müssten die Vorhersagen unweigerlich eintreffen.“
Gegen Celsus, Buch 2, Kapitel 20
Origenesca. 215-253Alexandria, Cäsarea Maritima
Und ich bin der festen Überzeugung, dass Jesus genau aus diesem Grund solche Personen als Lehrer seiner Lehren einsetzen wollte: Es durfte nicht den geringsten Grund geben, auch nur den Verdacht auf irgendeine scheinbar einleuchtende Sophistik zu schöpfen! Es sollte vielmehr jedem, der fähig war es zu begreifen, glasklar vor Augen stehen, dass die arglose Absicht der Schreiber – die sozusagen von größtmöglicher Einfachheit geprägt war – für würdig befunden wurde, von einer weitaus göttlicheren Macht begleitet zu werden. Und diese Macht vollbrachte weitaus mehr, als es durch rhetorischen Wortschwall, kunstvoll geflochtene Sätze und all die Finessen der griechischen Kunst jemals möglich geschienen hätte!
Gegen Celsus, Buch 3, Kapitel 39
Origenesca. 215-253Alexandria, Cäsarea Maritima
Wenn nun jemand behaupten wollte, dass Werke durch Zauberei vollbracht werden, sich aber weigert zuzugeben, dass es ebenso Werke gibt, die das Produkt göttlicher Macht sind, dann gleicht er für mich einem Mann, der zwar die Existenz von Sophismen und scheinbar einleuchtenden Argumenten zugibt – die die Wahrheit nur vortäuschen, sie in Wirklichkeit aber völlig untergraben –, der aber gleichzeitig leugnet, dass die Wahrheit überhaupt irgendwo unter den Menschen zu Hause ist oder dass es eine Dialektik gibt, die sich von reiner Sophistik unterscheidet.
Gegen Celsus, Buch 2, Kapitel 51
Origenesca. 215-253Alexandria, Cäsarea Maritima
Wir sagen: Da Weisheit die Erkenntnis göttlicher und menschlicher Dinge und ihrer Ursachen ist, oder, wie es durch das Wort Gottes definiert wird: „ein Hauch der göttlichen Kraft und ein reiner Ausfluss der Herrlichkeit des Allmächtigen; ein Abglanz des ewigen Lichts, ein unbefleckter Spiegel der göttlichen Kraft und das Bild seiner Güte“ – da dies so ist, würde niemand, der wahrhaft weise ist, das ablehnen, was ein Christ sagt, der mit den Prinzipien des Christentums vertraut ist. Er würde dadurch weder in die Irre geführt noch davon eingefangen werden. Denn wahre Weisheit führt nicht in die Irre; das tut nur die Unwissenheit! Unter allen existierenden Dingen hat allein die Erkenntnis Bestand sowie die Wahrheit, die aus der Weisheit stammt. Wenn du aber, völlig entgegen der wahren Definition von Weisheit, jeden Beliebigen, der mit sophistischen Ansichten dogmatisiert, als weise bezeichnest, dann antworten wir: Nach dem, was du Weisheit nennst, lehnt ein solcher Mann die Worte Gottes ab, weil er durch einleuchtende Sophismen in die Irre geführt und verstrickt wurde. Und da nach unserer Lehre die Weisheit nicht die Erkenntnis des Bösen ist, sondern die Erkenntnis des Bösen sozusagen in denen liegt, die an falschen Meinungen festhalten und von diesen getäuscht werden, würde ich das bei solchen Leuten vielmehr als absolute Unwissenheit und keinesfalls als Weisheit bezeichnen!
Gegen Celsus, Buch 3, Kapitel 72
Origenesca. 215-253Alexandria, Cäsarea Maritima
Der Zweck seines Kommens wurde in seinen Reden über die Seligpreisungen, in den darauf folgenden Ankündigungen, in den Gleichnissen und in seinen Gesprächen mit den Schriftgelehrten und Pharisäern in aller Ausführlichkeit dargelegt. Die Unterweisung, die uns das Johannesevangelium bietet, beweist, dass die Beredsamkeit von Jesus nicht aus bloßen Worten, sondern aus echten Taten bestand; zugleich wird aus den Berichten der Evangelien völlig offensichtlich, dass seine Rede mit Macht verbunden war, weshalb sie auch über ihn staunten.
Gegen Celsus, Buch 2, Kapitel 74
Gregor der Wundertäterca. 238-268Neocäsarea, Cäsarea Maritima
Um dieser Gnade willen lasst uns den Vater verherrlichen, der seinen eingeborenen Sohn gegeben hat für das Leben der Welt. Lasst uns den Heiligen Geist verherrlichen, der in uns wirkt, uns lebendig macht und die Gaben schenkt, die zur Gemeinschaft mit Gott passen; und wir wollen uns nicht durch leblose Streitreden am Wort des Evangeliums vergreifen, indem wir endlose Streitfragen und Wortgefechte verbreiten und aus dem sanften und einfachen Wort des Glaubens eine schwere Sache machen. Vielmehr lasst uns das Werk des Glaubens tun, den Frieden lieben, Eintracht zeigen, die Einheit bewahren und die Liebe pflegen, an der Gott Wohlgefallen hat.
12 Themen über den Glauben, Kapitel 12
Cyprian von Karthagoca. 246-258Karthago
Und doch, von welcher Art oder welchem Umfang ist das, was mein Verstand dem deinen überhaupt vermitteln könnte? Die ärmliche Mittelmäßigkeit meiner flachen Einsicht bringt nur eine stark begrenzte Ernte hervor und bereichert den Boden mit keinerlei fruchtbaren Ablagerungen. Dennoch will ich die Sache mit den Kräften angehen, die mir zur Verfügung stehen; denn das Thema selbst, über das ich sprechen werde, wird mir beistehen. Vor den Gerichtshöfen, in der öffentlichen Versammlung, in der politischen Debatte mag eine weitschweifige Beredsamkeit der Ruhm eines redegewandten Ehrgeizes sein; aber wenn man vom Herrn und Gott spricht, ringt eine reine Schlichtheit des Ausdrucks um die Überzeugung des Glaubens – und zwar vielmehr durch die unerschütterliche Substanz als durch die bloße Kraft der Beredsamkeit! Nimm daher von mir Dinge an, die nicht raffiniert, sondern gewichtig sind. Worte, die nicht herausgeputzt sind, um ein breites Publikum mit kultivierter Rhetorik zu bezaubern, sondern die einfach sind und sich in ihrer ungeschminkten Wahrhaftigkeit für die Verkündigung der göttlichen Barmherzigkeit eignen. Nimm an, was gefühlt wird, bevor es gesprochen wird; was nicht in jahrelanger, schleppender und mühseliger Kleinarbeit angehäuft, sondern in einem einzigen Atemzug reifender Gnade eingeatmet wurde!
Brief an Donatus (Brief 1)
Didymus der Blindeca. 350-398Alexandria
Obwohl es so viele und so klare Beweise gibt und die Schrift rät: „Lasst euch nicht von vielfältigen und fremden Lehren umhertreiben,“ und davor zu fliehen, was „leeres Geschwätz“ ist, legen die Häretiker, unfähig, ihre Religion aus den Schriften zu begründen, und wie Betrunkene ihre Argumente hier- und dorthin werfend, verschiedene Sophistereien vor, die sie mit bösem Geschick und viel Übung ersonnen haben. Darunter sind solche Dinge: „Sind dann alle Dinge“, sagen sie, „nicht von Gott?“
Über die Dreieinigkeit, Buch 1, Kapitel 9
Didymus der Blindeca. 350-398Alexandria
Nun betrachte mit Verstand: Wenn du je jemanden mit einer häretischen Ansicht sahst, der den Willen der Wahrheit stahl, und du in voller Übereinstimmung mit ihm liefst, und wenn du auch jenen zustimmtest, die versuchten, Ehebruch mit der Braut Christi zu begehen, indem sie kirchliche Seelen an sich zogen und sie nicht abwiesen – so hast du dein Teil mit den Ehebrechern gemein gemacht! Du wirst sagen, dass dieses Wort auf jene zutrifft, die behaupten, kirchlich zu sein, sich aber in Gemeinschaft mit Männern begeben, die es absolut nicht sind. „Dein Mund strömte über von Bosheit.“ Wer das Gute nicht kennt, aber Böses tut, sündigt weniger; wer aber sündigt, nachdem er das Gute vollauf erkannt hat, besitzt eine noch viel intensivere Bosheit. Daher gilt unweigerlich: „Der Knecht, der den Willen seines Herrn kannte und ihn nicht tat, wird mit vielen Schlägen bestraft werden.“ Es kann auch so verstanden werden: Da er den Bund Gottes mit seinem Mund aufnahm, sein Herz aber voller Sünde war, strömte sein Mund aus dem schieren Überfluss seines bösen Herzens vor Bosheit über, und er verdrehte mit seiner Zunge häretische Worte zu Sophismen und ersann Verrat. „Du saßest da und verleumdetest deinen Bruder, und du legtest einen Stolperstein vor den Sohn deiner Mutter.“ Was den wörtlichen Sinn betrifft, so kann „Bruder“ jemanden von demselben Vater und demselben Willen bedeuten, während „Sohn deiner Mutter“ jemanden meinen kann, der aus demselben Schoß geboren wurde, selbst wenn von einem anderen Vater. Wer sich seinen eigenen Brüdern gegenüber derartig verhält – wen um alles in der Welt kann er dann noch lieben?
Fragmente zu den Psalmen (PG 39, 98-99)
Didymus der Blindeca. 350-398Alexandria
Jene, die nach dem Gesetz opfern und deren verdorbenes Geschäft es ist, Kälber zu schlachten, werden selbst „Kälber“ genannt und umzingeln den Herrn in tiefster Feindschaft. Pontius Pilatus und alle anderen Machthaber streben als gewaltige Stiere mit Hörnern danach, ihn einzukesseln. Der Erlöser könnte diese Dinge auch bezüglich seines Leibes, der Kirche, sagen, da er sieht, wie Menschen, die auf dem Boden kriechen und in weltlichen Dingen arbeiten, seinen Leib feindselig umzingeln, wie es heißt: „Viele Stiere haben mich umringt.“ Und als er sah, wie die Herrscher – jene, die sich rühmen, die Weisheit dieses Zeitalters zu besitzen – seinen Leib einkreisten, wird er sagen: „Fette Stiere haben mich in die Zange genommen.“ Um ihre rasende Bosheit und ihre eifrige Bereitschaft, Leid zu verursachen, schonungslos zu schildern, sagt er: „Sie haben ihr Maul gegen mich aufgerissen wie ein brüllender Löwe, der Beute reißt.“ Denn ihr Maul wurde weit aufgerissen, um die Getäuschten zu packen, und ihre sophistische Rede war ihre gefährlichste Waffe!
Fragmente zu den Psalmen, Psalm 21 (PG 39, 48)
Didymus der Blindeca. 350-398Alexandria
Deshalb jubeln alle Seelen seiner Heiligen als Bräute, die in untrennbarer Einheit mit dem Wort Gottes verbunden sind – dem Bräutigam jeder vernunftbegabten Natur –, „auf ihren Lagern“. Die „Lobpreisungen Gottes“, die durch Hymnen und Theologie offenbart werden, befinden sich in den geistlichen Kehlen der Heiligen, die gemeinsam seinen glorreichen Namen erheben. Indem sie ihn in völliger Wahrheit preisen, verherrlichen und erheben sie ihn in die Höhe und halten „zweischneidige Schwerter in ihren Händen“ – nicht etwa, um Menschen abzuschlachten, sondern um sie bereitzuhalten, um „jeden Ungehorsam zu rächen“! Denn „die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig durch Gott“, wodurch sie jede streitsüchtige Festung niederreißen und „jedes stolze Argument, das sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt“. Und es ist überaus treffend gesagt, dass die Schwerter in ihren Händen zweischneidig sind, denn jedes Wort, das sie besitzen, ist zweischneidig, ganz nach dem lebendigen Wort Gottes, das „wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert“ ist. Daher schneiden jene, die die Worte der Wahrheit gebrauchen, nicht nur Lügen rigoros weg und vernichten ausufernde Sophistereien, sondern sie verwunden ihre Zuhörer auch mit einem brennenden Verlangen nach der unumstößlichen Wahrheit!
Fragmente zu den Psalmen (PG 39, 275)
Basilius der Großeca. 356-378Cäsarea
Unzählige Schüler haben ihre Zeit mit armseliger Rhetorik und der Entwirrung von Sophismen vergeudet, deren gesamte Substanz aus nichts als dem Falschen und Unwirklichen besteht! Selbst die Poesie verdankt ihre bloße Existenz ausschließlich ihren Mythen. Rhetorik würde ohne sprachliche List gar nicht erst existieren, und die Sophistik braucht zwingend ihre bodenlosen Trugschlüsse. Viele Menschen haben um dieser trügerischen Bestrebungen willen die Erkenntnis Gottes vollkommen verachtet und sind auf der ewigen Jagd nach dem Unwirklichen schlichtweg alt geworden!
Homilie 12
Gregor von Nazianzca. 362-390Nazianz, Konstantinopel, Cäsarea in Kappadokien, Seleukia, Sasima
Ich muss gegen Leute sprechen, die sich auf ihre Beredsamkeit etwas einbilden; um also mit einem Text der Schrift zu beginnen: „Siehe, ich bin gegen dich, du Stolzer“ – nicht nur in eurem Lehrsystem, sondern auch in eurem Hören und in eurer geistigen Haltung. Denn es gibt gewisse Leute, denen nicht nur „die Ohren“ und Zungen, sondern, wie ich nun feststelle, sogar die Hände nach unseren Worten jucken; die sich an gottlosem Geschwätz, an Widersprüchen der fälschlich so genannten Erkenntnis und an Wortstreitereien erfreuen, die zu keinem Nutzen führen; denn so nennt Paulus, der Prediger und Begründer des „kurzen Wortes“, der Schüler und Lehrer der Fischer, alles, was in der Rede maßlos oder überflüssig ist. Was aber jene betrifft, auf die wir uns beziehen: Wenn sie doch nur, deren Zunge so redegewandt und clever darin ist, edle und anerkannte Sprache anzuwenden, auch ihren Taten etwas Aufmerksamkeit schenken würden! Denn dann würden sie vielleicht in kurzer Zeit weniger sophistisch werden, und weniger absurde und seltsame Wortakrobaten sein – wenn ich einen lächerlichen Ausdruck für ein lächerliches Thema verwenden darf.
27. Rede, Kapitel 1
Gregor von Nyssaca. 370-394Cäsarea in Kappadokien, Nyssa
Denn wer wüsste nicht, wie in der Zeit, als Kaiser Valens gegen die Kirchen des Herrn wütete, dieser unser mächtiger Streiter sich durch seinen erhabenen Geist über diese erdrückenden Umstände und die Schrecken des Feindes erhob und einen Verstand zeigte, der über jedes Mittel hinausragte, das erdacht wurde, um ihn einzuschüchtern? Wer unter den Bewohnern des Ostens und der entlegensten Regionen unserer zivilisierten Welt hat nicht von seinem Kampf mit dem Thron selbst um der Wahrheit willen gehört? Wer war nicht bestürzt beim Anblick seines Gegners? Denn er war kein gewöhnlicher Gegner, der nur die Macht besaß, in sophistischen Gaukeleien zu siegen, wo der Sieg kein Ruhm und die Niederlage harmlos ist; sondern er hatte die Macht, die gesamte römische Regierung seinem Willen zu unterwerfen; und zu diesem imperialen Stolz kamen noch Vorurteile gegen unseren Glauben hinzu, die ihm Eudoxius von Germanicia, der ihn auf seine Seite gezogen hatte, listig eingepflanzt hatte; und er fand in all jenen, die damals an der Spitze der Staatsgeschäfte standen, Verbündete bei der Ausführung seiner Pläne. Einige neigten ihnen bereits aus geistiger Sympathie zu, während andere – und das war die Mehrheit – aus Furcht bereit waren, dem kaiserlichen Vergnügen nachzugeben; und als sie die Härte sahen, die gegen jene angewandt wurde, die am Glauben festhielten, stellten sie ihren Eifer für ihn demonstrativ zur Schau. Es war eine Zeit des Exils, der Konfiszierung, der Verbannung, der Androhung von Geldstrafen, der Lebensgefahr, der Verhaftungen, der Einkerkerung und Auspeitschung; nichts war zu schrecklich, um es nicht gegen jene ins Werk zu setzen, die sich dieser plötzlichen Laune des Kaisers nicht beugen wollten; für die Gläubigen war es schlimmer, im Haus Gottes ertappt zu werden, als wenn sie bei den abscheulichsten Verbrechen aufgespürt worden wären.
Gegen Eunomius, Buch 12, Kapitel 2
Hieronymusca. 370-420Bethlehem, Rom
„Kommt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen.“ Dies waren die Ersten, die berufen wurden, dem Herrn nachzufolgen. Sie sind ungebildete Fischer und werden zum Predigen gesandt, damit man nicht denkt, der Glaube der Gläubigen stamme aus Beredsamkeit und Gelehrsamkeit und nicht aus der Macht Gottes.
Kommentar zu Matthäus, Buch 1, Kapitel 4
Hieronymusca. 370-420Bethlehem, Rom
Wenn du in der Kirche lehrst, versuche nicht Applaus, sondern Seufzer hervorzurufen. Die Tränen deiner Zuhörer sollen dein Ruhm sein. Die Worte eines Presbyters müssen durch seine Lektüre der Schrift gewürzt sein. Sei kein Phrasendrescher oder Schreihals, der ohne Sinn und Verstand plappert; sondern erweise dich als geschickt in den tiefen Dingen und bewandert in den Geheimnissen Gottes. Seine Worte nur im Mund herumzuwälzen und die ungebildete Menge durch bloße Sprechgeschwindigkeit in Erstaunen zu versetzen, ist ein Zeichen von Ignoranz. Es gibt nichts Leichteres, als durch schiere Redseligkeit eine gewöhnliche Menge oder eine ungebildete Gemeinde zu täuschen: Solche Leute bewundern meist das am meisten, was sie nicht verstehen.
Brief 52, Kapitel 8
Hieronymusca. 370-420Bethlehem, Rom
Es ist eine gewaltige Sache, die du da verlangst, mein Freund: dass ich Origenes ins Lateinische übersetze und so den römischen Ohren einen Mann präsentiere, der nach dem Urteil von Didymus dem Sehenden der zweite Lehrer der Kirchen war – und zwar direkt nach dem Apostel! Doch wegen der qualvollen Schmerzen in meinen Augen (wie du weißt), die ich mir durch zügelloses, exzessives Lesen zugezogen habe, und aus Mangel an Stenographen (denn die bittere Armut hat mir auch diese Hilfe geraubt), fehlt mir schlichtweg die Kraft, dein vollkommen berechtigtes Verlangen mit derselben Leidenschaft zu erfüllen, mit der du es forderst. Deshalb habe ich, nachdem ich vor langer Zeit die vierzehn Homilien über Jeremia in durcheinandergewürfelter Reihenfolge übersetzt hatte, nun in Etappen auch diese vierzehn Homilien über Hesekiel übertragen. Dabei habe ich peinlich genau darauf geachtet, dass der Stil dieses Mannes und die reine Schlichtheit seiner Sprache – die allein den Kirchen von echtem Nutzen ist! – in der Übersetzung absolut bewahrt bleiben. Ich habe alle brillanten Effekte der rhetorischen Kunst zutiefst verachtet – denn ich will, dass der Inhalt gepriesen wird und nicht die bloßen Worte!
Vorwort zu den Homilien des Origenes über Hesekiel
Makarius Magnesca. 380-410Magnesia
Ganz zu schweigen davon, dass er den Schächer, sobald dieser an ihn nicht als Mensch, sondern als Gott glaubte, noch im selben Moment seines Glaubens in das prächtige Paradies führte – das Paradies, das er von Anbeginn an unaussprechlich gepflanzt und verwurzelt hatte. Denn es ist nicht so, wie einige Mythenerfinder ihre Sophistereien aushecken, die die Äußerungen verrotteter alter Weiber ausspucken, den Rauch übel riechender Kochkunst aufstoßen, die Wut tollwütiger Hunde imitieren, eine Haltung wie die Feinde Christi vortäuschen, Teilhaber und Verfechter des jüdischen Wahnsinns sind und den Sinn bekämpfen, indem sie die Textstelle abkürzen und das, was gut geschrieben war, bösartig umdeuten. Sie sagen: „Wahrlich, ich sage dir heute,“ und dann, nachdem sie es abgekürzt haben, sagen sie: „wirst du mit mir im Paradies sein.“ – irgendwann in der Zukunft, als ob die Verheißung an den Schächer in eine zukünftige Zeit projiziert würde. Wer wird diesen wundersamen Bericht akzeptieren, wenn er auf diese Weise wiedergegeben wird? Und wer, der bei klarem Verstand und gesundem Urteilsvermögen ist, wird eine Lehre anbieten, die voll von Aussagen ist, die so niederträchtig sind, dass sie dem Leben die Lehre eines Schankwirts eröffnen? Solche Aussagen gehören zu Hunden, die einander fressen! Solch gewöhnliches Gerede gehört zu Giftschlangen! Solche Mythen gehören zu zischenden Schlangen! Diese dreisten Aussagen stehlen die Wahrheit mit Sophistereien. Dies sind listig geschärfte Worte zur Untergrabung des Schönen. Diese Dreistigkeiten beschneiden Christus in seiner Passion!
Apokritikos, Buch 4, Kapitel 14
Makarius Magnesca. 380-410Magnesia
Ebenso verzaubert eine feierlich vorgetragene Rede das Ohr und schadet der Seele unmerklich durch Wortreichtum, da sie keinen festen Bericht über die Tugend bietet. Daher muss man sophistische Cleverness in jeder Hinsicht fliehen und unverfälschte Erkenntnis mitsamt der Schönheit in Betracht ziehen.
Apokritikos, Buch 4, Kapitel 30
Augustinusca. 386-430Hippo Regius, Mailand
„Den ganzen Tag ist er gnädig und leiht aus.“ Das lateinische Wort feneratur bezieht sich sowohl auf denjenigen, der ein Darlehen vergibt, als auch auf denjenigen, der es empfängt; aber das wird klarer, wenn wir einfach sagen: er leiht aus. Was kümmert es uns, was die Grammatiker wollen? In unserem sogenannten Barbarismus versteht ihr besser als in unserer Beredsamkeit, wenn wir euch dieser überlassen würden.
Psalm 36, Kapitel 6
Asterius von Amaseiaca. 390-420Amaseia
„Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Wer könnte diese Worte gebührend bewundern – er, der zum vertrauenswürdigen Ausleger für den größten der Apostel wurde? Beachte zuerst, wie ungeschmückt und knapp diese Rede ist, die mit einer kurzen Äußerung die Wucht zahlloser großer Wahrheiten entfesselt. Denn die beste Aussage ist jene, die exakt zu ihrem Gegenstand passt und deren Wortlaut nicht um eine dünne, dürftige Idee herumplätschert; vielmehr signalisiert sie, gleich dem Senfkorn, in wenigen Worten eine Fülle von Realitäten – klein für das Auge, wenn man es in der Hand betrachtet, aber wenn man es an den Sinn des Mundes führt, jagt es Hitze durch den ganzen Körper, vom Fuß bis zum Kopf. „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Oh, die Finsternis und der dichte Nebel, der sich über die menschlichen Augen gegossen hat, dessentwegen die Häretiker die Fußspuren der Väter nicht sehen und den Pfad nicht beschreiten können, den die Füße der Apostel glattgetreten haben! Sieh hin: Petrus, aus freier Wahl der echte Jünger Christi, der überall den Vorzug bei Ehren und Taten erhielt, dieser wahrhaft große Mann, dessen Ruhm die ganze Welt erfüllte – als man ihm auftrug zu sagen, wie er unseren Gott und Retter verherrlicht, startete er keine lange Kette von Überlegungen. Er verpackte seine Antwort nicht in endlose Argumentationskreise und Komplexitäten, wie es die cleveren Sophisten und Technokraten des Glaubens heute tun. Stattdessen legte er in der Schlichtheit seines Herzens die Wahrheit in aller Kürze dar – ohne Haarspalterei über „ungezeugt“ und „gezeugt“, ohne pedantisches Gerede über „gleich“ und „ungleich“, ohne in das hineinzuschnüffeln, was jenseits allen Seins liegt, und ohne den Versuch, die unermessliche Gottheit mit bloßen Argumenten zu vermessen – den Spielchen eines Arius und den Machenschaften eines Eunomius. Lasst uns also, wir Christen – deren Markenzeichen der Glaube ist und nicht die Wortschwalligkeit –, den Fischer imitieren, den unprätentiösen Ältesten aus Bethsaida, den ersten Fang Christi. Lasst uns üben zu bekennen: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Und überlassen wir das überflüssige Geschwätz den Wortstreitern – deren Werk der Zank und deren Ende das Verderben ist.
8. Predigt, Kapitel 12

Was überall, was immer, was von allen geglaubt wurde

Die apostolische Lehre zeigt sich daran, dass sie von Anfang an, weltweit, über verschiedene Orte, über Generationen hinweg und von zahlreichen Kirchenvätern bezeugt wird.

Kirchenväter
17
Zeitspanne
ca. 50-430
Orte/Regionen
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Kartendaten: OpenStreetMap-Mitwirkende. Historische Einordnung: Im 1.-2. Jh. umfasste das Römische Reich ca. 60-75 Mio. Menschen und verband Europa, Nordafrika und Westasien um das Mittelmeer; dieses galt den Römern als mare nostrum und war die damals zivilisierte Welt. Quellen: Jongman, Harper/Imperium Romanum, Britannica: Ökumene, Lex.dk.

Clemens von Romca. 50-100
Rom 8 Zitate
Justin der Märtyrerca. 150-165
Rom 1 Zitat
Theophilus von Antiochca. 170-185
Antioch 2 Zitate
Irenäus von Lyonca. 175-200
Lyon 2 Zitate
Clemens von Alexandriaca. 190-211
Alexandria 8 Zitate
Tertullianca. 195-220
Karthago 5 Zitate
Origenesca. 215-253
Alexandria, Cäsarea Maritima 11 Zitate
Gregor der Wundertäterca. 238-268
Neocäsarea, Cäsarea Maritima 1 Zitat
Cyprian von Karthagoca. 246-258
Karthago 1 Zitat
Didymus der Blindeca. 350-398
Alexandria 4 Zitate
Basilius der Großeca. 356-378
Cäsarea 1 Zitat
Gregor von Nazianzca. 362-390
Nazianz, Konstantinopel, Cäsarea in Kappadokien, Seleukia, Sasima 1 Zitat
Gregor von Nyssaca. 370-394
Cäsarea in Kappadokien, Nyssa 1 Zitat
Hieronymusca. 370-420
Bethlehem, Rom 3 Zitate
Makarius Magnesca. 380-410
Magnesia 2 Zitate
Augustinusca. 386-430
Hippo Regius, Mailand 1 Zitat
Asterius von Amaseiaca. 390-420
Amaseia 1 Zitat

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