Über die Verschleierung von Jungfrauen
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Ich will nun meine eigentliche Aufgabe aufnehmen und zeigen, dass unsere Jungfrauen verschleiert werden müssen, sobald sie die Schwelle der Geschlechtsreife überschritten haben. Dies fordert die Wahrheit, der niemand Bedingungen auferlegen kann: weder die Dauer der Zeit noch die Autorität von Personen noch das Vorrecht einzelner Gegenden. Denn Gewohnheit beginnt oft aus einer gewissen Unkenntnis oder Einfalt, gewinnt durch Fortdauer an Kraft und wird so schließlich gegen die Wahrheit verteidigt. Unser Herr Christus aber nannte sich selbst die Wahrheit1 Johannes 14:6, nicht „Gewohnheit“. Wenn Christus ewig ist und vor allem besteht, dann ist auch die Wahrheit ewig und alt. Wer sie für „neu“ hält, soll bedenken, dass sie für die Wahrheit alt ist. Nicht Neuheit besiegt die Häresie, sondern Wahrheit; denn alles, was sich der Wahrheit widersetzt, ist Häresie, selbst eine alte Gewohnheit. Wenn jemand unwissend ist, hat er nur sich selbst zu beschuldigen, und was unbekannt ist, soll ebenso gesucht werden, wie das Erkannte angenommen werden muss. Was die Regel des Glaubens betrifft, so ist sie schlechthin eine, fest und unveränderlich: an den einen allmächtigen Gott zu glauben, den Schöpfer der Welt, und an seinen Sohn Jesus Christus, geboren von der Jungfrau Maria, gekreuzigt unter Pontius Pilatus, am dritten Tag von den Toten auferweckt, in den Himmel aufgenommen, jetzt sitzend zur Rechten des Vaters und bestimmt, zu kommen, um die Lebenden und die Toten durch die Auferstehung des Fleisches zu richten. Wenn diese Regel des Glaubens bestehen bleibt, können andere Fragen der Zucht und des Wandels die Neuheit der Zurechtweisung annehmen, während die Gnade Gottes wirkt und bis zum Ende voranschreitet. Denn warum sollte dem Teufel gestattet sein, unablässig zu wirken und jeden Tag seinen Erfindungen der Bosheit etwas hinzuzufügen, während das Werk Gottes entweder stillsteht oder aufhört, Fortschritte zu machen?
Aus diesem Grund sandte der Herr den Heiligen Geist: Weil menschliche Begrenztheit nicht alles auf einmal fassen konnte, sollte die Zucht nach und nach durch jenen Stellvertreter des Herrn, den Heiligen Geist, geleitet, geordnet und zur Vollendung geführt werden. „Noch vieles habe ich euch zu sagen2 Johannes 16:12 “, sagt Christus, „aber ihr könnt es jetzt nicht fassen; wenn aber jener Geist der Wahrheit kommt, wird er euch in die ganze Wahrheit führen und euch verkünden, was kommen wird3 Johannes 16:12-13. “ Doch Christus hatte schon zuvor von diesem seinem Werk gesprochen. Und was ist das Werk des Heiligen Geistes, wenn nicht eben dies: dass er die Zucht lenkt, die Schriften offenbart, das Verständnis erneuert und uns zu Besserem weiterführt? Nichts kommt vor seiner Zeit; alles wartet auf seine Stunde. Wie der Prediger sagt: „Alles hat seine Zeit4 Prediger 3:1. “ Schau die Schöpfung selbst an, wie sie nach und nach ihrer Frucht entgegenwächst. Zuerst kommt der Same; aus dem Samen sprießt der Keim; aus dem Keim wird der junge Baum. Dann erstarken Zweige und Blätter, und die volle Gestalt des Baumes breitet sich aus. Danach schwillt die Knospe an, und die Blüte bricht aus ihr hervor; aus der Blüte aber tritt die Frucht hervor. Selbst dann ist sie eine Zeit lang noch roh und ungeformt, reift langsam heran und lernt die Milde des Geschmacks. So ist es auch mit der Gerechtigkeit, denn derselbe Gott ist Gott der Gerechtigkeit und der Schöpfung. Zuerst bestand die Gerechtigkeit in ihren Anfängen, indem die Natur Gott fürchtete; dann schritt sie durch das Gesetz und die Propheten zur Kindheit voran; dann brach sie durch das Evangelium zur Jugend auf; und nun ist sie durch den Heiligen Geist zur Reife gefestigt. Er allein ist nach Christus Lehrer zu nennen und als Lehrer anzusehen, denn er spricht nur, was Christus gebietet. Er allein ist der Nachfolger, denn er allein kommt nach Christus. Die ihn empfangen haben, stellen die Wahrheit über die Gewohnheit; die ihn gehört haben, ihn, der noch heute spricht und nicht nur vor langer Zeit, halten ihre Jungfrauen verschleiert.
Zuerst kommt der Same; aus dem Samen sprießt der Trieb; aus dem Trieb entsteht der junge Baum. Dann erstarken Zweige und Blätter, und die volle Gestalt des Baumes breitet sich aus. Danach schwillt die Knospe, und die Blüte bricht aus ihr hervor; aus der Blüte aber tritt die Frucht hervor. Selbst dann ist sie eine Zeit lang noch roh und ungeformt, reift langsam zur Reife heran und lernt die Milde des Geschmacks. So ist es auch mit der Gerechtigkeit, denn derselbe Gott ist Gott der Gerechtigkeit und der Schöpfung. Zuerst bestand die Gerechtigkeit in ihren Anfängen, indem die Natur Gott fürchtete; dann schritt sie durch das Gesetz und die Propheten zur Kindheit voran; dann brach sie durch das Evangelium zur Jugend auf; und nun ist sie durch den Heiligen Geist zur Reife gefestigt. Er allein ist nach Christus Lehrer zu nennen und als Lehrer anzusehen, denn er spricht nur, was Christus gebietet. Er allein ist der Nachfolger, denn er allein kommt nach Christus. Die ihn empfangen haben, stellen die Wahrheit über die Gewohnheit; die ihn gehört haben, ihn, der noch heute spricht und nicht nur vor langer Zeit, halten ihre Jungfrauen verschleiert.
Für jetzt weigere ich mich, zuzugestehen, dass diese Gewohnheit, Jungfrauen unverschleiert gehen zu lassen, irgendetwas mit der Wahrheit zu tun hat; sie soll lediglich „Gewohnheit“ heißen, damit ich Gewohnheit der Gewohnheit entgegenstellen kann. In ganz Griechenland und in manchen seiner barbarischen Gebiete halten viele Kirchen ihre Jungfrauen verborgen; und selbst unter diesem afrikanischen Himmel hat sich dieselbe Gewohnheit an einigen Orten durchgesetzt, sodass niemand sie griechischem oder barbarischem Heidentum zuschreiben kann. Doch ich stelle euch jene Kirchen vor Augen, die von den Aposteln selbst oder von apostolischen Männern gegründet wurden und, wie ich glaube, früher gegründet wurden als manche anderen. Diese Kirchen besitzen daher ebenfalls dieselbe Autorität der Gewohnheit und berufen sich weit stärker auf ihr Alter und ihre Vorgänger als diese späteren Kirchen. Was also sollen wir einhalten, was sollen wir wählen? Wir können eine Gewohnheit nicht verwerfen, die wir nicht verurteilen können, da sie uns nicht fremd ist und nicht von Außenstehenden stammt, sondern von denen, mit denen wir das Recht des Friedens und den Namen der Bruderschaft teilen. Wir und sie haben einen Glauben, einen Gott, denselben Christus, dieselbe Hoffnung, dasselbe Sakrament der Taufe5 Epheser 4:5-6. Ich sage es ein für alle Mal: Wir sind eine Kirche. Was den Unseren eigen ist, ist auch uns eigen; andernfalls teilst du den Leib6 1. Korinther 12:25. Doch hier ist, wie immer, wenn verschiedene Gewohnheiten im Streit stehen, eine Prüfung nötig, um zu sehen, welche der beiden Gewohnheiten mehr mit der Zucht Gottes übereinstimmt. Gewiss ist es diejenige, die die Jungfrau verborgen hält und nur Gott bekannt sein lässt; denn abgesehen davon, dass Ruhm von Gott und nicht von Menschen gesucht werden muss7 Johannes 5:44, sollte eine Jungfrau sogar vor ihrem eigenen Vorzug erröten.
Sie lässt sich durch Lob stärker beunruhigen als durch Tadel, weil die Stirn der Sünde härter ist, da sie aus der Sünde und in der Sünde selbst Schamlosigkeit gelernt hat. Was aber jene „Gewohnheit“ betrifft, die Jungfrauen zur Schau stellt, indem sie sie sichtbar macht: Niemand hätte sie gebilligt, außer Menschen von derselben Art wie die Jungfrauen selbst. Denn solche Augen verlangen danach, dass eine Jungfrau gesehen wird, wie auch die Jungfrau selbst danach verlangt haben muss, wenn sie gesehen werden will. Augen derselben Art begehren einander. Gesehen werden zu wollen ist dieselbe Begierde wie sehen zu wollen. Ein heiliger Mann muss ebenso erröten, wenn er eine unverhüllte Jungfrau sieht, wie eine heilige Jungfrau erröten muss, wenn sie von einem Mann gesehen wird. Viele moderne Kritiker der Verschleierung werden die Vermutung aufstellen, die Verschleierung sei vor allem eine nordafrikanische Gewohnheit gewesen; doch wenn das wahr wäre, warum würde Tertullian dann vor seinen Hörern zu begründen versuchen, dass sie nicht annehmen sollten, sie sei lediglich eine griechische Gewohnheit, sondern auch eine nordafrikanische? Korinth lag in Griechenland, Paulus wandte sich in griechischer Sprache an die Korinther und gebot den Frauen, ihre Häupter zu verschleiern8 1. Korinther 11:5-6. Sie hätten nur eine Art von Schleier gekannt, nämlich einen, der das Gesicht bedeckt.
Jene hochheiligen Vorgänger, die unseren, versuchten nicht einmal, den Streit zwischen diesen Gewohnheiten zu entscheiden. Stattdessen ließen sie bis vor ganz kurzer Zeit beides gelten: Jede Jungfrau konnte selbst entscheiden, ob sie verborgen bleiben oder sich zur Schau stellen wollte, als wäre das nichts anderes als die Entscheidung, ob man heiratet, etwas, das weder erzwungen noch verboten ist. Die Wahrheit begnügte sich damit, mit der „Gewohnheit“ eine Übereinkunft zu treffen: unter ihrem Namen zu leben, solange sie einen Teil des Ihren bewahren konnte. [So überlebte die apostolische Regel, dass Jungfrauen verschleiert sein sollen, nur teilweise, verborgen unter dem Titel „Gewohnheit“, statt als Wahrheit.] Als aber die Anerkennung voranzuschreiten begann, sodass durch die Freiheit beider Praktiken der bessere Teil sich zeigen konnte, da führte sogleich jener (große) Widersacher der guten Dinge und vieler Einrichtungen sein eigenes Werk aus. Die „Jungfrauen“ der Menschen treten den Jungfrauen Gottes entgegen, mit dreist entblößter Stirn, leichtsinnig zur Frechheit aufgestachelt; und als „Jungfrauen“ gelten solche, die von Männern etwas verlangen können, geschweige denn so etwas wie dies: dass ihnen ihre Rivalinnen ausgeliefert werden sollen, die umso freier sind, weil sie allein Sklavinnen Christi sind! „Wir nehmen Anstoß“, sagen sie, „weil andere anders leben als wir. “ Und sie ziehen es vor, Anstoß zu nehmen, statt zur Schamhaftigkeit herausgefordert zu werden. Ein „Anstoß“ ist, wenn ich mich nicht irre, nicht das Beispiel einer guten Sache, sondern einer bösen, die einen zur Sünde hin aufbaut; gute Dinge geben niemandem Anstoß außer einem bösen Sinn.
Wenn Schamhaftigkeit, sittsame Scheu, Verachtung des Ruhms und das Verlangen, Gott allein zu gefallen, gute Dinge sind, dann sollen jene Frauen, die an einem solchen Gut „Anstoß nehmen“, ihr eigenes Böses erkennen. Denn was folgt daraus? Wenn die Zügellosen sagen, sie nähmen an den Enthaltsamen „Anstoß“, soll dann die Enthaltsamkeit zurückgenommen werden? Und damit die mehrfach Verheirateten keinen „Anstoß nehmen“, muss die Einehe verworfen werden? Sollte man nicht vielmehr fragen, ob der wirkliche Anstoß in der Zuchtlosigkeit und Schamlosigkeit einer prahlerisch zur Schau gestellten Jungfräulichkeit liegt? Und so werden um dieser schamlosen Schaustücke willen heilige Jungfrauen in die Kirche gezerrt, errötend darüber, öffentlich erkannt zu werden, und zitternd davor, entblößt zu werden, als wären sie zur Schändung vorgeladen. Ja, sie sind keineswegs weniger unwillig, dies zu ertragen. Jede öffentliche Bloßstellung einer guten Jungfrau ist ein Erleiden von Schändung. Und doch ist selbst die Schändung des Leibes zu erleiden das geringere Übel, weil sie aus dem Wirken der Natur kommt. Weit schlimmer ist es, wenn der Geist einer Jungfrau selbst geschändet wird, wenn ihr der Schleier fortgerissen wird: Sie hat gelernt, das zu verlieren, was der Schleier einst bewahrte. O frevlerische Hände, die es wagten, das Gott geweihte Gewand abzustreifen! Was Schlimmeres hätte irgendein Verfolger tun können, wenn er erkannt hätte, dass dieses Gewand von einer Jungfrau gewählt war? Ihr habt das Haupt des Mädchens entblößt, und die Jungfrau, die sich selbst einst als solche kannte, ist nicht mehr sie selbst: Sie ist zu etwas anderem gemacht worden! So erhebe dich, Wahrheit, erhebe dich! Brich aus deiner Geduld hervor! Ich will nicht, dass du irgendeine „Gewohnheit“ verteidigst, denn selbst jene Gewohnheit, unter der man dich einst genießen konnte, wird nun überwunden. Zeige dich als diejenige, die Jungfrauen verschleiert. Lege deine eigenen Schriften aus, die die „Gewohnheit“ nicht versteht; denn wenn die Gewohnheit sie verstanden hätte, hätte sie niemals bestanden.
Da es die Gewohnheit mancher ist, aus der Schrift gegen die Wahrheit zu argumentieren, bringen sie sogleich diesen Einwand vor: „Der Apostel hat an der Stelle, an der er die Regel über die Verschleierung aufstellt, keine ‚Jungfrauen‘ erwähnt, sondern nur ‚Frauen‘. “ Sie sagen, wenn er gewollt hätte, dass auch Jungfrauen verschleiert werden, hätte er sie zusammen mit den Frauen genannt, so wie, sagt unser Gegner, er auch dort, wo er anderswo über die Ehe spricht, darlegt, was für Jungfrauen gilt. „Darum“, sagen sie, „sind Jungfrauen nicht unter das Gesetz der Verschleierung eingeschlossen, da sie darin nicht genannt werden; ja vielmehr folgt daraus, dass ihnen die Verschleierung verboten ist, da denen, die nicht genannt werden, auch nichts geboten ist. “ Wir wenden dasselbe Argument gegen sie zurück. Der Apostel, der anderswo beide zu nennen wusste, Jungfrau und Frau, das heißt Nicht-Jungfrau, um sie zu unterscheiden, zeigt an den Stellen, an denen er die Jungfrau nicht nennt, gerade dadurch, dass er diese Unterscheidung nicht macht, dass sie denselben Stand teilen wie Frauen. Gewiss hätte er hier zwischen Jungfrau und verheirateter Frau unterscheiden können, wie er es anderswo tut: „Die Frau und die Jungfrau sind unterschieden9 1. Korinther 7:34. “ Da er jedoch diese Unterscheidung hier nicht gemacht hat, verbindet sein Schweigen sie. Und jene andere Stelle, „Die Frau und die Jungfrau sind unterschieden9 1. Korinther 7:34 “, hilft ihnen hier, im Gebot des Apostels über die Verschleierung, nicht, wie manche es gern hätten. Denn wie vieles, das an einer Stelle gesagt ist, gilt an einer anderen nicht, eben weil es dort nicht gesagt wird, es sei denn, dieselbe Frage steht zur Verhandlung, sodass eine Aussage für beide genügt. Doch die Frage, die dort Jungfrau und verheiratete Frau scheidet, ist eine ganz andere als das, worum es hier geht. „Die Frau9 1. Korinther 7:34 “, sagt er, „und die Jungfrau sind unterschieden9 1. Korinther 7:34. “ Warum?
Weil „die unverheiratete Frau9 1. Korinther 7:34 “, das heißt die Jungfrau, „für die Dinge des Herrn sorgt, damit sie heilig sei an Leib und Geist9 1. Korinther 7:34 “, während „die verheiratete Frau9 1. Korinther 7:34 “, das heißt die Nicht-Jungfrau, „dafür sorgt, wie sie ihrem Mann gefallen kann9 1. Korinther 7:34 “. Das wird in jenem Zusammenhang der Sinn der „Unterscheidung“ sein; in dieser Stelle, die jetzt zur Erörterung steht, kommt sie nicht in Betracht. Denn hier spricht der Apostel nicht von der Ehe, auch nicht von Sinn und Gedanken der Jungfrauen und Ehefrauen, sondern allein von der Verschleierung des Hauptes. Der Heilige Geist wollte keinen Raum für Streit lassen und gebrauchte deshalb den einen Namen „Frau“, unter dem er auch die Jungfrau verstanden wissen wollte. Indem er sie nicht gesondert nannte, sonderte er sie nicht ab; und indem er sie nicht absonderte, verband er sie mit der Frau. Ist es denn etwas Neues, dass ein allgemeines Wort gebraucht wird, unter dem anderes mitzuverstehen ist, wenn es nicht nötig ist, jedes Einzelne gesondert zu unterscheiden? Es ist vielmehr die natürliche und notwendige Ordnung der Rede; denn wortreiche und überlange Rede ist zugleich ermüdend und nutzlos. So begnügen wir uns mit allgemeinen Begriffen, die die besonderen Bedeutungen in sich einschließen. Betrachten wir also das Wort selbst. Der natürliche Ausdruck ist „weiblich“; der allgemeine Ausdruck dafür ist „Frau“. Unter diesen allgemeinen Begriff fallen die besonderen Stände: Jungfrau, Ehefrau, Witwe, ebenso alle altersbedingten Bezeichnungen. Das Besondere ist immer dem Allgemeinen untergeordnet, weil das Allgemeine zuerst kommt, so wie der Teil dem Ganzen untergeordnet ist. Es wird in dem verstanden und bezeichnet, was es in sich enthält; denn darin ist es eingeschlossen. So ist es auch, wenn der „Leib“ genannt wird: Dann muss man nicht Hand oder Fuß oder die übrigen Glieder eigens nennen. Wenn du „das Weltall“ sagst, umfasst das den Himmel und alles, was in ihm ist: Sonne, Mond, Sterne, und die Erde, die Meere und alle Elemente. Wenn du das Ganze genannt hast, hast du alle Teile genannt. Ebenso hat der Apostel, indem er „Frau“ nannte, alles genannt, was zur Frau gehört.
Das ist nämlich die natürliche und notwendige Sprachökonomie; denn weitschweifige und überlange Rede ist ebenso ermüdend wie nutzlos. Darum begnügen wir uns mit allgemeinen Begriffen, die die besonderen Bedeutungen in sich umfassen. Betrachten wir also das Wort selbst. Der natürliche Ausdruck ist „weiblich“; der allgemeine Ausdruck dafür ist „Frau“. Unter diesen allgemeinen Begriff fallen die besonderen Stände: Jungfrau, Ehefrau, Witwe, ebenso alle Bezeichnungen, die mit dem Alter einhergehen. Das Besondere ist immer dem Allgemeinen untergeordnet, weil das Allgemeine zuerst kommt, so wie der Teil dem Ganzen untergeordnet ist. Man versteht und bezeichnet es mit, wenn man das nennt, was es umfasst; denn darin ist es eingeschlossen. So ist es auch, wenn der „Leib“ genannt wird: Dann muss man nicht Hand oder Fuß oder die übrigen Glieder eigens nennen. Wenn du „das Weltall“ sagst, schließt das den Himmel und alles ein, was in ihm ist: Sonne, Mond, Sterne, dazu die Erde, die Meere und alle Elemente. Wenn du das Ganze genannt hast, hast du alle Teile genannt. Ebenso hat der Apostel, indem er „Frau“ nannte, alles genannt, was zur Frau gehört.
Da sie aber das Wort „Frau“ so gebrauchen, als gelte es nur für eine, die mit einem Mann verbunden gewesen ist, muss ich beweisen, dass die eigentliche Bedeutung des Wortes dem Geschlecht selbst zukommt, nicht dem Ehestand, und dass der Ausdruck mit Recht auch Jungfrauen einschließt. Als jener zweite Mensch von Gott als Hilfe für den Mann geschaffen wurde, wurde sie sogleich „Frau“ genannt: noch selig, noch des Paradieses würdig, noch Jungfrau. Es heißt: „Sie soll Frau genannt werden10 Genesis 2:23. “ Du siehst also: Der Name „Frau“ wurde nicht bloß auch den Jungfrauen beigelegt; er gehörte ihr am Anfang allein, als die erste Jungfrau ihn trug. Einige versuchen mit großer Spitzfindigkeit, dies zu einer Weissagung umzubiegen, und sagen, „Sie soll Frau genannt werden10 Genesis 2:23 “ bedeute, sie werde diesen Namen erst tragen, nachdem sie ihre Jungfräulichkeit aufgegeben habe, weil der Text hinzufügt: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und die zwei werden ein Fleisch sein11 Genesis 2:24. “ Sie sollen zuerst zeigen, worin diese angebliche Feinheit liegt. Wenn sie erst künftig „Frau“ genannt werden sollte, welchen Namen hatte sie dann inzwischen? Für ihren gegenwärtigen Zustand konnte sie doch nicht ohne Namen geblieben sein. Und überhaupt: Welchen Sinn hätte es, dass eine, die künftig mit einem bestimmten Namen benannt werden sollte, in der Gegenwart gar keinen Namen hatte? Adam gab allen Tieren Namen, nicht nach dem, was sie eines Tages sein würden, sondern nach dem, was sie in diesem Augenblick waren, gemäß der Natur, die sie von Anfang an bereits besaßen. Wie wurde sie also damals genannt? Tatsächlich wird sie, sooft die Schrift sie nennt, „Frau“ genannt, schon vor der Ehe, und niemals „Jungfrau“, obwohl sie eine war. Das war ihr einziger Name, und er wurde nicht in prophetischem Sinn ausgesprochen. Denn wenn die Schrift sagt, dass „die beiden nackt waren, Adam und seine Frau12 Genesis 2:25 “, spricht sie nicht so, als wäre „Frau“ hier eine Vorhersage ihrer künftigen Stellung als Ehefrau, sondern weil sie, auch unverheiratet, die zu ihm gehörige Frau war, aus seiner eigenen Substanz genommen: „Dies ist Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch10 Genesis 2:23;
sie soll Frau heißen“10 Genesis 2:23. “ Von hier aus hat das Gewissen der Natur selbst, geleitet vom göttlichen Hauch in ihr, diesen Sprachgebrauch in die menschliche Rede eingeführt, wie bei vielen anderen Ausdrücken aus der Schrift, was ich anderswo zeigen könnte: dass wir unsere Frauen „Ehefrauen“ nennen, obwohl die Ausdrucksweise nicht ganz eigentlich ist. Sogar die Griechen, die „Frau“ strenger im Sinn von „Ehefrau“ verwenden, haben dennoch eigene Wörter für Ehefrau; ich aber möchte diesen Sprachgebrauch lieber auf die Schrift zurückführen. Denn wenn zwei durch die Ehe ein Fleisch werden11 Genesis 2:24, wird sie, ihrer Herkunft nach, seine „Frau“ genannt, weil sie aus seiner Substanz ist, auch wenn sie nun als Ehefrau gilt. „Frau“ ist also von Natur aus nicht der Name der Ehefrau; vielmehr ist „Ehefrau“ der Stand einer, die bereits Frau genannt wird. Daher kann sie „Frau“ heißen, ohne Ehefrau zu sein; Ehefrau aber kann sie nicht heißen, ohne Frau zu sein. Nachdem dem neuen weiblichen Wesen der Name „Frau“ gegeben und die Bedeutung des Namens klargemacht war, wendet sich die Schrift dann dem prophetischen Sinn zu: „Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen“11 Genesis 2:24. “ Der Name ist also von der Prophetie ebenso getrennt wie von der Person Evas; denn er wurde nicht von Eva selbst gesagt, sondern von jenen künftigen Frauen, die im Namen des weiblichen Geschlechts eingeschlossen waren. Sonst hätte man sagen müssen, Adam werde Vater und Mutter um Evas willen verlassen, obwohl er weder das eine noch das andere hatte. Daher betraf es nicht Eva und auch nicht Adam, sondern sprach prophetisch von Ehemännern, die ihre Eltern für ihre Frauen verlassen, etwas, das auf Eva und Adam nicht zutreffen konnte. Wenn dem so ist, ist klar, dass sie nicht mit Blick auf die Zukunft „Frau“ genannt wurde, da die Zukunft mit ihr nichts zu tun hatte. Das wird dadurch bestätigt, dass der Grund für den Namen ausdrücklich angegeben wird: „Sie soll Frau heißen, weil sie vom Mann genommen wurde10 Genesis 2:23 “, und das, während er noch jungfräulich war. Doch über den Namen des Mannes werde ich an seiner eigenen Stelle sprechen. Niemand soll also „Frau“ so auslegen, als wäre es prophetisch, wenn es doch aus einer ganz anderen Bedeutung stammt, zumal offenkundig ist, wo sie tatsächlich einen Namen mit Blick auf die Zukunft erhält: nämlich dort, wo sie „Eva“ genannt wird, ein persönlicher Name, der nach dem natürlichen gegeben wurde. Denn wenn Eva „die Mutter aller Lebenden13 Genesis 3:20 “ ist, dann liegt hier tatsächlich ein Name vor, der auf die Zukunft blickt: Hier wird sie als Ehefrau vorhergesagt, nicht als Jungfrau. Das wird der Name einer sein, die heiraten soll; denn von einer verheirateten Frau kommt eine Mutter her. So zeigt sich auch hier, dass sie damals nicht wegen ihres künftigen Standes „Frau“ genannt wurde, da der Name für ihren künftigen Zustand erst später gegeben werden sollte. Das genügt als Antwort auf diesen Punkt.
So steht der Name der Weissagung ebenso fern wie der Person Evas; denn er wurde nicht über Eva selbst gesagt, sondern über jene künftigen Frauen, die im Namen des weiblichen Geschlechts mit eingeschlossen waren. Andernfalls hätte von Adam gesagt werden müssen, er werde Vater und Mutter verlassen11 Genesis 2:24 um Evas willen, obwohl er weder Vater noch Mutter hatte. Darum betraf dieses Wort weder Eva noch Adam, sondern sprach prophetisch von Ehemännern, die ihre Eltern verlassen11 Genesis 2:24 um ihrer Frauen willen, etwas, das auf Eva und Adam nicht zutreffen konnte. Wenn dem so ist, dann ist klar, dass sie nicht wegen der Zukunft „Frau“ genannt wurde, da die Zukunft hier mit ihr nichts zu tun hatte. Das wird dadurch bestätigt, dass der Grund für den Namen ausdrücklich angegeben wird: „Sie soll Frau genannt werden, denn sie wurde vom Mann genommen10 Genesis 2:23 “, und dies, während er noch Jungfrau war. Doch über den Namen des Mannes werde ich an seiner eigenen Stelle sprechen. Niemand soll also „Frau“ so auslegen, als wäre es prophetisch, wenn es doch aus einer ganz anderen Bedeutung stammt, zumal offenkundig ist, wo sie tatsächlich einen Namen mit Blick auf die Zukunft erhält: nämlich dort, wo sie „Eva“ genannt wird, ein persönlicher Name, der nach dem natürlichen gegeben wurde. Denn wenn Eva „die Mutter aller Lebenden13 Genesis 3:20 “ ist, dann liegt hier tatsächlich ein Name vor, der auf die Zukunft blickt: Hier wird sie als künftige Ehefrau angezeigt, nicht als Jungfrau. Das wird der Name einer sein, die heiraten soll; denn aus einer verheirateten Frau wird eine Mutter. So zeigt sich auch hier, dass sie damals nicht wegen ihres künftigen Standes „Frau“ genannt wurde, da der Name für ihren künftigen Zustand erst später gegeben werden sollte. Das genügt als Antwort auf diesen Punkt.
Wie der Apostel und der Engel „Frau“ nach der Natur, nicht nach der Ehe gebrauchen. Sehen wir nun, ob auch der Apostel sich an das Muster dieses Wortes nach Genesis hält und es dem Geschlecht zuordnet, wenn er die Jungfrau Maria „Frau“ nennt, so wie Genesis Eva „Frau“ nannte. Denn wenn er an die Galater schreibt: „Gott sandte seinen Sohn, geboren von einer Frau14 Galater 4:4 “, dann ist klar, dass sie Jungfrau war, mag Ebion auch dagegen ankämpfen. Ich erkenne auch an, dass der Engel Gabriel zu einer Jungfrau gesandt wurde; doch als er sie segnet, rechnet er sie nicht unter die Jungfrauen, sondern unter die Frauen: „Gesegnet bist du unter den Frauen15 Lukas 1:28. “ Auch der Engel wusste, dass eine Jungfrau dennoch Frau genannt werden konnte. Doch hier meint irgendein kluger Kopf, er habe eine Antwort: Da Maria verlobt war, hätten der Engel und der Apostel sie deshalb Frau genannt, „denn eine Verlobte ist gewissermaßen schon verheiratet“. Doch zwischen „gewissermaßen“ und „in Wahrheit“ besteht jedenfalls in diesem Fall ein sehr deutlicher Unterschied; anderswo mag es sich tatsächlich so verhalten. In diesem Fall nannten sie Maria nicht „Frau“, als wäre sie bereits Ehefrau, sondern vielmehr als weiterhin weibliches Wesen, auch wenn sie noch nicht Braut war, gemäß der Bezeichnung, die von Anfang an gegeben wurde. Dieser ursprüngliche Gebrauch muss Vorrang haben, da er die Quelle des Musters ist und die Bedeutung bestimmt. Andernfalls, wenn an dieser Stelle Verlobtsein dem Verheiratetsein gleichgesetzt wird, sodass Maria nicht als weibliche Person, sondern als Ehefrau „Frau“ genannt wird, dann wurde Christus nicht von einer Jungfrau geboren; denn er wurde von einer Verlobten geboren, die durch eben diese Bezeichnung aufgehört hätte, Jungfrau genannt zu werden. Wenn er aber von einer Jungfrau geboren wurde, obwohl sie verlobt und doch noch unversehrt war, dann erkenne an, dass eine Frau zugleich Jungfrau und unbefleckt genannt werden kann. Gewiss kann hier nichts als prophetisch verstanden werden, als hätte der Apostel sie „Frau“ genannt, um anzuzeigen, was sie später werden würde, nämlich Ehefrau. Denn er konnte nicht von einer späteren „Frau“ gesprochen haben, von der Christus niemals geboren werden sollte, das heißt von einer, die einen Mann erkannt hatte, sondern nur von jener, die damals da war: Jungfrau und dennoch Frau genannt.
Dieser ursprüngliche Gebrauch muss Vorrang haben, weil er die Quelle des Musters ist und den Sinn bestimmt. Andernfalls, wenn in dieser Stelle Verlobtsein dem Verheiratetsein gleichgesetzt wird, sodass Maria „Frau“ nicht als weibliche Person, sondern als Ehefrau genannt wird, dann wurde Christus nicht von einer Jungfrau geboren; denn er wurde von einer Verlobten geboren, die durch eben diese Bezeichnung aufgehört hätte, Jungfrau genannt zu werden. Wenn er aber von einer Jungfrau geboren wurde, obwohl sie verlobt und doch noch unversehrt war, dann erkenne an, dass eine Frau zugleich Jungfrau und unbefleckt genannt werden kann. Gewiss kann hier nichts als prophetisch verstanden werden, als hätte der Apostel sie „Frau“ genannt, um anzuzeigen, was sie später werden würde, nämlich Ehefrau. Denn er hätte nicht von einer späteren „Frau“ sprechen können, von der Christus niemals geboren werden sollte, das heißt von einer, die einen Mann erkannt hatte, sondern nur von jener, die damals gegenwärtig war, Jungfrau war und dennoch Frau genannt wurde.
Wenden wir uns nun den Gründen zu, die der Apostel Paulus dafür lehrt, warum eine „Frau verschleiert sein soll16 1. Korinther 11:10 “, und prüfen wir, ob dieselben Gründe auch für „Jungfrauen“ gelten; so wird auch daran deutlich werden, dass der Begriff „Frau“ Jungfrauen und verheiratete Frauen gemeinsam umfasst, da sich dieselben Gründe für die Verschleierung auf beiden Seiten finden. Wenn „das Haupt der Frau der Mann ist17 1. Korinther 11:3 “, dann ist der Mann auch das Haupt der Jungfrau; denn aus der Jungfrau wird die Frau, die heiratet, es sei denn, du willst irgendeine ungeheuerliche dritte Art weiblichen Geschlechts erfinden, die „ihr eigenes Haupt“ ist. Wenn es „für eine Frau schändlich ist, geschoren zu werden oder sich das Haar abschneiden zu lassen18 1. Korinther 11:6 “, dann ist es auch für die Jungfrau schändlich. Mag die Welt in ihrem Wetteifer gegen Gott so tun, als sei das Abschneiden des Haares einer Jungfrau „schön“, wie sie es auch bei einem Knaben zulässt. Wenn aber Scheren oder Abschneiden für sie gleichermaßen unziemlich ist, dann ist die Verschleierung für sie gleichermaßen ziemend. Wenn „die Frau die Herrlichkeit des Mannes ist19 1. Korinther 11:7 “, wie viel mehr dann die Jungfrau, die auch ihre eigene Herrlichkeit ist! Wenn die Frau vom Mann kommt und für den Mann da ist20 1. Korinther 11:8-9, dann war jene Rippe Adams21 Genesis 2:22 zuerst eine Jungfrau. Wenn „die Frau Vollmacht auf ihrem Haupt haben muss16 1. Korinther 11:10 “, dann erst recht die Jungfrau, auf die der Grund dieser Regel am unmittelbarsten zutrifft. Wenn es „um der Engel willen16 1. Korinther 11:10 “ ist, jener Engel, von denen wir lesen, dass sie wegen ihrer Begierde nach Frauen von Gott und vom Himmel abfielen: Wer könnte sich vorstellen, was für Engel bereits befleckte Leiber und Überreste menschlicher Begierde begehrt hätten, statt nach Jungfrauen zu brennen, deren eigene Blüte sogar menschliche Lust entschuldigt?
Denn die Schrift selbst deutet es an: „Und es geschah, als die Menschen begannen, sich auf der Erde zu vermehren, und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Söhne Gottes, dass die Töchter der Menschen schön waren, und nahmen sich Frauen von allen, die sie erwählten22 Genesis 6:1-2. “ Hier hat das griechische Wort für Frauen den Sinn von „Ehefrauen“, weil von Ehe die Rede ist. Wenn es aber „Töchter der Menschen“ heißt, weist das klar auf Jungfrauen hin, die noch unter der Vollmacht ihrer Väter standen; denn verheiratete Frauen heißen „Ehefrauen ihrer Männer“. Der Text hätte „Frauen von Männern“ sagen können, doch er nennt die Engel nicht „Ehebrecher“, sondern „Ehemänner“, weil sie „die Töchter der Menschen“ zu Frauen nahmen, eben jene „Töchter“, von denen schon gesagt wurde, sie seien „geboren“ worden, die aber noch unverheiratet waren. Damit zeigt er, dass die zuvor erwähnten „Töchter“ Jungfrauen waren. Von denen aber, die hier mit Engeln verheiratet wurden, weiß ich nichts anderes, als dass sie „geboren“ wurden und danach heirateten. Darum muss ein solches Gesicht, so gefährlich, dass es Anstöße bis in den Himmel schleuderte, verborgen werden: damit sie, wenn sie vor Gott steht, dem gegenüber sie am Sturz der Engel schuldig ist, auch vor den übrigen Engeln errötet und schließlich jene frevelhafte Freiheit ihres unbedeckten Hauptes zügelt, indem sie sich nicht einmal mehr den Augen der Männer darbietet. Und selbst wenn jene Engel vor Begierde nach bereits befleckten Frauen gebrannt hätten, müssen Jungfrauen umso mehr „um der Engel willen16 1. Korinther 11:10 “ verschleiert sein, da es umso eher Jungfrauen gewesen sein konnten, die den Anlass zur Sünde der Engel gaben. Und wenn der Apostel das Zeugnis der Natur hinzufügt, dass die Fülle des Haares die Herrlichkeit der Frau ist, weil „ihr Haar ihr als Schleier gegeben ist23 1. Korinther 11:15 “, dann ist dies vor allem das Kennzeichen der Jungfrau, deren Schmuck gerade darin besteht, ihr Haar so geordnet zu tragen, dass es, hoch oben auf dem Scheitel zusammengefasst, mit seinem umschließenden Kranz die höchste Stelle ihres Hauptes verhüllt.
Alle diese Gründe zusammen führen beim Mann zum Gegenteil: Er darf sein Haupt nicht verschleiern, weil ihm von Natur kein Streben nach langem Haar gegeben ist; weil es für ihn nicht schändlich ist, geschoren oder abgeschnitten zu werden18 1. Korinther 11:6; weil nicht seinetwegen Engel gefallen sind; weil er Bild und Herrlichkeit Gottes19 1. Korinther 11:7 ist; weil sein Haupt Christus ist17 1. Korinther 11:3. Wenn der Apostel also von Mann und Frau spricht, davon, warum die Frau verschleiert sein muss und der Mann nicht, ist klar, weshalb er über die Jungfrau nichts ausdrücklich sagt: Er lässt die Jungfrau unter „Frau“ mitverstanden sein, aus demselben Grund, aus dem er den Knaben nicht nennt, sondern ihn unter „Mann“ einrechnet. So umfasst er mit diesen beiden Wörtern, Frau und Mann, die ganze Ordnung beider Geschlechter. Ebenso wird auch Adam, noch bevor er je eine Frau berührt hatte, in Genesis „Mann“ genannt: „Sie soll Frau genannt werden, weil sie aus ihrem Mann genommen wurde10 Genesis 2:23. “ So war Adam schon vor dem ehelichen Vollzug ein „Mann“, ebenso wie Eva eine „Frau“ war. Auf beiden Seiten hat der Apostel für die ganze Art jedes Geschlechts vollständig gesprochen: kurz, klar und mit einer wohlgerüsteten Bestimmung: „Jede Frau. “ Und „jede“ bedeutet jede Art, jeden Stand, jede Lage, jede Würde, jedes Alter. Denn „jede“ umfasst das Ganze; sie ist vollständig, und ihr fehlt nichts. Und die Jungfrau ist Teil der „Frau“. Ebenso sagt er darüber, dass der Mann nicht verschleiert sein soll: „Jeder Mann. “ Sieh: zwei verschiedene Namen, Mann und Frau, und jedes „jeder“ gilt in vollem Umfang. Zwei entgegengesetzte Gesetze gelten: hier Verschleierung, dort Entblößung. Wenn also bei „jeder Mann“ der Name auch für einen gilt, der noch kein Mann ist, nämlich den bartlosen Knaben, weil der Name von Natur aus gemeinsam ist, dann gilt auch für ihn das gemeinsame Gesetz der Entblößung, obwohl er der Zucht nach eine Jungfrau unter Männern ist. Warum sollte dann nicht ebenso feststehen, dass die Jungfrau unter dem Namen „Frau“ eingeschlossen ist und so unter dasselbe Gesetz der Verschleierung fällt? Wenn die Jungfrau nicht „Frau“ ist, dann ist auch der bartlose Knabe kein „Mann“. Wenn die Jungfrau nicht verschleiert wird, weil sie keine Frau ist, dann soll der bartlose Knabe verschleiert werden, weil er kein Mann ist. Die Jungfräulichkeit soll auf beiden Seiten dieselbe Ausnahme haben. Wie Jungfrauen nicht gezwungen werden, sich zu verschleiern, so sollen Knaben nicht gezwungen werden, sich zu entblößen. Warum erkennen wir auf der einen Seite die Bestimmung des Apostels bei „jeder Mann“ als uneingeschränkt an und wenden nicht ein, dass er den Knaben nicht genannt hat, während wir auf der anderen Seite bei seiner ebenso uneingeschränkten Bestimmung „jede Frau“ die Regel preisgeben? „Wenn aber jemand streitsüchtig sein will24 1. Korinther 11:16 “, sagt er, „wir haben eine solche Gewohnheit nicht, und auch die Gemeinden Gottes nicht24 1. Korinther 11:16. “ Er zeigt, dass es über genau diese Sache Streit gegeben hatte, den er mit der kürzestmöglichen Entscheidung beendete: indem er die Jungfrau nicht nannte, um zu zeigen, dass an ihrer Verschleierung kein Zweifel bestehen darf, und indem er andererseits „jede Frau“ nannte, als hätte er auch die Jungfrau genannt. Und genau so haben die Korinther ihn verstanden; denn bis zum heutigen Tag verschleiern die Korinther ihre Jungfrauen und zeigen damit, dass sie noch immer an eben jener Lehre festhalten, die sie von den Aposteln selbst empfangen haben.
Das Ganze ist das Ganze; es ist vollständig und es fehlt ihm nichts. Die Jungfrau ist Teil jenes Ganzen, das „Frau“ genannt wird. Ebenso sagt er in Bezug darauf, dass der Mann nicht verschleiert sein soll: „Jeder Mann25 1. Korinther 11:4. “ Zwei verschiedene Bezeichnungen: Mann und Frau, und jedes „jeder“ gilt in vollem Umfang. Zwei entgegengesetzte Regeln gelten: hier Verschleierung, dort Enthüllung. Wenn also der Apostel mit „jeder Mann25 1. Korinther 11:4 “ meint, dass der Begriff sogar auf diejenigen anzuwenden ist, die noch keine Männer sind, nämlich bartlose Knaben, dann gilt, weil die Bezeichnung ihnen von Natur aus zukommt, auch für sie das Gesetz, nicht verschleiert zu sein, auch wenn sie unter den Männern noch „Jungfrauen“ sind. Warum sollte dann nicht ebenso entschieden werden, dass jede jungfräuliche Frau unter der Bezeichnung „Frau“ eingeschlossen ist und die Jungfrauen so unter dasselbe Gesetz der Verschleierung fallen? Wenn ein Knabe „kein Mann“ ist, dann ist eine Jungfrau keine Frau. Wenn eine Jungfrau nicht verschleiert wird, weil sie keine Frau ist, dann soll der bartlose Knabe verschleiert werden, weil er „kein Mann“ ist. Die Jungfräulichkeit soll auf beiden Seiten dieselbe Ausnahme haben. Wie Jungfrauen nicht gezwungen werden, sich zu verschleiern, so soll Knaben nicht befohlen werden, ihre Häupter zu entblößen. Warum behandeln wir die Bestimmung des Apostels bei „jeder Mann25 1. Korinther 11:4 “ als uneingeschränkt, ohne wissen zu wollen, warum er die „Knaben“ nicht erwähnt hat, brechen aber die Regel bei „jede Frau26 1. Korinther 11:5 “, indem wir uns weigern, die Jungfrau einzuschließen, als gälte es nicht ebenso für sie? „Wenn aber jemand streitsüchtig sein will24 1. Korinther 11:16 “, sagt er, „wir haben eine solche Gewohnheit nicht, und auch die Gemeinden Gottes nicht24 1. Korinther 11:16. “ Das zeigt, dass es über genau diese Sache Streit gab, den er mit einer kurzen, entscheidenden Aussage vollständig beendete: ohne die Jungfrau auch nur zu nennen, um zu zeigen, dass über ihr „Verschleiertsein“ keine Frage bestehen soll, und indem er „jede Frau26 1. Korinther 11:5 “ nannte, als hätte er auch die Jungfrau genannt. Und genau so haben die Korinther ihn verstanden. Bis zum heutigen Tag halten sie ihre Jungfrauen verschleiert und zeigen damit, dass sie noch immer an eben jener Lehre festhalten, die sie von den Aposteln selbst empfangen haben.
Wir wollen nun sehen, ob die kirchliche Ordnung für die Frauen ebenso auch von der Jungfrau zu verstehen ist, wie wir gezeigt haben, dass die Argumente aus Natur und Vernunft auch für die Jungfrau gelten. Eine Frau darf in der Gemeinde nicht sprechen27 1. Korinther 14:34, noch lehren28 1. Timotheus 2:12, noch taufen, noch die Eucharistie darbringen, noch für sich irgendeine Rolle beanspruchen, die Männern zukommt, geschweige denn das Amt des Priestertums. Fragen wir also, ob irgendetwas davon der Jungfrau erlaubt ist. Wenn es ihr nicht erlaubt ist, wenn sie in allem denselben Bedingungen untersteht und mit der Frau dieselbe Pflicht zur Demut teilt, warum sollte der Jungfrau dann diese eine Freiheit gewährt werden, in der Kirche unverschleiert zu gehen, wenn sie jeder anderen Frau verboten ist? Mit welchem Recht beansprucht sie, sich über ihre Stellung zu erheben, nur weil sie Jungfrau ist und sich entschieden hat, ihr Fleisch heilig zu bewahren? Ist sie deshalb vom Schleier befreit, damit sie Aufsehen erregend in die Kirche eintreten kann, hervorgehoben, zur Schau gestellt, und in der Freiheit ihres Hauptes die Ehre der Heiligkeit vorführt? Wenn sie schon geehrt werden soll, dann mit einem würdigeren Vorrecht, im Rang oder im Amt! Ich weiß sehr wohl, dass irgendwo eine Jungfrau in den Stand der Witwen aufgenommen wurde, bevor sie das zwanzigste Lebensjahr erreicht hatte. Wenn der Bischof ihr irgendeine Erleichterung schuldete, hätte er sie gewiss auf andere Weise gewähren können, ohne die Ordnung zu verletzen, sodass ein solches Schauspiel, um nicht zu sagen: eine Missgestalt, jetzt nicht in der Kirche vorgezeigt würde: eine verwitwete Jungfrau!
Und umso ungeheuerlicher ist es, weil sie sich nicht einmal als Witwe verschleierte und damit beides verleugnete: ihre Jungfräulichkeit, indem sie als Witwe gerechnet wurde, und ihren Witwenstand, indem sie Jungfrau genannt wurde. Tertullian bezeugt hier, dass die Korinther noch zu seiner eigenen Zeit eben jene Praxis der Hauptbedeckung bewahrten, die sie unmittelbar von den Aposteln empfangen hatten. Das ist bedeutsam, denn er beruft sich nicht auf Neuerung oder örtliche Gewohnheit, sondern auf die Autorität der apostolischen Überlieferung selbst, die in den von den Aposteln und apostolischen Männern gegründeten Kirchen bewahrt wurde (Kapitel 2). Indem Tertullian sich ihrer Praxis anschließt, macht er deutlich, dass die Verschleierung, die er beschreibt, die Bedeckung des ganzen Hauptes und das Verbergen des Gesichts, dasselbe apostolische Gebot ist, das die Korinther stets bewahrt hatten; und sie stimmte mit dem überein, was die Korinther seiner Zeit noch immer als aus 1 Korinther 11 hergeleitet praktizierten. Daher ist die Praxis, die er verteidigt, keine Frage regionaler Verschiedenheit oder menschlicher Vorliebe, sondern die einheitliche Regel der Kirche Christi. Auch die Kirchenväter hielten dieses Gebot aufrecht, zum Beispiel Clemens von Alexandria, Hippolytus von Rom und Johannes Chrysostomus und andere; sie alle bekräftigen dasselbe Gebot, dass Frauen verschleiert sein sollen. Daraus ergibt sich also: Der Schleier, wie Tertullian ihn erklärt und wie die apostolischen Kirchen ihn praktizieren, ist nichts Geringeres als das Gebot Jesu Christi für alle christlichen Frauen, von allen Vätern einmütig aufrechterhalten. Und doch wagt sie, dort unverschleiert zu sitzen, unter demselben vorgeschützten Anspruch, Jungfrau zu sein. Aber jener Sitz, der den Witwen über sechzig vorbehalten ist, wird nicht nur Frauen gegeben, die einmal verheiratet waren, sondern auch Müttern, besonders solchen, die Kinder großgezogen haben29 1. Timotheus 5:9-10, damit sie, nachdem sie den ganzen Lauf der Prüfungen durchlaufen haben, in denen eine Frau erprobt wird, gut gerüstet sind, andere zu beraten und zu trösten, weil sie alles ertragen haben, wodurch eine Frau sich bewähren kann. Folglich wird der Jungfrau keinerlei Ehrenplatz gewährt.
Auch wird ihr kein äußeres Ehrenzeichen gewährt. Es wäre in der Tat hart, wenn Frauen, die in jeder Hinsicht den Männern untergeordnet sind, das Ehrenzeichen ihrer Jungfräulichkeit zur Schau tragen sollten, um Blicke, Bewunderung und Ruhm von den Brüdern zu gewinnen, während Männer, so viele Jungfrauen, so viele freiwillige Eunuchen30 Matthäus 19:12, mit ihrer edlen Gabe verborgen umhergehen und kein äußeres Zeichen tragen, das sie in gleicher Ehre sichtbar machen würde. Auch sie müssten dann irgendwelche Abzeichen für sich beanspruchen: die Federn der Garamanten? Die Riemen der Barbaren? Die goldenen Zikaden der Athener? Die Haarlocken der Germanen oder die Tätowierungen der Briten? Oder man soll das Gegenteil tun: Die Männer sollen mit verhülltem Haupt in die Kirche eintreten. Wir sind gewiss, dass der Heilige Geist ein solches äußeres Zeichen für Männer vorgeschrieben hätte, wenn er es für Frauen vorgeschrieben hätte, da Männer, über die natürliche Autorität ihres Geschlechts hinaus, noch mehr Ehre für Selbstbeherrschung verdienen. Denn die männliche Natur, die stärker zu Frauen hingezogen und entflammt ist, muss einen härteren und heißeren Kampf führen, um rein zu bleiben; und gerade deshalb ist ihre Selbstbeherrschung höher zu schätzen und jeder äußeren Zurschaustellung würdiger, wenn es denn die Zurschaustellung ist, die der Jungfräulichkeit ihre Würde gibt. Steht denn Enthaltsamkeit nicht höher als Jungfräulichkeit, sei es bei Witwern oder bei jenen verheirateten Männern, die im gegenseitigen Einvernehmen auf die gemeinsame Preisgabe der Keuschheit in der Ehe verzichtet haben? Denn Jungfräulichkeit wird als Gnadengabe empfangen, Selbstbeherrschung aber wird durch die Kraft der Tugend errungen. Es ist ein großer Kampf, dem Begehren zu widerstehen, wenn man seine Freuden einmal gekostet hat; hat man sie aber nie kennengelernt, ist es leicht, nicht zu begehren, da man keinen wirklichen Gegner hat, denn gerade der Genuss des Begehrens verleiht ihm seinen Stachel. Wie hätte Gott also Männer nicht mit einem solchen öffentlichen Ehrenzeichen kennzeichnen sollen, entweder weil sie sein Bild31 Genesis 1:27 unmittelbarer tragen oder weil sie härter kämpfen? Und wenn er dem Mann nichts gegeben hat, wie viel weniger der Frau.
Was ich aber zuvor beiseitegelassen habe, um den Gang der Beweisführung nicht zu unterbrechen, will ich jetzt zu Ende beantworten. Als wir festgestellt hatten, dass die uneingeschränkte Bestimmung des Apostels, „jede Frau“, von jedem Alter zu verstehen ist, lag der Einwand bereit: „Dann muss eine Jungfrau von Geburt an verschleiert werden, von ihrer allerersten Lebensstufe an! “ Keineswegs! Vielmehr von dem Augenblick an, da sie beginnt, sich selbst zu verstehen, in das Bewusstsein ihrer eigenen Natur einzutreten, aus der Jungfräulichkeit herauszutreten und jenen neuen Zustand zu erfahren, der einem anderen Lebensalter angehört. Denn unsere ersten Eltern, Adam und Eva, lebten, solange ihnen die Einsicht fehlte, nackt12 Genesis 2:25; als sie aber vom Baum der Erkenntnis kosteten, war das Erste, was sie empfanden, Scham32 Genesis 3:6-7. So versiegelte jedes Geschlecht sein neues Bewusstsein unter einer Bedeckung. Wenn eine Frau aber auch „um der Engel willen16 1. Korinther 11:10 “ verschleiert werden muss, dann tritt das Gesetz, das ihre Verschleierung fordert, ohne Zweifel in dem Alter in Kraft, in dem „die Töchter der Menschen33 Genesis 6:2 “ imstande sind, das Begehren der Männer auf sich zu ziehen, und imstande sind, in die Ehe einzutreten. Denn eine Jungfrau hört von dem Augenblick an auf, Jungfrau zu sein, in dem es möglich wird, keine mehr zu sein. Darum ist es bei Israel verboten, ein Mädchen einem Mann zur Ehe zu geben, bevor sie die Reife erreicht hat, erwiesen durch das Zeichen des Blutes; vor diesem Zeichen gilt sie noch nicht als reif. Wenn sie also Jungfrau ist, solange sie noch unreif ist, hört sie auf, Jungfrau zu sein, sobald sie als reif erkannt wird, und wird wie in der Ehe dem Gesetz (des Schleiers) unterstellt, weil sie nicht mehr Jungfrau ist. Die Verlobten sollen sich Rebekka zum Vorbild nehmen. Als sie zu ihrem Mann geführt wurde, der ihr noch fremd war, verweigerte sie ihm in dem Augenblick, da sie ihn als den Mann erkannte, den sie von fern gesehen hatte, die rechte Hand, den Kuss und sogar den Gruß, indem sie sich verschleierte34 Genesis 24:64-65. Indem sie bekannte, was sie in ihrem Herzen bereits wusste, dass sie im Geist seine Frau war, verleugnete sie auf der Stelle ihre Jungfräulichkeit dadurch, dass sie sich verschleierte. O welche Frau, schon geschult in der Zucht Christi! Sie zeigte, dass eine Ehe, ebenso wie Unzucht, durch die Augen und den Geist geschlossen werden kann. Einige bestehen freilich weiterhin darauf, Rebekka sei die ganze Zeit verschleiert gewesen!
Was aber die anderen betrifft, also jene, die noch nicht verlobt sind: Vielleicht schieben ihre Eltern die Verlobung hinaus, sei es aus Armut, sei es aus übergroßer Vorsicht, oder vielleicht wegen eines eigenen Keuschheitsgelübdes der Tochter. All das spielt keine Rolle: Die Zeit nimmt ihren natürlichen Lauf zur Reife und entrichtet ihre Schuld, indem sie die Veränderungen mit sich bringt, die das Mädchenalter beenden. Die Natur ist eine zweite Mutter, die im Verborgenen wirkt; die Zeit ist ein zweiter Vater, dem Blick entzogen; und gemeinsam verheiraten sie ihre Tochter nach ihren eigenen Gesetzen. Sieh deine Jungfrau an: Sie ist schon Ehefrau, in ihrer Seele durch Erwartung, in ihrem Fleisch durch Verwandlung, eben die, die du bereits für einen Ehemann vorbereitest. Ihre Stimme hat den kindlichen Klang verloren; ihr Leib ist voll ausgebildet, die Schamhaftigkeit kleidet sie überall, ihre monatlichen Zyklen entrichten ihren Tribut, und du willst bestreiten, dass sie eine Frau ist, obwohl du selbst zugibst, dass sie Frauliches erleidet? Wenn der Verkehr mit einem Mann eine Frau ausmacht, dann soll sie bis nach dem Vollzug der Ehe unverschleiert bleiben. Und doch werden selbst bei den Heiden die Bräute verschleiert, wenn sie zu ihren Männern geführt werden. Wenn sie aber schon bei der Verlobung verschleiert werden, weil sie durch den Kuss und das Ergreifen der rechten Hände mit dem Mann an Leib und Geist verbunden werden; weil sie in diesem Augenblick die Schamhaftigkeit des Geistes preisgeben; und weil sie sich durch ein gegenseitiges Gewissensversprechen zur vollständigen Vertrautheit verpflichten, wie viel mehr muss dann die Zeit selbst den Schleier auferlegen, da sie ohne sie gar nicht verlobt werden können. Auch ohne Verlobung führt die Zeit sie zu dem Alter und der Reife, in denen sie nicht mehr als Jungfrauen gelten. Selbst die Heiden achten auf die Zeit, sodass sie nach dem Gesetz der Natur Rechte nach dem Alter zusprechen: Ihre Mädchen betrachten sie mit zwölf Jahren als erwachsen, ihre Knaben zwei Jahre später; sie lassen sie zu den Angelegenheiten des Lebens zu und bestimmen die Geschlechtsreife nach Jahren, nicht nach Verlobung oder Ehe. Ein Mädchen heißt „Herrin des Hauses“, obwohl es noch Jungfrau ist; ein Junge „Herr des Hauses“, obwohl er noch in seiner Tunika steckt. Wir aber beachten nicht einmal, was die Natur selbst lehrt, als gäbe es neben unserem eigenen noch einen anderen Gott der Natur. Kurz: Die Zeit selbst bewirkt, dass Jungfrauen nicht länger Jungfrauen bleiben, indem sie sie zu Frauen macht, und verlangt darum, dass sie verschleiert werden. Das heißt: nicht ein Mann.
Erkenne die Frau, erkenne auch die Verheiratete, nach dem Zeugnis von Leib und Geist: Sie empfindet es im Gewissen und im Fleisch. Das sind die frühesten Urkunden natürlicher Verlobung und Ehe. Lege derjenigen einen äußeren Schleier an, die bereits eine innere Bedeckung trägt; wenn ihre unteren Körperteile bedeckt sind, dann verschleiere auch das Haupt. Willst du die Vollmacht des Alters erkennen? Stelle sie nebeneinander: die eine, die vorzeitig in Frauentracht gezwungen wurde, und die andere, die, obwohl sie ausgewachsen ist, noch in ihrer eigenen Kleidung in Jungfräulichkeit bleibt. Es wird leichter sein, zu leugnen, dass die erste eine Frau ist, als zu glauben, dass die zweite eine Jungfrau ist. So groß ist die Vollmacht des Alters, dass selbst das äußere Erscheinungsbild sie nicht verbergen kann. Sobald sie sich selbst als Frauen erkennen, werden sie aus der Reihe der Jungfrauen herausgeführt; sie legen ab, was sie einst waren, und beginnen beim Haupt: Sie richten ihr Haar neu, befestigen es mit einer lockereren, frecheren Nadel und erklären sich durch den Scheitel an der Stirn offen zu Frauen. Nun ziehen sie den Spiegel wegen ihrer Gestalt zu Rate; sie tränken ihr Gesicht mit zarten Waschungen, vielleicht bessern sie es sogar mit Schminke aus; sie stellen ihren modischen Umhang zur Schau; sie zwängen ihre Füße in Schuhe jeder Form; sie schleppen noch mehr Gerät mit sich in die Bäder. Warum jedes Einzelne verfolgen? Durch all diese offenkundigen Vorbereitungen führen sie ihr Frausein vollständig vor, und doch wollen sie allein durch die Nacktheit des Hauptes Jungfräulichkeit beanspruchen, indem sie mit diesem einen Zeichen verleugnen, was sie durch ihre ganze Erscheinung verkünden.
Wenn sie ihre Erscheinung missbrauchen, um Menschen zu beeindrucken, dann sollen sie es auch ganz zu Ende führen: indem sie ihr Haupt sogar unter den Heiden unverschleiert lassen. Zumindest aber sollen sie in der Kirche die Jungfräulichkeit verbergen, die sie außerhalb der Kirche so eifrig zu verhüllen suchen, indem sie das Haupt verschleiern. Wenn sie die Blicke der Außenstehenden fürchten, dann sollen sie auch ihren Brüdern in Christus Ehrfurcht erweisen. Oder sie sollen ganz kühn sein: Sie mögen nur auf den Straßen ebenso offen umhergehen wie in den Kirchen, als Jungfrauen unverschleiert. Ich werde ihren schamlosen Mut loben, wenn sie es sogar wagen würden, ihre Jungfräulichkeit auf dem Markt der Heiden auszurufen, wie sie es unter uns tun. Die Natur draußen ist dieselbe wie drinnen; dieselbe Zucht gilt unter Menschen und vor dem Herrn und steht in derselben Freiheit. Warum also verbergen sie ihre Ehre in der Öffentlichkeit und stellen sie doch in der Kirche zur Schau? Ich verlange eine Antwort: geschieht es, um ihren Brüdern zu gefallen, oder um Gott zu gefallen? Wenn es geschieht, um Gott zu gefallen, dann kann er das, was im Verborgenen geschieht, ebenso sehen, wie er vollkommen gerecht und rechtschaffen ist, wenn er belohnt, was allein für ihn getan wird. Ja, er gebietet, dass wir keine Posaune erschallen lassen35 Matthäus 6:2 für jene Dinge, die ihren Lohn von ihm haben werden, und dass wir sie nicht gegen den Beifall der Menschen eintauschen. Sie stellen sich in jeder Hinsicht als Frauen dar und verleugnen es doch, indem sie mit unverschleiertem Haupt umhergehen. Und wenn uns schon verboten ist, selbst die Tat, eine einzige Münze zu geben, oder irgendein Almosen, so zu tun, dass die linke Hand davon weiß36 Matthäus 6:3, wie viel mehr Verborgenheit muss uns dann umgeben, wenn wir Gott ein so großes Opfer darbringen wie dieses: die Hingabe unseres eigenen Leibes und unseres eigenen Geistes, wenn wir ihm unsere Natur selbst weihen? Wenn eine solche Zurschaustellung also nicht als etwas gelten kann, das für Gott geschieht, weil Gott nicht will, dass es auf diese Weise geschieht, dann folgt daraus, dass sie getan wird, um menschliche Anerkennung zu gewinnen. Und das ist bereits unerlaubt, weil es aus Begierde nach Ruhm entspringt. Eitle Ruhmsucht aber ist unerlaubt für jene, deren Bewährung in aller Demut liegt. Wenn Enthaltsamkeit wirklich eine Gabe Gottes ist, warum rühmst du dich, als hättest du sie nicht empfangen37 1. Korinther 4:7? Und wenn du sie nicht empfangen hast: Was hast du, das dir nicht gegeben wurde?37 1. Korinther 4:7 Gerade der Beweis dafür, dass sie dir nicht von Gott gegeben wurde, liegt darin, dass du deine Enthaltsamkeit nicht ihm allein weihst. Lasst uns also sehen, ob das, was nur menschlich ist, unerschütterlich und echt ist.
Sie wiederholen bisweilen, was eine bestimmte Person einmal sagte, als diese Frage, ob Jungfrauen den Schleier tragen müssen, erstmals aufkam: „Aber wie sollen wir die übrigen Jungfrauen dazu bewegen, diesen Brauch zu übernehmen? “ Als müssten wir uns schon freuen, wenn es mehr von ihnen gibt, statt über Gottes Gnade oder den Wert der Einzelnen. Bringen Jungfrauen der Kirche Ehre, oder ehrt die Kirche die Jungfrauen und stellt sie vor Gott? In Wahrheit gestand eben jene Person, die sie zitierten, damit ein, dass Menschenruhm der Beweggrund war. Und wo Menschenruhm ist, dort entsteht auch der Drang, Aufmerksamkeit zu erregen; wo der Drang ist, Aufmerksamkeit zu erregen, dort ist Zwang; wo Zwang ist, dort ist Notwendigkeit; wo Notwendigkeit ist, dort ist Schwäche. Weil sie sich also weigern, ihr Haupt zu verschleiern, um für Menschenruhm Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, müssen sie am Ende ihren anschwellenden Leib bedecken, wenn ihre Schwäche vor aller Augen offenbar wird. Denn es ist Rivalität, nicht Religion, die solche Jungfrauen hervorbringt. Manchmal ist sogar ihr Bauch ihr Gott38 Philipper 3:19, weil die Gesellschaft einer Jungfrau allzu bereitwillig willkommen geheißen wird. Diese Frauen, die sich als „Jungfrauen“ zur Schau stellen, fallen nicht nur selbst, sie ziehen „eine lange Kette von Sünden“ hinter sich her. Sind sie erst einmal ausgestellt, durch die öffentliche Zurschaustellung ihrer vermeintlichen Tugend aufgebläht und mit jeder Ehrung und jedem Liebeserweis der Brüder überhäuft, dann entspricht, wenn sie sich nach irgendeiner Sünde nicht länger verbergen können, das Gewicht ihrer Schande genau der Höhe der Ehre, die sie einst genossen haben. Wenn ein unverschleiertes Haupt als Zeichen der Jungfräulichkeit gilt, dann hält eine Jungfrau, die aus der Gnade der Jungfräulichkeit gefallen ist, ihr Haupt weiter unverschleiert, um nicht entdeckt zu werden, und tritt nun in einer fremden Gestalt auf: in der Gestalt wahrer Jungfräulichkeit.
Sie hält weiter an jener Gestalt fest, inzwischen wenigstens an einer geliehenen, damit sie nicht durch eine Veränderung entlarvt wird. Obwohl sie nun sehr wohl weiß, dass sie keine Jungfrau ist, wagt sie es, mit unbedecktem Haupt vor Gott zu treten. Doch Gott ist ein eifersüchtiger Gott39 Exodus 20:5, derselbe Herr, der sagte: „Nichts ist verborgen, das nicht offenbar werden wird40 Lukas 8:17. “ Und er sorgt dafür, dass viele von ihnen entlarvt werden. Denn sie werden nicht bekennen, es sei denn, sie werden durch das Schreien ihrer eigenen Kinder verraten. Und je mehr es von solchen Frauen gibt, werdet ihr dann nicht auch mehr haben, die man der Vergehen verdächtigt? Ich sage es, obwohl ich es nicht sagen will: Sobald eine Frau nicht mehr fürchtet, ihre Jungfräulichkeit zu verlieren, ist es selten, eine zu finden, die nicht weiter vorgibt, sie sei noch Jungfrau, selbst unter Gottes Blick. Wenn reife Jungfrauen sich weigern, ihr Haupt zu verschleiern, und ihr Gesicht zeigen, kann das zur Unzucht führen, und ihre Sünde wird offenbar, sobald sie schwanger wird. Denkt an Tertullians Aussage in Kapitel 7: Engel vom Himmel begehrten Jungfrauen, gingen zu ihnen ein und zeugten Riesen. Und bedenkt nur, wie weit sie gehen wird, um mit ihrem Schoß fertigzuwerden, damit sie nicht als Mutter entdeckt wird! Gott weiß, wie viele Kinder ausgetragen und gesund geboren wurden, nachdem ihre Mütter sie eine Zeit lang verborgen hatten. Solche Jungfrauen empfangen mit größter Leichtigkeit, gebären mit größtem Erfolg, und die Kinder sehen ihren Vätern sehr ähnlich. Das sind die Arten von Sünden, die aus einer Jungfräulichkeit kommen, die zugleich erzwungen und verlockt ist. Schon der Wunsch, gesehen zu werden, ist nicht züchtig; er trägt in sich, was einer Jungfrau nicht gehört: den Eifer zu gefallen, gewiss auch Männern. Und wie gut ihre Absichten auch sein mögen: Sobald sie sich öffentlich zeigt, bringt sie sich in Gefahr, von vielen umherschweifenden Blicken getroffen, von zeigenden Fingern gekitzelt, übermäßig geliebt und durch ständige Umarmungen und Küsse erwärmt zu werden. So wird ihre Stirn verhärtet, ihr Schamgefühl niedergeschlagen und aufgelöst, und sie lernt nun, auf andere Weise danach zu verlangen, Männern zu gefallen.
Wahre, vollständige und reine Jungfräulichkeit fürchtet nichts mehr als sich selbst. Sie will nicht einmal die Blicke anderer Frauen ertragen; sie hat ihre eigenen Augen. Zum Kopfschleier eilt sie wie zu einem Helm, wie zu einem Schild, um ihren Schatz vor den Schlägen der Versuchungen zu bewahren, vor den Pfeilen des Ärgernisses, vor Verdächtigungen, vor Geflüster, vor Rivalität und vor dem Neid selbst. Denn auch unter den Heiden gibt es etwas zu fürchten, was sie den „bösen Blick“ nennen: einen Fluch, der übermäßigem Lob und Ruhm folgt. Manchmal deuten wir dies als Werk des Teufels, denn er ist es, der das Gute hasst. Manchmal schreiben wir es Gott zu, denn es ist sein Gericht über den Hochmut: Er erhöht die Demütigen und stürzt die Hochmütigen41 Lukas 1:52. Je heiliger also die Jungfrau ist, desto mehr fürchtet sie beides unter dem Namen des „bösen Blicks“: auf der einen Seite die neidische Bosheit des Teufels, auf der anderen Gottes durchdringendes Gericht. Und sie freut sich, nur sich selbst und Gott bekannt zu sein. Selbst wenn sie bekannt wird, besteht ihre Weisheit darin, jeden Weg zur Versuchung zu verschließen. Denn wer würde es wagen, seine Augen fest auf ein verhülltes Gesicht zu richten, auf ein Gesicht, das nichts empfindet, auf ein Gesicht, das, wenn ich offen sprechen darf, streng ist? Jeder böse Gedanke wird durch solche Strenge gebrochen. Sie verleugnet sogar ganz, eine Frau zu sein, sie, die unter ihrem Schleier verbirgt, dass sie eine Jungfrau ist.
Hier also steht die Verteidigung unseres Standpunkts: Sie gründet auf der Schrift, auf der Natur und auf der kirchlichen Zucht. Die Schrift gibt das Gesetz vor, dass Frauen verschleiert sein sollen; die Natur selbst bezeugt es; und die Zucht der Kirche setzt es durch. Wer kann sich also auf „Gewohnheit“ berufen, um seine Meinung zu stützen, oder welche noch so scheinbare Begründung ließe sich vorbringen, um allen dreien zu widersprechen? Die Schrift gehört Gott. Die Natur gehört Gott. Die Zucht gehört Gott. Alles, was ihnen widerspricht, ist nicht von Gott. Wenn du behauptest, die Schrift sei unklar, spricht die Natur deutlich, und durch ihr Zeugnis kann die Schrift nicht unklar sein. Wenn du an der Natur zweifelst, wird die Zucht beweisen, was Gott am meisten liebt. Nichts ist ihm teurer als Demut, nichts angenehmer als Schamhaftigkeit, nichts verhasster als Ruhm und der Wunsch, Menschen zu gefallen. Das sei deine Schrift, deine Natur und deine Zucht: was immer Gott gutheißt. Denn euch ist geboten: „prüft alles; haltet fest, was das Beste ist42 1. Thessalonicher 5:21. “ Nun wende ich mich direkt an euch Frauen, damit ihr dies umso mehr annehmt. Ich bitte euch: Ob du Mutter bist, Schwester oder jungfräuliche Tochter, verschleiere dein Haupt. Bist du Mutter, tu es um deiner Söhne willen; bist du Schwester, um deiner Brüder willen; bist du Tochter, um deiner Väter willen. In dir gerät jedes Alter in Gefahr. Lege die Waffenrüstung der Schamhaftigkeit an; umgib dich mit der Mauer der Scheu; errichte deinem Geschlecht eine Mauer, die keinen deiner eigenen Blicke hinauslässt und keinen fremden hereinlässt. Erfülle die äußere Erscheinung einer Frau, damit du die Ehre einer Jungfrau bewahrst. Verbirg manches von dem, was in dir ist, damit du die Wahrheit nur Gott zeigst; dabei lügst du nicht, indem du vorgibst, verheiratet zu sein, denn du bist mit Christus vermählt worden. Ihm hast du deinen Leib gegeben, ihm hast du deine Weiblichkeit verpfändet. Wandle nach dem Willen deines Bräutigams. Christus ist es, der sogar den Bräuten und Ehefrauen anderer Männer gebietet, verschleiert zu sein. Wie viel mehr also seinen eigenen?
Ich muss auch euch mahnen, Frauen der zweiten Stufe der Schamhaftigkeit, euch, die ihr in die Ehe eingetreten seid: Lasst euch von der Zucht des Schleiers nicht abbringen, nicht einmal für einen einzigen Augenblick! Da ihr ihn nicht abwerfen könnt, zerstört ihn nicht auf andere Weise, indem ihr weder recht verschleiert noch recht unbedeckt umhergeht. Einige verschleiern mit Turbanen und wollenen Bändern nicht das Haupt, sondern binden es nur zusammen: an der Stirn bedeckt, aber dort unbedeckt, wo das Haupt wirklich ist. Andere lassen mit einem kleinen Fetzen Leinen, wohl damit er das Haupt nicht drückt, den Schleier nicht einmal bis zu den Ohren herabfallen und lassen so das Gehirn unbedeckt. Ich bedaure sie, wenn ihr Gehör so schwach ist, dass sie durch einen Schleier hindurch nicht hören können! Sie sollen wissen, dass das ganze Haupt der „Frau“ gehört. Seine Grenzen und Ränder reichen so weit, wie die Kleidung beginnt. So viel Raum gelöstes Haar bedecken kann, so viel ist das Gebiet des Schleiers; er soll sogar den Hals umschließen, denn auch eure Hälse stehen unter derselben Unterordnung. Darum wird die „Vollmacht“ „auf dem Haupt16 1. Korinther 11:10 “ getragen. Der Schleier ist euer Joch. Ihr werdet von den heidnischen Frauen Arabiens verurteilt werden, die nicht nur das Haupt, sondern sogar das ganze Gesicht bedecken und nur ein Auge frei lassen; sie ziehen es vor, nur das halbe Licht zu genießen, statt ihr ganzes Gesicht preiszugeben. Die Frau zieht es vor zu sehen, statt gesehen zu werden.
Eine gewisse römische Königin sagte einst, sie seien „höchst elend“, weil sie mehr lieben können, als sie geliebt werden können; doch in Wahrheit sind sie glücklich, befreit vom allzu gewöhnlichen Elend der Frauen, denn für eine Frau ist es immer leichter, begehrt zu werden als zu begehren. Selbst die heidnischen Frauen Arabiens, die ihr vielleicht „Barbarinnen“ nennen würdet, zeigen eine reinere und strengere Sittsamkeit als manche von euch. Aber unser Herr hat sogar durch Offenbarungen die Grenzen des Schleiers abgesteckt. Denn einst erschien einer unserer Schwestern im Traum ein Engel, schlug ihren Hals, als verspotte er ihn, und sagte: „Zierlicher Hals, und mit Recht entblößt! Es ist gut für dich, vom Haupt bis zu den Lenden unbedeckt zu sein, damit dir diese Freiheit des Halses ja keinen Nutzen bringt. “ Und gewiss: Was zu einer gesagt wird, wird zu allen gesagt43 Markus 13:37. Wie großen Tadel verdienen jene Frauen, die während der Psalmen oder bei jeder Erwähnung Gottes unverschleiert bleiben! Manche werfen eine Borte oder eine Quaste oder irgendeinen Faden über ihr Haupt und halten sich für „verschleiert“, so falsch bedecken sie ihr Haupt! Andere, deren Schmuck wertvoller ist als jede Borte und jeder Faden, missbrauchen ihr Haupt dennoch nicht weniger: wie ein bestimmtes Tier, geflügelt und doch mehr Vieh als Vogel, mit kurzem Kopf, langem Hals und hohem übrigen Leib. Wenn es sich versteckt, steckt es nur den Kopf ins Gebüsch und lässt alles Übrige offen liegen; und so wird es, weil es sich sicher glaubt, da der Kopf verborgen ist, samt Kopf gefangen. So sind auch diese Frauen weniger bedeckt, als es nützlich wäre, und werden gerade mit dem Haupt gefangen, das sie zu verbergen vorgeben. Darum lebt zu jeder Zeit und an jedem Ort eingedenk des Gesetzes des Schleiers, bereit und gerüstet für jede Erwähnung Gottes; denn wenn er im Herzen ist, wird er am Haupt der Frauen erkannt werden. Dies sei, mit allem Frieden für die Leser, die das Nützliche der Gewohnheit vorziehen. Friede und Gnade von unserem Herrn Jesus mögen Septimius Tertullian überreich zuteilwerden, dessen kleines Werk dies ist.
