Die ersten Christen

Das, was zuerst da war, ist wahr. Die Wahrheit ist von Anfang an.

Apologie

Aristides von Athen ⏱️ 33 Min. Lesezeit
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Ich, o König, bin durch die Gnade Gottes in diese Welt gekommen; und als ich den Himmel, die Erde und die Meere betrachtete und die Sonne samt der übrigen Schöpfung ansah, staunte ich über die Schönheit der Welt. Und ich erkannte, dass die Welt und alles, was in ihr ist, durch die Macht eines anderen bewegt wird; und ich verstand, dass der, der sie bewegt, Gott ist, in ihnen verborgen und durch sie verhüllt. Offenbar ist ja das, was Bewegung hervorruft, mächtiger als das, was bewegt wird. Doch diesen Beweger aller Dinge selbst zu erforschen, was seine Natur sei (denn mir scheint, er ist seiner Natur nach tatsächlich unerforschlich), und über die Beständigkeit seiner Herrschaft so zu argumentieren, dass ich sie vollständig erfasse, das ist für mich vergebliche Mühe; denn es ist einem Menschen nicht möglich, sie ganz zu begreifen. Ich sage jedoch von diesem Beweger der Welt: Er ist der Gott aller, der alles um der Menschen willen geschaffen hat. Und mir scheint dies vernünftig: Man soll Gott fürchten und den Menschen nicht unterdrücken. Ich sage also: Gott ist nicht geboren, nicht gemacht, eine ewig bleibende Natur ohne Anfang und ohne Ende, unsterblich, vollkommen und unbegreiflich. Wenn ich nun sage, er sei „vollkommen“, so bedeutet das: In ihm gibt es keinen Mangel, und er bedarf nichts, vielmehr bedarf alles seiner. Und wenn ich sage, er sei „ohne Anfang“, so bedeutet das: Alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende, und was ein Ende hat, kann zu Ende gebracht werden. Er hat keinen Namen; denn alles, was einen Namen hat, ist mit den geschaffenen Dingen verwandt. Gestalt hat er keine, auch keine Verbindung von Gliedern; denn alles, was dergleichen besitzt, ist mit den geformten Dingen verwandt. Er ist weder männlich noch weiblich. Die Himmel begrenzen ihn nicht, sondern die Himmel und alle Dinge, sichtbare wie unsichtbare, empfangen ihre Grenzen von ihm. Einen Widersacher hat er nicht; denn es gibt nichts, das stärker wäre als er. Zorn und Unwillen besitzt er nicht; denn es gibt nichts, was gegen ihn bestehen könnte. Unwissenheit und Vergessen gehören nicht zu seiner Natur; denn er ist ganz Weisheit und Einsicht, und in ihm hat alles, was existiert, festen Bestand. Er braucht kein Opfer und kein Trankopfer, ja nicht einmal irgendetwas von den sichtbaren Dingen; er braucht nichts von irgendwem, sondern alle lebenden Geschöpfe bedürfen seiner.

Da wir nun zu dir über Gott gesprochen haben, soweit unsere Darlegung von ihm handeln kann, wollen wir jetzt zum Menschengeschlecht kommen, damit wir erkennen, welche von ihnen an der Wahrheit teilhaben, von der wir gesprochen haben, und welche von ihr abirren. Das ist dir klar, o König: In dieser Welt gibt es vier Klassen von Menschen: Barbaren und Griechen, Juden und Christen. Die Barbaren leiten den Ursprung ihrer Art von Religion von Kronos und Rhea und ihren übrigen Göttern her; die Griechen dagegen leiten ihn von Helenos her, von dem gesagt wird, er stamme von Zeus ab. Von Helenos wurden Aiolos und Xuthos geboren; andere wiederum stammten von Inachos und Phoroneus ab, zuletzt auch von dem Ägypter Danaos sowie von Kadmos und Dionysos. Die Juden wiederum leiten den Ursprung ihres Geschlechts von Abraham her, der Isaak zeugte, von dem Jakob geboren wurde. Dieser zeugte zwölf Söhne, die von Syrien nach Ägypten zogen; dort wurden sie von dem, der ihnen ihre Gesetze gab, das Volk der Hebräer genannt, und schließlich erhielten sie den Namen Juden. Die Christen nun leiten den Anfang ihrer Religion von Jesus, dem Messias, her; er wird Sohn Gottes, des Höchsten, genannt. Und es heißt, Gott sei vom Himmel herabgekommen, habe von einer hebräischen Jungfrau Fleisch angenommen und sich damit bekleidet; und der Sohn Gottes lebte in einer Menschentochter. Dies wird in dem sogenannten Evangelium gelehrt, das vor kurzer Zeit unter ihnen verkündigt wurde; und auch du kannst, wenn du darin liest, die Kraft wahrnehmen, die ihm eigen ist. Dieser Jesus also wurde aus dem Geschlecht der Hebräer geboren; und er hatte zwölf Jünger, damit der Zweck seiner Fleischwerdung zur gegebenen Zeit erfüllt würde. Er selbst aber wurde von den Juden durchbohrt, starb und wurde begraben; und sie sagen, dass er nach drei Tagen auferstand1 1. Korinther 15:3-4 und zum Himmel auffuhr2 Apostelgeschichte 1:9. Daraufhin zogen diese zwölf Jünger in alle bekannten Gegenden der Welt hinaus und bezeugten seine Größe fortwährend mit aller Bescheidenheit und Rechtschaffenheit. Daher werden auch die Menschen der Gegenwart, die jener Verkündigung glauben, Christen genannt, und sie sind bekannt geworden. Es gibt also, wie ich oben sagte, vier Klassen von Menschen: Barbaren und Griechen, Juden und Christen. Außerdem ist der Wind Gott gehorsam, das Feuer den Engeln, die Wasser den Dämonen und die Erde den Menschen.

Beginnen wir also mit den Barbaren und gehen dann der Reihe nach zu den übrigen Völkern über, damit wir sehen, welche von ihnen die Wahrheit über Gott festhalten und welche dem Irrtum anhängen. Weil die Barbaren Gott nicht erkannten, gingen sie unter den Elementen in die Irre und begannen, geschaffene Dinge statt ihres Schöpfers anzubeten. Zu diesem Zweck fertigten sie Abbilder an, schlossen sie in Heiligtümer ein, und siehe: Sie beten sie an, während sie sie mit großer Sorgfalt bewachen, damit ihre Götter nicht von Räubern gestohlen werden. Die Barbaren merkten nicht, dass das, was Wache hält, größer ist als das Bewachte, und dass jeder, der etwas schafft, größer ist als das, was geschaffen wird. Wenn ihre Götter also zu schwach sind, für ihre eigene Sicherheit zu sorgen, wie werden sie dann für die Sicherheit der Menschen Sorge tragen? Groß ist also der Irrtum, in den die Barbaren geraten sind, indem sie leblose Abbilder anbeten, die nichts tun können, um ihnen zu helfen. Und ich muss mich wundern, o König, über ihre Philosophen: wie auch sie in die Irre gingen und Abbilder, die zu Ehren der Elemente gemacht waren, Götter nannten; und wie ihre Weisen nicht erkannten, dass auch die Elemente auflösbar und vergänglich sind. Denn wenn ein kleiner Teil eines Elements aufgelöst oder zerstört wird, kann das Ganze aufgelöst und zerstört werden. Wenn also die Elemente selbst aufgelöst und zerstört werden und gezwungen sind, einer anderen Macht unterworfen zu sein, die widerständiger ist als sie, und wenn sie ihrer Natur nach keine Götter sind, warum nennen sie dann überhaupt die Abbilder, die zu ihrer Ehre gemacht sind, Gott? Groß ist also der Irrtum, den die Philosophen unter ihnen über ihre Anhänger gebracht haben.

Wenden wir uns nun, o König, den Elementen selbst zu, damit wir an ihnen deutlich machen, dass sie keine Götter sind, sondern etwas Geschaffenes, dem Verfall und Wandel unterworfen und von derselben Natur wie der Mensch; Gott hingegen ist unvergänglich, unveränderlich und unsichtbar, und doch sieht er alles, herrscht über alles und verwandelt alles. Wer also von der Erde glaubt, sie sei ein Gott, hat sich bisher selbst getäuscht; denn sie wird gepflügt, bepflanzt und von Gräben durchzogen, und sie nimmt den schmutzigen Abfall von Menschen, wilden Tieren und Vieh auf. Zuweilen wird sie auch unfruchtbar; denn wenn sie zu Asche verbrannt wird, verliert sie das Leben, weil aus einem irdenen Gefäß nichts keimt. Und außerdem: Wenn Wasser auf ihr gesammelt wird, löst sie sich samt dem, was sie hervorbringt, auf. Sie wird von Menschen und Tieren mit Füßen getreten, nimmt die Blutflecken der Erschlagenen auf, wird aufgegraben, mit Toten gefüllt und wird zum Grab für Leichname. Es ist aber unmöglich, dass eine Natur, die heilig, würdig, selig und unsterblich ist, eines dieser Dinge an sich geschehen lässt. Daher zeigt sich uns: Die Erde ist kein Gott, sondern eine Schöpfung Gottes.

Ebenso irrten auch jene, die glaubten, die Wasser seien Götter. Denn die Wasser wurden zum Gebrauch des Menschen geschaffen und sind ihm in vieler Hinsicht unterstellt. Sie verändern sich, nehmen Unreinheit auf, werden zerstört und verlieren ihre Beschaffenheit, wenn man sie zu vielen Stoffen verkocht. Sie nehmen auch Farben an, die ihnen nicht von Natur zukommen; ebenso werden sie durch Frost verfestigt und mit dem Schmutz von Menschen und Tieren sowie mit dem Blut der Erschlagenen vermischt und durchdrungen. Von kundigen Werkleuten durch die Begrenzung von Wasserleitungen gehemmt, fließen sie und werden gegen ihre Neigung abgeleitet; sie gelangen in Gärten und an andere Orte, damit sie gesammelt werden und als Mittel der Fruchtbarkeit für den Menschen hervorquellen, damit sie jede Unreinheit wegwaschen und den Dienst erfüllen, den der Mensch von ihnen verlangt. Daher ist es unmöglich, dass die Wasser ein Gott sind; vielmehr sind sie ein Werk Gottes und ein Teil der Welt. Ebenso irrten auch jene in nicht geringem Maß, die glaubten, das Feuer sei ein Gott. Denn auch dieses wurde zum Dienst der Menschen geschaffen und ist ihnen in vieler Hinsicht unterworfen: bei der Zubereitung von Speisen, als Mittel zum Gießen von Metallen und zu anderen Zwecken, die Eurer Majestät bekannt sind. Zugleich wird es auf vielerlei Weise gedämpft und ausgelöscht. Wiederum irrten auch jene, die glaubten, die Bewegung der Winde sei ein Gott. Denn uns ist wohlbekannt, dass jene Winde unter der Herrschaft eines anderen stehen: Bald nimmt ihre Bewegung zu, bald lässt sie nach und hört auf den Befehl dessen hin auf, der sie lenkt. Denn sie wurden von Gott um der Menschen willen geschaffen, damit sie den Bedarf der Bäume, Früchte und Samen decken, und damit sie über das Meer Schiffe führen, die den Menschen das Notwendige und Waren von Orten, wo sie vorhanden sind, an Orte bringen, wo sie nicht vorhanden sind; außerdem, damit sie die Weltgegenden lenken. Was sie selbst betrifft, so nehmen sie bald zu und lassen dann wieder nach; an einem Ort bringen sie Hilfe, an einem anderen richten sie auf Geheiß dessen, der sie beherrscht, Schaden an. Auch die Menschen können sie mit bekannten Mitteln einschließen und zurückhalten, damit sie für sie den Dienst erfüllen, den sie von ihnen verlangen. Aus sich selbst aber besitzen sie keinerlei Vollmacht. Daher ist es unmöglich, die Winde Götter zu nennen; vielmehr sind sie etwas von Gott Geschaffenes.

Ebenso irrten auch jene, die glaubten, die Sonne sei ein Gott. Denn wir sehen, dass sie durch den Zwang eines anderen bewegt wird, sich dreht, ihre Bahn zieht und von Zeichen zu Zeichen fortschreitet, indem sie jeden Tag aufgeht und untergeht, um für das Wachstum der Pflanzen und Bäume Wärme zu geben und alles, was auf der Erde wächst, in die Luft hervorzubringen, mit der ihr Licht vermischt ist. Im Vergleich kommt ihr auf ihrer Bahn ein Anteil gemeinsam mit den übrigen Sternen zu; und obwohl sie ihrer Natur nach eine ist, ist sie zur Versorgung der Bedürfnisse der Menschen mit vielen Teilen verbunden, und zwar nicht nach ihrem eigenen Willen, sondern vielmehr nach dem Willen dessen, der sie regiert. Daher ist es unmöglich, dass die Sonne ein Gott ist; sie ist vielmehr das Werk Gottes. Ebenso verhält es sich auch mit dem Mond und den Sternen.

Auch jene, die von den Menschen der Vorzeit glaubten, einige von ihnen seien Götter gewesen, irrten sehr. Denn wie du selbst zugibst, o König, besteht der Mensch aus den vier Elementen, aus Seele und Geist, und darum wird er Mikrokosmos genannt; ohne einen dieser Teile könnte er nicht bestehen. Er hat einen Anfang und ein Ende, er wird geboren und stirbt. Gott aber hat, wie ich sagte, nichts von alledem in seiner Natur, sondern ist ungeschaffen und unvergänglich. Darum ist es unmöglich, den Menschen als von Gottes Natur hinzustellen: den Menschen, dem zuweilen, wenn er Freude erwartet, Kummer widerfährt, und wenn er Lachen erwartet, Weinen zuteilwird; der zornig, begehrlich und neidisch ist und auch noch andere Mängel hat. Auf vielerlei Weise wird er durch die Elemente und auch durch die Tiere vernichtet. Darum, o König, müssen wir den Irrtum der Barbaren erkennen: dass sie, weil sie keine Spuren des wahren Gottes fanden, dadurch von der Wahrheit abwichen und dem Begehren ihrer Einbildung folgten; sie dienten den vergänglichen Elementen und leblosen Abbildern und erfassten durch ihren Irrtum nicht, wer der wahre Gott ist.

Wenden wir uns weiter auch den Griechen zu, damit wir erkennen, welche Meinung sie über den wahren Gott haben. Die Griechen also sind, weil sie scharfsinniger sind als die Barbaren, noch weiter in die Irre gegangen als die Barbaren: Sie haben nämlich viele erdichtete Götter eingeführt und einige von ihnen als männlich, andere als weiblich hingestellt; und unter ihren Göttern fanden sich solche, die Ehebrecher waren, Mord begingen, verblendet waren, neidisch, zornig und leidenschaftlich waren, Vatermörder, Diebe und Räuber. Von einigen sagen sie, sie seien verkrüppelt gewesen und hätten gehinkt; andere seien Zauberer gewesen; manche seien sogar wahnsinnig geworden; einige hätten auf Leiern gespielt; andere hätten sich dem Umherstreifen auf den Bergen hingegeben; manche seien sogar gestorben; einige seien vom Blitz erschlagen worden; andere seien sogar Menschen zu Dienern gemacht worden; einige seien durch Flucht entkommen; manche seien von Menschen entführt worden; einige schließlich seien von Menschen beklagt und beweint worden. Von einigen sagen sie, sie seien in den Hades hinabgestiegen; andere seien schwer verwundet worden; einige hätten sich in die Gestalt von Tieren verwandelt, um das Geschlecht sterblicher Frauen zu verführen; und andere hätten sich durch den Verkehr mit Männern befleckt. Von einigen sagen sie, sie seien mit ihren Müttern, ihren Schwestern und ihren Töchtern verheiratet gewesen. Und von ihren Göttern sagen sie, sie hätten mit den Töchtern der Menschen Ehebruch begangen; aus ihnen sei ein bestimmtes Geschlecht hervorgegangen, das ebenfalls sterblich war. Und sie sagen, einige der Frauen hätten über Schönheit gestritten und seien vor Menschen zum Urteil erschienen. So, o König, haben die Griechen über ihre Götter und über sich selbst Schändlichkeit, Widersinn und Dummheit vorgebracht, indem sie Wesen von solcher Art Götter nannten, die keine Götter sind. Daher haben die Menschen Anreize empfangen, Ehebruch und Unzucht zu begehen, zu stehlen und alles zu tun, was anstößig, verhasst und verabscheuungswürdig ist. Denn wenn jene, die ihre Götter genannt werden, all das taten, was oben beschrieben ist, um wie viel mehr werden es dann Menschen tun, Menschen, die glauben, dass ihre Götter selbst es getan haben. Und wegen der Schändlichkeit dieses Irrtums sind über die Menschheit bedrängende Kriege, große Hungersnöte, bittere Gefangenschaft und völlige Verwüstung gekommen. Ja, allein aus diesem Grund litten sie, und all dies kam über sie; und während sie es ertrugen, begriffen sie in ihrem Sinn nicht, dass dies wegen ihres Irrtums über sie kam.

IX. Gehen wir weiter zu dem, was sie über ihre Götter erzählen, damit wir sorgfältig darlegen können, was oben gesagt wurde. Zuerst führen die Griechen Kronos als Gott an, das heißt Chiun (Saturn). Seine Verehrer opfern ihm ihre Kinder und verbrennen einige von ihnen ihm zu Ehren lebendig. Und sie sagen, er habe Rhea unter seine Frauen aufgenommen und mit ihr viele Kinder gezeugt. Mit ihr zeugte er auch Dios, der Zeus genannt wird. Schließlich verfiel er (Kronos) dem Wahnsinn, und aus Furcht vor einem Orakelspruch, der ihm bekannt gemacht worden war, begann er seine Söhne zu verschlingen. Zeus aber wurde ihm heimlich entwendet; und schließlich fesselte Zeus ihn, verstümmelte die Zeichen seiner Männlichkeit und warf sie ins Meer. Daraus, so sagen sie in ihrer Fabel, sei Aphrodite entstanden, die Astarte genannt wird. Und er (Zeus) stieß Kronos gefesselt in die Finsternis hinaus. Groß ist also der Irrtum und die Schande, die die Griechen über den ersten ihrer Götter vorgebracht haben, indem sie all dies von ihm sagten, o König. Es ist unmöglich, dass ein Gott gefesselt oder verstümmelt wird; wenn es aber anders wäre, dann wäre er wahrhaft elend. Nach Kronos führen sie einen anderen Gott an, Zeus. Von ihm sagen sie, er habe die Herrschaft übernommen und sei König über alle Götter gewesen. Und sie sagen, er habe sich in ein Tier und in andere Gestalten verwandelt, um sterbliche Frauen zu verführen und sich durch sie Kinder zu erwecken. Einmal, sagen sie, habe er sich aus Liebe zu Europa und Pasiphae in einen Stier verwandelt. Wiederum habe er sich aus Liebe zu Danae in die Gestalt von Gold verwandelt, aus Liebe zu Leda in einen Schwan, aus Liebe zu Antiope in einen Mann und aus Liebe zu Luna in einen Blitz, und so habe er durch diese viele Kinder gezeugt. Denn mit Antiope, sagen sie, habe er Zethus und Amphion gezeugt, mit Luna Dionysos, mit Alkmene Herkules, mit Leto Apollo und Artemis, mit Danae Perseus, mit Leda Castor und Polydeukes sowie Helene und Paludus; mit Mnemosyne zeugte er neun Töchter, die sie Musen nannten, und mit Europa Minos, Rhadamanthos und Sarpedon. Zuletzt verwandelte er sich aus Leidenschaft für Ganydemos (Ganymed), den Hirten, in die Gestalt eines Adlers. Wegen dieser Erzählungen, o König, ist viel Böses unter den Menschen entstanden, die bis zum heutigen Tag Nachahmer ihrer Götter sind: Sie treiben Ehebruch, beflecken sich mit ihren Müttern und Schwestern und durch Verkehr mit Männern, und einige erkühnen sich sogar, ihre Eltern zu töten. Denn wenn der, von dem gesagt wird, er sei der Oberste und König ihrer Götter, solche Dinge tut, um wie viel mehr sollten seine Verehrer ihn nachahmen? Groß ist die Dummheit, welche die Griechen in ihrer Erzählung über ihn vorgebracht haben. Denn es ist unmöglich, dass ein Gott Ehebruch oder Unzucht treibt, sich Männern nähert, um mit ihnen zu liegen, oder seine Eltern tötet; wenn es aber anders wäre, dann wäre er weit schlimmer als ein verderbenbringender Dämon.

Weiter führen sie Hephaistos als einen anderen Gott vor. Von ihm sagen sie, er sei lahm, trage eine Kappe auf dem Kopf und halte Feuerzange und Hammer in den Händen; er betreibe das Eisenhandwerk, um sich dadurch den notwendigen Lebensunterhalt zu verschaffen. Ist dieser Gott also so sehr bedürftig? Doch es kann nicht sein, dass ein Gott bedürftig oder lahm ist; sonst wäre er völlig wertlos. Ferner bringen sie einen anderen Gott ein und nennen ihn Hermes. Von ihm sagen sie, er sei ein Dieb, der die Habgier liebt und nach Gewinn giert, ein Zauberer, verstümmelt, ein Athlet und ein Ausleger der Sprache. Doch es ist unmöglich, dass ein Gott ein Zauberer oder habgierig ist, verstümmelt, begierig nach Fremdem oder ein Athlet. Wenn es aber anders wäre, erwiese er sich als nutzlos. Nach ihm führen sie Asklepios als einen anderen Gott vor. Von ihm sagen sie, er sei Arzt und bereite Arzneien und Pflaster, um sich den notwendigen Lebensunterhalt zu verschaffen. Ist dieser Gott also in Not? Schließlich wurde er wegen Tyndareos von Lacedaemon von Dios mit dem Blitz getroffen und starb so. Wenn Asklepios also ein Gott wäre und, als er vom Blitz getroffen wurde, sich selbst nicht helfen konnte, wie sollte er dann anderen Hilfe geben können? Doch dass eine göttliche Natur in Not ist oder durch einen Blitz vernichtet wird, ist unmöglich. Wiederum führen sie einen anderen als Gott vor und nennen ihn Ares. Von ihm sagen sie, er sei ein Krieger, eifersüchtig und begehre Schafe und Dinge, die ihm nicht gehören. Und er verschaffe sich Gewinn durch seine Waffen. Sie sagen, er habe schließlich mit Aphrodite Ehebruch begangen und sei von dem kleinen Knaben Eros und von Hephaistos, dem Gatten der Aphrodite, ertappt worden. Doch es ist unmöglich, dass ein Gott ein Krieger, gefesselt oder ein Ehebrecher ist. Wiederum sagen sie von Dionysos, er sei wahrhaftig ein Gott, der bei Nacht Trinkgelage veranstalte, Trunkenheit lehre und Frauen raube, die ihm nicht gehören. Schließlich, sagen sie, sei er wahnsinnig geworden, habe seine Dienerinnen entlassen und sei in die Wüste geflohen; und in seinem Wahnsinn habe er Schlangen gegessen. Am Ende wurde er von Titanos getötet. Wenn Dionysos also ein Gott wäre und, als er getötet wurde, sich selbst nicht helfen konnte, wie könnte er dann anderen helfen? Als Nächsten führen sie Herakles vor und sagen, er sei ein Gott, der Abscheuliches hasse, ein Tyrann, ein Krieger und ein Vernichter von Plagen. Auch von ihm sagen sie, er sei schließlich wahnsinnig geworden, habe seine eigenen Kinder getötet, sich in ein Feuer geworfen und sei gestorben. Wenn Herakles also ein Gott ist und sich in all diesen Unglücksfällen nicht selbst retten konnte, wie sollten andere von ihm Hilfe erbitten? Doch es ist unmöglich, dass ein Gott wahnsinnig oder betrunken ist, seine Kinder tötet oder vom Feuer verzehrt wird.

Nach ihm führen sie einen anderen Gott vor und nennen ihn Apollon. Von ihm sagen sie, er sei eifersüchtig und unbeständig; bald halte er Bogen und Köcher, bald wieder Leier und Plektron. Und er erteilt den Menschen Orakel, damit er von ihnen Lohn empfängt. Braucht dieser Gott also Lohn? Doch es ist eine Beleidigung, dass all dies bei einem Gott anzutreffen sein soll. Nach ihm führen sie Artemis als Göttin vor, die Schwester des Apollo; und sie sagen, sie sei eine Jägerin gewesen, habe selbst Bogen und Pfeile getragen und sei auf den Bergen umhergestreift, wobei sie die Hunde zur Jagd auf Hirsche oder wilde Eber des Feldes führte. Doch es ist schändlich, dass ein jungfräuliches Mädchen allein auf den Höhen umherstreift oder auf der Jagd Tiere verfolgt. Deshalb ist es unmöglich, dass Artemis eine Göttin ist. Weiter sagen sie von Aphrodite, sie sei tatsächlich eine Göttin. Bald wohnt sie bei ihren Göttern, bald aber ist sie den Menschen benachbart. Einmal hatte sie Ares zum Geliebten, ein anderes Mal Adonis, der Tammuz ist. Einst klagte und weinte Aphrodite auch über den Tod des Tammuz, und sie sagen, sie sei in den Scheol hinabgestiegen, um Adonis von Persephone loszukaufen, der Tochter des Scheol (Hades). Wenn Aphrodite also eine Göttin ist und ihrem Geliebten bei seinem Tod nicht helfen konnte, wie wird sie dann imstande sein, anderen zu helfen? Und man kann es nicht hinnehmen, dass eine göttliche Natur zu Weinen, Klagen und Ehebruch kommt. Und wieder sagen sie von Tammuz, er sei ein Gott. Und er ist, wahrhaftig, ein Jäger und Ehebrecher. Sie sagen, er sei durch die Wunde eines wilden Ebers getötet worden, ohne sich selbst helfen zu können. Wenn er sich aber selbst nicht helfen konnte, wie kann er für das Menschengeschlecht Sorge tragen? Doch dass ein Gott ein Ehebrecher oder Jäger ist oder gewaltsam stirbt, ist unmöglich. Wieder sagen sie von Rhea, sie sei die Mutter ihrer Götter. Und sie sagen, sie habe einst Atys zum Geliebten gehabt und habe an verdorbenen Männern Gefallen gefunden. Am Ende erhob sie eine Klage und trauerte um Atys, ihren Geliebten. Wenn also die Mutter ihrer Götter ihrem Geliebten nicht helfen und ihn nicht vom Tod befreien konnte, wie kann sie anderen helfen? Darum ist es schändlich, dass eine Göttin klagt und weint und an verdorbenen Männern Gefallen findet. Wieder führen sie Kore ein und sagen, sie sei eine Göttin; sie wurde von Pluto geraubt und konnte sich selbst nicht helfen. Wenn sie also eine Göttin ist und sich selbst nicht helfen konnte, wie wird sie Mittel finden, anderen zu helfen? Denn ein Gott, der geraubt wird, ist sehr machtlos. All dies also, o König, haben die Griechen über ihre Götter vorgebracht, und sie haben es über sie erfunden und verkündet. Daher empfingen alle Menschen den Antrieb, alle Gottlosigkeit und alle Befleckungen zu vollbringen; und dadurch wurde die ganze Erde verdorben.

Die Ägypter aber sind, weil sie niedriger und dümmer sind als jedes Volk auf der Erde, selbst mehr als alle anderen in die Irre gegangen. Denn ihnen genügten die Gottheiten (oder die Religion) der Barbaren und der Griechen nicht, sondern sie führten auch Wesen aus dem Tiergeschlecht ein und sagten von ihnen, sie seien Götter; ebenso von Kriechtieren, die auf dem trockenen Land und in den Gewässern vorkommen. Auch von Pflanzen und Kräutern sagten sie, einige von ihnen seien Götter. Und sie wurden durch jede Art von Wahn und Befleckung mehr verdorben als jedes Volk auf der Erde. Denn seit alten Zeiten verehrten sie Isis, und sie sagen, sie sei eine Göttin, deren Gatte Osiris, ihr Bruder, war. Als Osiris von seinem Bruder Typhon getötet wurde, floh Isis mit Horos, ihrem Sohn, nach Byblus in Syrien und blieb dort eine gewisse Zeit, bis ihr Sohn herangewachsen war. Und er kämpfte mit Typhon, seinem Onkel, und tötete ihn. Dann kehrte Isis zurück, zog mit Horos, ihrem Sohn, umher und suchte den Leichnam des Osiris, ihres Herrn, wobei sie seinen Tod bitter beklagte. Wenn Isis also eine Göttin ist und Osiris, ihrem Bruder und Herrn, nicht helfen konnte, wie kann sie einem anderen helfen? Es ist aber unmöglich, dass eine göttliche Natur sich fürchtet, in Sicherheit flieht oder weint und klagt; sonst ist sie höchst elend. Auch von Osiris sagen sie, er sei ein hilfreicher Gott. Er wurde aber von Typhon getötet und konnte sich selbst nicht helfen. Doch es ist wohlbekannt, dass man dies von der Gottheit nicht behaupten kann. Weiter sagen sie von seinem Bruder Typhon, er sei ein Gott, der seinen Bruder tötete und von dem Sohn seines Bruders und von seiner Braut getötet wurde, ohne sich selbst helfen zu können. Und wie, bitte, ist der ein Gott, der sich selbst nicht rettet? Da die Ägypter also dümmer waren als die übrigen Völker, genügten ihnen diese und ähnliche Götter nicht. Nein, sie legen sogar Tieren, in denen überhaupt keine Seele ist, den Namen von Göttern bei. Denn einige von ihnen verehren das Schaf, andere das Kalb; manche das Schwein, andere den Maifisch; manche das Krokodil, den Falken, den Fisch, den Ibis, den Geier, den Adler und den Raben. Einige von ihnen verehren die Katze, andere den Steinbutt, manche den Hund, manche die Natter, manche die Aspis, andere den Löwen; wieder andere Knoblauch, Zwiebeln und Dornen, und andere den Tiger und dergleichen mehr. Und die armen Geschöpfe sehen nicht, dass all diese Dinge nichts sind, obwohl sie täglich erleben, wie ihre Götter von Menschen und auch von ihresgleichen gefressen und verzehrt werden; einige von ihnen werden verbrannt, andere sterben, verwesen und werden zu Staub, ohne dass sie bemerken, dass sie auf vielfache Weise zugrunde gehen. So haben die Ägypter nicht erkannt, dass solche Dinge, die nicht einmal zu ihrer eigenen Rettung imstande sind, keine Götter sind. Und wenn sie, fürwahr, bei ihrer eigenen Rettung schwach sind, woher haben sie dann die Macht, bei der Rettung ihrer Verehrer zu helfen? Groß ist also der Irrtum, in dem die Ägypter umherirrten, ja größer als der irgendeines Volkes auf dem Angesicht der Erde.

Doch es ist erstaunlich, o König, was die Griechen betrifft: Sie übertreffen alle anderen Völker in ihrer Lebensweise und in ihrem Denken, und doch sind sie toten Götzen und leblosen Abbildern nachgeirrt. Dabei sehen sie selbst ihre Götter in den Händen ihrer Kunsthandwerker, wie sie herausgesägt, gehobelt und gekürzt, klein gehauen, angekohlt und geschmückt und von ihnen auf jede Weise umgestaltet werden. Und wenn sie alt werden, durch den Lauf der Zeit abgenutzt sind, eingeschmolzen und zu Staub zermalmt werden, wie, frage ich, haben sie da nicht an ihnen erkannt, dass sie keine Götter sind? Und wenn sie für sich selbst keine Rettung fanden, wie können sie dann der Not der Menschen helfen? Aber selbst ihre Schriftsteller und Philosophen haben fälschlich behauptet, die Götter seien solche Dinge, die zu Ehren Gottes, des Allmächtigen, gemacht werden. Und sie irren, wenn sie versuchen, sie Gott ähnlich zu machen, den der Mensch zu keiner Zeit gesehen hat noch sehen kann, wie er ist3 1. Timotheus 6:16. Auch darin irren sie, wenn sie von der Gottheit behaupten, bei ihr könne irgendein Mangel vorhanden sein; etwa wenn sie sagen, er empfange Opfer und brauche Brandopfer, Trankopfer, Menschenopfer und Tempel. Gott aber ist nicht bedürftig, und nichts von alledem ist für ihn notwendig; und es ist klar, dass die Menschen in dem irren, was sie sich dabei vorstellen. Weiter stellen ihre Schriftsteller und ihre Philosophen dar und erklären, die Natur all ihrer Götter sei eine einzige. Doch sie haben Gott, unseren Herrn, nicht erkannt, der, obwohl er einer ist, in allem ist. Darum irren sie. Denn wenn der Leib eines Menschen, obwohl er viele Teile hat, nicht ein Glied vor dem anderen fürchtet, sondern, weil er ein geeinter Leib ist, ganz mit sich selbst übereinstimmt, so ist auch Gott einer in seiner Natur. Ihm eignet eine einzige Wesenheit, da er in seiner Natur und in seiner Wesenheit einheitlich ist; und er fürchtet sich nicht vor sich selbst. Wenn also die Natur der Götter eine einzige ist, gehört es sich nicht, dass ein Gott einen Gott verfolgt oder tötet oder schädigt. Wenn aber Götter von Göttern verfolgt und verwundet werden, wenn einige geraubt und andere vom Blitz erschlagen werden, dann ist offensichtlich, dass die Natur ihrer Götter nicht eine einzige ist. Und daraus erkennt man, o König, dass es ein Irrtum ist, wenn sie die Naturen ihrer Götter zählen und unter eine einzige Natur bringen. Wenn es uns also zukäme, einen Gott zu bewundern, der gesehen wird und selbst nicht sieht, wie viel lobenswerter ist es dann, an eine Natur zu glauben, die unsichtbar ist und alles sieht? Und wenn es ferner angemessen ist, die Werke eines Handwerkers gutzuheißen, wie viel angemessener ist es dann, den Schöpfer des Handwerkers zu verherrlichen? Denn siehe: Als die Griechen Gesetze machten, bemerkten sie nicht, dass sie durch ihre Gesetze ihre Götter verurteilen. Wenn nämlich ihre Gesetze gerecht sind, dann sind ihre Götter ungerecht, weil sie das Gesetz übertraten, indem sie einander töteten, Zauberei trieben, Ehebruch begingen, raubten und stahlen, bei Männern lagen und auch ihre übrigen Praktiken ausübten. Wenn aber ihre Götter recht daran taten, all dies zu tun, wie es von ihnen erzählt wird, dann sind die Gesetze der Griechen ungerecht, weil sie nicht nach dem Willen ihrer Götter gemacht wurden. Und in diesem Fall ist die ganze Welt in die Irre gegangen. Denn die Erzählungen über ihre Götter sind teils Mythen, teils Naturdichtungen, teils Hymnen und Elegien. Die Hymnen und Elegien freilich sind leere Worte und Lärm. Diese Naturdichtungen aber, selbst wenn sie so verfasst sind, wie sie sagen, dennoch sind diejenigen keine Götter, die solches tun, solches erleiden und solches ertragen. Und jene Mythen sind seichte Geschichten, die überhaupt keine Tiefe haben.

Wenden wir uns nun, o König, auch der Geschichte der Juden zu und sehen wir, welche Auffassung sie von Gott haben. Die Juden sagen also, dass Gott einer ist, der Schöpfer aller Dinge und allmächtig; und dass es nicht recht ist, irgendeinen anderen anzubeten außer diesem Gott allein. Darin scheinen sie der Wahrheit näherzukommen als alle Völker, besonders darin, dass sie Gott anbeten und nicht seine Werke. Und sie ahmen Gott nach durch die Menschenfreundlichkeit, die unter ihnen herrscht; denn sie haben Mitleid mit den Armen, lassen die Gefangenen frei, begraben die Toten und tun dergleichen, was vor Gott annehmbar und auch den Menschen wohlgefällig ist. Diese Bräuche haben sie von ihren Vorfahren empfangen. Dennoch sind auch sie von der wahren Erkenntnis abgeirrt. In ihrer Einbildung meinen sie, Gott zu dienen; nach der Art ihrer Einhaltung aber wird ihr Dienst den Engeln und nicht Gott erwiesen: etwa wenn sie Sabbate feiern, den Anfang der Monate, die Feste der ungesäuerten Brote und ein großes Fasten; ebenso Fasten, Beschneidung und die Reinigung von Speisen. Dies alles halten sie jedoch nicht vollkommen ein.

Die Christen aber, o König, haben, indem sie umhergingen und suchten, die Wahrheit gefunden; und wie wir aus ihren Schriften gelernt haben, sind sie der Wahrheit und der echten Erkenntnis nähergekommen als die übrigen Völker. Denn sie kennen Gott und vertrauen auf ihn, den Schöpfer des Himmels und der Erde4 Genesis 1:1, in dem und von dem alles ist5 Römer 11:36, dem kein anderer Gott als Gefährte zur Seite steht, und von ihm haben sie Gebote empfangen, die sie ihrem Sinn eingeprägt haben und in Hoffnung und Erwartung der kommenden Welt einhalten. Darum begehen sie keinen Ehebruch6 Exodus 20:14 und keine Unzucht, legen kein falsches Zeugnis ab7 Exodus 20:16, unterschlagen nicht, was ihnen als Pfand anvertraut ist, und begehren nicht, was ihnen nicht gehört8 Exodus 20:17. Sie ehren Vater und Mutter9 Exodus 20:12 und erweisen denen Güte, die ihnen nahe stehen; und sooft sie als Richter auftreten, richten sie gerecht. Sie beten keine Götzen an, die nach dem Abbild des Menschen gemacht sind; und was sie nicht wollen, dass andere ihnen tun, das tun sie auch anderen nicht10 Matthäus 7:12. Von Speise, die Götzen geweiht ist, essen sie nicht, denn sie sind rein. Ihre Bedränger besänftigen sie und machen sie zu ihren Freunden; sie tun ihren Feinden Gutes11 Matthäus 5:44. Ihre Frauen, o König, sind rein wie Jungfrauen, und ihre Töchter sind bescheiden; ihre Männer halten sich fern von jeder unerlaubten Verbindung und von aller Unreinheit, in der Hoffnung auf die kommende Vergeltung in der anderen Welt. Wenn ferner der eine oder andere von ihnen Sklaven und Sklavinnen oder Kinder hat, bewegen sie diese aus Liebe zu ihnen, Christen zu werden; und wenn sie es geworden sind, nennen sie sie ohne Unterschied Brüder. Sie beten keine fremden Götter an und gehen ihren Weg in aller Bescheidenheit und Freudigkeit. Lüge findet sich nicht unter ihnen; sie lieben einander, und den Witwen versagen sie ihre Achtung nicht; die Waise entreißen sie dem, der sie hart behandelt. Wer Besitz hat, gibt dem, der nichts hat, ohne sich zu rühmen. Wenn sie einen Fremden sehen, nehmen sie ihn in ihre Häuser auf und freuen sich über ihn wie über einen wirklichen Bruder; denn sie nennen solche nicht Brüder dem Fleisch nach, sondern Brüder dem Geist nach und in Gott. Und sooft einer ihrer Armen aus der Welt scheidet, kümmert sich jeder von ihnen nach seinem Vermögen um ihn und sorgt gewissenhaft für sein Begräbnis. Wenn sie hören, dass einer von ihnen um des Namens ihres Messias willen gefangen gesetzt oder bedrängt wird, stehen sie alle eifrig seiner Not bei; und wenn es möglich ist, ihn loszukaufen, setzen sie ihn frei. Wenn unter ihnen jemand arm und bedürftig ist und sie keine Speise übrig haben, fasten sie zwei oder drei Tage, um dem Bedürftigen das zu geben, was ihm an Nahrung fehlt. Sie halten die Gebote ihres Messias mit großer Sorgfalt ein und leben gerecht und besonnen, wie der Herr, ihr Gott, es ihnen geboten hat. Jeden Morgen und zu jeder Stunde danken sie Gott und loben ihn für seine Gnadenerweise an ihnen; auch für ihre Speise und ihren Trank bringen sie ihm Dank dar. Wenn ein Gerechter unter ihnen aus der Welt scheidet, freuen sie sich und bringen Gott Dank dar; und sie geleiten seinen Leib, als breche er von einem Ort zu einem nahen anderen auf. Wenn einem von ihnen ein Kind geboren wird, danken sie Gott; und wenn es zudem im Kindesalter stirbt, danken sie Gott umso mehr, als für einen, der ohne Sünden durch die Welt gegangen ist. Wenn sie ferner sehen, dass einer von ihnen in seiner Gottlosigkeit oder in seinen Sünden stirbt, trauern sie bitter um ihn und klagen um ihn wie um einen, der seinem Gericht entgegengeht.

So, o König, lautet das Gebot des Gesetzes der Christen, und so ist ihre Lebensweise. Als Menschen, die Gott kennen, erbitten sie von ihm, was ihm zu gewähren und für sie zu empfangen angemessen ist. So verbringen sie ihr ganzes Leben. Und weil sie die Gnadenerweise Gottes an ihnen kennen, siehe, um ihretwillen treten die herrlichen Dinge, die in der Welt sind, sichtbar hervor. Wahrhaftig, sie sind es, die die Wahrheit gefunden haben, als sie umhergingen und nach ihr suchten; und aus dem, was wir betrachtet haben, haben wir gelernt, dass sie allein der Erkenntnis der Wahrheit nahekommen. Die guten Werke, die sie tun, rufen sie nicht der Menge in die Ohren, sondern achten darauf, dass niemand sie bemerkt; und sie verbergen ihr Geben wie einer, der einen Schatz findet und ihn verbirgt12 Matthäus 13:44. Sie mühen sich, gerecht zu sein, wie Menschen, die erwarten, ihren Messias zu schauen und von ihm mit großer Herrlichkeit die Verheißungen zu empfangen, die ihnen gemacht sind. Was aber ihre Worte und ihre Gebote betrifft, o König, und wessen sie sich in ihrer Gottesverehrung rühmen, sowie die Hoffnung, nach dem Werk eines jeden von ihnen den Lohn zu erlangen, den sie in einer anderen Welt erwarten: darüber kannst du aus ihren Schriften lernen. Uns genügt es, deine Majestät in Kürze über das Verhalten und die Wahrheit der Christen unterrichtet zu haben. Denn groß ist ihre Lehre in der Tat und wunderbar für den, der sie erforschen und über sie nachdenken will. Wahrhaftig, dies ist ein neues Volk, und etwas Göttliches ist in ihrer Mitte. Nimm also ihre Schriften und lies darin, und siehe, du wirst finden, dass ich dies nicht aus eigener Autorität vorgebracht und nicht so als ihr Fürsprecher gesprochen habe; vielmehr bin ich, seit ich in ihren Schriften gelesen habe, dieser Dinge ebenso völlig gewiss geworden wie auch der Dinge, die kommen werden. Darum sah ich mich gedrängt, denen die Wahrheit darzulegen, denen an ihr liegt und die die kommende Welt suchen. Für mich besteht kein Zweifel, dass die Erde durch das Flehen der Christen bestehen bleibt. Die übrigen Völker aber irren und führen in die Irre, indem sie sich vor den Elementen der Welt wälzen, denn über diese hinaus dringt ihre geistige Schau nicht. Und sie tasten umher wie im Dunkeln, weil sie die Wahrheit nicht anerkennen wollen; und wie Betrunkene schwanken sie, stoßen einander und fallen.

Bis hierher, o König, habe ich gesprochen. Was aber das Übrige betrifft, so finden sich, wie oben gesagt, in ihren anderen Schriften Dinge, die schwer auszusprechen und schwer zu erzählen sind, Dinge, die nicht nur in Worten gesagt, sondern auch in Taten vollbracht werden. Die Griechen nun, o König, folgen niedrigen Praktiken im Verkehr mit Männern, mit Mutter, Schwester und Tochter, und schreiben ihre ungeheure Unreinheit ihrerseits den Christen zu. Die Christen aber sind gerecht und gut; die Wahrheit steht ihnen vor Augen, und ihr Geist ist langmütig. Darum ertragen und dulden sie es, obwohl sie den Irrtum jener Griechen kennen und von ihnen verfolgt werden; meist haben sie Mitleid mit ihnen als mit Menschen, denen die Erkenntnis fehlt. Sie ihrerseits beten darum, dass jene von ihrem Irrtum umkehren. Und wenn einer von ihnen umkehrt, schämt er sich vor den Christen für die Werke, die er getan hat; und er bekennt vor Gott und sagt: „Ich habe dies in Unwissenheit getan. “ Dann reinigt er sein Herz, und seine Sünden werden ihm vergeben, weil er sie früher in Unwissenheit begangen hatte, als er die wahre Erkenntnis der Christen noch zu lästern und zu verleumden pflegte. Wahrhaftig, das Geschlecht der Christen ist gesegneter als alle Menschen, die auf dem Angesicht der Erde sind. Von nun an sollen die Zungen derer schweigen, die Nichtiges aussprechen und die Christen bedrängen; künftig sollen sie die Wahrheit sagen. Denn für sie steht viel auf dem Spiel: den wahren Gott anzubeten statt einen sinnlosen Laut. Und wahrhaftig, alles, was im Mund der Christen laut wird, ist von Gott; ihre Lehre ist das Tor des Lichts. Darum sollen alle, denen die Erkenntnis Gottes fehlt, sich ihr nahen; sie werden unvergängliche Worte empfangen, die von aller Zeit her und von Ewigkeit her sind. So werden sie vor dem furchtbaren Gericht erscheinen, das durch Jesus, den Messias, über das ganze Menschengeschlecht kommen soll.

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