Natur
Die Natur ist ein Lehrer
Geh zur Ameise, du Fauler; sieh dir ihre Wege an, eifere ihr nach und werde weiser als sie, denn obwohl ihr kein Ackerland zur Verfügung steht, sie niemanden hat, der sie zur Arbeit zwingt, und sie unter keinem Herrn steht, bereitet sie sich im Sommer ihre Nahrung vor und legt sich zur Erntezeit reichlich Vorrat an Wie lange noch, du Fauler, bleibst du liegen? Wann stehst du endlich aus dem Schlaf auf? Ein wenig schläfst du, ein wenig bleibst du sitzen, ein bisschen nickst du ein, ein wenig legst du die Hände an die Brust. Dann kommt deine Armut zu dir wie ein übler Wanderer, und dein Mangel erreicht dich wie ein tüchtiger Läufer.
Als aber die Apostel Barnabas und Paulus das hörten, zerrissen sie ihre Kleider, stürzten in die Menge hinein und riefen laut: und sagten: „Männer, was tut ihr da? Auch wir sind Menschen wie ihr, von gleicher leidensfähiger Natur. Wir verkündigen euch die gute Botschaft: Ihr sollt euch von diesen nichtigen Dingen abwenden und euch dem lebendigen Gott zuwenden, der den Himmel und die Erde und das Meer und alles, was darin ist, gemacht hat, der in den vergangenen Generationen alle Völker ihre eigenen Wege gehen ließ, und doch ließ er sich nicht ohne Zeugnis: Er tat Gutes, gab euch Regen vom Himmel und fruchtbare Zeiten und erfüllte eure Herzen mit Nahrung und Freude, und selbst mit diesen Worten hielten sie die Volksmengen nur mit Mühe davon ab, ihnen zu opfern.
Denn vom Himmel her wird Gottes Zorn offenbar gegen jede Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit niederhalten, denn was von Gott erkennbar ist, ist ihnen offenbar; Gott selbst hat es ihnen offenbar gemacht, denn seit Erschaffung der Welt wird das Unsichtbare an ihm an seinen Werken mit dem Verstand erfasst und klar gesehen: seine ewige Kraft und Gottheit, sodass sie ohne Entschuldigung sind, denn obwohl sie Gott erkannten, verherrlichten sie ihn nicht als Gott und dankten ihm nicht; stattdessen wurden sie leer in ihren Überlegungen, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert.
Auszüge der Kirchenväter
Lasst uns betrachten, Geliebte, wie der Herr uns fortwährend zeigt, dass es eine künftige Auferstehung geben wird. Zu ihrer Erstlingsfrucht hat er den Herrn Jesus Christus gemacht, indem er ihn von den Toten auferweckte. Lasst uns, Geliebte, die Auferstehung anschauen, die zu ihrer Zeit geschieht. Tag und Nacht zeigen uns eine Auferstehung: Die Nacht legt sich schlafen, und der Tag steht auf; der Tag geht dahin, und die Nacht kommt heran. Nehmen wir die Früchte: Wie und auf welche Weise geschieht die Aussaat? Der Sämann ging hinaus und warf jeden einzelnen Samen in die Erde. Wenn sie trocken und nackt in die Erde gefallen sind, lösen sie sich auf. Dann richtet die Größe der Vorsehung des Herrn sie aus ihrem Zerfall wieder auf; aus dem einen lässt sie viele wachsen und Frucht hervorbringen.
Denn wie die Seele im Menschen nicht gesehen wird, weil sie für die Menschen unsichtbar ist, aber durch die Bewegung des Körpers wahrgenommen wird, so kann Gott zwar von menschlichen Augen nicht gesehen werden, wird aber durch seine Vorsehung und seine Werke geschaut und erkannt. Denn ebenso wird jeder, der ein Schiff auf dem Meer sieht, ausgerüstet und unter Segel, wie es auf den Hafen zusteuert, ohne Zweifel schließen, dass darin ein Steuermann ist, der es lenkt. So müssen auch wir erkennen, dass Gott der Lenker des ganzen Alls ist, auch wenn er den Augen des Fleisches nicht sichtbar ist, denn er ist unbegreiflich. Denn wenn ein Mensch schon die Sonne, obwohl sie ein sehr kleiner Himmelskörper ist, wegen ihrer übergroßen Hitze und Kraft nicht ansehen kann, wie viel weniger wird dann ein sterblicher Mensch imstande sein, der Herrlichkeit Gottes standzuhalten, die unaussprechlich ist? Denn wie der Granatapfel, von seiner Schale umschlossen, in sich viele Zellen und Kammern hat, die durch Häute getrennt sind, und auch viele Samen in sich wohnen lässt, so wird die ganze Schöpfung vom Geist Gottes umschlossen, und der umschließende Geist wird zusammen mit der Schöpfung von der Hand Gottes umfasst. Wie also der Samen des Granatapfels, der innen wohnt, nicht sehen kann, was außerhalb der Schale ist, weil er selbst darin eingeschlossen ist, so kann auch der Mensch, der zusammen mit der ganzen Schöpfung von der Hand Gottes umschlossen ist, Gott nicht schauen. Ferner glaubt man, dass ein irdischer König existiert, auch wenn er nicht von allen gesehen wird; denn man erkennt ihn an seinen Gesetzen und Anordnungen, an seinen Amtsträgern, seinen Streitkräften und seinen Bildnissen. Und du willst nicht, dass Gott an seinen Werken und Machttaten erkannt wird?
Bedenke, Mensch, seine Werke: den rechtzeitigen Wechsel der Jahreszeiten und die Veränderungen der Temperatur; den geordneten Lauf der Sterne; die wohlgeordnete Folge von Tagen und Nächten, Monaten und Jahren; die vielfältige Schönheit von Samen, Pflanzen und Früchten; die verschiedenen Arten der Vierfüßer, Vögel, Kriechtiere und Fische, in den Flüssen wie im Meer. Oder bedenke den Trieb, der diesen Tieren eingepflanzt ist, Nachkommen zu zeugen und aufzuziehen, nicht zu ihrem eigenen Nutzen, sondern zum Gebrauch des Menschen; und die Vorsehung, mit der Gott Nahrung für alles Fleisch bereitstellt; oder die Unterordnung, in der er festgesetzt hat, dass alles dem Menschengeschlecht dient. Bedenke auch das Fließen süßer Quellen und nie versiegender Flüsse, die rechtzeitige Gabe von Tau, Schauern und Regen; die vielfältige Bewegung der Himmelskörper, den Morgenstern, der aufgeht und das Herannahen des vollkommenen Lichtträgers ankündigt; das Sternbild der Plejaden, des Orion und des Arktur und die Bahn der übrigen Sterne, die den Himmel durchkreisen und denen die vielfältige Weisheit Gottes eigene Namen gegeben hat. Er allein ist Gott, der Licht aus Finsternis machte, Licht aus seinen Schatzkammern hervorbrachte, die Kammern des Südwinds formte, die Schatzhäuser der Tiefe, die Grenzen der Meere und die Vorratskammern von Schnee und Hagel; der die Wasser in den Vorratskammern der Tiefe sammelt und die Finsternis in seinen Schatzkammern, und aus seinen Schatzkammern das süße, ersehnte und angenehme Licht hervorbringt; „der die Dämpfe aufsteigen lässt von den Enden der Erde; er macht Blitze für den Regen“; der seinen Donner aussendet, um Schrecken einzuflößen, und durch den Blitz den Schlag des Donners vorher ankündigt, damit keine Seele unter dem plötzlichen Stoß zusammenbricht; und der die Gewalt des Blitzes, wenn er vom Himmel hervorbricht, so mäßigt, dass er die Erde nicht verzehrt. Denn wenn dem Blitz seine ganze Kraft gelassen würde, würde er die Erde verbrennen; und wenn dem Donner seine ganze Kraft gelassen würde, würde er alle Werke darauf umstürzen.
Für den Augenblick genügt jedoch schon jener Beweis, der von denen stammt, die Lehren vertreten, die den unseren entgegengesetzt sind, da tatsächlich alle Menschen dieser Wahrheit zustimmen: Die Alten bewahrten ihrerseits aus der Überlieferung des zuerst gebildeten Menschen diese Überzeugung mit besonderer Sorgfalt, während sie das Lob des einen Gottes, des Schöpfers von Himmel und Erde, feierten; andere nach ihnen wurden durch die Propheten Gottes daran erinnert, während selbst die Heiden es aus der Schöpfung selbst lernten. Denn schon die Schöpfung offenbart den, der sie gebildet hat; das gemachte Werk selbst weist auf den hin, der es gemacht hat; und die Welt macht den sichtbar, der sie geordnet hat. Zudem hat die allgemeine Kirche auf der ganzen Welt diese Überlieferung von den Aposteln empfangen.
Und aus diesem Grund wurde das Wort zum Verwalter der väterlichen Gnade zum Nutzen der Menschen, für die er solche großen Heilsordnungen vollbrachte: indem er Gott den Menschen offenbarte, den Menschen aber Gott darstellte und zugleich die Unsichtbarkeit des Vaters bewahrte, damit der Mensch niemals ein Verächter Gottes werde und immer etwas besitze, zu dem er fortschreiten könne; andererseits aber offenbarte er Gott den Menschen durch viele Heilsordnungen, damit der Mensch, wenn er ganz von Gott abfiele, nicht aufhöre zu existieren. Denn die Herrlichkeit Gottes ist ein lebendiger Mensch; und das Leben des Menschen besteht darin, Gott zu schauen. Denn wenn die Offenbarung Gottes, die durch die Schöpfung geschieht, allen Leben gewährt, die auf der Erde leben, wieviel mehr gibt jene Offenbarung des Vaters, die durch das Wort kommt, denen Leben, die Gott schauen.“
Geschlechtsverkehr ohne die Absicht, Kinder zu bekommen, heißt, die Natur zu beleidigen. Die Natur soll unsere Lehrerin sein. Sie lehrt uns Selbstbeherrschung durch die Lebenszeiten: Kindheit und Alter. Denn sie erlaubt weder den ganz Jungen noch den ganz Alten zu heiraten, auch wenn nicht jedem die Ehe verboten ist. Die Ehe aber ist das Verlangen, Kinder zu haben, nicht die ungeordnete und gesetzlose Ausscheidung des Samens.
Sieh also, wie die ganze Natur zu unserem Trost eine künftige Auferstehung nahelegt. Die Sonne sinkt hinab und geht wieder auf; die Sterne verschwinden und kehren zurück; die Blumen sterben und leben wieder auf; nach ihrem winterlichen Verfall treiben die Sträucher wieder Blätter; Samen blühen nicht wieder auf, wenn sie nicht verrottet sind. So ist der Körper im Grab wie die Bäume, die im Winter ihr Grün hinter trügerischer Trockenheit verbergen. Warum drängst du darauf, dass er wieder auflebt und zurückkehrt, solange der Winter noch rau ist? Auch für den Körper müssen wir auf die Frühlingszeit warten. Und ich weiß wohl, dass viele im Bewusstsein dessen, was sie verdienen, eher wünschen als glauben, dass sie nach dem Tod nichts mehr sein werden; denn sie würden lieber ganz ausgelöscht werden, als zur Strafe wiederhergestellt zu werden.
Es ist daher richtig, dass wir, wenn wir zur Untersuchung des bekannten Gottes kommen und die Frage entsteht, in welchem Zustand er uns bekannt ist, mit seinen Werken beginnen, die dem Menschen vorausgehen. So soll seine Güte, zugleich mit ihm selbst entdeckt, dann festgestellt und als Grundsatz festgehalten, uns einen Sinn dafür geben, wie die spätere Ordnung der Dinge entstanden ist.
Gott schrieb es in seine Werke, bevor er es in die Schriften schrieb; er verkündete es in seinen mächtigen Taten früher als in seinen inspirierten Worten. Zuerst sandte er dir die Natur als Lehrerin, weil er auch die Prophetie als ergänzende Lehrmeisterin senden wollte, damit du als Schüler der Natur der Prophetie leichter glauben und ihr Zeugnis ohne Zögern annehmen kannst, wenn du hörst, was du schon überall gesehen hast; und damit du nicht daran zweifelst, dass Gott, den du als den Wiederhersteller aller Dinge erkannt hast, ebenso der Wiedererwecker des Fleisches ist.
Du wirst schließlich erkennen, dass die Welt nicht durch Zufall und ohne Vernunft erdacht wurde, sondern zu einem nützlichen Zweck und zum großen Vorteil aller Wesen; denn sie ist wirklich die Schule, in der vernünftige Seelen sich üben, der Übungsplatz, auf dem sie lernen, Gott zu erkennen. Denn durch den Anblick der sichtbaren und sinnlich wahrnehmbaren Dinge wird der Geist gleichsam an der Hand zur Betrachtung der unsichtbaren Dinge geführt.
Was überall, was immer, was von allen geglaubt wurde
Die apostolische Lehre zeigt sich daran, dass sie von Anfang an, weltweit, über verschiedene Orte, über Generationen hinweg und von zahlreichen Kirchenvätern bezeugt wird.
- Kirchenväter
- 7
- Zeitspanne
- ca. 50-378
- Orte/Regionen
- 6
Kartendaten: OpenStreetMap-Mitwirkende. Historische Einordnung: Im 1.-2. Jh. umfasste das Römische Reich ca. 60-75 Mio. Menschen und verband Europa, Nordafrika und Westasien um das Mittelmeer; dieses galt den Römern als mare nostrum und war die damals zivilisierte Welt. Quellen: Jongman, Harper/Imperium Romanum, Britannica: Ökumene, Lex.dk.

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