Kirchengeschichte Buch 9
Als kaiserliche Erlasse dieser Art in ganz Asien und Pontus veröffentlicht wurden, brach plötzlich ein Licht hervor, als käme es aus tiefster Finsternis! Doch Maximinus, der im Osten das Amt des Cäsars in eine totalitäre Gewaltherrschaft verwandelt hatte, tat so, als könnte er es nicht ertragen, dass ihm das Werkzeug für seine Grausamkeit entrissen wurde. Da er den Erlass weder mochte noch es wagte, sich ihm zu widersetzen, ließ er das Gesetz nicht öffentlich bekannt machen und zur Kenntnis aller gelangen, sondern befahl den Beamten mündlich, den Christen eine vorübergehende Atempause zu gewähren. Aber Sabinus, der damals das Amt des Präfekten innehatte, schrieb an die Beamten aller Provinzen, setzte das Gesetz des Kaisers voran und enthüllte so vor allen, was Maximinus zu verbergen versucht hatte. Die Beamten wiederum schickten die Erlasse an jede Stadt, fügten das Gesetz bei und befahlen, alle Gefangenen freizulassen und jene, die in den Bergwerken oder in Fesseln aller Art gehalten wurden, in die Freiheit zu entlassen. Als dies geschehen war, war es, als wäre nach einem schrecklichen Sturm der Glanz der Sonne an Himmel und Erde zurückgekehrt, wobei die Führer unseres Volkes die Versammlungen in jeder Stadt mit Menschenmengen füllten, Räte abhielten, das Priestertum wiederherstellten und jede der Kirchen mit allem versorgten, was ihr zu fehlen schien.
Während dies geschah, ergriff großes Staunen die Ungläubigen unter den Heiden über diese plötzliche und gewaltige Wende der Dinge, sodass sie vor lauter Verwunderung gezwungen waren zuzugeben, dass der große und einzig wahre Gott derjenige sei, den die Christen verehren! Und jene von uns, die in den Wettkämpfen treu und tapfer ausgeharrt hatten, gingen voller Zuversicht und Freude umher. Diejenigen jedoch, die sich rückgratlos und weltlich verhalten hatten, eilten mit jedem Zeichen der Demut und des Flehens herbei, um Heilung von denen zu erbitten, die gesund geblieben waren, und durch sie den allmächtigen Gott zu bitten, sich mit ihnen zu versöhnen. Auch jene, die aus den Bergwerken befreit worden waren, zogen in hochgestimmter und erhabener Laune durch jede Stadt und zeigten den Kirchen Gottes unbeschreibliche Freude und Jubel, indem sie mit Psalmen und Hymnen durch die Straßen der Städte und Dörfer zogen. Wer sie kurz zuvor noch in Fesseln und Ketten zu den Bergwerken hatte schleppen sehen und sie nun freudig und jubelnd heimkehren sah, war erstaunt und verherrlichte Gott. Das führte dazu, dass selbst jene, die uns zuvor feindselig und gegnerisch gegenübergestanden hatten, uns nun zu dem Wunder dieser plötzlichen Wende beglückwünschten und unsere Freude als ihre eigene betrachteten.
Während dies nun auf dem Land, in den Dörfern und Städten vor sich ging und die christliche Bevölkerung in angemessenem Jubel frohlockte, konnte der Tyrann, dieser Feind alles Guten, es nicht ertragen, dieses Glück nicht durch seine angeborene, boshafte Wut zu zerstören! Maximinus nämlich – der, wie wir schon sagten, den Osten und Ägypten tyrannisch beherrschte – gönnte den Unseren nicht länger als sechs Monate Frieden, und dann setzte er sofort alles daran, was er sich nur ausdenken konnte, um uns zu erschüttern. Zuerst versuchte er, Vorwände zu konstruieren, um unsere Leute daran zu hindern, sich auf den Friedhöfen zu versammeln. Dann stachelte er einige völlig verdorbene Männer aus Antiochien an, eine Gesandtschaft gegen uns zu schicken mit der Forderung, man dürfe den Christen nicht gestatten, in ihrer eigenen Heimatstadt zu leben. Er fädelte diese Gesandtschaft über einen gewissen Theotecnus ein, den Kurator von Antiochien – ein Mann von verdorbenem Charakter und abgrundtief bösem Lebenswandel. Er zwang auch die anderen verängstigten Bürger in jeder Stadt, ein gleiches Verbrechen zu begehen, und arrangierte, dass aus jeder Provinz eine derartige Delegation gesandt wurde. Und er dachte sich aus seinem einzigartigen Hass und seiner starrsinnigen Streitsucht heraus noch viele andere Dinge gegen uns aus, bis er alle Übel, die abgeklungen waren, vollständig wiederhergestellt hatte. In seinem bösen Verstand und seinem bösen Herzen litt er gewissermaßen an Hunger und Durst, wenn er nicht sah, wie das Fleisch der Bürger zerfetzt wurde und ihr Blut in Strömen floss!
Genau hier witterte er eine hervorragende Gelegenheit! Denn in Antiochien war ein Bildnis des Zeus der Freundschaft – das kurz zuvor durch gewisse magische Künste und unreine Weihriten geweiht worden war – so konstruiert worden, dass es die Augen der Betrachter täuschte und den Anschein erweckte, Wunderzeichen zu zeigen und Orakelsprüche zu geben. Man versicherte jedem, dass dies die reine Wahrheit sei, sogar den Kaisern selbst! Und nachdem alle Welt daran glaubte, wurde obendrein behauptet, dieser Gott habe Antworten gegeben, die besagten, dass Christen weder in den Städten noch in deren Nähe leben dürften, sondern so weit wie möglich vertrieben werden müssten!
Als dies bekannt wurde, erließen alle Bewohner in den Städten und Provinzen unter der Herrschaft des Tyrannen einen ähnlichen Beschluss gegen die Christen, im vollen Bewusstsein, dass ihm das gefallen würde. Sie sandten Delegationen zu ihm und bekamen vom Kaiser genau das gewährt, was zu erbitten er sie überhaupt erst aufgefordert hatte. Und so wurde erneut eine rasende Verfolgung gegen uns entfacht, während Maximinus den allergrößten Eifer an den Tag legte, Priester und Oberpriester für die Götzenbilder in jeder Stadt und Provinz zu ernennen. Er überhäufte sie mit Ehren und Geschenken und tat alles Menschenmögliche, um jeden anderen im Verteilen von Gunstbeweisen zu übertrumpfen, nur damit sie noch bereitwilliger wären, Christen zu hassen und zu töten! Je erkenntlicher er sich jenen zeigte, bei denen er spürte, dass sie grausamer und bösartiger gegen die Unseren vorgingen, desto besser gelang ihm das.
Und obwohl er die Macht hatte, zu tun, was ihm beliebte – schließlich hatte er sich mittlerweile sogar den Rang des Augustus angemaßt, der ihm gar nicht verliehen worden war –, wollte er dennoch den Anschein erwecken, als geschehe dies alles mit einer gewissen Berechtigung! Man fälschte Akten, die angeblich unseren Erlöser vor Pilatus betrafen und vollgestopft waren mit jeder Art von Gotteslästerung gegen Christus. Er befahl, diese Akten in alle Provinzen seines Reiches zu senden, versehen mit seinem Edikt, und sie öffentlich in jeder Stadt, jedem Dorf und sogar auf dem flachen Land anzuschlagen. Zudem ordnete er an, sie auch den Schullehrern zu übergeben, damit diese sie den Kindern zum Auswendiglernen vorlegten – anstelle des üblichen Stoffes, der ihnen sonst zur Übung und Aneignung diktiert wurde. Während dies nun allerorts mit eifriger Bosheit durchgeführt wurde, erfuhr der Befehlshaber von Damaskus, was seinem Kaiser in Bezug auf die Christen gefiel, und war begierig, es ihm in solchen Dingen recht zu machen. Er ließ einige höchst verrufene Frauen von den Gassen aufgreifen, vor sich bringen und unterzog sie einem scharfen Verhör, um sie dazu zu zwingen, zu Protokoll zu geben, sie seien einst Christinnen gewesen und hätten Kenntnis davon, dass während ihrer heiligen Zeremonien abscheuliche und unreine Handlungen begangen würden. Diese und ähnliche Schändlichkeiten, die kein aufrichtiger Mensch auch nur zu hören ertragen könnte, ließ er die Frauen in den Akten festhalten, die er dann an den Kaiser sandte. Und ebenso befahl er, diese in jeder Stadt und Provinz öffentlich anzuschlagen, wenngleich der Befehlshaber an seiner Hinterlist nicht lange Freude haben sollte!
Denn nach einem kurzen Anfall von Verzweiflung, geboren aus reinem Wahnsinn, nahm er sich mit eigenen Händen das Leben! Die Unseren aber wurden daraufhin erneut verbannt, verfolgt und gefoltert. Die Provinzbeamten wüteten noch wilder gegen uns, als wollten sie dem Kaiser etwas präsentieren, das ihm willkommen wäre! In Tyrus etwa, einer Stadt in Phönizien, wurden drei junge Männer ergriffen, als sie sich als Christen bekannten, und den Bestien zum Fraß vorgeworfen; mit ihnen Bischof Silvanus, der das Priestertum vierzig Jahre lang ausgeübt hatte – ein Mann, ehrwürdig durch seine Herzensgüte und wahrlich auch durch sein hohes Alter. Genau in dieser Zeit wurde auch Petrus, der Bischof von Alexandria – den wir bereits erwähnt haben, wahrlich zugleich Priester und Opfer für Gott! – plötzlich ergriffen und enthauptet, als geschähe es auf direkten Befehl des Maximinus. Er war in jeder Hinsicht herausragend, mit allen Tugenden geschmückt. In den heiligen Schriften und im Wort Gottes stand er keinem seiner Vorgänger nach, bemerkenswert in seiner Klugheit und in jeder Hinsicht vollkommen! Zusammen mit ihm wurden viele andere Bischöfe aus Ägypten erschlagen. Auch Lucian, ein Presbyter aus Antiochien, ein Mann, der in Moral, Selbstbeherrschung und Gelehrsamkeit herausragte, wurde vom Statthalter folgendermaßen angefahren, als man ihn vor das Tribunal brachte: „Warum folgst du einer Sekte, die du nicht erklären kannst, wo du doch ein Mann von Verstand und Klugheit bist? Oder wenn du eine Erklärung hast, lass sie uns hören!“ Und nachdem man ihm erlaubt hatte zu sprechen, soll er folgende Rede über unseren Glauben gehalten haben:
„Es ist doch kein Geheimnis, dass der Gott, den wir Christen verehren, ein Gott ist, uns von Christus verkündet und durch den Heiligen Geist in unsere Herzen gehaucht! Im Gegensatz zu dem, was ihr glaubt, werden wir nämlich nicht vom Irrtum irgendeiner menschlichen Überredung gesteuert, noch lassen wir uns von der ungeprüften Tradition unserer Vorfahren täuschen, wie es andere tun. Unsere Autorität bezüglich Gott ist Gott. Denn jene erhabene Majestät könnte niemals in die Wahrnehmung des menschlichen Verstandes gleiten, wenn sie nicht durch die Kraft ihres Geistes vermittelt oder durch die Erklärungen ihres Wortes und ihrer Weisheit enthüllt würde. Ich gebe zu, dass auch wir einst irrten und dachten, die Bilder, die wir selbst konstruierten, seien die Götter des Himmels und die Schöpfer der Erde. Aber die Gebrechlichkeit ihrer Existenz wurde bloßgestellt durch die Weihe, die wir ihnen verliehen haben! Der Grad der Ehrfurcht, der ihnen innewohnte, entsprach genau dem Grad an Anmut, den ihnen die Hände ihrer Handwerker verliehen hatten. Aber der allmächtige Gott – dessen Schöpfung zu sein für uns angemessen war, und nicht er das Werk unserer Hände – hatte Mitleid mit dem menschlichen Irrtum. Er sandte seine Weisheit, in Fleisch gekleidet, in diese Welt. Sie sollte uns lehren, dass der Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, nicht in dem gesucht werden darf, was von Hand gemacht ist, sondern in dem, was ewig und unsichtbar ist. Er legte auch Gesetze des Lebens und Vorschriften der Disziplin für uns fest: genügsam zu leben, sich an der Armut zu freuen, Güte zu üben, für den Frieden zu arbeiten, Reinheit des Herzens zu umarmen und Geduld zu bewahren. Nicht nur das, sondern all diese Dinge, die ihr uns jetzt antut, hat er vorhergesagt: dass wir vor Könige geführt, vor Richterstühle gestellt und als Opfer erschlagen würden. Deswegen hat er selbst, der als Gottes Wort und Weisheit unsterblich war, sich dem Tod dargeboten, damit er uns, in einen Körper versetzt, ein Beispiel der Geduld gebe. Auch hat er uns durch seinen Tod nicht getäuscht, uns, denen er nach dem dritten Tag auferstanden ist! Nicht so, wie es jene Akten des Pilatus behaupten, die jetzt in Unwahrheit verfasst werden, sondern als Unschuldiger, Tadelloser und Reiner hat er den Tod nur aus einem einzigen Grund auf sich genommen: um ihn durch seine Auferstehung zu besiegen!
Die Dinge, von denen ich spreche, geschahen nicht in irgendeinem verborgenen Winkel, noch mangelt es ihnen an Zeugen! Nahezu der größte Teil der Welt bestätigt diese Wahrheit, ganze Städte tun es, oder – sollte man diese aus irgendeinem Grund mit Misstrauen betrachten – auch das Landvolk, das nichts von erlogenen Geschichten weiß, bezeugt diese Dinge. Sollte man ihnen immer noch nicht glauben, dann biete ich euch auch das Zeugnis des Ortes an, an dem das Ereignis stattfand. Ebenjener Ort in Jerusalem bestätigt diese Dinge, ebenso der Felsen von Golgotha, zerspalten unter der Wucht des Kreuzes, und die Höhle, die – nachdem die Höllenpforten gewaltsam aufgerissen waren – den wiederbelebten Körper zurückgab, damit er von dort in einem reineren Zustand zum Himmel getragen werde! Und wenn euch diese Dinge, die ihre Existenz auf Erden haben, noch immer von geringerem Wert erscheinen, dann akzeptiert vom Himmel einen weiteren treuen Bürgen. Ich präsentiere euch die Sonne selbst als Zeugin für diese Dinge! Als sie sah, wie sie von den Gottlosen auf Erden verübt wurden, verbarg sie ihr Licht mitten am Tag im Himmel. Forscht in euren Annalen! Ihr werdet finden, dass zu Pilatus’ Zeit, als Christus litt, die Sonne vertrieben wurde und Finsternis über den Tag hereinbrach. Wenn ihr also der Erde, dem Himmel und dem Blut derer die Glaubwürdigkeit verweigert, von denen ihr die Wahrheit durch Folter zu erfahren sucht, wie werdet ihr dann je meinen Worten und Beteuerungen glauben?“ Und als er durch diese Worte seine Zuhörer fast überzeugt hatte, wurde der Befehl gegeben, ihn schnell ins Gefängnis zu schaffen und ihn dort zu töten, wo er fern vom Aufruhr des Volkes war. Und auch an anderen Orten stachelte dieser grausamste der Tyrannen solches Übel gegen uns auf, das weit abscheulicher und tödlicher war als alles, was vorausgegangen war.
Denn wann geschah es jemals, dass wir von Delegationen aus Provinzen und Städten bekämpft wurden? Wann geschah es jemals, dass so viele kaiserliche Erlasse von solcher Wichtigkeit gegen uns erschienen, dass sogar der Befehl erteilt wurde, die gegen uns erlassenen Gesetze auf Bronzetafeln zu gravieren? Wann geschah es jemals, dass der Befehl erging, Schulübungen für Kinder sollten sich mit Pilatus und Jesus befassen, um uns zu verleumden, und dass der ganze Tag damit verbracht werden sollte, Texte aufzusagen, die vor erfundenen Gotteslästerungen nur so wimmelten? In diesen Gesetzen nun, die er in jeder Stadt in Bronze graviert anschlagen ließ, als sollten sie ewig währen, schrieb er stolz und großspurig von der idealen Milde der Luft und der zunehmenden Fruchtbarkeit des Landes seit der Zeit, als die Christen aus ihren Wohnungen und Städten vertrieben wurden, und von der reicheren Fülle der Ernten. Er fügte hinzu, dass deshalb die Versuche, die unsterblichen Götter zu besänftigen, vollkommen gerechtfertigt seien, da keine ihnen dargebrachten Opfer so annehmbar seien wie die Vertreibung der ihnen verhassten Menschenrasse von jedem Ort, an dem ihre Majestät verehrt wurde! Er sagte auch, weil sie dem Kaiser diese Bitte vorgetragen hätten, die so fromm und religiös sei, dürften sie im Gegenzug erbitten, was immer sie für nützlich hielten – egal wie schwierig es scheinen mochte –, und es würde gewährt werden, solange sie nur noch sorgfältiger darauf achteten, Christen jeglichen Zutritt zu den Städten zu verwehren. Soweit es in menschlicher Macht stand, waren unsere Angelegenheiten und Ressourcen also sicherlich so stark reduziert, dass, wie geschrieben steht, „sogar die Auserwählten Anstoß genommen hätten.“1 Aber nachdem es für menschliche Augen so aussah, als sei uns absolut nichts von unseren Mitteln geblieben, ließ die Vorsehung des allmächtigen Gottes nicht zu, dass schwache menschliche Gemüter Gefahr liefen, in schiere Verzweiflung zu fallen. Sofort, ohne Verzögerung, während die gottlosen Erlasse noch zu einigen der weiter entfernten Städte gesandt wurden, dämmte sie die Anmaßung der Stimme des Tyrannen ein.
Sie strafte seine Worte Lügen, indem sie den Regen in den Wolken zurückhielt und die Ernte vertrocknet und unfruchtbar zurückließ! Das Gras auf den Feldern verdorrte ebenfalls und verweigerte nicht nur den Menschen den Ertrag, sondern auch dem Vieh das Futter, und eine abscheuliche, monströse Hungersnot breitete sich überall aus. Auch die Milde der Luft, die er in seiner gottlosen List als Dienerin bezeichnet hatte, wandelte sich in einen so fauligen Zustand, dass die menschlichen Körper mit den grässlichsten Geschwüren bedeckt waren, die man Ignis sacer nennt, zusammen mit sogenannten Karbunkeln. Diese befielen sogar die Gesichter und Augen der Menschen, sodass jene, die zufällig dem Tod entkamen, ihres Augenlichts beraubt waren. Ebenso streckten andere seuchenartige Krankheiten gewaltige Massen von Männern und Frauen nieder, und vor allem unzählige Kleinkinder. Und als wäre das nicht schon schlimm genug: Als er die Armenier, die einst dem römischen Volk höchst freundschaftlich und unterstützend verbunden waren, zwingen wollte, von der Ausübung der christlichen Religion – der sie alle vollkommen ergeben waren – zur Anbetung von Götzen überzutreten und Dämonen statt Gott zu verehren, machte er sie zu Feinden statt Freunden und zu Gegnern statt Verbündeten! Sie machten sich bereit, seine bösen Erlasse mit Gewalt abzuwehren, und zogen aus eigenem Antrieb in den Krieg.
All diese Dinge zusammen forderten Genugtuung von ihm für seine dumme Anmaßung, als Vergeltung für seine Prahlerei, dass er durch die Verbannung und Verfolgung der Christen Frieden, Überfluss an allen Dingen und eben jene Milde der Luft zu seinen Diensten habe. Während er und die Armee also schwer und mühsam im Armenierkrieg beschäftigt waren, wurden die Menschen in den Städten und Dörfern – denen er unter Berufung auf seine Gesetze versprochen hatte, dass alles Göttliche und Menschliche erfolgreich verlaufen würde – von einer schrecklichen und gnadenlosen Hungersnot verwüstet. In den Städten wurden jeden Tag so viele Mengen dahingerafft, dass nicht einmal mehr Platz war, sie zu begraben! Auf dem Land und in den Dörfern blieben die meisten Häuser völlig leer zurück. Wenn also manche Leute, als sie das Verderben nahen sahen, ihre Kinder in die Stadt brachten, um sie zu verkaufen, starben sie selbst mit ihren Kindern, von deren Verkauf sie sich zu ernähren gehofft hatten, weil der Käufer zögerte oder vom Geschäft zurücktrat, da er selbst dem Tode nah war. Andere suchten nach Pflanzenwurzeln und versuchten, sich mit deren Säften am Leben zu erhalten, kamen aber, durch den Hunger zur Unbesonnenheit getrieben, um, wenn sie etwas Tödliches zu sich nahmen. Auch Frauen, die Herrinnen von Haushalten und wohlgeboren waren, wurden durch den Hunger gezwungen, den Anstand zu vergessen und auf die Straßen zu gehen, um Almosen zu suchen; und jene, denen es die Scham früher verboten hatte, anderen ins Gesicht zu sehen, wurden durch den Hunger gezwungen, um einen Bissen Brot zu betteln oder ihn sich gar selbst zu nehmen. Sehr viele gingen so erschöpft umher, dass man sie eher für fleischlose Statuen als für Menschen hätte halten können; abstoßend im Aussehen, mit eingefallenen Augen, schwankten sie hierhin und dorthin, brachen beinahe zusammen und bettelten nicht mehr mit ihrer Stimme, sondern mit ihrem letzten Atemzug um Almosen. So geschah es oft, dass Menschen, wenn sie ein Stückchen Brot sahen, dessen sie nicht habhaft werden konnten, versuchten, ihre Hände danach auszustrecken, aber ihre körperliche Kraft war ihrem Verlangen nicht gewachsen, und sie brachen während des vergeblichen Versuchs zusammen, enttäuscht über diesen Schlag.
Wenn sich also zufällig doch einmal das Mitleid bei den Reichen regte und sie etwas Nahrung mit den Bedürftigen teilen wollten, wurden sie von deren bloßer Masse zurückgehalten und förmlich erstickt! Da es niemanden gab, den abzuweisen richtig erschien, gaben sie ihren Versuch auf. Sie konnten ihren beabsichtigten Akt der Barmherzigkeit wegen der Gewalt jener, die der Hunger rücksichtslos gemacht hatte, nicht ausführen. Währenddessen war alles in allen Straßen und Gassen mit den Leichnamen der Toten gefüllt. Und es gab niemanden, absolut niemanden, um sie zu begraben, da auch jene, die dem Anschein nach noch lebten, krank und schwach waren und gewissermaßen unmittelbar vor dem Tod standen. Der Anblick war jämmerlich – darunter auch sehr viele, die von Hunden gefressen wurden! So teilten sich zwei gewaltige Plagen, Hunger und Seuche, das Volk untereinander auf: Der Hunger verwüstete alle Armen, die ihren täglichen Unterhalt durch ihrer Hände Arbeit verdienten, als seine direkten Nachbarn; die Seuche aber beanspruchte jene für sich, die wohlhabend schienen und im Reichtum schwammen. So konnte man sehen, wie ein Haus einer großen Familie in kurzer Zeit leer stand, alle tot, da die Ansteckung rasend schnell von einem zum anderen übergesprungen war. So verwüsteten Hunger und Seuche Städte und Land und führten aus getrennten Lagern einen Krieg, dessen einziger Ausgang der Tod war. Das war der Lohn für die Gesetze des Maximinus und für seine Einbildung und Arroganz und das Urteil, das er über die Christen gefällt hatte! Das war seine Frömmigkeit gegenüber Gott und die Größe der vom Himmel gegebenen Religion, wie er behauptete!
Als nun die unbegrabenen Leichen derer, die der Hunger verzehrt hatte, auf den Straßen lagen und jene, die die Seuche allesamt dahingerafft hatte, ebenso unbegraben in den Häusern blieben – wie wir oben sagten –, und als zudem alle, die scheinbar überlebt hatten, vom Hunger getrieben spontan aufschrien und die Christen um Mitgefühl und Mitleid anflehten; als sie nun demütig jene um Hilfe baten, die sie kurz zuvor aus ihren Häusern und Heimatorten vertrieben hatten, um jenen Beistand zu erbitten, den diese gewohnheitsmäßig in Form von Nahrung für die Lebenden und ordentlichem Begräbnis für die unbegrabenen Toten anboten: Da mussten sie anerkennen, dass diese allein von Barmherzigkeit bewegt wurden! Dass diese allein bewahrten, was der Menschlichkeit und Frömmigkeit entspricht! Dass es keine andere Religion gab, die so wahr, so heilig und in jeder Hinsicht so vollkommen darin war, die Sorge für alle Menschen als Nächste und Verwandte zu verfechten, und dass es keinen anderen Gott gab außer dem der Christen! Da vergaßen unsere Leute tatsächlich – die sich wahrhaftig durch Gottes Gnade in keiner Weise unter der Herrschaft von Hunger oder Seuche wiederfanden, zur gewaltigen Überraschung aller – jegliches Unrecht, das man ihnen angetan hatte. In ihrer gewohnten Art, geschult durch die Vorschriften des Herrn, selbst ihren Feinden Barmherzigkeit zu erweisen, wetteiferten sie miteinander, Essen anzubieten, wie jeder es vermochte. Sie stützten und bauten jene auf, die am Vergehen waren, und teilten nicht nur Nahrung mit ihnen, sondern auch Zuneigung, sodass selbst wenig für die Bedürftigen auszureichen schien, wenn es mit der tiefen Zuneigung der Frömmigkeit angeboten wurde.
Auch jene, die an der Ansteckung der Krankheit litten und zu denen keiner der Heiden, nicht einmal ihre eigenen Verwandten, hineinzugehen wagte, heilten sie durch ihre häufigen und aufmerksamen Besuche! Und sie litten überhaupt nicht unter der Ansteckung, da sie durch göttliche Gnade geschützt waren; sie kümmerten sich auch um das Begräbnis derer, die gestorben waren, und erfüllten, was die Natur verlangte. So reichte der bloße Einzug der Christen in die Städte und Dörfer aus, um den Anblick des Unheils in kurzer Zeit zu verändern, und das wiederum schrieb in die Herzen aller – durch die Ereignisse und Taten selbst – die Botschaft, dass die Religion der Christen wahr und fromm sei. Eine Botschaft, die sich als weitaus hartnäckiger erwies als die in Bronze gravierte Behauptung des Tyrannen, dass sie falsch sei! Als sich die Unseren also auf diese Weise verhielten und durch die Güte ihrer Taten – eine Art stille Predigt – die Wahrheit über unseren Gott erkannt wurde, sah man die Worte erfüllt, die in Exodus aufgezeichnet sind: „die Ägypter waren in greifbarer und dichter Finsternis, während die Kinder Israels Licht in all ihren Wohnungen hatten.“2 Unser Gott fuhr dennoch fort, in seinen Heiligen verherrlicht zu werden und das begonnene tugendhafte Werk durch noch erfolgreichere Ergebnisse zu erweitern und erneut den Glanz seines Lichts für uns zu entzünden, die wir uns in der Finsternis befanden. Das heißt, er „speiste uns mit dem Brot der Tränen und gab uns Tränen zu trinken, doch im Maß“3 , wie der Prophet sagte. So ist also das Maß seiner Zurechtweisung und Besserung: Er ist nicht ständig empört über uns, noch ist er für immer zornig auf uns, sondern er versöhnt sich mit seinen Dienern, die auf ihn hoffen.
Als nun der höchst religiöse Kaiser Konstantin, der Sohn jenes hervorragenden und ebenso höchst besonnenen Herrschers Constantius, sich zum Krieg gegen Maxentius rüstete, den Tyrannen in Rom, und sein Heer anführte (er war tatsächlich bereits ein Anhänger der christlichen Religion und ein Anbeter des wahren Gottes, hatte aber noch nicht das Zeichen des Leidens des Herrn empfangen, unsere übliche Einführung), war er voller Sorge auf dem Weg. Er wälzte die vielen Schwierigkeiten des drohenden Krieges in seinem Geist hin und her und hob immer wieder seine Augen zum Himmel, um von dort göttlichen Beistand für sich zu erflehen, als er durch seine Schläfrigkeit hindurch am Himmel im Osten das Zeichen des Kreuzes feuerrot glühen sah! Und als er von dem gewaltigen Anblick erschreckt und durch das neuartige Schauspiel verwirrt war, sah er Engel bei sich stehen, die sprachen: „Konstantin, touto¯i nika!“, was bedeutet: „Hiermit siege!“ Wieder guten Mutes und nun des Sieges gewiss, zeichnete er das Zeichen des Kreuzes, das er am Himmel gesehen hatte, auf seine Stirn. Und da er vom Himmel zum Glauben eingeladen wurde, scheint er mir jenem nicht nachzustehen, zu dem der Himmel ebenfalls sprach: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Ich bin Jesus von Nazareth.“4 Der Unterschied ist, dass die Einladung kam, als er noch nie ein Verfolger gewesen war, sondern bereits ein Anhänger. Daraufhin verwandelte er das Zeichen, das ihm am Himmel gezeigt worden war, in die militärische Standarte. Und das, was sie das Labarum nennen, gestaltete er so, dass es dem Kreuz des Herrn glich. So zog er, ausgerüstet mit den Waffen und Standarten der Religion, gegen die Waffen der Gottlosen! Nicht nur das, man sagt auch, er habe ebenfalls in seiner rechten Hand das aus Gold gefertigte Zeichen des Kreuzes gehalten.
Nun glaube ich nicht, dass man es für belanglos halten wird, wenn wir kurz abschweifen, um auch zu erklären, was die Absicht des frommen Anführers war, diesen Krieg zu führen. Als er also durch die Hilfe der göttlichen Macht des Sieges gewiss geworden war, wurde der Geist des frommen Fürsten dennoch von einer anderen Sorge geplagt: nämlich dass er zum römischen Kaiser und Vater des Vaterlandes ernannt worden war und dass er, wenn möglich, alle, die vor ihm Herrscher gewesen waren, an Frömmigkeit und Religion übertreffen wollte; und dass er gezwungen war, nicht nur gegen das Vaterland Krieg zu führen, sondern gegen die Stadt Rom selbst, das Haupt des römischen Reiches! Auch konnte er dem Vaterland die Freiheit nicht wiedergeben, ohne das Vaterland anzugreifen, das der Tyrann besetzt hielt. Daher war sein Geist bekümmert, und Tag und Nacht flehte er zu Gott, mit dem er sich nun vertraut fühlte, dass er seine rechte Hand nicht mit römischem Blut beflecken möge, jetzt, da er sie mit dem Schutz des heilbringenden Zeichens versehen hatte. Darum bat er Tag und Nacht, und die göttliche Vorsehung gewährte es ihm. Als er sein Lager nun nicht weit von der Milvischen Brücke aufgeschlagen hatte, siehe, da kam ihm Maxentius plötzlich entgegen, als sei er von einer göttlichen Macht ergriffen worden! Er stürmte aus den Toren Roms, befahl dem Rest des Heeres, ihm zu folgen, und führte selbst bewaffnet den Weg in die Konfrontation an. Er hatte nun befohlen, den Fluss mit Booten zu überspannen, die so angeordnet waren, dass sie eine Falle bildeten, und die mit darauf gelegten Planken geebnet waren. Als er nun selbst, beritten und an vorderster Front, vergaß, was er getan hatte, und mit wenigen anderen begann, die Brücke zu überqueren, gingen die Boote unter und er versank in der Tiefe! Damit wendete er die künftigen Verluste des gesamten Krieges durch den Verlust seines einen, bösen Kopfes ab und bewahrte die unbefleckte rechte Hand des frommen Fürsten vor dem Makel des Bürgerblutes.
Da konnte man wahrlich sehen, dass das, was in diesem Fall geschah, genauso würdig war, dass man davon sprach, wie das, was im Falle von Mose und dem hebräischen Volk geschah: „Pharaos Streitwagen und sein Heer hat er ins Meer geschleudert. Seine auserwählten berittenen Offiziere, ja seine Hauptleute, hat er im Roten Meer versenkt und mit dem Meer hat er sie bedeckt.“5 Denn so versank Maxentius samt seiner bewaffneten Eskorte in den Tiefen, und er stürzte von genau jenen Planken, die er für den Tod des frommen Fürsten bereitgemacht hatte! Auch folgende Worte passen auf ihn: „Er grub eine Grube und höhlte sie aus und fiel in das Loch, das er machte. Sein Kummer ist auf sein eigenes Haupt zurückgefallen und seine Bosheit auf seinen eigenen Scheitel herabgekommen.“6 Dies mag passend auf den Gottlosen angewandt werden, während über Konstantin als Gottes Diener jene Worte würdig rezitiert werden können, die Mose nach seinem Sieg seinen gefallenen Feinden entgegensang: „Lasst uns dem Herrn singen, denn herrlich ist er geehrt worden, Ross und Reiter hat er ins Meer geschleudert. Mein Helfer und Beschützer ist er, und er ist mein Heil geworden. Wer ist wie du unter den Göttern, Herr? Wer ist wie du, herrlich unter den Heiligen, wunderbar im Ruhm, Wunder wirkend?“7
Das ist es auch, was Konstantin – in Fakten und Taten, wenn nicht in Worten – dem hohen Gott sang, durch den er den Sieg errungen hatte, als er in Rom einzog, um seinen Triumph zu feiern. Da hießen in der Tat alle, mit ihren Frauen und Kindern, der Senat und das Volk von Rom, Konstantin freudig willkommen als Urheber des Heils und Wiederhersteller der Freiheit, befreit wie sie waren von einer überwältigenden Pestilenz und gerettet vom Joch tyrannischer Brutalität! Aber er ließ seinen Geist weder dem Lob des Volkes und dessen Jubelrufen noch dem Applaus jener großen und berühmten Stadt nachgeben, noch schrieb er das Geschehene seiner eigenen Macht zu, sondern dem göttlichen Geschenk. Sobald der Senat ihm also zu Ehren seines Triumphs Bildnisse errichtete, befahl er, die Standarte des Kreuzes des Herrn in seiner rechten Hand abzubilden und darunter zu schreiben: „In diesem besonderen Zeichen, das das Symbol wahrer Tapferkeit ist, habe ich die Stadt Rom, den Senat und das römische Volk vom Joch der Tyrannei gerettet und ihr ihre ursprüngliche Freiheit und Würde wiedergegeben.“
Zur selben Zeit arbeitete Licinius – der noch nicht in die Tiefe des Wahnsinns gefallen war, die er später erreichte – schon damals mit ihm zusammen, indem er Gott als den Urheber all der guten Dinge anerkannte und bekannte, die ihnen zuteilwurden. So machten sie gemeinsame Sache, um ein Gesetz zu erlassen, in dem sie dem Gott der Christen vollste Lobpreisungen zollten und erklärten, er sei der Urheber all ihrer Tapferkeit und Leistung und habe ihnen den Sieg über den Tyrannen gegeben, und dass ihm daher jeder Verehrung und Anbetung darbringen solle. Sie sandten dieses Gesetz auch an Maximinus, der zu der Zeit den Osten beherrschte und den Anschein erweckte, sich gut mit ihnen stellen zu wollen. Der aber war erschrocken über die gewaltigen Taten, die die Kaiser vollbracht hatten! Und obwohl das, was sie geschrieben hatten, ihm offensichtlich zuwiderlief und seiner Politik fremd war, wagte er es dennoch nicht, sich dem zu widersetzen. Andererseits schämte er sich, den Anschein zu erwecken, er sei gezwungen worden, widerwillig der Autorität anderer nachzugeben. Und so entschied er aus Furcht und Scham – diesen elendsten aller Ratgeber! –, ein Gesetz zugunsten der Christen zu verkünden, ähnlich im Tenor, als geschähe es aus eigenem Antrieb und eigener Autorität.
Darin behauptet er, seine Vorfahren, die früheren Augusti, hätten beschlossen, das christliche Volk solle vollständig ausgerottet werden als feindlich gegenüber der Götterverehrung, und er habe diese Ansicht eine Zeit lang geteilt. Aber da, wie er sagt, dieses Volk gerade dann wächst und zunimmt, wenn man glaubt, es am wirkungsvollsten unterdrückt zu haben, wolle er lieber, dass jeder willkommen sei, der durch sanfte Überredung zur Götterverehrung gebracht werden könne, dass aber niemand gegen seinen Willen gezwungen werde, sondern es jedem freigestellt sei, Gott auf die von ihm bevorzugte Weise zu verehren, und dass den Provinzbewohnern deswegen kein Ärger oder Störung bereitet werde. So schrieb Maximinus an den Präfekten Sabinus, während jeder wusste, dass er dies nicht freiwillig tat, sondern seine Entscheidung aus geheucheltem Wohlwollen herausgab. Dementsprechend wagte keiner der Unseren, weder Räte abzuhalten noch irgendetwas Öffentlichkeitswirksames zu unternehmen, das mit Religion zu tun hatte – Kirchen zu reparieren oder irgendeine solche Aufgabe zu erfüllen, wie sie bei uns üblich ist und wie das Gesetz, das ihm von den Kaisern gesandt worden war, befohlen hatte. Aber dieser gottlose und innerlich wilde Mensch erlaubte nur das, was ihm die Angst abringt, und er änderte seine Haltung in nichts, bis die göttliche Vergeltung ihm die Schläge versetzte, die er verdiente!
Was geschah, ist Folgendes: Als er sich entgegen seinen Verdiensten und Fähigkeiten den Namen und die Autorität eines Augustus anmaßte – er, der in seiner anmaßenden Arroganz und seinem aufgeblähten Stolz kein Maß an Klugheit, Besonnenheit oder Mäßigung besaß –, da begann er, sich selbst zu erhöhen und sich sogar gegen seine Mitregenten zu erheben. Deren königliche Art strahlte doch in der Integrität ihrer Moral und der Anmut ihrer Besonnenheit und Religion! Er war also dreist genug, sich zunächst selbst zum Ersten unter ihnen im Rang zu ernennen. Kurz darauf brach er den Vertrag mit Licinius, zettelte einen Krieg gegen ihn an, und nachdem er in Kürze alles in Aufruhr versetzt hatte, versuchte er einmal, die Städte zu stören, und ein andermal, die Armee aufzureiben. Und am Ende, indem er sich auf die Dämonen und die göttliche Macht seiner Götter verließ, zog er mit einer immensen Menge Soldaten in den Krieg. Aber der Sieg floh vor ihm, der Gott und den Menschen verhasst war, und ging auf die andere Seite über! Und als seine Armee in der Schlacht gefallen war, ergaben sich die wenigen Überlebenden – als sie sahen, dass er der militärischen Mittel und der göttlichen Gunst beraubt war – denen, die tapferer waren. Er seinerseits legte, sobald er sah, dass er von seinen Göttern getäuscht und von seinen Männern verlassen worden war, die kaiserlichen Abzeichen ab, die er ohnehin nie passend getragen hatte! Er mischte sich unter die Menge der fliehenden Diener, entfernte sich auf schändliche und erbärmliche Weise aus der Schlacht und schlich durch Felder und Dörfer, bis er schließlich an Orte entkam, die frei von seinen Feinden zu sein schienen. Dabei war ihm schmerzlich bewusst, wie viel wahrer als seine eigenen grundlosen Überzeugungen die Worte der heiligen Schrift waren, die verkünden: „Ein König wird nicht gerettet durch die Fülle seiner Streitmacht, noch wird ein Riese gerettet in der Fülle seiner Stärke. Täuschend ist das Pferd zur Rettung, in der Größe seiner Macht wird es nicht gerettet werden. Siehe, die Augen des Herrn sind auf denen, die ihn fürchten, die auf seine Barmherzigkeit hoffen, damit er ihre Seelen vom Tod befreie.“8
Als der Tyrann also, begleitet von tiefster Schande und Schmach, in sein eigenes Gebiet zurückgekehrt war, tat er als Erstes so, als wäre er von einer gerechtfertigten Wut entflammt! Er befahl den Tod sehr vieler Priester seiner Götter und der Wahrsager – jene, die er zuvor bewundert hatte und deren Antworten er vertraut hatte, als er in den Krieg zog –, als seien sie betrügerisch und verräterisch und hätten sein Wohl und sein Reich verraten. Danach zollte er dem Gott der Christen Ruhm und Lobpreis! Und mit verspäteter Reue, während er genau im Augenblick, da sein Leben verurteilt war, über eine Kehrtwende nachsann – als er sich einen elenden Tod zuzog, den ihm seine Krankheiten um die Wette zufügten –, verfasste er ein Gesetz zugunsten der Freiheit und Sicherheit der Christen. Eine Abschrift davon folgt: Der Kaiser Cäsar Galerius Maximinus Germanicus Sarmaticus, der fromme, glückliche, unbesiegbare Augustus. Da wir eine ständige Fürsorge für unsere Provinzbewohner hegen und entschlossen sind, uns um ihre Bedürfnisse und Interessen zu kümmern, hören wir niemals auf, auf das Bedacht zu nehmen, was das öffentliche und allgemeine Wohl betrifft und was für alle als wertvoll und angenehm erachtet wird. Daher bin ich sicher, dass es jedem wohlbekannt und offensichtlich ist, dass der Befehl, die christlichen Versammlungen zu verbieten – der von unseren Vätern, den göttlichen Fürsten Diokletian und Maximian, erlassen worden war –, der Anreiz für sehr viele Plünderungen und Raubzüge war, die von Beamten begangen wurden. Und dass dies Tag für Tag zum Schaden unserer Provinzbewohner geschah, deren Interessen uns besonders am Herzen liegen, sodass sie ihres Eigentums und Besitzes beinahe beraubt wurden. In dieser Angelegenheit haben wir letztes Jahr ein Gesetz erlassen, dass diejenigen, die sich diesem Volk und dieser Religion anschließen wollen, von niemandem, wer es auch sei, daran gehindert werden sollen, ihrem Wunsch und ihrer freien Wahl zu folgen, sondern ihr Verlangen stillen und ohne Furcht oder Argwohn tun dürfen, was ihnen beliebt.
Es ist uns jedoch auch jetzt nicht entgangen, dass einige Beamte erneut versucht haben, unsere Provinzbewohner zu verstören und sie zu beunruhigen, als geschähe dies in unserem Auftrag, um sie weniger geneigt zu machen, die Religion auszuüben, die sie lieben. Damit also alle Ungewissheit und Furcht beseitigt werden, schreiben wir durch das Gesetz, das in diesem unserem Edikt enthalten ist, vor, dass alle darüber informiert werden sollen: Jenen, die der christlichen Sekte und Religion folgen, ist es durch dieses unser großzügiges Entgegenkommen gestattet, sich dieser Religion und diesem Ritus zu widmen, wie jeder von ihnen es wählen und bevorzugen mag! Wir erlauben ihnen auch, Gebetshäuser zu errichten, das heißt Kirchen, wie sie es wünschen mögen. Damit diese unsere Großzügigkeit in jeder Hinsicht gesteigert werde, schreiben wir durch dieses Gesetz auch Folgendes vor: Alle Häuser, Gehöfte oder Ländereien jeglicher Art, die zuvor Christen gehörten und auf Befehl unserer Eltern an die kaiserliche Schatzkammer übertragen wurden – ganz gleich, welche davon von irgendjemandem erworben oder aufgeteilt oder als Geschenk an jemanden übertragen wurden –, müssen allesamt in ihren früheren rechtlichen Stand unter den Christen zurückkehren und ihren rechtmäßigen Eigentümern zurückgegeben werden, damit sich auch in dieser Angelegenheit jeder der Freigebigkeit unserer Frömmigkeit erfreuen möge! Das waren die Gesetze, die nun endlich von Maximinus erlassen wurden – von ihm, der weniger als ein Jahr zuvor auf Bronzetafeln Strafen gegen uns vorgeschrieben hatte, als sollten sie ewig währen! Darin hatte er befohlen, uns als gottloses Volk aus Städten und vom Land zu verbannen und aus fast dem ganzen Land zu treiben.
Aber nicht einmal dann war seine Bekehrung vollständig und aufrichtig; er bot Gott diese Gesetze als eine Art Bestechung an! Und weil die Hoffnung, die er auf seine Götter gesetzt hatte, ihn zuvor in der Schlacht getäuscht hatte, versuchte er, mit diesen Mitteln in den Krieg zu ziehen, als hätte er seinen Schutzherrn gewechselt. Dabei begriff er in seiner höchsten Dummheit nicht, dass Gott sich nicht mit Gefälligkeiten und Geschenken von Menschen bestechen lässt, die von Grund auf verdorben sind! Als er also die Armee reichlich ausgerüstet hatte und sich anschickte, einen ungerechten Krieg zu führen, wurde er von Schmerzen in seinen Eingeweiden gepackt und begann heftig zu beben, sodass er nicht einmal auf einem Bett liegen konnte, sondern immer wieder aus seiner Kammer heraussprang und sich flach auf den Boden warf! Er, der einst ein Fresser war, der immer voll Wein war, konnte nun den Geschmack von Nahrung nicht ertragen, selbst wenn sie nur seine Lippen berührte, oder auch nur den bloßen Geruch von Wein. So erreichte der unglückliche Mann, dessen Fleisch vor Nahrungsmangel und Austrocknung dahingeschwunden war, nur eines: Da er sich am Ende seines Lebens befand, erkannte er an, dass Gottes Vergeltung gerecht war und dass er die Strafe für seine Verbrechen zahlte, die er verdiente! Nachdem er jedoch seine Augen bereits an seine Krankheit verloren hatte und dann klarer gesehen hatte, wie gottlos er gegen Christus gehandelt hatte, brachte er sein Leben zu Ende.
Aber mit dem Tod dessen, der die Christen mal mit unerhörter Grausamkeit, mal mit geheuchelter Nachsicht behandelte, führte die offene Großzügigkeit der rechtmäßigen Herrscher – die nun über jeden Verdacht erhaben war – zum Beginn der Wiederherstellung der Kirchen in einem Zustand, der weit strahlender war als zuvor! Währenddessen wurden Gottes Wort und Christi Lehre weit herrlicher und freier verbreitet. Da bereuten die Feinde des Glaubens endlich ihre Wildheit und Grausamkeit, sodass sie sich schämten, sich überhaupt öffentlich zu zeigen, und es nicht wagten, anderen ins Gesicht zu sehen. Denn als Maximinus selbst per kaiserlichem Erlass als Erster zum gottlosen Tyrannen erklärt wurde, verhasst bei Gott und Menschen, und als befohlen wurde, seine Porträts und Bronzebilder teils umzuwerfen und niederzureißen, teils unkenntlich zu machen, indem man sie mit dunklen Farben übermalte, da vollzog sich plötzlich eine so gewaltige Wende der Dinge! Der Name dessen, der einst ewige Strafe gegen die Christen verkündet hatte, wurde nun entweder aus dem menschlichen Gedächtnis getilgt oder in einer Atmosphäre von Schimpf und Schande bewahrt. Auch seine Beamten, die er in seinen tyrannischen Herrschaftsgebieten als Werkzeuge des Verbrechens eingesetzt hatte, ließen die rechtmäßigen Herrscher als Komplizen seiner Gottlosigkeit und Grausamkeit töten. Unter ihnen war Peucedius der Hauptstellvertreter in seinem infamen Verhalten, den er zwei- und dreimal zum Konsulat befördert und an die Spitze eines Regierungsministeriums gestellt hatte, und auch Quintianus, der ebenfalls die höchsten Ämter in seinem Reich bekleidete und der die Christen in Ägypten mit beispielloser Wildheit und Grausamkeit abschlachtete, zusammen mit vielen anderen, die Maximinus’ Gottlosigkeit Vorschub geleistet hatten.
Einer von ihnen war Theotecnus, der entdeckte, dass Gott am Ende der Rächer profaner Taten ist! Dank eines in Antiochien geweihten Götzenbildes war er von Maximinus sogar mit dem Posten des Statthalters geehrt worden. Als aber Licinius nach Antiochien kam und befahl, jene, die sich der Magie widmeten, unter Folter zu befragen – jene Priester und Wahrsager des neuen Götzenbildes, ihre Verbündeten und sogar ihre Lehrer –, da wurden sie ergriffen. Und als man sie fragte, mit welchen Mitteln das Götzenbild Antworten gab oder Wunder zu wirken schien, heuchelten sie zunächst Unwissenheit. Später aber, als sie schärfer verhört wurden, enthüllten sie, wie die ganze Inszenierung ersonnen und zusammengestellt worden war, und erklärten, es sei alles ein von Theotecnus ausgearbeiteter Schwindel gewesen! Er befahl daher, dass Theotecnus selbst als Urheber der großen Täuschung als Erster den Folterungen unterworfen werden sollte, die er verdiente, und nach ihm auch der Rest der Diener der Magie, die er zu Priestern und Wahrsagern des neumodischen Dämons ernannt hatte. Ihnen wurden Maximinus’ Söhne hinzugefügt, die er bereits als Partner in seine Regierung aufgenommen hatte, und er unterwarf denselben Folterungen auch seine Verwandten, die sich aufgrund ihrer Verbindung mit ihm als ziemliche Plage für Bürger und Provinzbewohner erwiesen hatten. Dumm und verstandslos waren sie, die die Warnung in den göttlichen Schriften nicht hörten, die da lautet: „Vertraut nicht auf Fürsten noch auf Menschenkinder, in denen kein Heil ist. Ihr Geist wird ausfahren und zu seiner Erde zurückkehren; an jenem Tag werden alle ihre Gedanken vergehen.“9 Wir aber, deren Hoffnung und Heil im allmächtigen Gott und im universalen König Christus, unserem Erlöser und dem Befreier unserer Seelen, gegründet sind, nehmen die Zurechtweisung von ihm gerne an und erwarten ebenso Frieden und Barmherzigkeit von ihm.
So ging plötzlich jene gottlose Brut von Menschen zugrunde, verhasst bei Gott und der Menschheit, wie wir oben erklärten, sodass klar war, dass das, was der Heilige Geist vorhergesagt hatte, sich zu Recht an ihnen erfüllte: „Ich sah den Gottlosen hoch erhoben und emporragen wie die Zedern des Libanon, und ich ging vorüber, und siehe, er war nicht da, und ich suchte seine Stätte und fand sie nicht.“10 (Und als dann jede Wolke verschwunden war und ein glücklicher Tag nun heller als gewöhnlich über den Ländern strahlte und der Glanz seiner Sonne die Kirchen Christi erleuchtete, blieb nirgendwo ein hämisches Auge zurück, das diese Dinge anders hätte betrachten können. Sondern alle Sterblichen ließen uns aus ihrer Erfahrung mit dem Schrecken der tyrannischen Grausamkeit, die nun vorüber war, ihr Wohlwollen zuteilwerden, selbst wenn sie unseren Glauben nicht annahmen! Und jeder erklärte ausnahmslos, dass es der wahre Gott sei, der den Frommen beistehe, und bestätigte, dass die Hoffnung derer, die auf Christus vertrauten, gesund war. Dementsprechend war jeder von einer Freude erfüllt, die gewissermaßen göttlich verliehen war, besonders als sie sahen, wie jene Orte, die kurz zuvor von den gottlosen Maschinen der Tyrannen zerstört worden waren, beim Wiederaufbau höher und strahlender emporwuchsen und wie hohe Tempel anstelle von bescheidenen Versammlungssälen errichtet wurden. Denn Beistand kam durch das Wohlwollen der christlichen Herrscher, was unsere Geister durch die daraus hervorgehenden religiösen Gesetze umso mehr aufheiterte, da sie recht oft persönlich an die Bischöfe schrieben, den Priestern die Ehre ihres tiefsten Respekts erwiesen und auch großzügig lieferten, was für die Kosten benötigt wurde.
Unser Volk feierte indes Feste mit großer Häufigkeit und mit vollkommener Freude und Jubel, während Kirchen in den Städten und an jedem Ort geweiht wurden. Die Priester versammelten sich, und selbst für die weit Entfernten schien es nicht lästig, sich zu treffen, da kein Weg für die Augen der Nächstenliebe zu lang erschien. Auch Gruppen von Menschen kamen mit anderen Gruppen zusammen, und als wahre Glieder des einen Leibes Christi freuten sie sich, vereint und verbunden zu sein, sodass man sehen konnte, wie sich die Redeweise des Propheten an ihnen erfüllte, als er in geheimnisvollen Worten vorhersagte: „...dass Knochen an Knochen gefügt wurde und Gelenk an Gelenk.“11 Zu Recht sagt man auch von ihnen, dass ein Geist und eine Seele in alle Glieder eingeflößt ist, da ein Glaube in ihnen allen ist und ein Gott von allen verehrt wird und alle aus einem Mund Hymnen zu Gott singen. Eine herrliche Gnade strahlte zudem in den Priestern und Dienern und in allem hervor, was die religiöse Einhaltung betrifft. An einem Ort standen Chöre, die mit Jünglingen und Jungfrauen Psalmen sangen, Ältere mit Jüngeren, den Namen des Herrn preisend, während an einem anderen die heiligen Dienste in gebührender und geordneter Abfolge verrichtet wurden. Auch die Versammlung der Hohepriester und Priester, ehrwürdig schon durch ihr Alter, war von ihrem weit entfernten Sitzplatz aus höchst glanzvoll anzusehen.
Wenn zudem jemand durch die Gnade des Herrn inspiriert wurde, einige Worte an das Volk zu richten, wandten sich Münder und Augen aller in völliger Stille und in der Erwartung, dass ihnen durch ihn etwas vom Himmel verkündet würde, auf ihn. So tief war die Ehrfurcht, die von den Zuhörern bewahrt wurde, so groß die Beständigkeit der Ordnung unter den Priestern! Einer nach dem anderen sprach dementsprechend, und nicht nur „zwei oder drei“, wie der Apostel sagt,12 wobei die anderen das Gesagte abwogen; vielmehr wurde „im Auftun ihres Mundes“13 einer beliebigen Zahl das Wort gegeben, sodass sich unter ihnen vollständiger bestätigte, was Mose gesagt hatte: „Wer wird der ganzen Versammlung des Herrn geben zu weissagen?“14 Denn da war niemals Eifersucht; niemand spürte Neid; Gottes Gaben wurden Gottes Völkern gedient; jeder suchte im Überfluss zu haben, „was die Kirche erbaut“15 , wie geschrieben steht. Und all dies geschah in der Nächstenliebe, sodass jeder versuchte, die anderen „im Erweisen von Ehre zu übertreffen“16 , und jeder „die anderen höher achtete als sich selbst.“17 Denn all die einfacheren Leute bewunderten jene und sahen zu ihnen auf, die die Völker durch die Weisheit ihrer Rede unterwiesen, während die Weisen und Gebildeten jene bevorzugten, die sich aufgrund ihrer Reinheit des Lebens und ihrer ungekünstelten Einfachheit sicherer fühlen konnten, Gott Opfer darzubringen; das Amt, Opfer zu opfern, wurde denen anvertraut, deren Reinheit des Herzens durch eine echtere Einfachheit des Lebens bewahrt wurde. So war jeder höchst interessiert daran, bei den anderen einen Weg zu suchen, ihnen den Vorzug zu geben.
Da also der Ruhm der Kirchen vor Gott und den Menschen in solcher Einfachheit voranschritt und als eine Art Abbild himmlischer Wirklichkeiten auf Erden galt, und da auch der fromme Herrscher Konstantin über solche Dinge über alle Maßen frohlockte und angesichts des Fortschritts der Kirchen von unerschöpflicher Freude erfüllt war, während er jeden Tag an Glauben und Frömmigkeit wuchs, hielt er es nicht für genug, Gottes Priester als seinesgleichen zu behandeln; er wollte sie weit über sich selbst stellen und sie als eine Art Abbild der göttlichen Gegenwart verehren! Und da ihn im Einklang mit all dem jeder nicht mehr als Kaiser, sondern als Vater liebte, konnte der unglückselige Neid es nicht ertragen, den Frieden unseres Volkes in seinem heiteren Wohlstand wachsen oder Konstantins Bemühungen um uns unangefochten bleiben zu sehen. Was geschah, ist Folgendes: Licinius, der zuvor aufgrund der Rechtschaffenheit seines Charakters, der Integrität seines Lebens und des Verdienstes seiner Tugenden nicht nur von ihm als Partner in die Regierung aufgenommen, sondern durch das Band seiner Ehe mit Konstantins Schwester auch in die Verwandtschaft aufgenommen worden war, sah, dass der Kaiser über alle nicht so sehr durch Gewalt und Furcht herrschte als vielmehr durch Liebe und Religion und von allen, besonders den Christen, in höchster Verehrung gehalten wurde. Da wurde er von menschlicher Schwäche befallen oder vielmehr von unmenschlichem Neid überwältigt und begann, geheime Verschwörungen auszubrüten, um den edlen Herrscher zu täuschen, wobei er dies vor allem durch seine engen Vertrauten und Diener zu erreichen suchte. Dieser aber ahnte nichts von seinem Verrat und seinen Verschwörungen, sondern da er voll auf Gott vertraute, verließ er sich in allen Punkten zu seinem Schutz auf das Zeichen, das ihm vom Himmel gezeigt worden war, und aus diesem Grund konnte er keinen Fallen zum Opfer fallen.
Als nun weder die Erinnerung an seine Wohltaten noch die Gunst seiner verwandtschaftlichen Beziehung durch Heirat Licinius dazu bewegen konnten, die Wildheit seines Gemüts zu unterdrücken, die das geplante Verbrechen hervorgebracht hatte, und seine Verschwörungen durch seine geheimen Machenschaften keinen Erfolg hatten, entschied er, dass dem Kaiser durch die Gebete der Christen geholfen werde und er aus diesem Grund sicher geblieben sei. Vom sinnlosen Zorn getrieben, erklärte er dem Kaiser daher offen den Krieg, brach die Treue und Partnerschaft des Reiches und schickte sich an, die Unseren aus einem persönlichen und besonderen Hass heraus zu verfolgen. Der Grund seiner Klage war, dass sich die Christen nicht für ihn, wie sie es für Konstantin taten, den ihnen auferlegten offiziellen Gebeten hingaben. Er also, der kurz zuvor noch die härteste Strafe über jene verhängt hatte, die während der Zeit der Tyrannen irgendetwas Grausames gegen die Christen getan hatten, machte nun eine Kehrtwende, richtete seine Waffen gegen unser Volk und weihte die ersten Sakrilegien seiner Tyrannei mit unserem Blut! Denn zuerst befahl er jedem, der Christ war, seinen Palast und dann jeden Zweig des Dienstes zu verlassen. Die Seuche schritt danach fort, mit tyrannischen Erlassen, die befahlen, jeden, der sich als Christ bekannte, ins Gefängnis zu werfen. Er fand jedoch sofort einen Weg, seine Vorgänger an Grausamkeit zu übertreffen. Er erließ ein Edikt, in dem er hinzufügte, dass niemand denen, die ins Gefängnis geschickt wurden, Nahrung oder Trinken bringen dürfe, mit der Begründung, es sei ungerecht, denen Barmherzigkeit oder Güte zu erweisen, die er selbst mit seinen Gesetzen verurteilt habe. Und so starben Massen von Gefangenen den Hungertod.
Nun dachte er, dass seine Tyrannei dadurch noch geheimer bleiben würde, während dies tatsächlich im Vergleich zum Wachstum seiner geistigen Wildheit nur von geringer Bedeutung erscheint. Er verlor keine Zeit, seine rasende Grausamkeit auf die Bischöfe und die anderen Priester Gottes auszudehnen; er dachte sich zuerst einfallsreiche Anschuldigungen gegen alle prominenteren und jene von größerem Ruhm oder höherem Ansehen für ihre Weisheit und Lehre aus. Er ließ sie wegen schädlichen Verhaltens oder irgendeines anderen vorgetäuschten Verbrechens anklagen und befahl, sie zu bestrafen, einfach nur weil sie denunziert worden waren, ohne irgendeine Untersuchung der Fälle durchzuführen. Darüber hinaus wandte er danach eine Art von Grausamkeit gegen jeden an, der sich geweigert hatte, seine abscheulichen Opfer darzubringen, die in keinem Zeitalter ihresgleichen hatte: Er befahl nicht, sie den Folterknechten zu übergeben, wie es die Tyrannen vor ihm getan hatten, noch sie Qualen und Pein auszusetzen, sondern sie den Fleischern zu geben, damit diese sie verächtlich wie Schweine über Hackklötze hängen, in Stücke hacken und die Teile ins Meer werfen mögen als Futter für die Fische!
Auch die Kirchen, die er schon zu seiner eigenen Zeit durch gemeinsame Edikte hatte bauen lassen, riss er wieder nieder und tat in jeder Hinsicht alles, was er konnte, um die Grausamkeit aller Tyrannen, die ihm vorausgegangen waren, zu übertreffen. Nicht nur das, sondern was immer an Gesetzen von denen früherer Zeiten weise und passend eingerichtet worden war, änderte er so ab, dass sie barbarisch im Stil waren. Seine Gier kannte keine Grenzen; er änderte die Steuerfestsetzungen; Felder, leer von Bauern, bevölkerte er wieder mit Steuern. Und wenn er dazu noch Männer aufgrund falscher Anklagen verbannte, riss er ihre Frauen aus ihren rechtmäßigen Ehen und gab sie seinen Sklaven und Dienern, während er selbst, trotz seines Alters, Gefallen an Ehebruch und der Verführung von Jungfrauen fand. Als er aber, erst einmal ausgerüstet mit Waffen und Tugenden dieser Art, begann, den Tyrannen noch wilder zu spielen, machte sich Konstantin bereit, solch gewaltigen und häufig wiederholten Vergehen entgegenzutreten. Er war mit wahren Tugenden geschmückt und durch vollkommene Frömmigkeit gegenüber Gott gestärkt. Auch war der Sieg in keiner Weise schwierig, da die Sache gerechter, der Glaube reiner und die Tugend hervorragender war. Und sobald Licinius niedergeworfen und jede Erinnerung an seine Tyrannei beseitigt war, kam Konstantin allein zusammen mit seinen Söhnen in den Besitz des gesamten römischen Reiches.
Da war der Zustand des Staates wahrlich geprägt von ausgeglichener Mäßigung und einer Fürsorge, die des römischen Namens höchst würdig war. Große Furcht herrschte unter den barbarischen Nationen, während in den Provinzen das Gefühl der Treue größer war als die Furcht. Alles war ruhig und ungestört von inneren Kriegen, und alle Sterblichen lebten friedlich, glücklich und sicher. Wie sehr die Zunahme des Ruhms der Kirche dem Eifer des frommen Kaisers zu verdanken war, spottet jeder Beschreibung, ebenso wie die Sorgfalt, die er in der Versorgung der Bedürftigen zeigte. Sein Geist war feurig im Glauben an Gott, und sein gütiges und großzügiges Herz mästete sich an guten Werken. Der Wohlstand und die Friedlichkeit der gegenwärtigen Zustände waren tatsächlich so groß, dass sie die Erinnerung an die vergangenen Übel auslöschten. Denn mit seinen häufigen, überall veröffentlichten Edikten hatte er nicht nur die Erlasse der Tyrannen gegen die Christen für nichtig erklärt und ein rechtmäßiges Gesetzessystem wiederhergestellt; er verlieh auch den Kirchen viele Privilegien und den Priestern die höchsten Ehren. Dadurch Gott und den Menschen teuer, verwaltete er das gesamte römische Reich mit einer Religion, die rein war, und einer Tugend des Geistes und einer Mäßigung, die alle vor ihm übertraf.
Schriftstellen
- Mt 24,24
- Ex 10,21-23
- Ps 79,6
- Apg 9,4-5
- Ex 15,4-5
- Ps 7,16-17
- Ex 15,1-2; Ex 15,11
- Ps 32,16-19
- Ps 145,3-4
- Ps 36,35-36
- Hes 37,7
- 1Kor 14,29
- Eph 6,19
- Num 11,29
- 1Kor 14,12
- Röm 12,10
- Phil 2,3
