Kirchengeschichte Buch 7
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Das siebte Buch der Kirchengeschichte wird uns aus dem Stoff seiner Schriften von Dionysius, dem weithin gerühmten Vater, berühmt unter den Bischöfen, gleichsam geschmiedet. Nachdem Decius insgesamt weniger als zwei Jahre über das römische Reich geherrscht und zusammen mit seinen Söhnen den Tod gefunden hatte, übernahm Gallus die Herrschaft; zur selben Zeit starb Origenes, ohne das siebzigste Lebensjahr zu erreichen. Er schrieb an einen Hermammon über Gallus Folgendes: „Auch Gallus erkannte das Unheil des Decius nicht und wich ihm nicht aus, sondern stieß gegen denselben Stolperstein. Als seine Herrschaft anfangs blühte und alles nach seinem Wunsch lief, verfolgte er die Heiligen, die den höchsten Gott um Frieden für sein Reich anflehten, und mit ihnen verbannte er zugleich sein Glück und seinen Frieden.“
Nun, während Cornelius in Rom und Cyprian in Karthago als Bischöfe amtierten, beide ausgezeichnet an Glauben, Tugend und Frömmigkeit, kam besonders in Afrika die Streitfrage auf, ob Häretiker wiedergetauft werden müssten. Cyprian und fast alle übrigen Bischöfe Afrikas beschlossen, dass dies geschehen solle, Cornelius aber und alle übrigen Bischöfe Italiens verwarfen diesen Beschluss, obwohl ihre priesterliche Eintracht unversehrt blieb; sie hielten daran fest, die seit alters von den Vätern überlieferte Regel beizubehalten, dass, nachdem sie die Irrlehre widerrufen und das rechte Bekenntnis abgelegt hatten, die Häretiker allein durch Handauflegung gereinigt werden sollten.
Nachdem Cornelius, der das Bischofsamt etwa drei Jahre innehatte, gestorben war, übernahm Lucius den Bischofsstuhl; nachdem er das Amt nur acht Monate geführt hatte, folgte ihm Stephanus, der, wie Cornelius, das Urteil gegen die Wiedertaufe fällte.
An ihn richtete Dionysius sehr viele Schreiben zu vielen kirchlichen Streitfragen. Darin sagt er unter anderem: „Alle Kirchen haben die Anmaßung des Novatus verworfen und sind untereinander im Frieden geblieben.“ Dies sagt er:
„Du sollst wissen, Bruder, dass alle Kirchen des Ostens, die früher in Unruhe waren, jetzt zur Eintracht zurückgekehrt sind; alle freuen sich, in Einmütigkeit miteinander verbunden zu sein, und jubeln über den Frieden, der über alle Hoffnung hinaus der Kirche zurückgegeben wurde: Demetrian in Antiochien, Theoctistus in Cäsarea, Mazabanes in Jerusalem, Marinus in Tyrus, nachdem Alexander gestorben war, Heliodorus in Laodicea, Helenus in Tarsus und Firmilian in Kappadokien. Um den Brief nicht auszudehnen, habe ich dir nur die Bischöfe der führenden Städte genannt, damit dir klar ist, dass die übrigen in ganz Syrien und Arabien ebenso denken wie sie. Auch die Bischöfe Mesopotamiens, an die du jetzt geschrieben hast, und ebenso Pontus und Bithynien, sind alle gleichermaßen eines Sinnes und im Einvernehmen; in brennender gegenseitiger Liebe miteinander verbunden preisen sie unseren Gott.“ So schreibt Dionysius. Nachdem Stephanus zwei Jahre im römischen Bischofsamt vollendet hatte, folgte ihm Xystus. Auch an ihn schrieb Dionysius über die Taufe und erwähnte, dass sein Vorgänger Stephanus, als er an Firmilian, Helenus und die übrigen Bischöfe jener Gegenden schrieb, verfügt hatte, dass es mit denen, die wiedertaufen, nicht einmal Gemeinschaft geben dürfe, dass man jedoch die Größe der Sache berücksichtigen müsse, da diesen Standpunkt nicht irgendwer, sondern hochangesehene und herausragende Bischöfe vertreten. Er sagte außerdem, er habe hierzu ausführlicher an Dionysius und Philemon, Presbyter Roms, geschrieben.
Er erwähnt auch die Häresie des Sabellius, die in seiner Zeit aufkam, und schreibt Folgendes: „Und was soll ich von jener Lehre sagen, die kürzlich in Ptolemais, einer Stadt der Pentapolis, aufgetaucht ist und die voller Lästerungen gegen Gott, den Vater, und unseren Herrn Jesus Christus ist, indem sie leugnet, dass er wirklich der Sohn des Vaters und der Erstgeborene der ganzen Schöpfung ist, und jedes Verständnis vom Heiligen Geist aufhebt? Deshalb, nachdem beide Parteien zu mir gekommen waren und ich in Gegenwart der Brüder die Streitfragen geprüft hatte, habe ich die Sache auch schreibend weiterverfolgt, so weit Gott es meiner Geringheit gewährte, und in den Briefen alles sorgfältig erklärt; Abschriften sende ich dir zu.“
Er erwähnt außerdem im dritten Buch über die Taufe, das er an Philemon, Presbyter von Rom, geschrieben hat, Folgendes: „Ich lese die Abhandlungen der Häretiker und prüfe ihre Überlieferungen, auch wenn ich dadurch in dem Moment den Anschein erwecke, von ihren Worten befleckt zu werden. Doch es ist mir ein großer Vorteil, sie aus ihren eigenen Worten widerlegen zu können. Als schließlich einer der Brüder, ein Mitpresbyter, mich zurückhielt, damit mich die Lektüre der Häretiker nicht mit ihrem widerlichen Gestank verunreinige, wurde mir von Gott eine Vision gegeben, die mich bestätigte, und mir wurden Worte mitgeteilt, die klar sagten: ‚Lies, was immer dir in die Hände kommt, denn du hast die Fähigkeit, jede Sache zu prüfen und zu unterscheiden; dies ist von Anfang an der Grund deines Glaubens.‘ Diese Vision nahm ich an, weil sie mit dem apostolischen Ausspruch übereinstimmte: ‚Prüft alles, das Gute haltet fest.‘1 “ In demselben Werk erwähnt er auch, dass nicht erst damals in Afrika erstmals von Bischöfen ein Beschluss über die Wiedertaufe von Häretikern gefasst worden sei, sondern dass diese Frage bereits zuvor in mehreren Kirchen und Bischofssynoden behandelt worden war, etwa in Ikonion und an anderen Orten. Weiter schreibt er im vierten Buch über die Taufe an Dionysius, Presbyter von Rom, und sagt einiges über die Gottlosigkeit des Novatus.
Im fünften Buch, geschrieben an Xystus, Bischof von Rom, erwähnt er im Rahmen seiner Kritik an der genannten Häresie folgenden Vorfall. Seine Worte: „Ich brauche wirklich deinen Rat, Bruder, und bitte um dein Urteil zu einer Angelegenheit, die in unserer Kirche aufgetreten ist. Denn ich fürchte, ich könnte mich hier irren. Es war unter uns ein Bruder, dessen Treue seit langem bewährt war, schon bevor ich zum Bischof ordiniert wurde, ja noch bevor mein Vorgänger Heraclas ordiniert wurde. Er war bei denen, die getauft wurden; als er hörte, was man sie fragte und wie sie antworteten, kam er unter Tränen zu mir, fiel mir zu Füßen und begann zu bekennen, dass er von Häretikern eine Taufe empfangen habe, anders als sie jetzt bei uns gespendet wird, und er halte das nicht für Taufe, weil jenes ganze Bekenntnis voller Lästerungen war. Zugleich fügte er hinzu, er sei von diesem Irrtum so gestochen, dass er nicht einmal wage, seine Augen zu Gott zu erheben. Er bat daher, durch die Taufe der Kirche gereinigt und gesäubert zu werden, damit er auch die Gnade des Heiligen Geistes erlange. Das zu tun habe ich nicht gewagt; vielmehr sagte ich, die Gemeinschaft, die er so lange Zeit in der Kirche genossen habe, werde ihm genügen, da er, wenn er von uns die Gabe der Eucharistie empfängt, mit ‚Amen‘ antwortet und so durch die Kraft der Mysterien von Mal zu Mal gereinigt worden sei. Daher ermahnte ich ihn, seinem Glauben und seinem inzwischen gereinigten Gewissen zu vertrauen und vor allem darauf, dass er bereits so lange mit uns Anteil an den Mysterien hat. Doch er lässt nicht ab von seiner Trauer und seinen Tränen, und er wagt es nicht mehr, an den Tisch des Herrn heranzutreten, sodass er selbst, wenn wir ihn ermutigen und drängen, kaum noch wagt, dem Gebet beizuwohnen.“ Dionysius schrieb dies und vieles andere zu solchen Streitfragen in seinen verschiedenen Büchern.
Gallus wurde aus diesem Leben abberufen, nachdem er die Herrschaft weniger als zwei Jahre innegehabt hatte. Nach ihm übernahmen Valerian und sein Sohn Gallienus die Regierung. Dionysius schreibt erneut über ihn an Hermammon und sagt: „Auch Johannes wurde eine Offenbarung gegeben, sodass er sagte: ‚Es wurde ihm ein Mund gegeben, der großspurig und überheblich redete, und es wurde ihm Vollmacht gegeben, zweiundvierzig Monate lang.‘2 “ Beides hat sich an Valerian erfüllt. Es ist wirklich erstaunlich, wie menschlich und freundlich er sich gegenüber den Dienern Gottes zeigte, noch mehr als die, die vor ihm waren, sodass er anfangs weitaus gütiger schien als jene, die wenigstens dem Namen nach Christen waren. So groß war seine Hochachtung vor den Dienern des Herrn, und sein ganzes Haus war eine Kirche Gottes. Doch wurde er von einem gewissen Lehrer verführt und aus der Wahrheit gestoßen, einem Lehrer schlimmster Sorte, dem Anführer der ägyptischen Zauberer, sodass er befahl, die gerechten und heiligen Männer zu verfolgen und zu töten, weil sie sich den magischen Künsten widersetzten, denen er sich ausgeliefert hatte. Denn es gab tatsächlich Menschen, und es gibt sie noch, die aufgrund ihrer Verdienste die Täuschungen der Dämonen zurückdrängen konnten. Denn um seine unreinen Rituale, verfluchten Geheimnisse und unheiligen Zeremonien zu vollziehen, ließ er Knaben vor der Pubertät töten, Eltern ihrer Kinder berauben und menschliche Eingeweide in ihren zarten Organen frevelhaft untersuchen, auf der Suche nach einer Stimme an dem Ort, aus dem er zuvor das Leben verbannt hatte. Er berichtet noch vieles andere dieser Art über Valerians Sünden und fügt hinzu, dass er von den Barbaren gefangen genommen und geblendet wurde und seine Söhne als Erben seiner Bosheit und Unreinheit zurückließ.
Der gleiche Dionysius berichtete einem gewissen Bischof Germanus, wie viel er in jener Verfolgung erlitten hatte und welchen Qualen er um des Namens Gottes willen ausgesetzt worden war, und schrieb ihm dies, weil jener ihn offenbar verleumdete. Dabei fügt er auch den Bericht über sein Bekenntnis vor dem Statthalter Aemilian bei: Als Dionysius erklärte, dass allein der eine Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, anzubeten sei, während die anderen keine Götter seien und auch nicht angebetet werden dürften, wurde er in eine Siedlung in der Wüste verbannt, die Cephro heißt. Dieser Ort war bewusst ausgewählt worden, weil seine Bewohner Heiden waren und ganz dem Götzenwahn ergeben. Anfangs nahmen sie den verbannten Dionysius feindselig und äußerst unfreundlich auf; doch später, als er mit der Gnade des Herrn begann, nach und nach das Wort Gottes unter sie zu säen, ließ der größte Teil dieses wilden, barbarischen Volkes seine Götzen fahren, wandte sich dem wahren Gott zu und unterstellte sich Christus. Als dies bekannt wurde, brachte man ihn an einen anderen Ort, der zwar in der Nähe von Alexandria lag, aber keine Siedler hatte und fast menschenleer war. Weil er jedoch nahe bei der Stadt lag, suchten unsere Leute ihn häufig auf, und die Herde wurde, sobald sie den Geruch des Hirten wahrnahm, fröhlicher und mutiger in den Kämpfen. Daraufhin schickten sie abermals einen Zenturio mit Soldaten, legten Dionysius in Ketten und mit ihm Gaius und Peter, unterwarfen sie verschiedenen Folterungen, schleppten sie in die Einöden Libyens und ließen sie gefesselt an einem völlig öden Ort zurück, der jeder menschlichen Zuwendung entbehrte, etwa drei Tagesreisen weit in der Wüste hinter Paraetonium.
[Dionysius] spricht darüber in verschiedenen seiner Briefe. Darin erwähnt er auch den Presbyter Maximus sowie Dioscorus, Demetrius, Lucius, Faustinus und Aquila als Männer von großem Ruf, die sich durch ihr Bekenntnis des Glaubens besonders auszeichneten. Er fügt hinzu, dass einige der Diakone auf der Insel nach den Leiden, die ihr Bekenntnis mit sich brachte, gestorben sind, dass aber von ihnen Faustus und Eusebius am Leben blieben. Er berichtet auch, dass ihnen durch Gottes Gnade solcher Mut und eine solche Großherzigkeit geschenkt wurden, dass sie, als niemand zu den inhaftierten Brüdern vorgelassen wurde, um ihnen beizustehen, diese dennoch immer wieder besuchten und für alles sorgten, was sie brauchten. Während der Statthalter von Tag zu Tag rasender wurde, indem er die einen tötete, andere folterte, wieder andere durch den Schmutz des Gefängnisses und die Last der Ketten umkommen ließ und vor allem befahl, dass überhaupt niemand Zugang zu ihnen haben dürfe, damit er den anderen Qualen auch noch den Hunger hinzufügte, erwies Gott seinen Bekennern weiterhin Gunst, indem er diesen Diakonen gewährte, dass ihnen der Zutritt nicht verwehrt wurde, selbst dann nicht, als sonst niemand willkommen war. Dabei ist zu beachten, dass dieser Eusebius, von dem wir oben gesagt haben, er sei Diakon gewesen, später in Laodicea in Syrien zum Bischof ordiniert wurde, während Maximus, von dem wir ebenfalls sagten, er sei Presbyter gewesen, als Bischof in Alexandria Dionysius selbst nachfolgte. Faustus aber, der sich damals zusammen mit ihnen als Bekenner hervortat, überlebte bis zu der Verfolgung, die in unserer Zeit ausbrach; da brachte er, hochbetagt und an Jahren gesättigt, sein Leben in vollkommener Märtyrerschaft zum Abschluss, als er enthauptet wurde. So berichtet Dionysius – und sein Zeugnis ist sehr zuverlässig.
In den Verfolgungen unter Valerian wurden in Cäsarea in Palästina durch verschiedene Menschen viele Märtyrertode vollbracht. Unter ihnen waren drei außergewöhnliche junge Männer namens Priscus, Malchus und Alexander, die auf einem kleinen Landgut in der Nähe der genannten Stadt lebten. Entflammt von der göttlichen Glut des Glaubens begannen sie, sich selbst ihre Faulheit und Feigheit vorzuwerfen, weil in der Stadt die himmlischen Kronen des Martyriums gleichsam ausgestellt wurden, sie diese aber weder begehrten noch ergriffen, und weil sie, obwohl der Herr und Retter bezeugt hatte: „das Reich der Himmel wird mit Gewalt an sich gerissen,“3 sich selbst doch träge und mutlos verhielten. So weckten und spornten sie einander mit solchen Worten auf, gingen in die Stadt hinab und als der grausame Richter erschien, stellten sie ihn zur Rede wegen seiner Wildheit im Vergießen des Blutes der Frommen. Er vergalt daraufhin den edlen Sinn der jungen Männer mit einem höchst „angemessenen“ Urteil: „Diejenigen, denen das Vergießen frommen Blutes missfällt, soll man den wilden Tieren zum Fraß vorwerfen.“ Es wird außerdem berichtet, dass auch eine Frau, die dem Beispiel der Kühnheit und Großherzigkeit der jungen Männer folgte, derselben Todesstrafe unterworfen wurde; sie soll jedoch zur Schule Marcions gehört haben.
Es gab auch einen Mann im Militärdienst, Marinus, einen Einwohner Jerusalems, der sich durch hohes Amt und großen Reichtum auszeichnete, dem man, wie es üblich ist, unter seinen Kameraden eine militärische Auszeichnung verlieh, die seinem Rang entsprach, als einer seiner Kameraden, von Neid getroffen, dazwischenging und ausrief, Marinus könne nicht zu einem höheren Rang befördert werden, weil er Christ sei. Der Richter fragte Marinus, ob dies so sei. Er legte mit lauter Stimme das Bekenntnis ab, dass es so sei und dass er in der Tat Christ sei. Der Richter setzte ihm drei Stunden Bedenkzeit, damit er wähle, ob er den Göttern und dem Kaiser opfern oder als Christ hingerichtet werden wolle. Als er das Gericht verließ, nahm ihn Theoteknus, der dortige Bischof, bei der Hand, führte ihn in die Kirche und stärkte ihn dort mit einer langen Ansprache im Glauben, und schließlich führte er ihn in den Altarraum, wo er ihm das Schwert zeigte, mit dem er gegürtet war, und legte ihm dann das Evangelienbuch vor, wobei er ihn fragte, was von beidem er vorziehe. Marinus streckte mit dem bereitwilligsten Glauben die Hand nach dem Evangelium aus, und Theoteknus sagte: „Halte fest an dem, was du gewählt hast, mein Sohn, und indem du dieses jetzige Leben verachtest, erhoffe das ewige. Geh getrost hinaus und nimm die Krone entgegen, die der Herr für dich bereitet hat.“ Er kehrte sofort zum Gericht zurück und wurde vom Herold aufgerufen; die festgesetzte Stunde war gekommen. Er duldete keinen Aufschub und wartete nicht einmal die Frage ab, sondern erklärte sofort, er habe die Sache abgewogen, und sein Entschluss werde durch das väterliche Gesetz bestätigt: „Gott ist mehr zu gehorchen als den Menschen.“4 Der Richter verurteilte ihn daraufhin an Ort und Stelle wegen dieser Antwort zur Enthauptung.
Unter ihnen aber wird einer erwähnt, der berühmter ist als die anderen und wegen seines Glaubens über alle herausragte: Astyrius, ein Senator der Stadt Rom, ein Patrizier von hoher Geburt und reichen Gaben, berühmt auch durch seine Nähe zum Kaiser und den weithin bekannten Reichtum. Als er an der Bestattung des genannten Märtyrers teilnahm und den vom Kopf getrennten Leib auf seine Schultern nahm und das Gewand, das er getragen hatte, darunter ausbreitete, erlangte er selbst sofort als Märtyrer die Ehre, die er dem Märtyrer erwiesen hatte. Und die, welche ihn noch sahen, solange er im Fleisch lebte, haben uns berichtet, wie sich sein herausragender Glaube an Christus in vielen anderen ruhmreichen Taten zeigte.
Unter diesen wird die folgende Tat von ihm berichtet. In Cäsarea Philippi, das die Phönizier Paneas nennen, pflegte man, so erzählt man, am Fuß des Berges, der Panius heißt und aus dessen Quellen die ersten Wasser des Jordan hervorkommen, im heidnischen Wahn an einem bestimmten überlieferten Tag ein Opfer darzubringen, das dann durch irgendeinen dämonischen Trick plötzlich den Blicken entschwand. So sah also jenes berühmte Wunder aus, durch das die Zuschauer offenbar dazu gebracht werden sollten zu meinen, das Opfer sei unsichtbar in den Himmel hinaufgehoben worden. Es traf sich nun, dass Astyrius dort war, als dies geschah. Als er sah, wie alle über dieses „Wunder“ staunten, hob er mit Stöhnen und Seufzen über die Irrtümer des Menschengeschlechts Augen und Hände zum Himmel, und aus der Tiefe seines Glaubens, unter einem Strom von Tränen, rief er Christus an, der „Gott über allem“5 ist, er möge die Tricks des betrügerischen Dämons zunichtemachen und den elenden Sterblichen das Geheimnis hinter diesem Irrtum aufdecken. Während er dies flehend und weinend erflehte, erschien plötzlich das Opfer, von dem man geglaubt hatte, es sei unsichtbar entrückt worden, auf den Wassern treibend und allen wieder sichtbar. Und ein solcher Irrtum konnte von da an an diesem Ort nie wiederholt werden. So wurde durch das Gebet eines einzigen Christen der Betrug, der so viele Jahrhunderte lang geübt worden war, samt den Dämonen, die dahinter standen, zunichte gemacht.
Da wir nun diese Stadt erwähnt haben, scheint es angemessen, auch das folgende Ereignis zu berichten, das sich dort zugetragen hat und das wir für erzählenswert halten. Es ist bekannt, dass die Frau, die vom Retter geheilt wurde, als sie an einem Blutfluss litt, wie die Evangelien berichten, Bürgerin dieser Stadt war und dass ihr Haus dort noch heute gezeigt wird. Vor den Türen des Hauses wird ein Sockel auf einer höheren Stelle gezeigt; darauf ist ein in Bronze ausgeführtes Bild der Frau zu sehen.
Sie kniet auf dem Bild nieder und streckt die Hände flehend aus. In ihrer Nähe steht eine weitere, ebenfalls aus Bronze gegossene Statue in Gestalt eines Mannes, der in ein Gewand gekleidet ist und seine rechte Hand der Frau entgegenstreckt. Am Fuß dieser Statue wächst aus dem Sockel eine neue Art Pflanze hervor, die, sobald sie erscheint, gewöhnlich bis zum bronzenen Saum des Gewandes emporwächst; und wenn beim Wachstum die Spitze der Pflanze diesen Saum berührt, empfängt sie von ihm die Kraft, jede Krankheit und jedes Leiden zu vertreiben, sodass jede körperliche Krankheit schon durch einen einzigen Schluck dieses heilsamen Krauts, nachdem es aufgegossen wurde, weichen muss. Wenn man sie jedoch pflückt, bevor sie beim Wachsen den Rand des bronzenen Saumes berührt hat, besitzt sie keinerlei solche Kraft. Man pflegte zu sagen, diese Statue trage eine Ähnlichkeit mit den Zügen Jesu; sie besteht bis in unsere Zeit hinein, denn wir haben sie mit eigenen Augen gesehen. Und es ist keineswegs verwunderlich, dass solche aus den Heiden, die zum Glauben kamen, für die Wohltaten, die sie vom Retter empfangen hatten, gerade diese Art Gabe darbringen wollten, da wir ja auch jetzt noch sehen, wie Bilder der Apostel Petrus und Paulus und sogar des Retters selbst gezeichnet und gemalt werden. Wir haben auch alte Bilder von ihnen gesehen, die von einigen aufbewahrt werden. Dies scheint mir eine heidnische Gewohnheit zu sein, die unterschiedslos beibehalten wird, da sie gewöhnlich auf diese Weise diejenigen ehren, die sie für ehrwürdig halten. Denn die Bewahrung der Andenken an die Alten zum Gedächtnis für die Nachkommenden ist ein Ausdruck der Ehre für die früheren und der Liebe für die späteren.
Der Stuhl des Jakobus schließlich, der als erster Bischof auf Erden in Jerusalem vom Retter selbst und von den Aposteln eingesetzt wurde und den die göttlichen Schriften als Bruder Christi bezeugen, wird bis heute aufbewahrt, und auf ihm sitzen alle, denen das Priestertum jenes Bischofssitzes zufällt, bis in unsere Zeit. Er wird daher mit größter Sorgfalt gehütet als ein Denkmal der von unseren Vätern überlieferten Heiligkeit und wird aufgrund seines hohen Alters und der Heiligkeit des ersten Priestertums in großer Ehrfurcht gehalten. Doch dies soll hierzu genügen.
Als Valerians Sohn Gallienus zum alleinigen Herrscher geworden war, begann er, sich unseren Leuten gegenüber milder und gemäßigter zu verhalten; er erließ sogar Verfügungen, um die Strafen einzudämmen und die Verfolgung zu beenden, und erlaubte jedem Einzelnen, die Gottheit auf die Weise zu verehren, die er für richtig hielt.
Zur selben Zeit, als Xystus noch an der Spitze des römischen Priestertums stand, Demetrian in Antiochien und Firmilian weiterhin in Cäsarea in Kappadokien die Verantwortung trug, übernahm Gregor, der früher Theodor genannt wurde und ein Schüler des Origenes war, zusammen mit seinem Bruder Athenodor die Leitung der Kirchen in Pontus. In Cäsarea in Palästina fiel das Bischofsamt nach Theoktistus an Domnus, und als dieser bald darauf starb, übergab er den Bischofssitz an Theoteknus, der noch zu unserer eigenen Zeit lebte und ebenfalls ein Schüler des Origenes gewesen sein soll. In Jerusalem erhielt Hymenäus nach Mazabanes das Priestertum. Sie alle führten die Kirchen in Frieden.
In Alexandria aber, auch wenn von außen keine Gefahr droht, reicht schon die Tatsache, dass das Menschengeschlecht wild, aufrührerisch und unruhig ist, um innere Unruhen und Kriege zu entzünden – nicht aus irgendeinem berechtigten Grund oder zur Verteidigung, sondern nur mit dem Ziel, die eigenen Bürger zu erschlagen und abzuschlachten. Dionysius berichtet, wenn er dies in seinen Briefen erwähnt, die Stadt sei von ihren eigenen Bewohnern so verwüstet und zerstört worden, dass dort, wo früher wegen der Menschenmassen kaum Platz war, sich einen Weg zu bahnen, jetzt der Zustand herrschte, dass man auf den Straßen nur noch selten überhaupt einen Menschen zu sehen bekam; alle Straßen seien vom Blut ihrer Einwohner getränkt gewesen, die Wege mit Leichen verstopft, und die wenigen Überlebenden hätten nicht ausgereicht, sie zu begraben. So brach nach der Raserei des Krieges und der Verheerung durch das Schwert die Seuche aus, die im verdorbenen Gestank der Leichen in der Luft hing, sodass alles, was dem Schwert entkommen war, von der Krankheit dahingerafft wurde.
Dionysius schreibt darüber in dem Osterbrief, der nach Gewohnheit jedes Jahr verfasst wird, folgendermaßen: „Andere werden vielleicht nicht meinen, dass dies eine Zeit des Festes ist, denn Trauer und bitteres Klagen hallen durch alle Straßen, und in den Häusern hört man Stöhnen und Wehgeschrei wegen der vielen, die sterben. Wie es einst von den Erstgeborenen der Ägypter berichtet wurde, so erhebt sich auch jetzt ein gewaltiges Geschrei; denn, wie geschrieben steht: „Es gibt kein Haus, das keine Toten hat.“6 Denn zuerst haben sie mit ihren eigenen Händen den größten und besten Teil des Volkes erschlagen, als sie die Heiligen verfolgten; ein weiterer Teil wurde vom Bürgerkrieg dahingerafft, und der verbliebene Rest wird jetzt von der Seuche aufgezehrt. Wir aber haben unser Fest nicht einmal dann unterbrochen, als wir in den Verfolgungen getötet wurden, und unsere Feier kann niemals gehindert werden, wenn uns geboten ist, uns in der Bedrängnis zu freuen. Kein Ort also, den die Tyrannen zu unserer Strafe auswählten – ob Feld, Wüste, Inseln oder Gefängnis –, konnte unsere Feier hindern. Und die seligste Feier von allen hatten die seligen Märtyrer, die das Passahfest im Himmel zusammen mit den heiligen Engeln begingen. Danach richteten unsere Verfolger Hände und Waffen gegen sich selbst, aber selbst dadurch wurde unser Fest nicht gestört. Darauf folgten diese seuchenhafte Krankheit und die furchtbare Plage; aber ihr Schrecken lastete bei weitem schwerer auf denen, deren Erwartungen an die Zukunft ihnen keinen Trost boten. Wir nahmen das alles als eine Art Übung in der Tugend und als Bewährung des Glaubens an. Denn obwohl die Krankheit die Heiden häufiger und härter traf als die Unseren, verschonte sie die Unseren doch nicht völlig.“
Und kurz darauf fügt er hinzu: „Viele unserer Brüder sind an ihrer übergroßen Liebe zugrunde gegangen, weil sie nicht aufgehört haben, die Kranken zu besuchen, und das ohne jede Zurückhaltung: Sie besuchten sie nicht nur, sondern dienten ihnen und verrichteten die Dienste, die der Herr geboten hat; und so starben sie, als sich die Ansteckung ausbreitete, zusammen mit denen, denen sie hatten dienen wollen. Vom Gefühl der Liebe gezogen und im Verlangen, das Leiden der Leidenden zu teilen, zögerten sie nicht, die Tode der anderen auf sich zu nehmen, und wurden, wie der Apostel sagt, zu ihrem Abschaum. Schließlich schloss sich eine große Zahl hervorragender und auserwählter Männer aus unseren Reihen, unter ihnen nicht wenige Presbyter und Diakone und viele andere aus dem Volk, aus Mitleid mit den Kranken mit höchst mutigem und brennendem Glauben derartigem Sterben an, als stünde die Zeit des Martyriums unmittelbar bevor, in der Erwartung, auf diese Weise ein Martyrium der Barmherzigkeit zu erlangen. Und während sie sich hingaben, die Kranken zu pflegen, die Toten hinauszutragen und die Körper zu begraben, waren sie nahe daran, denen zu folgen, die sie zuvor auf ihren eigenen Schultern zu Grabe getragen hatten. Die Heiden dagegen verließen ihre eigenen Leute, sobald sie krank wurden – Eltern ihre geliebten Kinder, Männer ihre Frauen und ebenso Kinder ihre Eltern. Sobald sie sahen, dass sie zu zittern begannen und die Gesichter vor Krankheit erbleichten, stießen sie sie aus dem Haus, schleuderten sie halb tot auf die Straßen und ließen ihre Leichen dort unbestattet liegen; so verdoppelten sie das Risiko, sich die Krankheit einzufangen, der sie zu entkommen hofften, weil zu der Wildheit der Seuche noch der Gestank der unbestatteten Leichen hinzukam.“
Dionysius sagt über die Zeit des Gallienus, dass, solange er an der Macht war, die Kirchen Gottes anhaltenden Frieden genossen, und dass mitten in dieser Zeit Macrianus das Licht seiner Herrschaft plötzlich wie eine dichte schwarze Wolke verdunkelte. Als diese aber wieder wich wie eine Wolke im Sommer, ließ Gallienus, wie er sagt, das frühere Licht von einst neu über die ganze Welt aufstrahlen, denn er beendete sowohl die Herrschaft als auch das Leben des grausamen Tyrannen. Er fügt hinzu, dass er dies im neunten Jahr der Herrschaft des Gallienus schrieb.
Es gibt außerdem noch sehr viele andere kurze Schriften des Dionysius, die ganz unentbehrlich und bewundernswert sind und ihren Lesern von größtem Nutzen. Unter ihnen ist seine Schrift „Über die künftigen Verheißungen“, deren Anlass folgender war: In Ägypten gab es einen Bischof namens Nepos. Er vertrat eine jüdische Sicht der künftigen Verheißungen und lehrte, sie würden körperlich erfüllt werden und die Heiligen würden mit Christus auf dieser Erde tausend Jahre lang in körperlichen Genüssen herrschen. Und er versuchte, seine Lehre aus Stellen der Offenbarung des Johannes zu beweisen, über die er ebenfalls Schriften mit Auslegungen dieser Art veröffentlichte. Dionysius schrieb daher an Nepos über die Verheißungen und widerlegte die Darstellung seiner Position, und gleich im ersten Buch legt er seine eigene Sicht der göttlichen Verheißungen dar. Im zweiten Band, wo er die Offenbarung des Johannes behandelt, erwähnt er Nepos mit folgenden Worten:
„Und sie bringen gewisse Schriften von Nepos vor, auf die sie sich stark stützen und durch die sie meinen, auf irgendein unaussprechliches Geheimnis hin zeigen zu können, in welcher Weise das Reich Christi auf Erden sein werde. Es gibt nun viele andere Gründe, warum auch ich Nepos liebe und in die Arme schließe, sei es wegen seines Glaubens oder wegen seiner Bildung und seines Eifers für die Schriften, insbesondere aber wegen seiner Kunst im Psalmengesang, da viele der Brüder gerade deshalb gerne Umgang mit ihm pflegen. Auch ich habe also große Achtung vor ihm, und umso mehr, als er schon zum Herrn vorausgegangen ist. Aber tatsächlich ist die Wahrheit über alles zu lieben und zu bevorzugen. Wenn etwas zu Recht gesagt ist, soll es ohne Neid gelobt und angenommen werden; wenn aber etwas geschrieben ist, das nicht so gesund ist, soll es geprüft und bewertet werden. Und wenn die betreffende Person zugegen ist, genügt eine mündliche Prüfung dessen, was nicht so gut ausgedrückt scheint, denn die Fragen und darauf folgenden Antworten werden das, was gegensätzlich und unvereinbar schien, zur Übereinstimmung bringen. Wenn aber Schriften veröffentlicht wurden, die, wie manche meinen, ziemlich überzeugend sind, und Lehrer aufgetreten sind, die das Gesetz und die Propheten für wertlos halten, den Evangelien nicht folgen, die Schriften der Apostel verachten, nur diese Bücher und jene Lehre als etwas Großes und als geheimes Mysterium verehren und die Einfacheren unter unseren Brüdern dahin bringen, zu meinen, an der Ankunft und Gegenwart unseres Gottes und Retters Jesus Christus und an der Herrlichkeit der Auferstehung und unserer Versammlung zu ihm und unserer Verähnlichung mit ihm, wie verheißen, sei nichts Erhabenes und Großartiges, sondern sie dazu überreden, im Reich Gottes nach irgendwelchen kleinen Dingen zu suchen, immer nur nach dem, was sterblich ist und nichts anderes als das, was wir jetzt sehen: dann scheint es notwendig zu sein, unserem Bruder Nepos darauf eine Antwort zu geben.“
Und später fuhr er fort: „Als wir dann im arsinoitischen Gebiet waren, wo sich jene Lehre inzwischen schon lange herumgetrieben hatte, so dass unter den Brüdern Spaltungen und Streit entstanden waren, rief ich die Presbyter und Lehrer, die in den Kirchen waren, zusammen und begann eine öffentliche Beratung, wobei ich die Brüder zugleich ermahnte, ohne Furcht alles vorzubringen, was ihnen auf dem Herzen lag. Da legten sie mir das Buch des Nepos vor, als stärksten Schild und uneinnehmbare Mauer. Ich nahm es geduldig an, saß drei Tage hintereinander von Tagesanbruch bis zum Abend mit ihnen zusammen und begann, jede einzelne seiner Aussagen zu prüfen und alles aufzuzeigen, was daran nicht stimmig war. Und ich muss sagen, ich bewunderte die Geduld, Standhaftigkeit und Einsicht der Brüder sehr, denn sie trugen ihre Anliegen zu jedem einzelnen Punkt sachlich und geordnet vor; und nachdem sie mit größter Entschiedenheit unseren Antworten widersprochen hatten und die Wahrheit in der Sache ans Licht gekommen war, erklärten sie sich schließlich doch zustimmend, ohne weiteres Gezänk, weil sie urteilten, dass einmal gefasste Überzeugungen nicht für immer mit fanatischem Eifer und Sturheit festgehalten werden dürfen, sondern dass es besser ist, seine Ansicht zu ändern, wenn andere aufgetaucht sind, die besser und richtiger sind. Sie öffneten Gott also ihr Herz und hörten das Wort, dessen Bestätigung nicht aus menschlicher Überredung oder der Macht der Beredsamkeit kam, sondern aus dem Zeugnis der göttlichen Schriften. Und der Beweis für unsere Position war so klar, dass Coracion, der unter ihnen als ihr bedeutendster Lehrer galt und ein Leben von außergewöhnlicher Vorbildlichkeit führte, mitten unter ihnen aufstand und vor aller Ohren bekannt und erklärt hat, niemand solle seine Lehre künftig noch erwähnen; der einmal begangene Irrtum genüge. Außerdem, so sagte er, dürfe man nicht nur keines dieser Dinge festhalten oder ihnen folgen, sondern solche Lehren sollten nicht einmal mehr erwähnt werden, weil doch so deutlich und offenkundig sei, dass ihnen das widerspreche, was die göttlichen Schriften bezeugen. Und alle übrigen Brüder, deren Herzen sich über seine Umkehr mit Freude und Jubel erfüllten, konnten dem Herrn gar nicht genug danken.“
Und weiter vorn, wenn er zur Offenbarung des Johannes kommt, schreibt er darüber Folgendes: „Einige vor uns meinten, diesem Buch müsse jeder Platz im Kanon der heiligen Schriften abgesprochen und es verworfen werden; sie zerpflückten es Kapitel für Kapitel und behaupteten, der Titel des Buches sei nicht der echte, sondern der Name Johannes sei einfach über eine Schrift gesetzt worden, die nicht von ihm stammt. Deswegen, so sagten sie, könne man das Buch weder als das des Johannes noch als eine Offenbarung ansehen, da es von einem dichten Schleier der Unwissenheit bedeckt sei. Sie fügten hinzu, es sei nichts darin, was der apostolischen Autorität würdig wäre, und erklärten, die Schrift stamme nicht einmal von einem der Männer aus der Kirche; vielmehr sei es Cerinthus, der Begründer der cerinthischen Häresie, gewesen, der den Namen des Johannes einem Buch aufgeprägt habe, das er selbst geschrieben hatte, weil er seine Lehre durch das Ansehen des Namens des Apostels mit Autorität ausstatten wollte. Denn dies sei es, was die Lehre des Cerinthus behaupte, so sagten sie: dass das zukünftige Reich Christi irdisch sein werde, und da man von ihm sagte, er sei selbst ein großer Liebhaber des Fleisches und seiner Begierden gewesen, habe er gemeint, das, was den Heiligen in den Verheißungen des zukünftigen Reiches bereitgestellt werden müsse, sei genau das, wonach sein eigener Geist verlangte: dass die Geschäfte des Bauches und der sinnlichen Lust weitergehen würden, und dass es reichlich Essen und Überfluss an Getränken, Hochzeiten und all den anderen Dingen geben werde, die dazu gehören. Er erwartete außerdem eine Wiederherstellung der Feste und der jüdischen Opfer und der Opferopfer, die das Gesetz vorschreibt.
Was mich betrifft, so würde ich es nicht einmal wagen, den Text dieses Buches geringzuschätzen oder zu verwerfen, zumal viele der Brüder so empfinden wie ich. Mein Urteil darüber ist vielmehr, dass das, was darin geschrieben steht, den Bereich menschlichen Hörens übersteigt und überragt und dass darin ein Sinn liegt, der verborgen und verhüllt ist und von allen bewundert werden soll, ein Sinn, den auch ich selbst bewundere und verehre, selbst wenn ich ihn nicht verstehe. Und ich meine dies, weil einige göttliche Geheimnisse in menschliche Sprache eingehüllt sind, Geheimnisse, die ich lieber im Glauben annehme, als dass ich sie mit meinem Urteil erfasse; darum verwerfe ich nicht, was ich nicht verstehe, sondern ich bewundere es umso mehr, je weniger ich es zu fassen vermag.“ Danach bespricht er den Text des Werkes als Ganzes, prüft jedes seiner Stücke und zeigt klar, dass es völlig unmöglich ist, daraus eine Auslegung zu gewinnen, wenn man es wörtlich nimmt, und fügt dann hinzu: „Wenn die Prophetie im Ganzen abgeschlossen ist, preist der Prophet die selig, die diese Dinge bewahren. Und er preist auch sich selbst selig, denn er sagt: ‚Selig sind, die das Wort der Prophetie dieses Buches bewahren, und ich, Johannes, der ich dies sehe und höre.‘7 Ich leugne also nicht, dass er Johannes heißt und dass diese Schrift von Johannes ist. Denn sie stammt von einem Heiligen und ist ohne jeden Zweifel durch den Geist Gottes geschrieben, auch wenn er nicht der Apostel Johannes ist, der Sohn des Zebedäus und Bruder des Jakobus, von dem das Evangelium stammt, das mit ‚Nach Johannes‘ überschrieben ist, und der katholische Brief.“ Dionysius behauptet also immer wieder, dass daran nicht zu zweifeln sei, dass die Offenbarung von Gott eingegeben und von Johannes ist, dass ihm aber nicht einleuchtet, dass dies jener Johannes sei, der das Evangelium geschrieben hat, weil dieser nirgends seinen Namen nennt oder ausdrücklich angibt, wer er ist, während der, der die Offenbarung geschrieben hat, seinen Namen etwa dreimal nennt. Außerdem sagt er, nachdem er die verschiedenen Schreibstile klar unterschieden hat, es sei möglich gewesen, dass es damals noch einen anderen Johannes gegeben habe, einen der Heiligen, dem Gott diese Dinge offenbart habe.
Es gibt noch viele andere Schriften zu kirchlichen Themen, die der selige Dionysius uns in Buchform hinterlassen hat; und jeder, der ernsthaft lernen will, wird aus ihrer Lektüre großen Gewinn ziehen. Kehren wir nun aber zu unserer Erzählung zurück.
Xystus, nachdem er elf Jahre lang das Priesteramt der römischen Kirche ausgeübt hatte, wurde von Dionysius abgelöst, und als Demetrian in Antiochien verschied, erhielt Paulus von Samosata das Priesteramt. Paulus’ Sicht auf Christus war so niedrig und unwürdig, dass er die überlieferte Lehre der Kirche verdrehte, indem er sagte, er sei lediglich ein Mensch gewöhnlicher Natur. Dionysius von Alexandria aber, der zu einem Konzil gerufen wurde und durch körperliche Schwäche daran gehindert war zu kommen, ließ sich durch einen Brief vertreten, in dem er darlegte, welchen Glauben er an Christus hatte und welche Verehrung er ihm entgegenbrachte. Die anderen Hirten der Kirchen aber versammelten sich aus verschiedenen Gegenden und Städten in Antiochien, wie gegen einen Räuber, der Christi Herden auflauert.
Unter ihnen ragten Firmilian aus Cäsarea in Kappadokien, die Brüder Gregor und Athenodor, Priester aus der Provinz Pontus, Helenus, Bischof der Kirche von Sardes, Nicomas aus Ikonium, der hervorragende Priester Hymenäus aus Jerusalem und Theoteknus aus der benachbarten Stadt Cäsarea hervor und übertrafen die anderen. Auch Maximus, Bischof von Bostra, schloss sich ihnen als würdiger Mitstreiter an, sowie viele andere, die einzeln aufzuzählen zu weit führen würde. Es kamen außerdem sehr viele Presbyter und Diakone in der genannten Stadt zusammen, um diese neue Lehre zu bremsen, oder besser gesagt, sie zu vernichten. Alle diese trafen dann häufig zusammen, stellten Paulus von Samosata vor sich hin und bemühten sich, indem sie seine Häresie in immer neuen Unterredungen und unablässigen Debatten aufdeckten – eine Häresie, die er bald zu verbergen, bald zu verkleiden versuchte –, ihre Gotteslästerlichkeit nachzuweisen und öffentlich zu machen. Doch konnten sie dies nicht in einer oder zwei Sitzungen erreichen; sie kamen oft zusammen und gingen ebenso oft auseinander, ohne weitergekommen zu sein. Da nun in unserer Geschichte des seligen Gregor gedacht wurde, halte ich es für sehr angemessen, die Taten dieses großen Mannes, von denen in den Ländern des Nordostens jedermann spricht, die aber aus irgendeinem Grund übergangen worden sind, als Zeugnis für die Nachwelt in unseren Bericht einzufügen. Es gab im Pontus einen See, reich an Fischen, deren Fang seinen Besitzern einen überaus reichen Ertrag einbrachte. Dieses Besitztum war von zwei Brüdern geerbt worden.
Aber die Gier nach Geld, die fast immer die Herzen der Sterblichen besiegt, verdarb auch ihre brüderliche Verbundenheit. Als die Zeit gekommen war, den Besitz anzutreten, kamen die Brüder nicht so sehr zusammen, um Fische zu holen, sondern um sich gegenseitig zu übervorteilen, und es folgten Kämpfe und Gemetzel und ein Übermaß an vergossenem Menschenblut statt an Fischen. Doch durch Gottes Vorsehung kam schließlich Gregor, um Hilfe zu leisten. Er sah, wie die Männer kämpften und starben und die Brüder vor Zorn tobten, und als er nach dem Grund für die tödliche Raserei der Brüder gegeneinander und gegen die eigenen Leute fragte, stellte er fest, dass es schlicht um den Fang der Fische ging. Als sich dann beide Parteien aus Ehrfurcht vor seiner Ankunft ein wenig beruhigt hatten, sagte er: „Meine Söhne, vergreift euch nicht an euren vernunftbegabten Seelen um willen vernunftloser Tiere, zerstört nicht aus Gewinnsucht euren brüderlichen Frieden und tretet nicht auch noch die Gesetze Gottes und die Rechte der Natur mit Füßen, sondern kommt mit mir an das Ufer dieses Todessees. Ich werde euch jetzt durch die Macht des Herrn aus dem ganzen Streit dieser blutigen Auseinandersetzung befreien.“
Und als er dies gesagt hatte, rammte er den Stab, den er in der Hand hielt, am Rand des Wassers ins Ufer, während alle zusahen, kniete selbst nieder, erhob seine Hände zum Himmel und flehte den erhabenen Gott so an: „Herr, Gott unserer Väter, als der erste Mensch Adam gegen dich sündigte und dein Gebot übertrat, hast du die Strafe für seine Schuld gemildert und das Urteil, das den Fluch trug, auf die Erde gelenkt, als du sagtest: „Verflucht sei die Erde in deinen Werken.“8 Hab nun Erbarmen mit dem Blut dieser jungen Brüder, das in Gefahr ist, und befiehl, dass dieses Wasser verflucht sei in dem, was es hervorbringt, um dessentwillen sie in ihrem Zorn ihre brüderlichen Bande vergessen haben, so dass an diesem Ort niemals wieder Fische erscheinen und kein Wasser darin zurückbleibt, sondern dass er ein Acker sei, der gepflügt werden kann und reich an Ertrag ist, und für immer als Hüter brüderlicher Eintracht bestehen bleibt.“ Kaum hatte er das Gebet beendet, da wich das Wasser, dem befohlen war wegzugehen, zog sich zurück, verschwand schnell vor den Augen derer oben, kehrte in seine Tiefen zurück und hinterließ den Brüdern, die nun untereinander Frieden hatten, ein trockenes Feld. Und man sagt, dass das Land auch heute noch von Frucht überquillt, wo einst die Schiffe dicht gedrängt lagen.
Eine andere Tat, die von ihm erzählt wird, ist noch berühmter und noch offensichtlicher von Gott gewirkt. Auf dem Land gab es ein schmales Stück Grund, auf dem eine Kirche gebaut werden sollte, aber ein Fels, der vom nahen Berg im Osten hervorsprang, und ein Fluss, der auf der anderen Seite vorbeifloss, ließen nicht genug Raum für die Kirche. Und da es überhaupt keinen anderen Platz gab und alle betrübt waren, weil sie kein Land hatten, auf dem sie eine Kirche bauen konnten, soll er voll Glauben die Nacht im Gebet verbracht und den Herrn Jesus beharrlich an seine Verheißung erinnert haben: „Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn und zu diesem Berg sagt: Heb dich auf und wirf dich ins Meer, so wird es gewiss geschehen.“9 Dies, so heißt es, sprach er mit vollkommenem Glauben und ganzer Hingabe, und als das Volk im ersten Morgenlicht zusammenkam, stellte sich heraus, dass der störende Fels so weit zurückgewichen war, dass genug Raum vorhanden war, um die Kirche zu bauen.
Es wird noch sehr vieles andere von ihm erzählt, aber um die Erzählung nicht allzu sehr in die Länge zu ziehen, übergehe ich das Übrige und füge nur noch eine weitere seiner Taten an. Es heißt, er sei einmal im Winter durch die Höhen des Gebirges gereist, und als er den höchsten Punkt des Passes erreichte, war alles von Schnee bedeckt und weit und breit kein Gasthaus zu finden, nur ein Tempel des Apoll; dorthin begab er sich, verbrachte die Nacht und zog weiter. Nun hatte dieser Tempel einen Priester, dessen Gewohnheit es war, die Götzenstatue des Apoll zu befragen und den Ratsuchenden die Antworten zu übermitteln; davon, so scheint es, bestritt er seinen Lebensunterhalt. Nachdem Gregor also wieder weggegangen war, ging der Priester wie gewohnt hin, um Bitten um Orakel vorzulegen und Antworten zu erfragen, doch es kam keine Antwort. Er wiederholte die Opfer, aber das Schweigen blieb. Er häufte seine Beschwichtigungsriten, doch seine Worte stießen auf taube Ohren. Und während der Priester über dieses ungewohnte Schweigen wie vor den Kopf geschlagen war, kam der Dämon in der Nacht zu ihm und sagte im Traum zu ihm: „Warum rufst du mich dorthin, wo ich nicht mehr kommen kann?“ Und als er nach dem Grund fragte, sagte er, er sei durch die Ankunft Gregors hinausgetrieben worden. Auf die Frage, was nun zu tun sei, antwortete er, er könne nur dann wieder an diesen Ort zurückkehren, wenn Gregor es erlaube. Als der Priester das hörte, machte er sich, lange nachdenklich und innerlich widerstrebend mit sich selbst ringend, auf den Weg, und als er Gregor erreicht hatte, sprach er ihn an, legte ihm die ganze Sache von Anfang an dar, erinnerte ihn an seine Güte und Gastfreundschaft, brachte die Klage der verbannten „Gottheit“ vor, beklagte den Verlust seines Lebensunterhalts und bat, alles möge ihm wieder so zurückgegeben werden, wie es ursprünglich gewesen sei.
Er aber schrieb ohne Zögern folgenden Brief: „Gregor an Apollo. Ich erlaube dir, an deinen Ort zurückzukehren und zu tun, wie du es gewohnt warst.“ Der Priester nahm den Brief, brachte ihn in den Tempel, und als er bei dem Götzen niedergelegt war, kam der Dämon und gab auf die Anfragen hin wieder Antworten. Da sagte er in sich: „Wenn Gregor befiehlt und dieser Gott weggeht und nicht zurückkehren kann, es sei denn auf Befehl, und wenn er auf Gregors Befehl hin wieder zurückkehrt, dann ist Gregor ganz offensichtlich weit überlegen gegenüber dem, der seinen Anordnungen gehorcht.“ Er schloss also die Türen des Tempels, ging zu Gregor hinunter und brachte den Brief, den er empfangen hatte, mit sich zurück; er erklärte ihm alles, was sich an seinem Ort zugetragen hatte, und fiel zugleich vor seinen Füßen nieder und bat, er möge ihn dem Gott übergeben, in dessen Kraft Gregor den Göttern der Heiden befehlen konnte. Und weil er sich eifrig und beharrlich zeigte, machte er ihn zum Katechumenen. Er gab sich einem höchst keuschen und enthaltsamen Leben hin, verließ nicht nur alle Irrtümer der Dämonen, sondern auch die weltlichen Geschäfte, und so wurde ihm auch die Taufe geschenkt. Und er machte in Lebensführung und Glaubenstugend solche Fortschritte, dass er selbst Gregor als Bischof nachfolgte. Gregor hat uns außerdem großartige Zeugnisse seines Könnens in knapper Form hinterlassen. Er verfasste eine hervorragende Paraphrase des Buches Kohelet und hinterließ eine Erklärung des katholischen Glaubens in gedrängter Form, von der ich meine, dass es nützlich ist, sie hier zum Aufbau der Kirchen anzufügen.
„Das Glaubensbekenntnis Gregors, Märtyrer und Bischof von Neocäsarea: Ein Gott, der Vater des lebendigen Wortes, der wesenhaften Weisheit sowie seiner Kraft und seines Bildes, der vollkommene Vater des Vollkommenen, der Vater des eingeborenen Sohnes. Ein einziger Gott aus einzigem Gott, Gleichnis und Bild der Gottheit, Wort, das alles zur Vollendung führt, und Weisheit, die alles umfasst, und Kraft, durch die die ganze Schöpfung ins Dasein kommen konnte, wahrer Sohn des Wahren, Unsichtbarer aus dem Unsichtbaren, Unverweslicher aus dem Unverweslichen, Unsterblicher aus dem Unsterblichen und Ewiger aus dem Ewigen. Ein Heiliger Geist, der seine Substanz von Gott hat und durch den Sohn erschienen ist, Bild des vollkommenen Sohnes, vollkommener Urgrund der Lebenden, Heiligkeit, die Heiligung schenkt, durch den Gott erkannt wird als der, der über allem und in allem ist, und der Sohn als der, der durch alle wirkt. Die Dreieinigkeit, vollkommen an Hoheit, Ewigkeit und Herrschaft, ist in keiner Weise geteilt oder getrennt. Es ist daher in der Dreieinigkeit nichts Geschaffenes, nichts Untergeordnetes und nichts nachträglich Eingeführtes, als hätte es zuvor nicht bestanden und sei erst später hinzugekommen. Dem Vater hat also niemals der Sohn gefehlt und dem Sohn niemals der Heilige Geist, sondern ein und dieselbe Dreieinigkeit bleibt allezeit unveränderlich und unwandelbar.“ Damit genug über Gregor. Kehren wir nun zu unserer Erzählung zurück. Inzwischen entschlief Dionysius in Alexandria im zwölften Jahr der Herrschaft des Gallienus, nachdem er siebzehn Jahre im Priesteramt gedient hatte. Ihm folgte Maximus nach. Gallienus starb, nachdem er fünfzehn Jahre das Römische Reich regiert hatte, und Claudius trat seine Nachfolge an. Dieser übergab die Herrschaft wiederum nach nur zwei Regierungsjahren an Aurelian.
Während dieser Zeit kam in Antiochien das abschließende Bischofskonzil zusammen, auf dem Paulus der Häresie angeklagt, klar überführt und von allen Kirchen Christi auf Erden verurteilt wurde. Es war Malchion, Presbyter der Kirche von Antiochien, der die Sache am entschiedensten vorantrieb und sie mit den stärksten Argumenten verfolgte. Ein Mann von tiefstem Glauben, geschmückt mit jeder Tugend, zugleich hochberedt, mächtig im Wort und in allen Bereichen gründlich gebildet – er hatte sogar in eben dieser Stadt Rhetorik gelehrt. Ihm übertrug daher das gesamte Bischofskonzil die Auseinandersetzung mit Paulus, während Schriftführer alles mitschrieben. Er führte das Streitgespräch so großartig und mit solcher Genauigkeit, dass es schriftlich veröffentlicht wurde und bis heute bei allen hohes Ansehen genießt. Denn nur er war imstande, Paulus aus dessen eigenen Zugeständnissen heraus bloßzustellen, als dieser sich verstellte und zu verbergen suchte, was er wirklich dachte.
Als dies so geschehen war, beschlossen alle Priester gemeinsam, einen Brief an Dionysius von Rom und an Maximus, den Bischof von Alexandria, zu schreiben, der durch alle Kirchen gesandt wurde und in dem sie bewiesen, wie sorgfältig sie vorgegangen waren, und allen bekannt gaben, dass die Häresie des Paulus widerlegt und verworfen worden war. Zugleich gaben sie die Punkte an, die mit ihm verhandelt worden waren, und schilderten sowohl sein ausschweifendes Leben als auch sein sonstiges Verhalten. Wir haben es für richtig gehalten, hier einige Abschnitte daraus anzuführen. „An Dionysius und Maximus und alle Priester und Bischöfe auf der ganzen Erde, zusammen mit den Presbytern und Diakonen und der ganzen katholischen Kirche, die unter dem Himmel ist, von Helenus und Hymenäus, Theophilus, Theoteknus, Maximus, Proculus, Nicomas, Aelian, Paulus, Bolasus, Protogenes, Hierax, Eutychius, Theodor, Malchion, Lucius, Presbytern, und allen übrigen Bischöfen, Presbytern und Diakonen, die sich mit uns aus den benachbarten Städten und Provinzen versammelt haben: Gruß im Herrn an die von uns überaus geliebten Brüder.“
Und kurz darauf fügen sie hinzu: „Wenn wir diesen Brief senden, bitten wir euch alle eindringlich, euch um jeden zu kümmern, der sich mit dieser Art von Lehre angesteckt haben könnte, so wie die Männer seligen Angedenkens, Dionysius von Alexandria und Firmilian aus Kappadokien, früher an das Volk von Antiochien geschrieben haben, indem sie es verachteten – oder besser gesagt unterließen –, dem, der der Urheber des Irrtums war, selbst einen Brief zu schicken. Firmilian selbst seligen Angedenkens aber ist, solange er noch lebte, zweimal gekommen und hat ihn persönlich kritisiert und scharf zurechtgewiesen, wie wir alle wissen und bezeugen, die wir mit ihm gekommen sind. Als jener jedoch versprach, seinen Irrtum zu korrigieren, glaubte er ihm, in der Hoffnung, die Lage könne sich bessern, ohne dass unsere Religion durch Anstoß oder die Schande von Spaltungen befleckt würde, und darum unternahm er nichts, während Paulus ihn unterdessen listig hinhielt und den Menschen täuschte, Gott verleugnete und den Glauben verletzte, in dem er neu geboren worden war. Und als der selige Firmilian schließlich auf dem Weg nach Antiochien war und schon bis nach Tarsus gekommen war und wir alle in Antiochien seine Ankunft erwarteten, wurde uns gemeldet, er sei aus dieser Welt abberufen worden.“
Und weiter unten, wenn sie sein Leben und sein Verhalten schildern, fügen sie hinzu: „Nachdem er sich von der Richtschnur der rechten Lehre zu fremden und verlogenen Lehren abgewandt hat, braucht man seine früheren Machenschaften nicht erst im Einzelnen aufzuzählen: wie er nämlich, der früher bedürftig und äußerst arm war und weder aus dem väterlichen Erbe noch auf ehrbarem Wege irgendeine Möglichkeit zum Lebensunterhalt hatte, jetzt unfassbar reich geworden ist – und aus keiner anderen Quelle als aus seinen frevelhaften Taten und den Diebstählen, die er durch Betrug zustande gebracht hat. Er hat die Brüder eingeschüchtert, seine Protektion verkauft und dann, selbst nachdem er das Geld angenommen hatte, die übernommenen Geschäfte nicht erledigt, in der Meinung, „die Frömmigkeit sei ein Mittel zum Gewinn,“10 wie geschrieben steht. Und wer könnte seinen Hochmut ertragen, da er es lieber gehabt hat, als Ducenarius zu erscheinen statt als Bischof? Mit solcher Wichtigtuerei ist er durch die Straße stolzierte, ließ sich dort seine Schreiben offen vorlesen und diktierte sie in Sicht und Hörweite aller, während ihn die Schreiber auf der Straße begleiteten. Die Zahl derer, die vor ihm hergingen, und der Menge, die ihm nachlief, war so groß, dass jeder, der es sah, erschrocken ist und die göttliche Religion seines Übermuts wegen verabscheut hat. So hat er sich in der Öffentlichkeit aufgeführt.
In der Kirche hat er befohlen, ein Podium für ihn zu errichten, das viel höher war als zuvor, den Thron an einen noch erhabeneren Platz zu stellen und einen Audienzraum herzurichten und auszustatten, ganz wie bei den weltlichen Amtsträgern. Wenn er zum Volk sprach, fuchtelte er theatralisch mit der rechten Hand, schlug sich mit der flachen Hand auf den Oberschenkel, hüpfte auf den Füßen hin und her und trommelte lärmend auf seinen Fußschemel. Von seinen Zuhörern erwartete er nicht nur Zustimmung und Beifall, sondern auch, dass sie wie im Theater die Tücher vor ihm schwenkten und ihm Zurufe machten; und das erwartete er nicht nur von den Männern, sondern auf schamlose Weise sogar von den Frauen. Wer sich unter den Zuhörern ehrbarer und zurückhaltender verhielt und keinen übermäßigen Lärm machte, wurde von ihm verspottet, als hätte er sich selbst ungebührlich benommen. Die Ausleger, sowohl die betagten als auch die längst Verstorbenen, hat er verhöhnt und, während er sie herabsetzte, sich selbst schamlos und frech gerühmt und es darauf angelegt, als Redner statt als Lehrer der Kirche gepriesen zu werden. Er hat den Psalmen, die an unseren Herrn Jesus Christus gerichtet sind, als angeblichen Neuerungen ein Ende gemacht, dafür aber an den Tagen des Passahfestes mitten in der Kirche Frauen Lieder auf seine eigene Person singen lassen – besonders jene, die er selbst früher im Vortrag des Gesangs wie gewohnt ausgebildet hatte –, so dass es einem beim Hören eiskalt den Rücken hinunterlief.
Denn während er selbst geleugnet hat, dass der Sohn Gottes vom Himmel herabgekommen ist, sondern behauptet hat, er habe seinen Anfang bei Maria genommen und sei von Anfang an von der Erde gewesen, haben die Psalme, die auf ihn gesungen und durch die er im Volk gepriesen wurde, von ihm als einem Engel gesprochen, der aus den Himmeln herabgekommen ist. Und wenn er zugegen war und sie hörte, hat er nicht nur nicht verboten, dass man sie singt, sondern sich mit aufgeblasener Miene am Zuhören erfreut. Und was soll man noch von den Frauen sagen, die bei ihm gewohnt haben und die die Antiochener synisactae nennen? Damit ihm aus ihrem Umgang und Zusammenleben kein Vorwurf gemacht werde, hat er auch seinen Presbytern und Diakonen – zumindest denen, die ihm nach dem Mund geredet haben – eine ähnliche Erlaubnis gegeben, Frauen bei sich wohnen zu haben. Er gestattet ihnen sogar, Reichtum anzuhäufen, damit sie niemals in die Lage kommen, ihrem Lehrer ein Verbrechen anzuhängen, dessen sie in Wahrheit selbst schuldig sind.
Der Grund, warum wir dies schreiben, geliebte Brüder, ist, dass wir wissen, wie heilig das bischöfliche Priesteramt sein soll, das für Klerus und Volk ein Vorbild zu sein hat. Denn wir wissen sehr wohl, dass manche Männer zu Fall gekommen sind, weil sie unvorsichtig junge Frauen bei sich aufgenommen haben, die mit ihnen zusammenlebten. Und selbst wenn dies nicht geschieht, ist es doch schon schlimm genug, wenn ein Priester eines solchen Verhaltens auch nur verdächtigt wird. Wie aber kann er den Schwächeren den Umgang mit Frauen verbieten, wenn sein eigenes Verhalten ihn faktisch erlaubt? Er ist jedoch in seiner Macht so groß und erbarmungslos und in seinem Hochmut ein solcher Tyrann geworden, dass niemand es wagt, überhaupt hervorzutreten, um ihn anzuklagen oder zur Rechenschaft zu ziehen. Doch das, wovon wir gesprochen haben, wäre schon bei jemandem verwerflich, der am katholischen Glauben festhält und in der Wahrheit der kirchlichen Lehre verharrt. Dieser Mann aber, der das Geheimnis des Glaubens verleugnet und sich jener zutiefst befleckten Häresie des Artemas zugewandt hat – denn wir mussten auch den Vater seines Irrtums beim Namen nennen –, was soll man von ihm noch halten, oder wie soll man ihn noch verfluchen?“ Und viel später, am Ende des Briefes, fügen sie hinzu: „Es ist daher beschlossen worden, dass dieser Mann, der Gott widersteht und sich dem wahren Glauben nicht beugt, verworfen und ausgeschlossen werden muss und an seiner Stelle durch die Gnade Gottes ein anderer als Bischof der katholischen Kirche eingesetzt werden soll: Domnus, ein Mann, geschmückt mit allem Guten, der Sohn des Demetrian seligen Angedenkens, der genau dieser Kirche vorgestanden hat. Wir haben euch dies über ihn mitgeteilt, damit ihr erkennt, dass ihr an ihn schreiben und von ihm die Schreiben der Kirchengemeinschaft annehmen müsst. Was aber den anderen betrifft, der für unwürdig befunden worden ist, in der katholischen Kirche zu sein, der mag an Artemas schreiben, und die Anhänger seiner Häresie mögen mit ihm in Gemeinschaft stehen.
Paulus wurde dann vom Priesteramt und von der Gemeinschaft ausgeschlossen, und Domnus trat an seine Stelle als Bischof. Er aber weigerte sich, das Kirchengebäude zu verlassen, sodass man beim Kaiser Aurelian Berufung einlegte. Dieser fällte einen höchst frommen und heiligen Entscheid und befahl, die Kirche denen zu übergeben, an die die Priester Italiens und der Bischof von Rom schreiben würden. So fügte Paulus zu seinen übrigen Übeln noch die Schande hinzu, durch die weltliche Obrigkeit aus der Kirche vertrieben zu werden. So verhielt sich Aurelian damals uns gegenüber; doch im Lauf der Zeit begann er seine guten Absichten zu ändern und, durch schlechten Rat verdorben, eine Verfolgung gegen die Kirchen Gottes zu planen. Er war darin schon so weit, dass, wie man sagt, die Schreiben und Edikte bereits diktiert waren und nur noch der Unterschrift bedurften, als die Rechte Gottes dazwischentrat und jene böse Rechte samt ihrer Unterschrift beiseiteschob. Denn er, der den Tod der Frommen beschloss, wurde selbst zu einem plötzlichen Tod verurteilt, damit Gott zeige, dass wir nicht dann gequält werden, wenn ein Tyrann es will, sondern dann, wenn er selbst es zulässt, damit wir zurechtgebracht werden. Aurelian wurde also, nachdem er sechs Jahre regiert hatte, von Probus abgelöst, und dieser wiederum, nachdem er ebenso lange an der Macht gewesen war, von Carus mit seinen Söhnen Carinus und Numerian. Und nachdem diese ihrerseits nicht mehr als drei Jahre das Römische Reich regiert hatten, übernahm Diokletian die Herrschaft. Er war es, der die härteste Verfolgung gegen unser Volk und die Zerstörung der Kirchen in Gang setzte. Kurz bevor er an die Macht kam, entschlief Dionysius in Rom nach neun Jahren im Priesteramt, und Felix übernahm seinen Stuhl.
Es war in jener Zeit, in der ein gewisser Mani aufkam, der, wie schon sein Name andeutet, ein von dämonischem Antrieb getriebener Wahnsinniger war und eine abscheuliche Häresie lehrte, die allen zuwider war. Mani war persischer Herkunft, im Leben und in seinen Sitten ein Barbar, von so heftiger und verzerrter Art, dass er wie ein Irrer oder von einem Dämon Besessener wirkte; und das zeigte sich dann auch deutlich an dem, was aus ihm wurde. Bald versuchte er den Eindruck zu erwecken, er handele wie Christus, bald erklärte er, er sei der Paraklet, und ganz außer sich in seinem Wahnsinn wählte er nach dem Vorbild Christi zwölf Jünger und sandte sie zum Predigen aus, wobei er idiotische und gottlose Lehren verbreiten ließ, die er bei verschiedenen bereits verstorbenen Häretikern zusammengeraubt hatte, und unserer Welt persisches Gift zu trinken gab. Auf diesem Fundament steht die manichäische Häresie, die sich bis heute ausgebreitet hat und damals begann, als Felix der Kirche in Rom vorstand. Er übte das Priesteramt fünf Jahre lang aus und überließ den Bischofsstuhl Eutychian, der wiederum nach nur zehn Monaten das Bischofsamt an Gaius weitergab. Gaius, unser Zeitgenosse, versah das Priesteramt fünfzehn Jahre lang und wurde von Marcellinus abgelöst, der noch in die Zeit der Verfolgung hinein lebte.
In dieser Zeit hatte Timaeus nach Domnus das Priesteramt in Antiochien übernommen und nach Timaeus wiederum Cyrill. Cyrill wurde dann von Dorotheus abgelöst, der bis in unsere eigene Zeit hinein lebte: ein tief gelehrter Mann, sehr zugetan den heiligen Schriften, so eifrig, dass er sogar Hebräisch lernte. Außerdem hatte er von Kindheit an eine griechische Bildung in den freien Künsten empfangen. Er war von Geburt an ein Eunuch. Auch der Kaiser schätzte ihn deshalb hoch und verlieh ihm die Ehre, die Aufsicht über die Purpurfärbereien zu führen. Wir gehörten in unserer Knabenzeit zu seinen Hörern, als er in der Kirche die Schriften auslegte. Nach ihm übernahm Tyrannus das Priesteramt in Antiochien; zu seiner Zeit nahm die Verfolgung der Kirchen zu. In Laodicea wurde Eusebius, der aus Alexandria stammte, nach Sokrates Bischof. Als Eusebius wegen der Sache des Paulus von Samosata nach Syrien gekommen war, durfte er, wie Dionysius in seinen Briefen schreibt, von dort nicht mehr anderswohin weiterziehen, weil er in den göttlichen Schriften so gebildet war, dass die gelehrten Brüder in ihm eine wahre Schatzkammer fanden. Ihm folgte – ein guter Mann nach dem anderen, wie man zu sagen pflegt – Anatolius, der ebenfalls aus Alexandria stammte und von Jugend an in den freien Künsten und in der Philosophie staunenswert gut ausgebildet war, so sehr, dass alle Gebildeten und Philosophen ihn drängten, in Alexandria Logik zu lehren.
Außerdem hat er, so erzählt man, den Bürgern zur Zeit der Kämpfe unter den Einwohnern von Alexandria mit Rat und auch mit materieller Hilfe große Dienste geleistet. Ich will zur Kürze nur ein Beispiel anführen. Als es den Belagerten, so erzählt man, an Getreide fehlte und der Hunger sie härter bedrängte als der Feind, gab es einen dritten Teil des Volkes, der von den beiden einander bekämpfenden Parteien getrennt war, weil er den Römern treu blieb. In dieser Gruppe hielt sich damals Anatolius auf, fern vom Kampf. Er meldete sich beim Befehlshaber, schilderte ihm die verzweifelte Hungersnot, in der sich die Belagerten befanden, erwirkte für die Bürger ein Zugeständnis von ihm und sorgte dafür, dass es auf folgende Weise zur Geltung kam. Zuerst trat er an die beiden einander feindlichen Parteien heran und drängte sie, sich mit den Römern zu einigen. Als er aber ihre Unwilligkeit sah, sagte er: „Eines immerhin, so glaube ich, werdet ihr gern bewilligen: dass alle aus eurer Mitte, die zum Kampf untauglich sind und mit euch keinen Anteil am Kampf haben, sondern nur notwendigerweise am Essen, durch die Tore hinausgehen dürfen.“ Der Vorschlag wurde von beiden Parteien bereitwillig angenommen. Sie beschlossen, dass die Nichtkämpfer das Lager verlassen sollten. Fast alle Verhungernden nutzten dies, um zusammen mit den Nichtkämpfern auszubrechen, besonders die Unseren, die gegen den Krieg gewesen waren. Anatolius nahm sie alle auf und sorgte für sie mit der Fürsorge zugleich eines Vaters und eines Arztes. So beeilte er sich, die Menge zu retten, indem er sie mit Nahrung versorgte, während er bei den übrigen, denn es waren nur wenige übrig, Furcht vor dem Krieg und Sehnsucht nach Frieden einpflanzte. Und so befreite er jene größte aller Städte durch seinen weisen und barmherzigen Rat zugleich von Hunger und Krieg.
Laodicea nahm ihn daher, als Gabe Gottes, nach dem eben erwähnten Krieg als zweiten aus Alexandria stammenden Bischof auf. Von Anatolius sind außerdem viele ausgezeichnete kurze Schriften zu uns gelangt. Es erscheint mir lohnend, aus ihnen das anzuführen, was er über das Passahfest gedacht hat: „Der Anfang des ersten Monats liegt also im ersten Jahr, wobei dieser Anfang den Beginn des neunzehnjährigen Zyklus bildet; er fällt nach den Ägyptern auf den sechsundzwanzigsten Tag des Monats Phamenoth, nach den Makedoniern auf den zweiundzwanzigsten Tag des Monats Dystros und nach den Römern auf den elften Tag vor den Kalenden des April. An diesem Tag findet man, dass die Sonne nicht nur den ersten Abschnitt erreicht hat, sondern bereits den vierten Tag in ihm zurückgelegt hat, und zwar im ersten der zwölf Abschnitte. Nun ist der erste von diesen zwölf Abschnitten der Frühlingspunkt; er selbst ist der Anfang der Monate, der Ausgangspunkt des Zyklus, der Abschluss des Laufes der Sterne, die man Planeten nennt, das heißt „Wanderer“, und zugleich das Ende des zwölften Abschnitts und der Abschluss des ganzen Umlaufs. Darum sagen wir, dass jene in keinem geringen Irrtum stehen, die meinen, das Passahfest sei vor diesem Beginn des neuen Jahres zu feiern. Und wir sind keineswegs die ersten, die so rechnen; es zeigt sich, dass dies schon von den Juden der alten Zeit so angenommen wurde und bereits vor dem Kommen Christi in gleicher Weise gehalten worden ist, wie Philo und Josephus klar bezeugen.“
Und noch älter als sie sind Agathobulus und sein Schüler Aristobulus aus Paneas, von denen letzterer einer der siebzig Ältesten war, die von den Hohepriestern zu König Ptolemaios gesandt wurden, um die Bücher der Hebräer ins Griechische zu übersetzen. Der König stellte ihnen viele Fragen über die Überlieferung des Mose, auf die sie antworteten; und als sie die Fragen über den Auszug erklärten, sagten sie, das Passah dürfe nicht geopfert werden, bevor die Frühlingstagundnachtgleiche vorüber sei. Aristobulus fügt sogar hinzu, dass man am Tag des Passah nicht nur darauf achten müsse, dass die Sonne den Frühlingspunkt überschreitet, sondern ebenso der Mond. Denn da es, wie er sagt, zwei Tagundnächtengleichen gibt, die des Frühlings und die des Herbstes, die in gleichen Abständen voneinander liegen, und der Festtag als der vierzehnte des ersten Monats bei Einbruch des Abends festgesetzt ist, wenn der Mond der Sonne genau gegenübersteht – was man sogar mit den Augen feststellen kann –, ist es offenkundig, dass die Sonne den Frühlingspunkt einnimmt und der Mond im Gegenzug den herbstlichen. Ich habe in ihren Schriften noch vieles andere gelesen, das mit den bestmöglichen Argumenten dargelegt ist und ganz klar zeigt, dass das Passahfest auf jeden Fall nach der Tagundnachtgleiche zu berechnen ist.
Anatolius hat außerdem viele andere Schriften hinterlassen, die nicht nur von frommen Männern, sondern auch von Philosophen bewundert werden müssen; wer es wissen will, kann darin seine heilsame Gelehrsamkeit erkennen. Theoteknus, der in Cäsarea das Priesteramt innehatte, war der erste, der ihm durch Handauflegung das Bischofsamt verlieh, indem er ihn noch zu Lebzeiten zu seinem Nachfolger auf dem eigenen Stuhl bestimmte. So leitete er eine Zeit lang zusammen mit Theoteknus selbst die Kirche von Cäsarea. Als dann aber in der Sache des Paulus von Samosata das Konzil nach Antiochien einberufen wurde, riss die Kirche von Laodicea den Anatolius auf seiner Durchreise mit Gewalt an sich und machte ihn zu ihrem Bischof, weil Eusebius inzwischen gestorben war. Nach ihm war Stephanus der letzte, der vor der Verfolgung die Kirche in Laodicea leitete, ein Mann, der denen vor ihm an Bildung und Beredsamkeit nicht nachstand, ihnen aber an Glauben und Tugend völlig unähnlich war, wie das Feuer der Verfolgung gezeigt hat: Im Netz der Versuchung zeigte er keinen Kampfgeist. Aber seine Schwäche bedeutete nicht, dass Gott plötzlich ratlos gewesen wäre. Denn nach seinem Fall stellte Gott jener Kirche einen Bischof namens Theodotus zur Seite, einen Mann, der nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten und Tugenden ausgerüstet war. Er war von Beruf Arzt, wurde aber vom Herrn an die Heilung der Seelen versetzt. Er hatte wirklich keinen Seinesgleichen, wenn man sieht, wie deutlich er fast alle anderen Menschen an Glauben, Barmherzigkeit, Eifer, Wachsamkeit und überhaupt in allen besten Haltungen übertraf. Außerdem hat er sehr viel Arbeit auf die heiligen Schriften verwendet.
In Cäsarea in Palästina wiederum trat an die Stelle des Theoteknus, der das Bischofsamt mit höchster Kunst ausgeübt hatte, Agapius. Er selbst mühte sich sehr und zeigte große Sorgfalt in der Leitung des Volkes, besonders darauf bedacht, seine väterliche Fürsorge gerade für die Bedürftigen sichtbar zu machen. Er war es auch, der Pamphilus – einen Mann tiefster Klugheit, dessen Leben, Bildung und Charakter ihm höchstes Lob eintrugen – zu seinem Nachfolger im Presbyteramt jener Kirche einsetzte. Wer aber Pamphilus war, wie groß er war und woher er stammte, das wäre nicht recht, nur kurz zu streifen: sein ganzes Leben, seine Erziehung von Kindheit an, das Maß, in dem er in den Verfolgungen unter seinen verschiedenen Bekenntnissen gelitten hat, die Kämpfe, die er durchstand, und die Weise, in der er neben allem anderen noch die Märtyrerkrone empfing – all dies haben wir in einer eigenen Schrift behandelt. Sie wird zeigen, wie wunderbar er war. Und es gibt noch sehr viele andere wunderbare Männer unter den Presbytern jener Zeit, die bei uns noch im Gedächtnis sind, etwa Hierius in Alexandria und Meletius in Pontus, der später Bischof wurde. Hierius war von scharfem Verstand, außerordentlich gut in der heiligen Schrift unterwiesen, in seinem Leben überaus lauter, ganz und gar offen dem christlichen Lebensstil verschrieben, ein unvergleichlicher Lehrer der Kirche und ein glänzender Streiter im Wort, sowohl im privaten Gespräch als auch in der Öffentlichkeit. Meletius dagegen war von einer solchen Freundlichkeit und Milde in seinen Gewohnheiten, dass seine Gefährten ihn „attischen Honig“ nannten. Und obwohl er in allen Wissensgebieten vollständig ausgebildet war, war seine Redekunst so hervorragend, dass man hätte meinen können, er habe nichts anderes studiert. Seine Beherrschung der übrigen Zweige der Philosophie aber, die man in fünf Disziplinen einteilt, war so vollkommen, dass jeder, der ihn in einer davon auf die Probe stellte, meinen musste, er sei von Kindheit an einzig in dieser einen gebildet worden. So groß er als Gelehrter war, noch weit größer erschien allen die Tugend seines Geistes und die Integrität seines Lebens. Wir haben ihn gründlicher und genauer kennengelernt, als er während der Verfolgung nach Palästina floh.
In Jerusalem übernahm Zabdas nach Hymenäus, den wir etwas früher erwähnt haben, das Priesteramt, und nach kurzer Zeit gab er das Amt an Hermon weiter, der nach ihm kam. Dieser wiederum behielt den apostolischen Stuhl, den er dort empfangen hatte, bis zur Verfolgung in unserer Zeit. In Alexandria folgte Theonas Maximus, der seinerseits Dionysius nachgefolgt war, nachdem dieser achtzehn Jahre im Priesteramt vollendet hatte. Unter ihm stand Achillas, ein Presbyter jener Kirche, berühmt wegen seiner Gelehrsamkeit, seines Glaubens, seines Wesens und seiner Sitten, der die Leitung der Kirchenschule innehatte. Theonas übergab, nachdem er neunzehn Jahre untadelig im Priesteramt gedient hatte, den Bischofsstuhl an Peter, einen Mann, der unter allen hervorragenden Charakteren noch hervorstach. Er war in jener Stadt volle zwölf Jahre Bischof; drei davon vor der Verfolgung, während er in den übrigen neun mancherlei Prüfungen durchstand. Als er in den Verfolgungen fortwährend allen möglichen Kämpfen ausgesetzt war, legte er sich noch strengere Fesseln der Enthaltsamkeit auf, widmete sich in bewundernswerter Weise dem Wort Gottes zum Nutzen und zur Belehrung der Kirche, mühte sich Tag und Nacht mit unablässiger Wachsamkeit in der Erfüllung seiner ganzen priesterlichen Verantwortung und erlangte so im neunten Jahr der Verfolgung, im zwölften seines Bischofsamtes, durch Enthauptung die Märtyrerkrone. Bis hierher haben wir die Folge der Bischöfe und die verschiedenen Ereignisse von der Geburt unseres Herrn und Retters Jesus Christus an bis zu der Zeit der Verfolgung aufgezeichnet, in der auch die Kirchen zerstört wurden. Von nun an wollen wir die Kämpfe der Märtyrer schildern, die wir mit eigenen Augen gesehen haben, um dies der Nachwelt zu hinterlassen.
Schriftstellen
- 1Thess 5,21
- Offb 13,5
- Mt 11,12
- Apg 5,29
- Röm 9,5
- Ex 12,30
- Offb 22,7-8
- Gen 3,17
- Mt 17,20; Mk 11,23
- 1Tim 6,5
