Brief an Freunde in Alexandria
Einige dieser Personen, die es genießen, ihre Nachbarn zu beschuldigen, erheben gegen uns und unsere Lehre den Vorwurf der Gotteslästerung; obwohl sie von uns nie etwas Derartiges gehört haben. Lasst sie auf sich selbst achten, wie sie sich weigern, diese ernste Warnung zu beachten, die besagt, dass „Verleumder das Königreich Gottes nicht erben werden“1 , wenn sie behaupten, dass ich der Meinung bin, das Satan, der Vater der Bosheit und des Verderbens und jene, die aus dem Königreich Gottes verstoßen werden, gerettet werden sollen – etwas, das kein Mensch sagen kann, selbst wenn er den Verstand verloren hat und geisteskrank ist.
Ich denke, es ist nicht verwunderlich wenn meine Lehre von meinen Gegnern verfälscht und auf die gleiche Weise zum Verderben und zur Verfälschung gebracht wird wie der Brief des Apostels Paulus. Denn wie wir wissen, haben gewisse Männer einen falschen Brief unter dem Namen des Paulus verfasst, um die Thessalonicher zu beunruhigen, als ob der Tag des Herrn nahe bevorstünde, und sie so zu täuschen. Wegen dieses falschen Briefes schrieb er diese Worte im zweiten Brief an die Thessalonicher: „Wir bitten euch aber, Brüder, wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm, dass ihr euch in eurem Sinn nicht so schnell wankend machen noch erschrecken lasst – weder durch eine Weissagung noch durch ein Wort oder einen Brief, die von uns sein sollen, als sei der Tag des Herrn schon da. Lasst euch von niemandem verführen!“2 Mir scheint, dass uns etwas Ähnliches widerfährt.
Ein gewisser Verbreiter der Irrlehre hat nach einer Diskussion, die zwischen uns in Anwesenheit vieler Personen stattgefunden hatte und von der Notizen gemacht worden waren, das Dokument von denen beschafft, die die Notizen verfasst hatten, und hinzugefügt oder entfernt, was er wollte, und Dinge geändert, wie er es für richtig hielt, und es veröffentlicht, als wäre es mein Werk, wobei er triumphierend auf die von ihm selbst eingefügten Ausdrücke zeigte. Die Brüder in Palästina, die darüber empört waren, schickten einen Mann zu mir nach Athen, um von mir eine authentische Kopie des Werkes zu erhalten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich es selbst nie gelesen oder überarbeitet: Ich hatte es völlig vernachlässigt und beiseitegeschoben, sodass es kaum noch auffindbar war. Nichtsdestotrotz schickte ich es, und – Gott ist Zeuge, dass ich die Wahrheit sage – als ich den Mann selbst traf, der das Werk verfälscht hatte, und ihn zur Rede stellte, antwortete er, als würde er mich damit zufriedenstellen: „Ich habe es getan, weil ich diese Schrift verbessern und ihre Fehler beseitigen wollte.“ Was für eine Art von Säuberung war das, die er an meiner Schrift vorgenommen hat? Eine solche Säuberung wie Marcion oder Apelles, sein Nachfolger, nachdem sie den Evangelien und den Schriften des Apostels etwas hinzugefügt hatten; sie haben den wahren Text der Heiligen Schrift verfälscht. Und dieser Mann hat in ähnlicher Weise zuerst die wahren Aussagen, die ich gemacht hatte, entfernt und dann Falsche eingefügt, um Gründe für Anschuldigungen gegen mich zu schaffen. Aber auch wenn diejenigen, die es gewagt haben, dies zu tun, gottlose und ketzerische Männer sind, so werden diejenigen, die solchen Anschuldigungen gegen uns Glauben schenken, dem Gericht Gottes nicht entkommen. Es gibt auch andere (nicht nur wenige), die dies aus dem Wunsch heraus getan haben, Verwirrung in die Kirchen zu bringen. Ein gewisser Ketzer, der mich in Ephesus gesehen hatte, sich aber weigerte, mich zu treffen, und der in meiner Gegenwart seinen Mund nicht auftat, sondern es – aus welchem Grund auch immer – vermied, verfasste später eine Schrift nach seiner eigenen Vorstellung – teils von mir, teils von ihm – und sandte sie an seine Schüler in verschiedenen Orten. Ich weiß, dass sie diejenigen in Rom erreichte, und ich zweifle nicht daran, dass sie auch andere erreichte. Er verhielt sich auch in Antiochien auf dieselbe rücksichtslose Weise, bevor ich dorthin kam; und die Schrift, die er bei sich hatte, gelangte in die Hände vieler unserer Freunde. Als ich ankam, stellte ich ihn in Gegenwart vieler Personen zur Rede, und als er ohne jegliche Scham auf der frechen Verteidigung seiner Fälschung bestand, verlangte ich, dass das Buch zu uns gebracht wird, damit meine Redeweise von den Brüdern erkannt werden kann, die natürlich wissen, auf welche Punkte ich üblicherweise beharre, und welche Lehrmethode ich anwende. Allerdings wagte er nicht, das Buch vorzulegen, seine Behauptungen wurden von allen widerlegt, und er selbst wurde der Fälschung überführt. So wurde den Brüdern eine Lehre erteilt, solchen Anschuldigungen kein Gehör zu schenken.
Dieses Kapitel wurde nicht auf Deutsch übersetzt.
Wenn mir also jemand überhaupt glauben will – ich sage es vor Gott – dann soll er meinen Worten über die Dinge glauben, die in meinem Brief fälschlicherweise hinzugefügt wurden. Wenn mir aber jemand nicht glauben will und sich weigert, mir zu glauben, dann schadet er nicht mir, sondern er wird selbst als falscher Zeuge vor Gott angeklagt werden, weil er entweder gegen seinen Nächsten falsch aussagt oder weil er die, die falsch aussagen, für glaubwürdig hält.
Hier wird berichtet, dass Hieronymus in einem späteren Abschnitt desselben Buches den Lesern mitteilt, dass Origenes mit Candidus, einem valentinianischen gnostischen Lehrer, über die Frage der Rettung des Teufels debattierte. Candidus vertrat ein festes prädestinatianisches System. Origenes scheint auf die Behauptung, der Teufel sei jenseits der Rettung, geantwortet zu haben, indem er argumentierte, dass, wenn er verdammt ist, dies nur aufgrund seines frei gewählten Bösen geschehe und er daher nur als moralisch verworfen, nicht aber als absolut verworfen angesehen werden kann. Dies war unter den Bedingungen jeder antiken Debatte ausreichend, um die Vorstellung zu nähren, dass Origenes die potenzielle Rettung Satans gelehrt habe. Diese Anschuldigung wurde verwendet, um seinen Ruf durch einfache Assoziation mit gnostischen Häretikern zu schädigen.
Schriftstellen
- 1Kor 6,10
- 2Thess 2,1-3
