Auszüge aus Exodus (Fragmente)
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„Und ich werde diesem Volk Gnade geben vor den Ägyptern. Wenn ihr aber fortlauft, werdet ihr nicht leer weggehen.“1 Diese Verheißung war schon Abraham gegeben worden: „Danach aber, sagt Gott, werden sie hier ausziehen mit Gepäck.“2 „Und das Herz des Pharao wurde stark, und er hörte nicht auf sie, wie der Herr es ihnen aufgetragen hatte. Und der Herr sprach zu Mose: ‚Schwer ist das Herz des Pharao, sodass er das Volk nicht fortschickt.‘“3 Den Ausspruch „Schwer ist das Herz des Pharao“, der vom Herrn getan wurde – und zwar nachdem der Stab Aarons zur Schlange geworden war und die Stäbe der Magier verschlungen hatte –, den muss man sich genau ansehen! Ist das etwa etwas anderes als das oft erwähnte „Verhärten des Herzens des Pharao“ und das „Starkwerden“? Denn auch das steht so geschrieben: „Und das Herz des Pharao wurde stark, und er hörte nicht auf sie, wie der Herr geredet hatte.“4 Mir scheint aber: Das Herz, das den göttlichen Dingen nachgibt, wird weich; es hat nicht die Kraft, der Gottheit zu widerstehen, und es wird nicht beschwert, noch wird es nach unten gezogen zu Erde und Materie. Aber das Herz, das sich dagegenstemmt und sich dem göttlichen Willen widersetzt, das verhärtet sich und schlägt zurück wie ein Stein! Es stößt das Wort ab und leistet in purem Wahnsinn Widerstand mit einer Kraft, die ihren Namen nicht verdient. Ein solches Herz muss zwangsläufig schwer werden, weil es von der Bosheit, die immer nach unten zieht, herabgezerrt wird. Das alles passiert dem Herzen keineswegs im selben Sinn, auch wenn beides – das Starkwerden und das Schwerwerden – ein und demselben schlechten Herzen widerfährt. Denn das eine wird, wie irgendwo gesagt wurde, ein Herz aus Stein und verhärtet sich; das andere aber weicht der göttlichen Natur nicht als der stärkeren, sondern es heißt von ihm, es führe Krieg gegen Gott, indem es sich gegen ihn stellt und stark ist.
„Mose aber sagte zu ihm: ‚Sobald ich die Stadt verlassen habe, werde ich meine Hände zum Herrn ausbreiten; und die Donner werden aufhören, und der Hagel und der Regen werden nicht mehr sein.‘“5 Der Schöpfer des Alls verfügt nämlich über eine Natur, die seinem Befehl weicht. Man muss beachten: Mose wirkt nicht alles Wunderbare mit dem Stab, sondern auch mit den Händen und durch das Wort, damit die breite Masse nicht auf die Idee kommt, der Stab würde durch magische Täuschungen wirksam gemacht! „Jeder nehme sich ein Schaf nach den Häusern der Väter“6 und so weiter. Er sagt, man soll das Schaf ab dem zehnten Tag nehmen und bis zum vierzehnten füttern; und man soll es benennen und sagen: ‚Dieses Schaf wird für diesen und jenen geopfert‘ – wobei sie zehn Namen nicht überschreiten sollen. Und am vierzehnten wird es zwischen den Abenden geopfert, wenn der fünfzehnte beginnt, sodass vom Nehmen bis zum Opfern fünf Tage vergehen, wenn das Licht des Mondes voll ist. „Ein vollkommenes Schaf, männlich, einjährig soll es für euch sein.“7 Christus ist das einjährige Schaf. Dass ihm absolut nichts fehlt und er keinen Mangel hat, wird durch das ‚einjährig‘ deutlich gemacht. „Und die ganze Menge der Versammlung der Söhne Israels soll es gegen Abend schlachten.“ 8 Wir erhalten den Befehl, das Schaf gegen Abend zu schlachten, weil auch unser wahres Schaf, der Retter, zur letzten Stunde in die Welt gekommen ist. „Und sie sollen von dem Blut nehmen und es an die beiden Türpfosten und an die Oberschwelle streichen in den Häusern“9 und so weiter. Wir opfern also und bestreichen unsere Häuser mit dem Blut – ich rede vom Körper! –, wenn denn die Bestreichung der Glaube an ihn ist, durch den ich glaube, dass die Kraft des Vernichters zerschlagen wird. Nach unserer Bestreichung – das heißt, dem Glauben an Christus – erhalten wir den Befehl, zum Essen zu kommen: weder roh noch in Wasser gekocht, sondern im Feuer gebraten.
„Jeder, der Sauerteig isst, diese Seele soll aus Israel ausgerottet werden.“10 Wegen Sauerteig wird ein Mensch vernichtet? Und der Gott des Alls, der die Gesetze erlässt – so wie er den Ehebrecher vernichtet, so wie er den Hurer vernichtet, so wie er den Kinderschänder vernichtet, genauso vernichtet er den, der Sauerteig in seinem Haus hat am Tag der Ungesäuerten Brote? Ist das im Sinne Gottes? Ist das nach dem himmlischen Gesetz? Aber ich würde sagen: Wenn du den Sauerteig der Bosheit hast und nicht jeden Sauerteig der Schlechtigkeit aus dir ausrottest – denn das ist dein wahres Haus –, dann erlässt der Gott des Alls das Gesetz, dass du vernichtet werden sollst, weil du den alten Sauerteig nicht von dir geworfen hast! Denn du musst, wenn du in die Zeit des Neuen kommst und neu geworden bist, nichts Altes mehr an dir haben. „Das Alte ist vergangen“11 und so weiter. Sieh nur, wie man im Monat des Neuen das Fest der Ungesäuerten Brote feiern musste! „Ihr sollt an die Oberschwelle und an beide Türpfosten von dem Blut streichen, das neben dem Eingang ist.“12 Oberschwelle meint, wie einer unserer Vorgänger erklärt hat: das Vernünftige. Die beiden Türpfosten: das Muthafte und das Triebhafte. Wir werfen den Vernichter nämlich nicht durch Gedankenspiele hinaus, wenn er schon drinnen ist, sondern wir errichten durch das Gesetz eine Wache, damit er gar nicht erst hereinschleicht! Wache und Sicherheit bedeutet: mit dem Blut des Lammes sowohl die Oberschwelle als auch die Pfosten des Eingangs zu markieren. „Und es geschah mitten in der Nacht, da schlug der Herr jede Erstgeburt im Land Ägypten.“13 Durch Engel nämlich bringt Gott diese todbringenden Plagen, wie wir auch in den Königreiche-Büchern erkannt haben, wie der Engel in einer einzigen Nacht 185.000 der Assyrer umbrachte. „Dies ist das Gesetz des Passah: Kein Fremder darf davon essen. Und jeden Sklaven von jemandem und den für Geld Gekauften sollst du beschneiden, und dann wird er davon essen“14 und so weiter. Folgerichtig zu dem Vorangegangenen ist dies das dritte Gesetz, das der Herr wiederum neben den zwei Gesetzen ausgesprochen hat. Achte aber auf die Präzision der Schrift, dass der Herr dieses Gesetz über das Passah nicht am Anfang gesagt hat! Denn hätte er es gesagt, als sie noch in Ägypten waren, bevor Israel aus Ägypten aufbrach – das Wort: „Kein Fremder darf davon essen. Und jeden Sklaven von jemandem und den für Geld Gekauften sollst du beschneiden, und dann wird er davon essen“ –, dann wäre der große, bunt gemischte Haufen, der aus Ägypten mitzog, nicht herausgekommen. Er hielt also dieses Gesetz zurück, damit nach dem Auszug derer, die wollten, ein anderes Gesetz gegeben werde.
Und kurz darauf. Wenn wir das als Allegorie auf unsere Seele beziehen, werden wir sagen: Hausgeborene sind die mit uns verwachsenen und kultivierten Vernunftgründe, die angefangen haben, aus den uns angeborenen Begriffen zu entstehen; für Geld Gekaufte aber sind alle die, die durch Belehrung von außen aus dem Unterricht zu uns kommen. Er sagt also, man soll alle beschneiden und reinigen, sowohl die Hausgeborenen als auch die für Geld Gekauften. Einen Fremden aber darf man auf keinen Fall aufnehmen, also einen, der ein fremdes Dogma zulässt; denn er nimmt keinen Fremden an, der das Fest des Herrn entweihen will. Und kurz darauf. Wenn du nämlich in der Kirche Worte Gottes isst, aber auch in einer Synagoge der Juden isst, übertrittst du das Gebot, das sagt: „In einem einzigen Haus soll es gegessen werden.“15 Wenn du an Worten Gottes teilhast in dem einen Haus, der Kirche, sie dann aber verlässt und meinst, du könntest an Gott teilhaben in einer häretischen Versammlung, obwohl das Gebot sagt: „In einem einzigen Haus soll es gegessen werden“, dann isst du nicht in einem einzigen Haus! Man muss also die Kirche als das eine Haus verstehen; iss also nirgendwo vom Schaf, wenn du außerhalb der Kirche bist! „Und ihr sollt nichts von dem Fleisch aus dem Haus hinaustragen.“15 Das kirchliche Wort darf man nicht außerhalb der Kirche verkünden, so wie man das Fleisch nicht aus dem Haus tragen darf; ich meine damit in eine Synagoge der Juden oder der Häretiker; denn das ist genau so, wie die Perlen vor die Schweine zu werfen. „Kein Unbeschnittener darf davon essen.“16 Jede geistige Geburt der Seele, die das Materielle übersteigt – materiell sind die weiblichen Dinge –, muss man beschneiden und reinigen, damit man so an dem Fleisch des Passah teilhaben kann; wie ein Einheimischer des Landes wird auch der Proselyt; denn Gott zieht nicht die edlen Abstammungen vor, sondern er nimmt den freien Entschluss an. Unbeschnitten am Fleisch nennt er den, der die fleischlichen Dinge nicht beschneidet, genauso wie den unbeschnitten an den Augen, der auf das schaut, was man nicht darf. Seht zu, dass keiner von euch unbeschnitten am Herzen ist; dass keiner nicht die Beschneidungen beschnitten hat, die das Wort zu beschneiden lehrt! Welche sind das? Unbeschnitten an den Ohren werden manche gescholten, die es sind; und alle, die am Gehör nicht beschnitten sind, sind unrein. Unbeschnitten an den Lippen ist der, der die gegenteiligen und unreinen Worte nicht beschneidet. So kann man auch sagen: unbeschnitten am Fleisch ist der, der die fleischlichen Angelegenheiten nicht beschneidet; und unbeschnitten an den Augen, wer sieht, was man nicht darf, und das Sehvermögen nicht reinigt; und unbeschnitten am Fleisch, wer tut, was man nicht darf.
„Die Söhne Israels brachen von Sukkoth auf und lagerten in Othom am Rand der Wüste.“17 In Numeri steht: „von Butha bis zur Mündung von Iroth, das gegenüber von Beelsephon liegt, nahe dem Norden“18 , dass die Söhne Israels dort ihr Lager aufschlugen. „Und er nahm sechshundert ausgewählte Streitwagen und die gesamte Reiterei der Ägypter und Tristaten über sie alle.“19 Das sind die, die es mit dreien aufnehmen können, oder die in der Schlachtordnung nach dem ersten Mann und dem zweiten Mann in der dritten Reihe stehen. Andere aber sagen, dass sie für den Kampf gegen die Feinde große Streitwagen machten, sodass auch drei hineinpassten: Einer lenkt, und die zwei anderen kämpfen. Oder diejenigen, die auf drei Pferden stehen. Denn die Alten zogen in den Kriegen auf zwei oder drei Pferden aus, als Wagenlenker. Oder er nennt den einen Tristaten, der als Dritter steht, wenn der König sitzt, oder der den dritten Sitzplatz hat; so einer war David bei Saul, wie du im ersten Buch der Königreiche finden wirst. „Dort setzte Gott für ihn Rechtsbestimmungen und Urteile fest, und dort prüfte er ihn.“20 Wenn Gott prüft, prüft er zum Nutzen, nicht um Böses zu tun; deshalb wurde auch gesagt: „Gott ist unversuchbar vom Bösen“21 , wie das Wort auch kurz darauf hinzufügt: „Wenn du mit Gehorsam auf den Herrn, deinen Gott, hörst, werde ich jede Krankheit, die ich über die Ägypter gebracht habe, nicht über dich bringen.“22 Wer also die Prüfungen standhaft erträgt, wird gekrönt. Etwas ganz anderes ist es beim Teufel; jener nämlich prüft, um die, die ihm gehorchen, zu töten. Und Gott prüft zwar nicht in Unkenntnis dessen, was geschehen wird, sondern indem er dem Menschen gibt, zu tun, was er will, aufgrund der Selbstbestimmung. „Dies ist das Wort, das der Herr geredet hat: Sabbat, eine heilige Ruhe für den Herrn ist morgen.“23 Ich verzeichne das über den Sabbat Gesagte: erstens nach dem Wortsinn, damit sie sehen, was der Buchstabe bedeutet; zweitens aber nach der geistigen Deutung, gemäß der ich sagen würde, dass der Sabbat-Tag für den Gerechten angebrochen ist, der die Werke der Welt niedergelegt hat, Gott verherrlicht und frei ist für ihn, und sich von dem Ort, an dem er steht – Christus – nicht entfernt; der weder Feuer anzündet – im Sinne von: gar nicht sündigen – noch Lasten trägt. Eine Last, schwerer als ein Berg, ist jede Sünde; deshalb sagte der Hymnensänger: „Wie eine schwere Last sind sie schwer auf mir geworden.“24 Eine andere Beschreibung des Sabbats wäre die, nach der „eine Sabbatruhe für das Volk Gottes übrig bleibt“25 , eine heilige und geweihte Ruhe. Wer aber alle seine Werke getan hat, der wird jenes Sabbats für würdig befunden; er widmet sich nichts anderem als der Schau der Wahrheit und der Weisheit. Dies haben wir angeführt, weil Mose hier das Sabbat-Halten erwähnt.
„Und du wirst auf den Fels schlagen, und Wasser wird aus ihm herauskommen.“26 Mit dem Fels wird Christus verglichen, wegen des Unerschütterlichen und Unwankbaren. Denn die göttliche und höchste Natur ist fest im Guten verankert. „Denn ich bin der Herr, dein Gott, ein eifersüchtiger Gott, der die Sünden der Väter an den Kindern vergilt, bis in die dritte und vierte Generation bei denen, die mich hassen, und der Erbarmen übt an Tausenden bei denen, die mich lieben und meine Befehle einhalten.“27 Wen hat dieses Wort nicht erschüttert? Wenn der Vater gesündigt hat, aber der Sohn und die dritte und die vierte Generation die Sünde abbekommen, sodass die einen sogar den Gott anklagen, der die Gesetze gegeben hat; die anderen klagen zwar nicht an, hoffen aber tatsächlich auf so etwas und erwarten, dass die Söhne ihre Sünden abbekommen! Juden glauben das und weichen nicht auf einen anderen Gott aus. Samariter nehmen das an, da auch sie meinen, Anteil an dem einen Gott zu haben. Die Leute aus den Häresien, denen es nicht passt, dass ein Gott gut oder gerecht sein kann, der die Sünden der Väter in den Schoß ihrer Kinder vergilt, behaupten: Der Gott des Gesetzes ist nicht gerecht, er ist nicht gut, wenn er die Sünden der Väter an den Söhnen vergilt; sondern es gibt irgendeinen Gott, der größer ist als jener. Der kirchliche Mensch aber hört das Gesagte weder körperlich wie ein Jude, noch dichtet er wie ein Häretiker einen anderen hinzu, sondern er steht mitten zwischen beiden und sagt: Das ist gut geschrieben; aber ich kenne den Sinn des Geschriebenen nicht. Spannt also alle euren Verstand an und bittet darum, dass er euch enthüllt, inwiefern derjenige gut ist, der die Sünden der Väter an den Kindern vergilt! Wer sind die Väter? Bringt die Schriften als Zeugen herbei! Die heiligen Sprüche sollen untersucht werden. Der Retter und Herr Jesus Christus sagt zu den Sündern: „Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Jener ist ein Menschenmörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit.“28 Also: Wenn jemand sündigt, stammt er vom Vater, dem Teufel, ab, und deswegen wird die Sünde des Teufels am Sohn vergolten. Allerdings ist jener der erste Sünder, der mir die Sünde unterschob; ich aber bin der zweite Sünder, der seinen Willen nicht hinausgeworfen, sondern seine Wirksamkeit angenommen hat; wobei ich hätte stehen müssen, gerüstet mit der Waffenrüstung Gottes und den Schild des Glaubens haltend, damit alle feurigen Pfeile des Bösen am Schild meines Glaubens ausgelöscht werden!
Wenn ich also sündige, tue ich die Dinge des Teufels, der es mir ins Herz geworfen hat, damit ich diese oder jene Sünde tue. Zuerst nehme ich sein Geschoss auf, und wenn ich es aufgenommen habe, dann nehme ich auch ihn auf! Denn auch über Judas steht es so geschrieben: Nicht der Satan fuhr zuerst in ihn, sondern zuerst hat es der Teufel ins Herz geworfen, damit Judas, Simon Iskariot, ihn verrate; dann, nach dem Bissen, fuhr der Satan in ihn. Also habe ich einen Vater: Wenn ich heilig bin, Gott; wenn ich aber ein Sünder bin, habe ich den Teufel zum Vater – oder auch, sagen wir mal, den neulich wirksamen Antichristen oder irgendeinen Engel des Teufels oder einen Dämon, dessen Wirksamkeit ich angenommen habe. Kurz gesagt: Ich habe zehntausend Väter, wenn ich ein Sünder werde! Genauso wie Gott mein Vater ist, wenn ich gerecht werde, wie der Retter sagt: „Kinder, noch eine kleine Weile bin ich bei euch.“29 Und wiederum: „Tochter, dein Glaube hat dich gerettet.“30 Und wiederum: „Kind, deine Sünden sind dir vergeben.“31 So kenne ich auch andere Väter, gemäß dem, was zu Abraham geschrieben steht: „Du aber wirst zu deinen Vätern weggehen.“32 Nicht zu den Vätern nach dem Fleisch! Denn die waren nicht gläubig, sie waren nicht heilig, wie aus der Geschichte klar wird, die über sie geschrieben ist. Denn wäre sein Vater heilig gewesen, wäre ihm nicht gesagt worden: „Zieh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters.“33 Das Wort hat nämlich das Körperliche, es hat aber auch das Geistliche. Wenn du das mit den Vätern verstanden hast, dann sieh nun zu: Du, der du die Wirksamkeit angenommen hast, weil du gesündigt hast, bekommst es vom Teufel oder einem der Geister, die unter ihm stehen. Da du nun deren Sohn geworden bist, empfängst du deinen Teil vom guten Gott, der dich heimsucht. Er sucht nämlich nicht deinen Vater heim, sondern er sucht dich heim und sagt zu dir: „Höre, Tochter, und sieh her und neige dein Ohr“34 und so weiter. Und er gibt dir als ein Guter. Er sucht nämlich dich heim, den Sohn des bösen Vaters, indem er die Sünden vergilt. „Ich werde also mit dem Stab heimsuchen die Gesetzlosigkeiten“ von euch Heiligen; ich werde heimsuchen „auch mit Geißelhieben ihre Ungerechtigkeiten.“35
„Warum? Damit ich „meine Barmherzigkeit nicht von ihnen wegnehme.“36 Denn wenn Gott jemanden aufgibt, bestraft er ihn nicht mehr und peitscht ihn nicht mehr aus. Denn er peitscht nicht alle, sondern: „jeden Sohn, den er annimmt, züchtigt der Herr.“37 Und im Propheten heißt es über die absoluten Sünder: „Ich werde eure Töchter nicht heimsuchen, wenn sie huren, noch eure Schwiegertöchter, wenn sie ehebrechen.“38 Der Teufel sündigt seit Ewigkeiten, seit Schöpfung und Grundlegung der Welt, und doch trifft ihn weder Feuer noch Peitsche – er ist nämlich der Strafen Gottes gar nicht wert! Der Teufel kann ja nicht sagen: „Herr, weise mich nicht zurecht in deinem Zorn,“39 und so weiter. Also: Jeder, der sich seiner Sünden bewusst ist, soll darum beten, bestraft zu werden! Natürlich ist es gut, nichts getan zu haben, was Strafe verdient. Aber wenn wir etwas Strafwürdiges getan haben, dann lasst uns so bestraft werden, dass wir es hier abbekommen, um danach in Abrahams Schoß Ruhe zu finden. „Und das sind die Rechtsbestimmungen, die du ihnen vorlegen sollst. Wenn du einen hebräischen Sklaven kaufst,“40 und so weiter. Man muss hier knallhart untersuchen: Was ist Gesetz, was Befehl, was sind Rechtsbestimmungen, was Gerichtsentscheidungen, Zeugnisse und Gebote? Rechtsbestimmungen sind das, was hier steht: „Wenn du einen hebräischen Sklaven kaufst,“ und was darüber gesagt wird. Eine Gerichtsentscheidung ist: Wenn die Tochter eines Priesters beim Huren erwischt wird, „soll sie im Feuer verbrannt werden.“41 Gebote sind: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“42 Ein Befehl ist: „Geh hinab, warne das Volk und lass sie ihre Kleider waschen.“43 Zeugnisse aber sind: „Ich rufe heute den Himmel und die Erde als Zeugen gegen euch an.“44 „Sechs Jahre soll er dir als Sklave dienen, im siebten Jahr aber soll er freigelassen werden, ohne Bezahlung.“45 Diese Freilassung im siebten Jahr – und dazu noch das Ruhen von der Arbeit am Sabbat – bedeutet die Freiheit, die uns durch die Gnade in Christus geschenkt wird. „Dann soll sein Herr ihn vor das Gericht Gottes bringen.“ 46 Aquila und Symmachus übersetzten: „vor die Götter.“ Sie nennen nämlich die Richter Götter, und das Gericht Gottes ist deren Urteil. „Dreimal im Jahr sollt ihr mir ein Fest feiern. Das Fest der ungesäuerten Brote sollt ihr halten. Sieben Tage lang sollt ihr ungesäuerte Brote essen, wie ich es dir befohlen habe, zur Zeit des Monats der neuen Früchte. Denn in diesem Monat bist du aus Ägypten ausgezogen. Du sollst nicht mit leeren Händen vor mir erscheinen; und das Fest der Ernte, der Erstlinge deiner Arbeit.“47 Die Feste Gottes, der Geist ist, sind geistlich. Und kein irdischer Mensch feiert die Feste geistlich. „Denn welche Übereinstimmung gibt es zwischen Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit?“48 um nicht den ganzen Rest aufzuzählen. Ein irdischer Mensch kann keine geistlichen Feste feiern, genauso wenig wie ein geistlicher Mensch ein irdisches Fest. Und kurz darauf: Was ist der Monat der neuen Früchte? Du wirst sagen: die sinnlich wahrnehmbaren Früchte. Aber der Monat der neuen Früchte ist noch gar nicht da, wenn das Jahr, sagen wir mal, spät dran ist. Und weiter: Wenn mal ein Jahr kommt, in dem die Erde gar keine Früchte trägt – können wir dann etwa nicht feiern im Monat der neuen Früchte, wie Gott den Feiernden befohlen hat? Folglich muss man das Fest jedes Jahr feiern. Ich zerbreche mir aber wieder den Kopf über das zweite Gesetz, das über das zweite Fest.
„Denn es heißt: „das Fest der Ernte der Erstlinge.“49 Wenn einer sät und die Früchte kommen nicht zuerst, sondern zuletzt, dann kann der doch den Anfang der Ernte der Erstlinge gar nicht feiern! Man muss ja Erträge haben, um feiern zu können. Und was ist, wenn ich gar kein Land habe? Wie soll ich dieses Fest dann feiern, wo der Text doch sagt: „Und das Fest der Ernte der Erstlinge deiner Arbeit, von dem, was du auf deinem Feld gesät hast“49 ? Ich habe nicht gesät, ich bin Bauarbeiter! Ich habe nicht gesät, ich bin Weber! Ich habe keinen Acker – wie kann ich da das zweite Fest feiern? Und genauso steht es um das dritte: „Und das Fest der Einsammlung am Ausgang des Jahres.“49 Und etwas weiter. Was will uns das Wort sagen, das uns befiehlt, das Fest der ungesäuerten Brote im Monat der Neuen zu feiern? Leg den alten Menschen ab samt seinen Taten! Und damit du das Fest im Monat der Neuen auch wirklich feierst, werde du selbst neu, damit der Monat des Festes der Neuen auch dein Monat wird. Denn das ist ein Monat für Neue, nicht für Alte. Wie also musst du neu werden? Wenn er die Feste geistlich versteht, sagt der Apostel Paulus über das Fest der Neuen: „Da ihr den alten Menschen mit seinen Taten ausgezogen und den neuen angezogen habt, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat.“50 Also: Damit du das Fest im Monat der Neuen begehst, musst du neu werden und alles Alte ablegen. Und welches Fest feierst du als Erstes? Dass es das Fest der ungesäuerten Brote ist, lernst du vom Apostel: „Denn auch unser Passah, Christus, ist für uns geschlachtet worden. Darum lasst uns das Fest feiern, nicht mit altem Sauerteig, auch nicht mit Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit ungesäuerten Broten der Lauterkeit und Wahrheit.“51 Nimm gleichzeitig alles zusammen, was gesetzlich über das Fest der ungesäuerten Brote festgelegt wurde, und du wirst sehen, wie unvernünftig die sind, die sich an den Buchstaben klammern und das Geistliche nicht beachten, ja die geistlichen Dinge sogar als nutzlos verachten! „Du sollst nicht mit leeren Händen vor mir erscheinen.“52 Merk dir: Jeder Mensch ist entweder leer oder voll. Wenn er nämlich den Heiligen Geist nicht hat, keine Erkenntnis des Schöpfers hat, das Leben, Jesus Christus, nicht angenommen hat; wenn er den Vater im Himmel nicht kennt, wenn er nicht nach dem Wort lebt, nach dem himmlischen Gesetz; wenn er nicht besonnen ist, nicht gerecht handelt – so einer ist leer! Wenn er aber Gott in sich aufgenommen hat, der gesagt hat: „Ich werde unter ihnen wohnen und wandeln und werde ihr Gott sein,“53 dann ist dieser nicht leer, sondern voll. „Dreimal im Jahr soll alles Männliche bei dir vor dem Herrn, deinem Gott, erscheinen.“54 Was der Buchstabe sagt, könnte ich dir erklären. Aber: Was wir tun, ist entweder weiblich oder männlich. Wenn das, was wir tun, weiblich ist, dann ist es körperlich oder fleischlich. Denn wenn wir auf das Fleisch säen, bringen wir ein weibliches Erzeugnis der Seele hervor, kein männliches – sondern ein verweichlichtes, zartes und stoffliches. Wenn wir aber auf das Ewige blicken und unseren Verstand auf das Bessere richten, dann bringen wir die Früchte des Geistes hervor, und alle unsere Erzeugnisse sind männlich. Also: Was vor Gott gebracht wird, was vor den Augen des Schöpfers erscheinen soll, das ist männlich, nicht weiblich. Denn Gott würdigt es nicht, das Weibliche und das Körperliche anzusehen.
Schriftstellen
- Ex 3,21
- Gen 15,14
- Ex 7,13-14
- Ex 7,13
- Ex 9,29
- Ex 12,3
- Ex 12,5
- Ex 12,6
- Ex 12,7
- Ex 12,15
- 2Kor 5,17
- Ex 12,22
- Ex 12,29
- Ex 12,43-44
- Ex 12,46
- Ex 12,48
- Ex 13,20
- Num 33,7
- Ex 14,7
- Ex 15,25
- Jak 1,13
- Ex 15,26
- Ex 16,23
- Ps 37,5
- Hebr 4,9
- Ex 17,6
- Ex 20,5-6
- Joh 8,44
- Joh 13,33
- Mk 5,34
- Mk 2,5
- Gen 15,15
- Gen 12,1
- Ps 44,11
- Ps 88,33
- Ex 7,15
- Spr 3,12
- Hos 4,14
- Ps 6,2
- Ex 21,1-2
- Lev 21,9
- Ex 20,3
- Ex 19,10
- Dtn 30,19
- Ex 21,2
- Ex 21,6
- Ex 23,14-16
- 2Kor 6,14
- Ex 23,16
- Kol 3,9-10
- 1Kor 5,7-8
- Ex 23,15
- 2Kor 6,16
- Ex 23,17
