9. Predigt zu Exodus
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Wenn jemand den Aufbruch der Hebräer aus Ägypten oder den Durchzug durch das Rote Meer und diese ganze Reise durch die Wüste sowie jede einzelne Lagerstatt richtig durchdringt; wenn er fähig ist, diese Dinge so zu verstehen, dass er auch das Gesetz Gottes empfängt, das „nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes geschrieben ist.“1 Wenn sich also jemand, sage ich, genau in dieser Reihenfolge mit diesen Dingen befasst und jeden einzelnen Punkt geistlich erfüllt, um das Wachstum an Tugenden zu erlangen, das in jedem angezeigt wird, dann kann dieser Mann folglich auch zur Betrachtung und zum Verständnis der Stiftshütte durchdringen! Die göttlichen Schriften reden an vielen Orten über diese Stiftshütte. Sie scheinen auf gewisse Dinge hinzuweisen, die das menschliche Gehör kaum zu fassen vermag. Doch gerade der Apostel Paulus liefert uns gewisse Hinweise auf eine weit überlegenere Erkenntnis zum Verständnis der Stiftshütte, aber aus irgendeinem unbekannten Grund – vielleicht weil er die Schwäche seiner Zuhörer bedenkt – verschließt er gewissermaßen genau jene Dinge, die er gerade öffnet. Denn er sagt, wenn er an die Hebräer schreibt: „Denn es wurde eine erste Stiftshütte errichtet, in der sich der Leuchter und die Schaubrote befanden. Diese wurde das Allerheiligste genannt. Nach dem zweiten Vorhang jedoch kommt die Stiftshütte, die Heiliges genannt wird und den goldenen Räucheraltar sowie die Bundeslade enthält, in der die zwei Tafeln und das Manna und Aarons Stab, der geblüht hatte, waren.“2
Aber er fügt diesen Worten hinzu: „Worüber jetzt nicht im Einzelnen zu reden ist.“3 Manche beziehen die Worte „Worüber jetzt nicht zu reden ist“ auf jene Zeit, in der er den Brief an die Hebräer schrieb. Anderen aber scheint es, dass er damit feststellt, das ganze gegenwärtige Leben reiche wegen der Größe der Mysterien nicht aus, um diese Dinge zu erklären. Doch der Apostel lässt uns nicht völlig niedergeschlagen zurück! Wie es seine Gewohnheit ist, öffnet er weniges von vielem, damit es den Gleichgültigen verschlossen bleibe, aber von denen, die suchen, entdeckt und denen, die anklopfen, geöffnet werde. Er wiederholt sich daher über die Stiftshütte und sagt: „Denn Jesus ist nicht in ein mit Händen gemachtes Heiligtum eingegangen, ein Gegenbild des wahren, sondern in den Himmel selbst, um jetzt vor dem Angesicht Gottes zu erscheinen durch den Vorhang, das heißt sein Fleisch.“4 Wer nun also den Vorhang im Inneren der Stiftshütte als das Fleisch Christi gedeutet hat, das Heiligtum selbst als den Himmel oder die Himmel, den Hohepriester als den Herrn Christus, und sagt, dass er „einmal in das Heiligtum eingegangen ist, nachdem er eine ewige Erlösung gefunden hat,“5 wer aus diesen wenigen Worten den Sinn des Paulus zu verstehen weiß, der kann erkennen, welch gewaltiges Meer an Erkenntnis er uns erschlossen hat! Diejenigen aber, die den Buchstaben des Gesetzes des Mose allzu sehr lieben, aber vor dessen Geist fliehen, halten den Apostel Paulus für verdächtig, wenn er Auslegungen dieser Art vorbringt.
Lasst uns also sehen, ob nicht auch einige der heiligen Männer von damals eine ganz andere Auffassung von der Stiftshütte hatten, als diese Leute heute annehmen. Hört, wie großartig David, ein herausragender Mann unter den Propheten, über die Stiftshütte dachte: „Während“, sagt er, „mir Tag für Tag gesagt wird: ‚Wo ist dein Gott?‘ habe ich mich an diese Dinge erinnert und meine Seele in mir ausgeschüttet, da ich den Ort der wunderbaren Stiftshütte betreten werde, bis zum Haus Gottes.“6 Und wiederum sagt er im vierzehnten Psalm: „Herr, wer wird in deiner Stiftshütte wohnen? Oder wer wird auf deinem heiligen Berg ruhen? Der, der ohne Makel eintritt und Gerechtigkeit wirkt“7 , und so weiter. Was ist denn nun jener „Ort der wunderbaren Stiftshütte“, von dem aus man das „Haus Gottes“ betritt, wegen dessen Erinnerung seine Seele in ihm ausgeschüttet wurde und sich gleichsam in einem unerträglichen Verlangen aufgelöst hat? Sollen wir wirklich glauben, dass der Prophet, als er diese Stiftshütte begehrte, die aus Tierhäuten und Vorhängen und Ziegenhaardecken und anderen gewöhnlichen Materialien bestand, in seiner Seele ausgeschüttet wurde und seinen ganzen Verstand verlor? Oder wie wird es gewiss wahr sein, über jene Stiftshütte zu sagen, dass nur „der an Händen Unschuldige und im Herzen Reine, der seine Seele nicht vergeblich empfing“8 , sie bewohnen wird, wenn die Geschichte der Könige überliefert, dass die übelsten Priester, „Söhne der Pest“, in der Stiftshütte Gottes gewohnt haben und auch die Bundeslade selbst von Fremden erbeutet und bei den Gottlosen und Profanen festgehalten wurde? Aus all dem ist offensichtlich, dass der Prophet in einem ganz anderen Sinn über diese Stiftshütte dachte, in der, wie er sagt, nur „der an Händen Unschuldige und im Herzen Reine, der seine Seele nicht vergeblich empfing noch seinem Nächsten Böses tut und keinen Vorwurf gegen seinen Nächsten annahm“9 , wohnen wird. Es ist daher notwendig, dass der Bewohner dieser Stiftshütte, die der Herr errichtet hat und nicht ein Mensch, eine solche Person ist.
Kommen wir aber auch zu den Evangelien, um zu sehen, ob sie irgendetwas über Hütten sagen, damit das Urteil des Herrn eine unanfechtbare Antwort auf unsere Frage liefere. Wir entdecken dann, dass der Retter Jesus Christus selbst nicht nur eine Hütte erwähnt, sondern viele, und nicht zeitliche, sondern ewige Hütten, wenn er sagt: „Macht euch Freunde mit dem Mammon, damit, wenn er ausgeht, sie euch in die ewigen Hütten aufnehmen.“10 Ihr habt gehört, wie der Herr erklärt, dass Hütten ewig sind! Hört nun auch den Apostel sagen: „Wir begehren, mit unserer Hütte überkleidet zu werden, die vom Himmel ist.“11 Hat sich euch durch all diese Worte noch immer kein Weg aufgetan, auf dem ihr die Erde hinter euch lassen könnt? Ein Weg, auf dem ihr dem Verständnis des Propheten und des Apostels folgt – und was größer ist als alles: dem Wort Christi – mit eurem ganzen Verstand und eurer ganzen Einsicht, um in den Himmel aufzusteigen und dort die Herrlichkeit der ewigen Stiftshütte zu suchen, deren Form auf Erden durch Mose nur unvollkommen abgebildet wird? Denn so spricht auch der Herr zu ihm: „Sieh zu“, sagt der Text, „dass du alles nach dem Vorbild machst, das dir auf dem Berg gezeigt wurde.“12 Doch der menschliche Verstand – und besonders unserer, da wir wissen, dass wir die Geringsten oder gar Nichts in der göttlichen Weisheit sind – kann vielleicht an den Punkt gelangen, an dem er wahrnimmt, dass diese Dinge, die in den göttlichen Büchern eingeführt werden, nicht von irdischen Dingen gesagt sind, sondern von himmlischen! Dass sie Formen sind, nicht der gegenwärtigen, sondern „der zukünftigen Güter,“13 nicht der körperlichen Dinge, sondern der geistlichen. Aber wie die Erzählung dieser Dinge auf himmlische und ewige Dinge angewendet werden kann, das zu sagen steht nicht in meiner Macht, noch, so denke ich, liegt es in eurer Fähigkeit, es zu hören. Dennoch, wenn der Herr es für richtig hält, uns durch eure Gebete zu erleuchten, werden wir versuchen, einige wenige Dinge bekannt zu machen, die zur Erbauung der Kirche dienen.
Das gesamte Volk erhält also den Befehl, die Stiftshütte zu errichten! Jeder soll beitragen, was er kann, damit in einem gewissen Sinn alle zugleich eine Stiftshütte seien. Der Beitrag selbst geschieht nicht aus Zwang, sondern aus freiem Willen. Denn Gott sagt zu Mose, dass jeder, „wie es ihm im Herzen gut schien“14 , für den Bau der Stiftshütte opfern soll: Gold, Silber, Edelsteine, Bronze, dazu Leinen, Scharlach, Blau und Purpur, auch rote und blaue Widderfelle und unverwesliches Holz sowie Ziegenhaar. Auch Frauen, die weise sind in der Kunst des Webens, werden gefordert, und Handwerker, die sich darauf verstehen, Gold, Silber, Bronze und Steine zu bearbeiten und Holz mit Gold zu überziehen. Als Nächstes werden die Maße der Vorhöfe übermittelt. Diese Vorhöfe werden gesichert, in Vorhängen ausgespannt, auf Säulen errichtet, mit Riegeln gefestigt und mit Seilen straffgezogen. Es gibt zudem gewisse Orte, die durch Vorhänge getrennt sind. Einer wird das Heilige genannt, und der andere, der nicht minder durch einen zweiten Vorhang abgeteilt ist, heißt das Allerheiligste. Die Bundeslade wird hineingestellt. Die Cherubim stehen darüber mit ausgebreiteten Flügeln und berühren einander. Eine Art Basis und Sitz, gleichsam für sie aus Gold gemacht, ist dort platziert, der Ort der Versöhnung genannt wird. Auch der goldene Räucheraltar ist dort. Dann wird im äußeren Bereich der goldene Leuchter im südlichen Teil aufgestellt, damit er nach Norden blicke. Aber der Tisch und die darauf ausgelegten Schaubrote werden im nördlichen Teil platziert. Und auch der Altar der Brandopfer wird nahe dem inneren Vorhang aufgestellt. Aber warum gehe ich diese Dinge Stück für Stück durch? Wir können kaum so vieles erzählen. Es ist kaum möglich, dass die materiellen Formen selbst uns vor Augen geführt werden – und wie soll jemand ausreichen, um die Mysterien zu erklären, die in diesen Dingen verborgen sind?
Dennoch findet sich der Grund für den Bau der Stiftshütte bereits in den oben genannten Worten, als der Herr zu Mose sagt: „Du sollst mir ein Heiligtum machen, und von dort werde ich von euch gesehen werden.“15 Gott will also, dass wir ihm ein Heiligtum machen! Denn er verspricht: Wenn wir ihm ein Heiligtum machen, kann er von uns gesehen werden. Daher sagt auch der Apostel zu den Hebräern: „Jagt dem Frieden nach und dem Heiligtum, ohne das niemand Gott sehen wird.“16 Das ist also das Heiligtum, dessen Bau der Herr befiehlt, und das der Apostel auch in den Jungfrauen sehen will, „damit sie heilig seien an Körper und Geist,“17 da er ohne Zweifel weiß: Wer dem Herrn durch die Reinheit seines eigenen Herzens und Körpers ein Heiligtum errichtet, der wird selbst Gott sehen! Lasst uns daher auch ein Heiligtum für den Herrn errichten – sowohl gemeinsam als auch jeder für sich. Vielleicht machen wir alle die Kirche, die heilig ist, „die keinen Flecken oder Makel hat,“18 auf diese Weise zu einem Heiligtum, wenn sie als Säulen ihre Lehrer und Diener hat, über die der Apostel sagt: „Petrus und Jakobus und Johannes, die als Säulen angesehen wurden, gaben mir und Barnabas die rechte Hand der Gemeinschaft.“19 In der Stiftshütte des Alten Testaments sind die Säulen also durch dazwischenliegende Riegel verbunden; in der Kirche sind die Lehrer durch die rechte Hand der Gemeinschaft vereint, die ihnen gegeben wird. Aber diese Säulen sollen mit Silber überzogen sein und ihre Sockel mit Silber belegt! Jeder Säule sollen jedoch zwei Sockel zugeteilt werden: einer, der „Kapitell“ genannt wird und über ihr platziert ist; und ein anderer, der wahrhaftig „Sockel“ heißt und als Fundament unter die Säule gesetzt wird. Die Säulen sollen deshalb mit Silber überzogen sein, weil diejenigen, die das Wort Gottes predigen, durch den Geist „die Worte des Herrn“ empfangen sollen, die „reine Worte sind, im Feuer geläutertes Silber.“20
Aber sie haben die Propheten als Sockel ihrer Predigt, denn sie errichteten die Kirche „auf dem Fundament der Apostel und Propheten“21 und bestätigen mit deren Zeugnissen den Glauben an Christus. Das Kapitell der Säulen jedoch, so glaube ich, ist er, von dem der Apostel sagt: „Das Haupt des Mannes ist Christus.“22 Ich habe oben bereits gesagt, dass die Riegel der Säulen die rechte Hand der apostolischen Gemeinschaft sind, die man einander reicht. Lasst die Vorhänge, die – nachdem sie an Ringe genäht, in Kreisen aufgehängt und mit Schnüren verbunden wurden – nach Art von Zeltbahnen achtundzwanzig Ellen in der Länge und vier in der Breite ausgespannt sind, die übrige Menge der Gläubigen halten, die sich an die Schnüre des Glaubens klammert und daran hängt! Denn „eine dreifache Schnur reißt nicht entzwei.“23 Dies ist der Glaube an die Trinität, an dem die ganze Kirche hängt und durch den sie gehalten wird. Ich denke, dass das Gesetz, das in den Evangelien eingeführt wird, durch die achtundzwanzig Ellen Länge und vier Breite bezeichnet wird, was das Maß einer Bahn ist. Denn die Zahl Sieben bezeichnet gewöhnlich das Gesetz wegen der vielen Mysterien der siebten Zahl. Wenn diese Zahl mit der Vier vereint wird, ergibt viermal sieben folglich die Zahl achtundzwanzig. Diese zehn Bahnen jedoch wurden konstruiert, damit sie die ganze Zahl der Vollkommenheit enthalten und den Dekalog des Gesetzes bezeichnen. Doch nun stellen das Erscheinungsbild von Scharlach und Blau und Leinen und Purpur viele verschiedene Werke dar. Sie enthüllen die Vorhänge, den äußeren und den inneren Vorhang, und die gesamte priesterliche und hohepriesterliche Kleidung, verbunden mit Gold und Edelsteinen.
Aber damit wir nicht zu lange bei den Formen der einzelnen Tugenden verweilen, können wir kurz sagen: Sie zeigen jene Dinge an, mit denen die Kirche geschmückt ist! Ihr Glaube lässt sich mit Gold vergleichen; das Wort der Predigt mit Silber; Bronze mit Geduld; unverwesliches Holz mit der Erkenntnis, die durch das Holz kommt, oder mit der Unvergänglichkeit der Reinheit, die niemals alt wird; Jungfräulichkeit mit Leinen; der Ruhm des Leidens mit Scharlach; der Glanz der Liebe mit Purpur; die Hoffnung auf das Himmelreich mit Blau. Das sollen jedoch die Materialien sein, aus denen die ganze Stiftshütte errichtet, die Priester gekleidet und der Hohepriester geschmückt wird. Der Prophet spricht an einer anderen Stelle über die Art und Beschaffenheit ihrer Kleidung: „Deine Priester sollen sich mit Gerechtigkeit kleiden.“24 All jene Gewänder sind also Gewänder der Gerechtigkeit! Und wiederum sagt der Apostel Paulus: „Zieht herzliches Erbarmen an.“25 Es sind also auch Gewänder des Erbarmens. Doch derselbe Apostel bezeichnet nicht weniger auch andere, edlere Gewänder, wenn er sagt: „Zieht den Herrn Jesus Christus an und pflegt das Fleisch nicht so, dass Begierden erwachen.“26 Das sind also die Gewänder, mit denen die Kirche geschmückt ist!
Jeder von uns kann jedoch auch eine Stiftshütte für Gott in sich selbst bauen! Denn wenn, wie einige vor uns gesagt haben, diese Stiftshütte die ganze Welt darstellt und jeder Einzelne auch ein Abbild der Welt enthalten kann, warum kann dann nicht jeder auch eine Form der Stiftshütte in sich selbst vollenden? Er sollte daher die Säulen der Tugenden auf sich anwenden, silberne Säulen, das heißt vernunftgemäße Geduld. Denn es ist tatsächlich möglich, dass ein Mensch das hat, was wie Geduld aussieht, aber sie ist nicht vernunftgemäß. Denn wer kein Unrecht spürt und deshalb nicht vergilt, scheint geduldig, aber diese Geduld ist nicht vernunftgemäß. Jener Mann hat also Säulen, aber sie sind nicht aus Silber; aber jener Mann, der wegen des Wortes Gottes leidet und es tapfer erträgt, wird von silbernen Säulen geschmückt und beschützt! Es ist auch möglich, die Vorhöfe in dir selbst zu erweitern, wenn sich dein Herz in Übereinstimmung mit dem Wort des Apostels an die Korinther weitet: „Erweitert auch ihr euch!“27 Man kann sich auch mit Riegeln verteidigen, wenn man sich mit der Einmütigkeit der Liebe verbunden hat. Man kann auf silbernen Sockeln stehen, wenn man sich auf die Stabilität des Wortes Gottes stellt, das prophetische und apostolische Wort. Es ist möglich, ein vergoldetes Kapitell auf der Säule zu haben, wenn das goldene Kapitell darauf der Glaube an Christus ist. „Denn das Haupt jedes Mannes ist Christus.“22 Aber man kann zehn Bahnen in sich selbst ausspannen, wenn man nicht nur in einem oder zwei oder drei Worten des Gesetzes erweitert wird, sondern die Breite des geistlichen Verständnisses im ganzen Dekalog des Gesetzes ausdehnen kann, oder wenn man die Frucht des Geistes hervorbringt: Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Mäßigung, Glaube, Enthaltsamkeit, wenn die Liebe, die größer ist als alles, hinzugefügt wurde.
Lasst jene Seele, die „ihren Augen keinen Schlaf“ noch „ihren Augenlidern Schlummer“ noch „ihren Schläfen Ruhe“ geben will, „bis sie einen Ort für den Herrn findet, eine Stiftshütte für den Gott Jakobs,“28 lasst jene Seele, sage ich, ferner in sich selbst auch einen unbeweglichen Altar haben, auf dem sie Opfer der Gebete und Schlachtopfer der Barmherzigkeit Gott darbringen möge, auf dem sie den Stolz wie einen Stier mit dem Messer der Enthaltsamkeit opfern möge, auf dem sie den Zorn wie einen Widder schlachten und allen Luxus und jede Lust wie Ziegenböcke und Zicklein darbringen möge! Aber er soll wissen, wie man für die Priester selbst von diesen „den rechten Arm“ und „die kleine Brust“ und die Kiefer absondert, das heißt gute Werke und Werke der rechten Hand (denn er soll nichts Böses bewahren); die ganze kleine Brust, die ein aufrichtiges Herz ist und ein Gott geweihtes Gemüt, und Kiefer, um das Wort Gottes zu sprechen. Er soll auch verstehen, dass der Leuchter in seinem eigenen Heiligtum aufgestellt werden muss, damit seine „Lampen“ immer „brennen und seine Lenden gegürtet sind“ und er selbst „wie ein Knecht ist, der auf seinen Herrn wartet, bis er von einer Hochzeit zurückkehrt.“29 Denn der Herr sagte auch über diese Lampen: „Die Lampe deines Körpers ist dein Auge.“30 Aber er soll jenen Leuchter im Süden aufstellen, damit er nach Norden blicke. Denn wenn das Licht angezündet wurde, das heißt, wenn das Herz wachsam ist, sollte es immer nach Norden schauen und auf „den, der von Norden kommt“ achten, wie auch der Prophet sagt, er sah „einen entfachten Kessel oder Topf und sein Gesicht war von Norden her,“ denn „Unheil wird von Norden her über die ganze Erde entfacht.“31 Wachsam also, besorgt und eifrig, soll er immer die List des Teufels betrachten und immer beobachten, woher die Versuchung kommen mag, woher der Feind eindringen mag, woher der Gegner heranschleichen mag! Denn auch der Apostel Petrus sagt: „Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann.“32
Auch der Tisch, der die zwölf Schaubrote trägt, soll im nördlichen Teil aufgestellt werden und nach Süden blicken. Das apostolische Wort, an Zahl wie an Kraft, sollen jene Brote darauf sein. Indem man es unaufhörlich nutzt – denn es ist befohlen, dass sie täglich „vor den Herrn“ gelegt werden – kann man wiederum nach Süden blicken, woher der Herr kommt: „Denn der Herr wird von Teman kommen,“33 wie geschrieben steht, was vom Süden ist. Er soll auch einen Räucheraltar in seinem innersten Herzen haben, damit auch er sagen kann: „Wir sind ein Wohlgeruch Christi.“34 Und er soll eine Bundeslade haben, in der die Tafeln des Gesetzes sind, damit „er Tag und Nacht über das Gesetz Gottes nachsinne.“35 Und sein Gedächtnis soll eine Lade und Bibliothek der Bücher Gottes werden, weil auch der Prophet sagt, jene seien gesegnet, die seine Befehle im Gedächtnis behalten, um sie zu tun. Es soll in ihm auch ein Krug mit Manna aufbewahrt werden, ein feines und süßes Verständnis des Wortes Gottes; und es soll ein Stab Aarons in ihm sein, eine priesterliche Lehre und eine blühende Strenge der Disziplin. Aber über all diesem Glanz hinaus soll er den Schmuck des Hohepriesters tragen! Denn jener Teil, der im Menschen am kostbarsten ist, kann das Amt des Hohepriesters innehaben. Manche nennen ihn den Aufseher des Herzens, andere vernunftbegabtes Verständnis oder intellektuelle Substanz; aber wie auch immer es genannt wird, es ist jener Teil von uns, in dem wir eine Aufnahmefähigkeit für Gott haben können. Dieser Teil in uns soll also wie eine Art Hohepriester mit Gewändern und kostbaren Juwelen geschmückt sein, mit einem langen leinenen Priestergewand.
Dies ist die Art von Gewand, das bis zu den Füßen reicht und den ganzen Körper bedeckt. Das bedeutet: Zuerst muss der ganze Mensch mit Keuschheit bekleidet sein! Danach soll er auch den mit Juwelen geschmückten Umhang empfangen, in dem der Glanz der Werke angeordnet ist, „damit die Menschen eure Werke sehen und den Vater preisen, der im Himmel ist.“36 Und er empfange auch auf seiner Brust das Logion, das man das orakelhafte Brustschild nennen kann und das mit vier Reihen von Steinen geschmückt ist. Aber auch das goldene Stirnblatt, das Petalus genannt wird, soll hell auf seiner Stirn leuchten! „Wahrheit“ und „Offenbarung“ sollen, so heißt es, auf beiden platziert worden sein. In diesen Gegenständen, von denen gesagt wird, sie seien auf der Brust platziert, erkenne ich die Botschaft des Evangeliums, das uns in seiner vierfachen Ordnung die Wahrheit des Glaubens und die Offenbarung der Trinität darlegt, indem es alle Dinge auf das Haupt bezieht, das heißt auf die Natur des einen Gottes. In diesen Gegenständen ist also alle Wahrheit und alle Offenbarung der Wahrheit! Wenn du also das Hohepriesteramt für Gott ordentlich ausüben willst, dann lass die Botschaft des Evangeliums und den Glauben an die Trinität immer in deiner Brust gehalten sein! Die Botschaft des Apostels stimmt damit sowohl in ihrer Kraft als auch in ihrer Einschätzung überein, sodass der Name Gottes immer im Haupt gehalten wird und alle Dinge auf den einen Gott bezogen werden.
Der Hohepriester soll auch seine Bedeckungen an seinen inneren Teilen haben; er soll seine Schamteile bedeckt haben, „damit er heilig sei an Körper und Geist“17 und rein in Gedanken und Taten. Er soll auch Glocken rund um den Saum seines Gewandes haben, damit, wie die Schrift sagt, „wenn er in das Heiligtum eintritt, er einen Klang von sich gibt und nicht schweigend eintritt.“37 Und diese Glocken, die immer klingen sollen, sind am Saum des Gewandes angebracht worden. Der Zweck davon ist, so denke ich, dass du niemals schweigst über die letzten Zeiten und das Ende der Welt, sondern dass du immer hinausschallst und streitest und sprichst in Übereinstimmung mit dem, der gesagt hat: „Gedenke an dein letztes Ende, und du wirst nicht sündigen.“38 Auf diese Weise also ist unser innerer Mensch als Hohepriester für Gott geschmückt, damit er fähig sei, nicht nur das Heiligtum, sondern auch das Allerheiligste zu betreten; damit er fähig sei, sich dem Ort der Versöhnung zu nähern, wo die Cherubim sind, und damit Gott ihm von dort erscheinen möge. Das Heiligtum kann für jene Dinge stehen, die ein heiliger Lebenswandel in der gegenwärtigen Welt beinhalten kann. Aber das Allerheiligste, das nur einmal betreten wird, ist, so denke ich, der Übergang zum Himmel, wo der Ort der Versöhnung und die Cherubim sich befinden und wo Gott den Reinen im Herzen erscheinen können wird, oder weil der Herr sagt: „Siehe, das Reich Gottes ist in euch.“39
Was über die Stiftshütte gesagt wurde, mag für den Augenblick genügen – es ist alles, was wir auf die Schnelle entdecken und den Ohren unserer Zuhörer zuführen konnten, damit auch jeder von uns eifrig danach strebe, eine Stiftshütte für Gott in sich selbst zu errichten. Denn es wurde nicht vergeblich gesagt, dass die Väter in Hütten wohnten. Ich verstehe, dass Abraham, Isaak und Jakob wie folgt in Hütten wohnten: Denn jene Männer, die sich mit solch großem Glanz der Tugenden schmückten, bauten in sich selbst eine Stiftshütte für Gott! Denn der königliche Purpur war unter ihnen besonders strahlend, weswegen die Söhne Heths zu Abraham sagten: „Du bist ein König von Gott mitten unter uns.“40 Auch der Scharlach leuchtete, denn Abraham hielt seine rechte Hand bereit, seinen einzigen Sohn für Gott zu schlachten. Das Blau leuchtete, wenn er immer zum Himmel blickte und dem Herrn des Himmels folgte. Aber er war gleichermaßen auch mit den anderen Dingen geschmückt. So verstehe ich auch das Laubhüttenfest, das das Gesetz befiehlt: dass das Volk an einem bestimmten Tag des Jahres hinausgehen und in Hütten wohnen soll, die aus Palmzweigen und dem Laub der Pappel und Weide und Zweigen von belaubten Bäumen gemacht sind. Die Palme ist ein Zeichen des Sieges in jenem Krieg, den Fleisch und Geist gegeneinander führen; aber die Pappel und der Weidenbaum sind Zweige der Reinheit, sowohl der Tugend als auch dem Namen nach. Wenn ihr diese Dinge unversehrt bewahrt, könnt ihr die Zweige des buschigen und belaubten Baumes haben, der das ewige und gesegnete Leben ist, wenn „der Herr“ euch „an jenem grünen Ort am Wasser der Erquickung platziert“41 durch Christus Jesus, unseren Herrn, dem die Herrlichkeit und die Herrschaft gehört in alle Ewigkeit. Amen.
Schriftstellen
- 2Kor 3,3
- Hebr 9,2-4
- Hebr 9,5
- Hebr 9,24; Hebr 10,20
- Hebr 9,12
- Ps 41,4-5
- Ps 14,1-2
- Ps 23,4
- Ps 14,3; Ps 23,4
- Lk 16,9
- 2Kor 5,2
- Ex 25,40; Hebr 8,5
- Hebr 10,1
- Ex 25,2; Ex 35,5
- Ex 25,8
- Hebr 12,14
- 1Kor 7,34
- Eph 5,27
- Gal 2,9
- Ps 11,7
- Eph 2,20
- 1Kor 11,3
- Pred 4,12
- Ps 131,9
- Kol 3,12
- Röm 13,14
- 2Kor 6,13
- Ps 131,4-5
- Lk 12,35-36
- Lk 11,34
- Jer 1,13-14
- 1Petr 5,8
- Hab 3,3
- 2Kor 2,15
- Ps 1,2
- Mt 5,16
- Ex 28,35
- Sir 7,36
- Lk 17,21
- Gen 23,6
- Ps 22,2
