Die ersten Christen

Das, was zuerst da war, ist wahr. Die Wahrheit ist von Anfang an.

8. Predigt zu Exodus

Origenes ⏱️ 29 Min. Lesezeit
1

Gott spricht über jede Seele, die gelernt hat, das gegenwärtige Zeitalter zu verachten, welches „im bildlichen Sinne Ägypten heißt“1 und, um die Worte der Schrift zu gebrauchen, durch das Wort Gottes „entrückt wurde“ und „nicht mehr gefunden wird“2 , weil sie dem zukünftigen Zeitalter entgegeneilt und sich danach ausstreckt: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten herausgeführt hat.“3 Diese Worte richten sich also nicht nur an jene, die aus Ägypten weggezogen sind, sondern vielmehr an euch, die ihr sie jetzt hört. Wenn ihr nur aus Ägypten wegzieht und den Ägyptern nicht weiter dient, sagt Gott: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten herausgeführt hat, aus dem Haus der Sklaverei.“3 Seht doch, ob die Angelegenheiten der Welt und die Taten des Fleisches nicht „das Haus der Sklaverei“ sind! Ebenso ist es im Gegenteil das Haus der Freiheit, die weltlichen Dinge zu verlassen und gemäß Gott zu leben, wie auch der Herr in den Evangelien sagt: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“4 Ägypten ist also „das Haus der Sklaverei.“ Aber Judäa und Jerusalem sind das Haus der Freiheit. Hört auch den Apostel, wie er über diese Dinge verkündet „gemäß der Weisheit, die ihm im Dienst gegeben wurde“5 : „Aber das Jerusalem, das oben ist, ist frei; es ist die Mutter von uns allen.“6 Wie also Ägypten, diese irdische Provinz, für die Söhne Israels „das Haus der Sklaverei“ genannt wird im Vergleich zu Judäa und Jerusalem, die für sie zum Haus der Freiheit werden, so ist im Vergleich zum himmlischen Jerusalem, das sozusagen die Mutter der Freiheit ist, diese ganze Welt und alles, was in dieser Welt ist, „das Haus der Sklaverei.“

Und da der Mensch zur Strafe für die Sünde aus dem Paradies der Freiheit in die Sklaverei dieser Welt gekommen war, spricht das erste Wort des Dekalogs, also die erste Stimme der göttlichen Anordnungen, von der Freiheit: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten herausgeführt hat, aus dem Haus der Sklaverei.“3 Solange du in Ägypten warst, konntest du diese Stimme nicht hören, selbst wenn dir befohlen wurde, das Passah zu feiern, selbst wenn du „deine Lenden gürtest“ und „Sandalen an deine Füße“ legst, selbst wenn du „einen Stab in deiner Hand“ hältst und „ungesäuertes Brot mit Bitterkeit“7 isst. Und warum sage ich, dass du diese Dinge nicht hören konntest, während du in Ägypten warst? Du konntest diese Worte nicht einmal hören, als du von Ägypten sofort zur ersten Station vorrücktest, noch an der zweiten oder dritten, noch als du das Rote Meer durchquert hast; selbst wenn du nach Mara kommst und die Bitterkeit für dich zur Süße geworden ist, selbst wenn du nach Elim zu „den zwölf Wasserquellen und den siebzig Palmen“8 kommst, selbst wenn du nach Rephidim weitergezogen und andere Pfade hinaufgestiegen bist, wirst du noch nicht für Worte dieser Art als tauglich erachtet, sondern erst, wenn du zum Berg Sinai gekommen bist! Wenn du also zuvor viele Mühen vollendet und viele Nöte und Versuchungen überwunden hast, wirst du es kaum und erst ganz am Ende verdienen, die Gebote der Freiheit zu empfangen und vom Herrn zu hören: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten herausgeführt hat, aus dem Haus der Sklaverei.“3 Dieses Wort ist in der Tat noch kein Gebotswort, sondern zeigt an, wer derjenige ist, der befiehlt. Lasst uns nun also sehen, was der Anfang der Zehn Gebote des Gesetzes ist, und wenn wir nicht auf alles antworten, werden wir zumindest die Anfänge darlegen, so wie der Herr es gewährt.

2

Das erste Gebot lautet daher: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“9 Danach folgt: „Du sollst dir kein Götzenbild machen, noch irgendein Abbild von dem, was oben im Himmel oder unten auf der Erde oder in den Wassern unter der Erde ist; du sollst sie weder anbeten noch ihnen dienen. Denn ich bin der Herr, dein Gott, ein eifersüchtiger Gott, der die Sünden der Väter an den Söhnen bis in die dritte und vierte Generation rächt bei denen, die mich hassen, und Barmherzigkeit erweist an Tausenden bei denen, die mich lieben und meine Gebote halten.“10 Manche glauben, dass all diese Worte zusammen nur ein einziges Gebot ergeben. Doch wenn man das so annimmt, wird die Zehnzahl der Gebote nicht voll – und wo bleibt dann die Wahrheit des Dekalogs? Wenn man es jedoch so unterteilt, wie wir es in der vorangegangenen Lesung getan haben, erscheint die volle Zahl der zehn Gebote. Das erste Gebot ist also: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“9 Das zweite lautet: „Du sollst dir kein Götzenbild machen, noch irgendein Abbild“ und so weiter. Fangen wir also beim ersten Gebot an. Aber ich brauche die Hilfe Gottes selbst, der diese Befehle gegeben hat, um zu reden, und ihr braucht reinere Ohren, um zu hören! Wenn also jemand „Ohren zum Hören“11 hat, dann höre er, wie gesagt wurde: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“9 Hätte er gesagt: „Es gibt keine anderen Götter neben mir“, würde das Wort viel absoluter wirken.

Da er nun aber sagt: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“9 , leugnet er keineswegs, dass sie existieren, sondern er untersagt ihre Existenz lediglich für denjenigen, dem diese Gebote gegeben sind. Ich bin überzeugt, dass auch der Apostel Paulus genau davon ausging! Er schreibt schließlich an die Korinther: „Wenn es tatsächlich solche gibt, die Götter genannt werden, sei es im Himmel oder auf Erden“12 und er fügt hinzu: „Wie es viele Götter und viele Herren gibt, so gibt es doch für uns nur einen Gott, den Vater, von dem alles kommt und wir für ihn, und einen Herrn Jesus Christus, durch den alles ist und wir durch ihn.“13 Doch man findet Götter auch in vielen anderen Passagen der Schrift erwähnt, wie etwa in diesem Psalme: „Denn er ist der höchste Herr, furchtgebietend, ein großer König über alle Götter“14 und: „Der Herr, der Gott der Götter, hat gesprochen“15 und: „In ihrer Mitte richtet er die Götter.“16 Derselbe Apostel sagt über die Herren: „Sei es Throne oder Herrschaften oder Mächte, alles ist durch ihn und in ihm geschaffen worden.“17 „Herrschaften“ sind jedoch nichts anderes als eine bestimmte Ordnung und eine Vielzahl von Herren. Mir scheint, dass der Apostel Paulus die Bedeutung des Gesetzes in diesem Abschnitt viel klarer gemacht hat! Denn genau das sagt er: Selbst wenn es „viele Herren“ gäbe, die über andere Völker herrschen, und „viele Götter“, die von anderen angebetet werden – „für uns gibt es nur einen Gott und einen Herrn.“

Die Schrift selbst wird euch den Grund für die „vielen Götter“ oder „vielen Herren“ lehren können, wenn ihr aufmerksam und geduldig zuhört! Denn derselbe Mose sagt im Lied des Deuteronomiums: „Als der Höchste die Völker teilte und die Söhne Adams zerstreute, setzte er die Grenzen der Völker nach der Zahl der Engel Gottes fest. Und sein Volk Jakob wurde der Anteil des Herrn, das Los seines Erbes Israel.“18 Es ist also offensichtlich, dass die Engel, denen der Höchste die Völker zur Regierung anvertraut hat, entweder Götter oder Herren genannt werden; Götter, als wären sie von Gott dazu bestimmt, und Herren, weil ihnen die Macht vom Herrn zugeteilt wurde. Daher sagte der Herr auch zu den Engeln, die ihren Vorrang nicht bewahrten: „Ich habe gesagt: Ihr seid Götter und alle Söhne des Höchsten. Doch ihr werdet sterben wie Menschen und fallen wie einer der Fürsten.“19 Damit ahmten sie natürlich den Teufel nach, der zum Anführer aller in das Verderben wurde. Daraus wird klar, dass die Verletzung der Pflicht, nicht ihre Natur, diese Verfluchten so gemacht hat! Du also, Volk Israel, das du „der Anteil Gottes“20 bist und zum „Los seines Erbes“20 wurdest, du „sollst keine anderen Götter neben mir haben.“9 Denn Gott ist wahrhaftig „ein Gott“21 und der Herr ist wahrhaftig „ein Herr.“22 Den anderen aber, die von ihm geschaffen wurden, hat er diesen Namen nicht von Natur aus, sondern aus Gnade verliehen.

Aber glaubt bloß nicht, dass diese Worte nur zu jenem „Israel“ gesagt wurden, das es „nach dem Fleisch“ ist! Diese Worte richten sich vielmehr an euch, die ihr geistlich zu Israel wurdet, indem ihr für Gott lebt, und die ihr am Herzen beschnitten seid, nicht am Fleisch. Denn obwohl wir dem Fleisch nach Heiden sind, sind wir im Geist Israel aufgrund dessen, der sagte: „Verlange von mir, und ich werde dir die Heiden als dein Erbe geben und die Enden der Erde als dein Eigentum.“23 Und aufgrund dessen, der wiederum sagte: „Vater, alles Meine ist Dein und Dein ist Mein, ich bin in ihnen verherrlicht worden“24 – sofern ihr nur so handelt, dass ihr würdig seid, ein „Anteil“ Gottes zu sein und im „Los seines Erbes“ zu wandeln! Wenn ihr aber unwürdig handelt, habt ihr jene als abschreckendes Beispiel, die berufen wurden, damit sie der „Anteil“ Gottes seien, und die es durch ihre eigenen Sünden verdient haben, „unter alle Völker zerstreut zu werden.“25 Und diejenigen, die früher „aus dem Haus der Sklaverei“3 herausgeführt wurden, sind jetzt wieder – weil „wer sündigt, ein Sklave der Sünde ist“26 – Sklaven, und zwar nicht mehr nur der Ägypter, sondern aller Völker! Deshalb wird auch zu euch, die ihr durch Jesus Christus aus Ägypten ausgezogen seid und „aus dem Haus der Sklaverei“3 geführt wurdet, gesagt: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“9

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Sehen wir uns als Nächstes an, was das zweite Gebot offenbar beinhaltet: „Du sollst dir kein Götzenbild machen, noch irgendein Abbild von dem, was oben im Himmel oder unten auf der Erde oder in den Wassern unter der Erde ist.“27 Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen Götzen und Göttern, wie uns der Apostel selbst lehrt! Über die Götter sagte er nämlich: „Wie es viele Götter und viele Herren gibt.“ 12 Über die Götzen aber sagt er: „Ein Götzenbild ist nichts in der Welt,“28 daher scheint mir, dass das Gesetz dies nicht nur beiläufig erwähnt. Es unterscheidet nämlich zwischen Göttern und Götzen und wiederum zwischen Götzen und Abbildern. Denn wer sagte, dass Götzen nichts sind, fügte nicht hinzu, dass auch Abbilder nichts seien. Hier jedoch sagt der Text: „Du sollst dir kein Götzenbild machen, noch irgendein Abbild.“ Es ist also eine Sache, ein „Götzenbild“ zu machen, und eine ganz andere, ein „Abbild“ zu schaffen! Wenn der Herr uns erleuchten will, ist das meiner Meinung nach so zu verstehen: Wenn jemand aus Gold, Silber, Holz oder Stein die Gestalt eines vierfüßigen Tieres, einer Schlange oder eines Vogels formt und sie zur Anbetung aufstellt, dann hat er kein Götzenbild geschaffen, sondern ein Abbild. Selbst wenn er zu diesem Zweck ein Gemälde aufstellt, hat er nichts Geringeres als ein Abbild gemacht. Ein Götzenbild aber hat derjenige geschaffen, der – nach dem Wort des Apostels, dass ein Götzenbild „nichts“ ist – etwas erschafft, das gar nicht existiert! Was aber ist das, was nicht existiert? Eine Gestalt, die das Auge nicht sieht, die sich der Verstand aber selbst zusammenphantasiert. Zum Beispiel, wenn jemand den Kopf eines Hundes oder eines Widders auf menschliche Gliedmaßen setzt oder zwei Gesichter auf einer menschlichen Gestalt entwirft oder das Hinterteil eines Pferdes oder Fisches mit einer menschlichen Brust verbindet. Wer so etwas oder Ähnliches tut, schafft kein Abbild, sondern ein Götzenbild!

Er erschafft nämlich etwas, das es gar nicht gibt und dem auch nichts gleicht. In diesem Wissen sagt der Apostel: „Ein Götzenbild ist nichts in der Welt.“28 Denn hier wird keine Form von existierenden Dingen übernommen, sondern nur das, was der untätige und neugierige Verstand in sich selbst wahrgenommen hat. Ein Abbild hingegen ist es, wenn etwas nach dem Vorbild jener Dinge geformt wird, die „entweder im Himmel oder auf der Erde oder in den Wassern“27 sind, wie wir oben sagten. Dennoch ist es nicht so einfach, über himmlische Abbilder so zu sprechen wie über jene Abbilder auf der Erde oder im Meer – es sei denn, man meint damit Sonne, Mond und Sterne, denn im Heidentum ist es üblich, deren Gestalten darzustellen. Weil Mose aber „in aller Weisheit der Ägypter unterwiesen war“29 , wollte er auch jene Dinge verbieten, die bei ihnen geheim und verborgen waren. Er wollte uns zum Beispiel untersagen, ihre Namen wie Hekate und andere Dämonengestalten zu verwenden, welche der Apostel als „die geistlichen Mächte der Bosheit in der Himmelswelt“30 bezeichnet. Auch der Prophet sagt womöglich über dieselben Dinge: „Mein Schwert ist berauscht im Himmel,“31 denn es ist Sitte bei denen, die sich um solche Dinge kümmern, Dämonen mit diesen Gestalten und Abbildern anzurufen, um Unheil entweder abzuwehren oder sogar herbeizuführen. Das Wort Gottes, das all dies gleichzeitig umfasst, lehnt sie ab, wirft sie hinaus und verbietet nicht nur die Herstellung eines Götzenbildes, sondern auch eines „Abbildes von allen Dingen, die auf der Erde und in den Wassern und im Himmel sind.“27

4

Der Text fährt fort und sagt: „Du sollst sie weder anbeten noch ihnen dienen.“32 Es ist eine Sache, ihnen zu dienen, und eine ganz andere, sich vor ihnen niederzuwerfen! Man kann sich manchmal sogar gegen seinen Willen niederwerfen, so wie manche vor Königen katzbuckeln, wenn sie sehen, dass diese eine Vorliebe für derlei Unterwerfung haben. Sie heucheln, dass sie Götzen anbeten, obwohl sie im Herzen genau wissen, dass ein Götze ein Nichts ist. Aber dienen heißt, sich diesen Dingen mit absolutem Verlangen und Eifer zu versklaven! Das göttliche Wort verbietet daher beides knallhart, damit du ihnen weder aus Begierde dienst noch auch nur zum Schein vor ihnen im Staub kriechst. Dennoch müsst ihr wissen: Wenn ihr euch entscheidet, den Befehl dieser Vorschrift eisern zu halten, alle anderen Götter und Herren abzulehnen und keinen Gott oder Herrn außer dem einen Gott und Herrn zu haben, dann habt ihr allen anderen den totalen Krieg erklärt – und zwar ohne Waffenstillstand! Wenn wir also zur Gnade der Taufe schreiten und allen anderen Göttern und Herren entsagen, bekennen wir den einzigen Gott, Vater, Sohn und Heiligen Geist. Aber wenn wir das bekennen, ohne dass wir „den Herrn, unseren Gott, aus ganzem Herzen und ganzer Seele lieben“33 und uns „mit unserer ganzen Kraft“ 33 an ihn klammern, dann werden wir nicht zum „Anteil des Herrn“20 gemacht! Stattdessen stehen wir wie an einer Art Grenzlinie: Wir erleiden die Angriffe jener, vor denen wir geflohen sind, und versöhnen den Herrn nicht, zu dem wir als Zuflucht geflohen sind, weil wir ihn nicht mit unserem „ganzen und vollständigen Herzen“33 lieben. Und deshalb trauert der Prophet über uns, die er in solcher Unbeständigkeit schwanken sieht, und sagt: „Wehe den Wankelmütigen!“34 Und wiederum: „Wie lange hinkt ihr auf beiden Kniekehlen?“35 Aber auch der Apostel Jakobus sagt: „Ein Mann mit zwei Seelen ist unbeständig auf allen seinen Wegen.“36 Wir also, die wir unserem Herrn nicht mit vollständigem und perfektem Glauben folgen und uns dennoch von den fremden Göttern zurückgezogen haben, stehen gewissermaßen an einer mittleren Grenze. Wir werden von den fremden Göttern als Deserteure niedergemacht, und als unbeständige und zweifelnde Männer werden wir von unserem Herrn nicht verteidigt.

Stellen sich die Propheten das nicht auch geistlich über die Liebhaber Jerusalems vor, wenn sie sagen: „Deine Liebhaber selbst sind deine Feinde geworden.“37 Verstehe also: Es gab auch viele Liebhaber deiner Seele, die durch ihren Glanz verführt wurden und mit denen sie sich prostituiert hat. Von diesen wurde auch gesagt: „Ich will meinen Liebhabern nachlaufen, die mir meinen Wein und mein Öl geben“38 und so weiter. Aber die Seele ist nun an jenen Zeitpunkt gekommen, an dem sie sagen sollte: „Ich will zu meinem ersten Mann zurückkehren, denn damals ging es mir besser als jetzt.“39 Du bist also zu deinem ersten Mann zurückgekehrt; zweifellos hast du deine Liebhaber verärgert, mit denen du früher Ehebruch begangen hast. Wenn du jetzt nicht in totalem Glauben bei deinem Mann bleibst und mit ihm in totaler Liebe verbunden bist, dann ist wegen der vielen bösen Taten, die du begangen hast, jede deiner Bewegungen, jeder Blick und sogar dein Gang für ihn verdächtig, sollten sie auch nur ein wenig zu sorglos sein! Er darf nichts mehr an dir sehen, was verspielt, zügellos oder verschwenderisch ist. Denn wenn du deine Augen auch nur im Geringsten von deinem Mann abwendest, wird er zwangsläufig sofort an deinen früheren Lebenswandel erinnert. Damit du also die früheren Dinge vernichtest und er fortan Vertrauen in dich haben kann, darfst du nicht nur nichts Unanständiges tun, du darfst nicht einmal daran denken! Denn beachte, was geschrieben steht: „Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, durchwandert er dürre Orte; er sucht Ruhe und findet sie nicht. Und dann sagt er: Ich will in mein Haus zurückkehren, aus dem ich herausgekommen bin. Und wenn er kommt und es leer, sauber und geschmückt findet, geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit sich, die bösartiger sind als er selbst, und sie ziehen ein und wohnen darin. Und der letzte Zustand dieses Menschen wird schlimmer als der erste.“40

Wenn wir diese Worte ernst nehmen, wie können wir dann auch nur der geringsten Sorglosigkeit Raum geben? Denn der unreine Geist wohnte in uns, bevor wir glaubten, bevor wir zu Christus kamen – als unsere Seele, wie ich schon sagte, noch Hurerei gegen Gott beging und bei ihren Liebhabern, den Dämonen, war. Aber danach sagte sie: „Ich will zu meinem ersten Mann zurückkehren“39 und kam zu Christus, der sie von Anfang an „nach seinem Bild“41 geschaffen hat. Zwangsläufig wich der ehebrecherische Geist, als er den rechtmäßigen Ehemann sah! Wir sind also von Christus aufgenommen worden, und unser Haus ist von seinen früheren Sünden „gereinigt“ und „geschmückt“ worden mit dem Schmuck der Sakramente der Gläubigen, den die Eingeweihten kennen. Aber dieses Haus verdient es nicht sofort, Christus als Bewohner zu haben, es sei denn, sein Leben und Wandel sind so heilig, so rein und unbefleckbar, dass es verdient, der „Tempel Gottes“42 zu sein. Denn es soll nicht länger ein Haus sein, sondern ein Tempel, in dem Gott wohnt! Wenn es also die empfangene Gnade vernachlässigt und sich in weltliche Angelegenheiten verstrickt, kehrt jener unreine Geist sofort zurück und beansprucht das leerstehende Haus für sich.

Und damit er nicht wieder vertrieben werden kann, „bringt er sieben andere Geister mit sich, die bösartiger sind, und der letzte Zustand dieses Menschen wird schlimmer als der erste“43 , denn es wäre erträglicher gewesen, dass die Seele nicht zu ihrem ersten Mann zurückgekehrt wäre, nachdem sie eine Prostituierte geworden war, als dass sie nach der Rückkehr und dem Bekenntnis zu ihrem Mann erneut zur Ehebrecherin wird! Es gibt daher keine „Gemeinschaft“, wie der Apostel sagt, „zwischen dem Tempel Gottes und Götzenbildern“, keine „Übereinstimmung zwischen Christus und Beliar.“44 Wenn wir zu Gott gehören, müssen wir so beschaffen sein, dass sich erfüllt, was Gott über uns sagt: „Ich werde in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln, und sie werden mein Volk sein.“45 Und wie ein Prophet an anderer Stelle sagt: „Zieht aus ihrer Mitte weg und sondert euch ab, spricht der Herr, die ihr die Gefäße des Herrn tragt. Zieht aus und rührt nichts Unreines an, und ich werde euch aufnehmen und ich werde euch ein Vater sein und ihr werdet mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige.“46 Aus diesem Grund sagt der Text: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben, noch sollst du dir ein Götzenbild machen, noch irgendein Abbild von dem, was im Himmel oder auf der Erde oder in den Wassern ist; du sollst sie weder anbeten noch ihnen dienen.“47

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„Denn ich bin der Herr, dein Gott, ein eifersüchtiger Gott.“32 Sieh dir die Güte Gottes an! Er selbst nimmt die Schwäche menschlicher Regungen an, um uns zu lehren und uns vollkommen zu machen. Denn wer ist nicht sofort erstaunt, wenn er den Satz „ein eifersüchtiger Gott“ hört, und denkt dabei an den Makel menschlicher Schwäche? Aber Gott tut und erduldet alles um unseretwillen. Es geschieht, damit wir gelehrt werden können, dass er mit Regungen spricht, die uns bekannt und vertraut sind. Lasst uns also sehen, was diese Aussage bedeutet: „Ich bin ein eifersüchtiger Gott.“ Doch damit göttliche Dinge leichter betrachtet werden können, lassen wir uns durch menschliche Beispiele belehren, wie wir sie oben besprochen haben. Jede Frau steht entweder unter einem Ehemann und ist den Gesetzen des Ehemannes unterworfen, oder sie ist eine Prostituierte und nutzt ihre Freiheit zum Sündigen. Wer also eine Prostituierte aufsucht, weiß, dass er eine Frau besucht hat, die eine Prostituierte ist und jedem zugänglich ist, der es wünscht; und deshalb kann er nicht wütend sein, wenn er auch andere Liebhaber bei ihr sieht. Aber wer eine rechtmäßige Ehe eingeht, erlaubt seiner Frau nicht, von ihrer Macht zum Sündigen Gebrauch zu machen, sondern entbrennt in Eifersucht, um die Reinheit seiner Ehe zu bewahren, in der er ein rechtmäßiger Vater werden kann. Lasst uns daher durch dieses Beispiel verstehen, dass jede Seele an Dämonen prostituiert wurde und viele Liebhaber hat, sodass nun der Geist der Unzucht in sie hineingeht; wenn dieser Geist gegangen ist, tritt der Geist der Habsucht ein, danach kommt der Geist des Stolzes, dann des Zorns, dann des Neids, noch später der Geist der Ruhmsucht und viele andere mit diesen. Alle diese treiben so Unzucht mit einer untreuen Seele. Der eine beneidet den anderen nicht, noch werden sie gegenseitig von Eifersucht bewegt. Und warum sage ich, dass einer den anderen nicht ausschließt? Im Gegenteil, sie laden einander ein und rufen sich freimütig zusammen, genau wie wir vorhin schon darüber gesprochen haben, was im Evangelium über jenen Geist geschrieben steht, der „von einem Menschen ausfuhr, und als er zurückkehrte, sieben andere Geister mit sich brachte, die schlimmer waren als er selbst, damit sie zur gleichen Zeit in einer Seele wohnen könnten.“ 40 So erfährt also die Seele, die an Dämonen prostituiert wurde, keine Eifersucht zwischen ihren Liebhabern.

Aber wenn die Seele mit einem rechtmäßigen Ehemann vereint wurde, mit jenem Ehemann, dem Paulus die Seelen in der Ehe verband und zuführte, wie er selbst sagt: „Denn ich habe euch einem einzigen Mann verlobt, um euch als reine Jungfrau Christus zuzuführen,“48 – auch die Aussage in den Evangelien: „Ein König veranstaltete eine Hochzeit für seinen Sohn.“49 zielt auf genau dieses Thema ab –: Wenn sich die Seele also der Ehe mit diesem Mann hingibt und die rechtmäßige Ehe mit ihm empfängt, ist ihr, selbst wenn sie einst eine Sünderin war, selbst wenn sie eine Prostituierte war, sobald sie sich diesem Ehemann ausliefert, keine weitere Sünde mehr erlaubt. Es kann nicht geduldet werden, dass eine Seele, die einen Ehemann empfangen hat, wieder mit Ehebrechern spielt. Die Eifersucht des Ehemannes wird über sie entfacht; er verteidigt die Reinheit seiner Ehe. Und Gott wird als eifersüchtig bezeichnet, weil er nicht zulässt, dass die ihm unterworfene Seele sich mit Dämonen vermischt. Andernfalls, wenn er sieht, dass die Seele die Rechte der Ehe verletzt und Gelegenheiten zum Sündigen sucht, dann gibt er ihr, wie geschrieben steht, einen „Scheidebrief“ und schickt sie fort mit den Worten: „Wo ist der Scheidebrief deiner Mutter, mit dem ich sie fortgeschickt habe?“50 Woran er auch anfügt: „Siehe, wegen eurer Sünden seid ihr verkauft worden, und wegen eurer Gesetzlosigkeiten habe ich eure Mutter fortgeschickt.“50 Der, der diese Dinge sagt, ist eifersüchtig, und weil er von Eifersucht bewegt ist, sagt er dies. Denn er will nicht, dass wir weiter sündigen nach der Erkenntnis seiner selbst, nach der Erleuchtung durch das göttliche Wort, nach der Gnade der Taufe, nach dem Bekenntnis des Glaubens und nachdem die Ehe mit solch großen Sakramenten bestätigt wurde. Er erlaubt der Seele, deren Bräutigam oder Ehemann er selbst genannt wird, nicht, mit Dämonen zu spielen, mit unreinen Geistern Unzucht zu treiben, sich in Lastern und Unreinheiten zu suhlen. Aber selbst wenn dies manchmal unglücklicherweise geschehen sollte, wünscht er wenigstens, dass die Seele sich bekehrt, zurückkehrt und Buße tut.

Denn das ist eine neue Art seiner Güte, dass er sogar nach Ehebruch die Seele, die zurückkehrt und von Herzen Buße tut, trotzdem wieder aufnimmt, wie er auch durch den Propheten sagt: „Wenn eine Frau ihren Ehemann verlässt und mit einem anderen Mann schläft, darf sie zu ihrem Ehemann zurückkehren? Wird sie nicht verunreinigt sein? Du aber hast mit deinen vielen Hirten Unzucht getrieben und bist zu mir zurückgekehrt.“51 Dasselbe sagt er an anderer Stelle: „Und nachdem du mit all diesen Unzucht getrieben hast, sagte ich: Kehr um zu mir! Und du bist so nicht zurückgekehrt, spricht der Herr.“52 Darin also ist Gott eifersüchtig: Wenn er fordert und verlangt, dass deine Seele an ihm hängt, wenn er dich vor der Sünde bewahrt, wenn er tadelt, wenn er züchtigt, wenn er missfallen zeigt, wenn er zornig ist und gleichsam eine gewisse Eifersucht auf dich richtet, dann erkenne, dass es Hoffnung auf Rettung für dich gibt! Aber wenn du nicht zur Besinnung kommst, wenn du gezüchtigt wurdest, wenn du dich nicht korrigieren lässt, wenn du getadelt wurdest, wenn du es verachtest, wenn du geschlagen wirst, dann wisse: Wenn du ständig weiter sündigst, wird seine Eifersucht von dir weichen, und das, was durch den Propheten Hesekiel zu Jerusalem gesagt wird, wird auch zu dir gesagt werden: „Deshalb wird meine Eifersucht von dir weichen, und ich werde nicht länger zornig über dich sein.“53 Sieh dir das Erbarmen und die Zuneigung des guten Gottes an! Wenn er barmherzig sein will, sagt er, dass er missfallen ist und zornig, wie er durch Jeremia sagt: „Du wirst gezüchtigt werden, Jerusalem, mit Schmerz und Geißel, damit meine Seele nicht von dir weicht.“54 Wenn du diese Worte verstehst, ist es die Stimme Gottes, der Mitleid hat, wenn er zornig ist, wenn er eifersüchtig ist, wenn er Schmerzen und Schläge bringt. „Denn er geißelt jeden Sohn, den er aufnimmt.“55 Willst du jedoch die schreckliche Stimme Gottes hören, wenn er missfallen ist? Hör, was er durch den Propheten sagt! Nachdem er viele abscheuliche Dinge aufgezählt hatte, die das Volk begangen hatte, fügt er auch diese Worte hinzu: „Und aus diesem Grund werde ich eure Töchter nicht heimsuchen, wenn sie Unzucht treiben, noch eure Schwiegertöchter, wenn sie Ehebruch begehen.“56 Das ist furchtbar! Das ist das Ende, wenn wir für Sünden nicht mehr getadelt werden, wenn wir fehlen und nicht mehr korrigiert werden. Denn dann, wenn wir das Maß des Sündigens überschritten haben, wendet der „eifersüchtige Gott“32 seine Eifersucht von uns ab, wie er oben sagte: „Denn meine Eifersucht wird von dir weichen, und ich werde nicht länger zornig über dich sein.“53 Dies habe ich über die Aussage „Gott ist eifersüchtig“ gesagt.

6

Schauen wir uns nun an, was folgt, wie gesagt wird, dass „die Sünden der Väter“ gerächt werden „an den Söhnen in der dritten und vierten Generation.“32 Denn die Häretiker haben die Angewohnheit, uns wegen dieses Wortes zu verspotten, weil sie behaupten, es sei kein Wort des guten Gottes, das besagt, dass einer für die Sünden eines anderen bestraft wird. Aber gemäß der Argumentation derer, die behaupten, der Gott des Gesetzes, der diese Dinge befiehlt, sei zwar nicht gut, aber dennoch gerecht: Sie selbst können tatsächlich nicht aufzeigen, wie es ihrem eigenen Verständnis nach mit der Gerechtigkeit in Einklang stehen soll, wenn einer für die Sünde eines anderen bestraft wird. Es bleibt uns also nur, zu beten, dass der Herr uns zeigen möge, wie diese Vorschriften mit einem gerechten und guten Gott in Einklang stehen. Wir haben bereits oft gesagt, dass nicht alles in der göttlichen Schrift zum äußeren Menschen gesagt ist, sondern viele Dinge zum inneren Menschen gesprochen sind. Von unserem inneren Menschen heißt es daher, er habe entweder Gott zum Vater, wenn er gemäß Gott lebt und jene Dinge tut, die von Gott sind, oder den Teufel, wenn er in der Sünde lebt und dessen Wünsche ausführt. Der Retter zeigt dies in den Evangelien deutlich, wenn er sagt: „Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Jener war ein Menschenmörder von Anfang an und stand nicht in der Wahrheit.“57 Wie also gesagt wird, dass der Same Gottes in uns bleibt, wenn wir das Wort Gottes in uns bewahren und nicht sündigen, wie Johannes sagt: „Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde, denn sein Same bleibt in ihm.“58 So empfangen wir auch, wenn wir vom Teufel zur Sünde überredet werden, dessen Samen. Wenn wir aber das Werk, zu dem er uns gedrängt hat, vollenden, dann hat er uns bereits auch gezeugt; denn durch die Sünde werden wir ihm als Söhne geboren. Wenn wir jedoch sündigen, geschieht es kaum, dass wir ohne einen Helfer sündigen, sondern wir suchen immer entweder Diener oder Helfer der Sünde. Wenn zum Beispiel jemand Ehebruch versucht, kann er das nicht allein begehen, sondern es ist notwendig, dass es auch einen ehebrecherischen Partner und Gefährten in der Sünde gibt. Und außerdem, selbst wenn es nicht mehrere sind, ist es dennoch notwendig, dass irgendein Mann oder eine Frau im Dienst und in der Partnerschaft der Sünde steht.

Sie alle – einer vom anderen gezeugt nach der Ordnung der Verführung – haben ihren Ursprung in der Sünde „aus ihrem Vater, dem Teufel.“57 Kommen wir zu dem, was geschrieben steht: „der Herr der Herrlichkeit“59 , Jesus Christus, unser Retter, ist gekreuzigt worden. Der Urheber dieses Verbrechens und Vater dieser Bosheit ist ohne Zweifel der Teufel! Denn so steht es geschrieben: „Als aber der Teufel in das Herz des Judas Iskariot gefahren war, dass er ihn verraten sollte.“60 Der Teufel ist also der Vater der Sünde. Er zeugte Judas als seinen ersten Sohn in dieser Bosheit, aber Judas allein konnte es nicht vollstrecken. Was also steht geschrieben? „Judas ging hin“, sagt die Schrift, „zu den Schriftgelehrten und Pharisäern und Hohepriestern und sagte zu ihnen: Was wollt ihr mir geben, und ich werde ihn euch ausliefern?“61 Daher wurde die dritte und vierte Generation der Sünde aus Judas geboren. Und ihr werdet diese Ordnung sogar in einigen einzelnen Sünden aufspüren können. Lasst uns nun also gemäß dem, was wir eine Generation nannten, sehen, wie Gott „die Sünden der Väter an den Söhnen rächt bis in die dritte und vierte Generation“32 und sie nicht an den Vätern selbst rächt, denn über die Väter wird nichts gesagt. Der Teufel also, der nun das Maß des Sündigens überschritten hat, wie der Prophet sagt: „Wie das von Blut erstarrte Gewand nicht rein sein wird“62 , so wird auch er in diesem Zeitalter nicht rein sein, noch wird ihm die Sünde vorgeworfen, noch wird er gegeißelt, denn alle Dinge sind für ihn für die Zukunft aufbewahrt worden. Daher sprach er auch zum Retter, da er wusste, dass jene Zeit der Bestrafung für ihn festgesetzt war: „Warum bist du gekommen, uns vor der Zeit zu quälen?“63

Solange diese Welt steht, empfängt der Teufel, der Vater der Sünder, also nicht seine eigenen Sünden; sie werden jedoch an seinen Söhnen gerächt, das heißt an denen, die er durch die Sünde gezeugt hat. Denn Menschen, die im Fleisch sind, werden vom Herrn zurechtgewiesen, geschlagen und gegeißelt. Denn: „Der Herr will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er umkehrt und lebt.“64 Und weil „der Herr gütig und barmherzig ist“65 , rächt er die Sünden der Väter an den Söhnen. Da nämlich die Väter, das heißt „der Teufel und seine Engel“66 und andere „Fürsten der Welt und Herrscher dieser Finsternis“30 – denn auch sie werden zu Vätern der Sünde gemacht, genau wie der Teufel –, da diese Väter, sage ich, unwürdig sind, im gegenwärtigen Zeitalter zurechtgewiesen zu werden, sondern das, was sie verdienen, in der Zukunft empfangen, deshalb empfangen ihre Söhne – also jene, die sie zur Sünde überredet haben und die nicht minder von ihnen in die Gemeinschaft und Partnerschaft der Sünde aufgenommen wurden – das, was sie getan haben. Damit sie reiner in das zukünftige Zeitalter eingehen und nicht weiter zu Partnern des Teufels in der Bestrafung gemacht werden! Weil Gott also barmherzig ist und „will, dass alle Menschen gerettet werden“67 , sagt er: „Ich werde ihre Verbrechen mit einer eisernen Rute heimsuchen und ihre Sünden mit Peitschenhieben. Ich werde jedoch meine Barmherzigkeit nicht von ihnen entfernen.“ 68 Der Herr sucht also die Seelen heim und sucht sie, die jener boshafteste Vater durch die Überredung zur Sünde gezeugt hat, und sagt zu jeder von ihnen: „Höre, Tochter, und sieh und neige dein Ohr, und vergiss dein Volk und das Haus deines Vaters.“69 Er sucht dich also nach der Sünde heim und verstört dich, und er sucht dich heim mit einer Peitsche und einer Rute für die Sünde, die dein Vater, der Teufel, dir unterbreitet hat, damit er jene Sünde „in“ deinem „Schoß“ räche, das heißt, solange du im Körper verbleibst. Und so wird die Rache für „die Sünden der Väter in den Schößen der Söhne in der dritten und vierten Generation“32 vollendet.

Denn „Gott ist eifersüchtig“32 und will nicht, dass jene Seele, die er sich im Glauben verlobt hat, in der Befleckung der Sünde verbleibt, sondern er will, dass sie sofort gereinigt wird, will, dass sie schnell all ihre Unreinheiten auswirft, falls sie zufällig zu irgendwelchen hinweggerissen wurde. Wenn die Seele aber in Sünden verharrt und sagt: „Wir werden nicht auf die Stimme des Herrn hören, sondern wir werden tun, was wir wollen, und ‚der Königin des Himmels‘ Räucherwerk verbrennen“70 – eine Praxis, die vom Propheten verurteilt wird –, dann wird sie für jenes Gericht der Weisheit zurückgehalten: „Da ich gerufen habe und ihr nicht gehört habt, sondern meine Worte verspottet habt, deshalb werde auch ich über euren Untergang lachen.“71 Oder für jenes Urteil, das über jene im Evangelium verhängt wurde, wenn der Herr sagt: „Geht weg von mir in das ewige Feuer, das Gott dem Teufel und seinen Engeln bereitet hat.“ 66 Ich wähle, dass der Herr, solange ich in dieser Welt bin, meine Sünden heimsucht und meine Vergehen hier bessert, damit dort auch Abraham von mir sagen möge, wie er über den armen Lazarus zum reichen Mann sagte: „Erinnere dich, Sohn, dass du dein Gutes in deinem Leben empfangen hast und Lazarus ebenso das Böse. Jetzt aber hat er hier Ruhe, du aber leidest.“72 Aus diesem Grund dürfen wir nicht undankbar sein, wenn wir vom Herrn zurechtgewiesen, wenn wir gezüchtigt werden. Lasst uns verstehen, dass wir im gegenwärtigen Zeitalter zurechtgewiesen werden, damit wir in der Zukunft Ruhe finden, wie auch der Apostel sagt: „Wenn wir aber vom Herrn gezüchtigt werden, werden wir zurechtgewiesen, damit wir nicht mit dieser Welt verurteilt werden.“73

Aus diesem Grund hat auch der selige Hiob all seine Leiden bereitwillig angenommen und gesagt: „Wenn wir Gutes von der Hand des Herrn empfangen haben, sollen wir nicht auch Böses ertragen?“74 „Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; wie es dem Herrn gefiel, so ist es geschehen. Der Name des Herrn sei gesegnet.“75 Er erweist jedoch auch „Barmherzigkeit an Tausenden, die ihn lieben.“ 76 Denn wer liebt, braucht keine Zurechtweisung, denn er sündigt nicht, wie auch der Herr sagt: „Wer mich liebt, hält meine Gebote.“77 Und deshalb: „Die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus.“78 Aus diesem Grund ist denen, die lieben, allein die Barmherzigkeit bestimmt, denn „selig sind die Barmherzigen, denn Gott wird ihnen Barmherzigkeit erweisen“79 in Christus Jesus, unserem Herrn, dem die Herrlichkeit und die Macht gehört von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Schriftstellen

  1. Offb 11,8
  2. Gen 5,24
  3. Ex 20,2
  4. Joh 8,31-32
  5. 2Petr 3,15
  6. Gal 4,26
  7. Ex 12,8
  8. Ex 15,27
  9. Ex 20,3
  10. Ex 20,4-6
  11. Lk 8,8
  12. 1Kor 8,5
  13. 1Kor 8,5-6
  14. Ps 94,3
  15. Ps 49,1
  16. Ps 81,1
  17. Kol 1,16
  18. Dtn 32,8-9
  19. Ps 81,6-7
  20. Dtn 32,9
  21. Eph 4,6
  22. 1Kor 8,6
  23. Ps 2,8
  24. Joh 17,10
  25. Dtn 28,64
  26. Joh 8,34
  27. Ex 20,4
  28. 1Kor 8,4
  29. Apg 7,22
  30. Eph 6,12
  31. Jes 34,5
  32. Ex 20,5
  33. Dtn 6,5
  34. Spr 2,12
  35. 1Kön 18,21
  36. Jak 1,8
  37. Klgl 1,2
  38. Hos 2,7
  39. Hos 2,9
  40. Mt 12,43-45
  41. Gen 1,27
  42. 1Kor 3,16
  43. Mt 12,45
  44. 2Kor 6,15-16
  45. Lev 26,12; 2Kor 6,16
  46. Jes 52,11; 2Kor 6,17-18
  47. Ex 20,3-5
  48. 2Kor 11,2
  49. Mt 22,2
  50. Jes 50,1
  51. Jer 3,1
  52. Jer 3,7
  53. Hes 16,42
  54. Jer 6,8
  55. Hebr 12,6
  56. Hos 4,14
  57. Joh 8,44
  58. 1Joh 3,9
  59. 1Kor 2,8
  60. Joh 13,2
  61. Mt 26,14-15
  62. Jes 9,5
  63. Mt 8,29
  64. Hes 33,11
  65. Ps 102,8
  66. Mt 25,41
  67. 1Tim 2,4
  68. Ps 88,33-34
  69. Ps 44,11
  70. Jer 51,17
  71. Spr 1,24-26
  72. Lk 16,25
  73. 1Kor 11,32
  74. Hi 2,10
  75. Hi 1,21
  76. Ex 20,6
  77. Joh 14,15
  78. 1Joh 4,18
  79. Mt 5,7