1. Predigt zu Exodus
Hörbuch Abspielen
Ich meine, jedes Wort der göttlichen Schrift ist wie ein Samen, dessen Wesen es ist, sich weithin zu vervielfältigen: In die Erde geworfen, wird es als Ähre – oder je nach seiner Art als das, was zu ihr gehört – neu geboren. Sein Wachstum entspricht der sorgfältigen Arbeit des kundigen Bauern oder der Fruchtbarkeit der Erde. So kommt es, dass durch fleißige Pflege zum Beispiel ein kleines Senfkorn – „das das kleinste von allen ist, größer werden kann als alle Kräuter und zu einem Baum werden, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen wohnen.“1 So verhält es sich auch mit diesem Wort, das uns jetzt aus den göttlichen Büchern vorgelesen wurde. Es wirkt beim ersten Zugang klein und unbedeutend; findet es aber einen kundigen und fleißigen Gärtner, wächst es, sobald man es geistlich bearbeitet und mit geistlicher Kunst handhabt, zu einem Baum und treibt Zweige und Laub. Zu ihm können „die Debattierer und Redner dieser Welt“2 kommen.
Gleich „Vögeln des Himmels,“3 die auf leichten Flügeln nur mit prunkvollem Wortaufgebot hohen und schwierigen Gedanken nachjagen und Gefangene von Argumenten sind, wollen sie „in jenen Zweigen wohnen,“3 in denen nicht Sprachglanz herrscht, sondern eine Regel fürs Leben. Was also sollen wir mit dem tun, was uns vorgelesen wurde? Wenn der Herr geruht, mir die Disziplin geistlicher Landwirtschaft zu schenken, wenn er die Kunst verleiht, ein Feld zu bestellen, könnte schon ein einziges Wort aus dem Gelesenen so weit ausgestreut werden, dass – wenn eure Fähigkeit zuzuhören es zuließe – kaum ein Tag ausreichen würde, es zu behandeln. Dennoch wollen wir, so gut wir können, einiges erörtern, auch wenn es uns nicht möglich ist, alles zu behandeln, noch euch, alles zu hören. Denn ich halte es auch für wichtig zu erkennen, dass es zu diesen Worten ein Wissen gibt, das über unsere Kraft hinausgeht. Sehen wir also, was der Text des Exodus am Anfang sagt, und folgen wir ihm, so knapp wie möglich, soweit es die Hörenden erbaut. Helft mit euren Gebeten, damit das Wort Gottes bei uns sei und selbst geruhe, der Führer unserer Rede zu sein.
Es heißt: „Dies sind die Namen der Söhne Israels, die mit Jakob, ihrem Vater, nach Ägypten hinabgingen; jeder ging mit seinem ganzen Haus hinein: Ruben, Simeon, Levi, Judas,“4 und die übrigen Patriarchen. „Josef aber war in Ägypten. Alle Seelen des Hauses Jakobs waren fünfundsiebzig.“5 Ich meine, der Prophet sagt etwas, das diesem Geheimnis entspricht, wenn es jemand zu verstehen vermag: „Mein Volk zog nach Ägypten hinab, um dort zu wohnen, und nach Assyrien wurde es mit Gewalt weggeführt.“6 Wer daher diese Texte miteinander zu vergleichen vermag, der kann daraus auch erkennen, worüber unsere Vorgänger, ja sogar unsere Zeitgenossen, und zuweilen auch wir, gesprochen haben, nämlich was das „Ägypten“ ist, in das das Volk Gottes hinabstieg, nicht so sehr zum Wohnen, sondern zum Bebauen; wer außerdem die „Assyrer“ sind, die mit Gewalt auftretend sie wegführten. So wird er erkennen, wie Zahl und Ordnung der Patriarchen zu verstehen sind, oder was mit ihren Häusern und Hausgemeinschaften bezeichnet ist, die „mit Jakob, ihrem Vater, nach Ägypten hineingegangen“7 sind, denn der Text sagt: „Ruben mit seinem ganzen Haus und Levi mit seinem ganzen Haus,“8 und ebenso alle anderen. „Josef aber war in Ägypten“9 , und er nahm sich eine Frau aus Ägypten. Und obwohl er in Ägypten war, wird er doch zur Zahl der Patriarchen gerechnet.
Daher kann vielleicht jeder, „indem er Geistliches mit Geistlichem vergleicht,“10 und „das Alte mit dem Neuen zusammenstellt und das Neue mit dem Alten,“11 das Geheimnis Ägyptens und den Abstieg der Patriarchen dorthin erfassen, wenn er jene Worte geistlich untersucht und der Gedankenführung des Apostels folgt, der Israel unterscheidet und auseinanderhält und sagt, es gebe ein gewisses „Israel nach dem Fleisch,“12 was zweifellos andeutet, dass es daneben ein Israel nach dem Geist gibt. Auch das Wort des Herrn weist jeden, der es aufmerksam bedenkt, darauf hin. Wenn er von einer bestimmten Person sagt: „Siehe, ein wahrer Israelit, in dem kein Trug ist,“13 lässt er zugleich verstehen, dass einige wahre Israeliten sind, andere ohne Zweifel nicht. Der sorgfältige Leser wird aber auch die Unterschiede zwischen den Stämmen beachten, damit er ermessen kann, welche besondere Würde im Stamm Levi gesehen wurde, weil aus ihm die Priester und Diener des Herrn erwählt werden; welche hervorgehobene Würde der Herr zudem im Stamm Judas erkannte, weil aus ihm Könige und Fürsten hervorgehen und – was das Größte ist – weil auch unser Herr und Retter dem Fleisch nach aus ihm geboren wurde. Ich weiß nicht, ob Vorrechte dieser Art den Verdiensten derer zuzuschreiben sind, von deren Geschlecht sie ihren Namen oder Ursprung herleiten, also Judas selbst oder Levi oder jedem, der einem Stamm seinen Namen gab.
Was Johannes in der Apokalypse über die an Christus Glaubenden schreibt, bewegt mich zu dieser Anwendung. Denn Johannes sagt: „Aus dem Stamm Ruben zwölf Tausend,“14 „und aus dem Stamm Simeon zwölf Tausend,“15 und ebenso aus jedem Stamm zwölf Tausend; alles zusammen, sagt er, seien es „hundertvierundvierzig Tausend,“16 „die sich mit Frauen nicht befleckt hatten, sondern Jungfrauen geblieben waren.“17 Es kann gewiss kein abwegiger Vorschlag sein, dies auf jene jüdischen Stämme - Simeon, Levi und die übrigen, die ihre Abstammung von Jakob herleiten - zu beziehen. Ich wenigstens wage nicht weiter voranzugehen und zu fragen, welchen Vätern daher jene Zahl der Jungfrauen, so gleich, so vollständig, so wohl geordnet, dass keiner als höher oder niedriger als der andere gezählt wird, zuzuschreiben ist. Schon bis hierher schreite ich mit einem gewissen Risiko. Der Apostel jedoch macht Hinweise für die, die weiter zu sehen vermögen, wenn er sagt: „Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, von dem jede Vaterschaft in den Himmeln und auf der Erde ihren Namen erhält.“18 Und in der Tat scheint die Bedeutung der irdischen Vaterschaft nicht schwierig zu sein; denn die Väter von Stämmen oder Häusern, denen die Folge der Nachkommen zugeschrieben wird, heißen zusammenfassend „alle Vaterschaft“. Was es aber im Himmel bedeutet, wie oder in welcher Weise es dort Väter gibt oder für welche himmlischen Nachkommenschaften „Vaterschaft“ genannt wird, das weiß allein der, „dessen ist der Himmel des Himmels, die Erde aber hat er den Söhnen der Menschen gegeben.“19
Die Väter also stiegen nach Ägypten hinab, „Ruben, Simeon, Levi, jeder mit seinem ganzen Haus,“ 7 wie könnte man zudem erklären, dass „sie mit ihrem ganzen Haus nach Ägypten hineingingen,“7 der Text sagt außerdem: „Und alle Seelen, die mit Jakob hineingingen, waren fünfundsiebzig,“ 9 hier nun hat das prophetische Wort, indem es „Seelen“ nennt, das Geheimnis, das es überall verborgen hielt, fast enthüllt. Es zeigt, dass es dies nicht von Körpern sagt, sondern von Seelen. Dennoch hat es noch seinen eigenen Schleier. Gewöhnlich glaubt man, „Seelen“ bedeute Menschen. „Fünfundsiebzig Seelen stiegen mit Jakob nach Ägypten hinab,“9 das sind die Seelen, die Jakob gezeugt hat. Ich meine nicht, dass irgendein Mensch eine Seele zeugen kann, es sei denn, er sei einer wie jener Mann, der sagte: „Denn wenn ihr auch zehntausend Erzieher in Christus habt, so doch nicht viele Väter; denn in Christus Jesus habe ich euch durch das Evangelium gezeugt.“20 Solche Männer zeugen und gebären Seelen, wie er anderswo sagt: „Meine Kinder, um die ich abermals Geburtswehen leide, bis Christus in euch Gestalt gewinnt,“ 21 denn andere wollen die Mühe dieser Art von Zeugung entweder nicht auf sich nehmen oder sind dazu nicht fähig. Kurz, was sagte Adam selbst am Anfang? „Diesmal ist es Bein von meinen Beinen und Fleisch von meinem Fleisch,“22 er fügt jedoch nicht hinzu: „und Seele von meiner Seele.“
Aber ich möchte, dass du mir sagst, Adam: Wenn du Knochen deiner Knochen erkannt und Fleisch deines Fleisches wahrgenommen hast, warum hast du dann nicht ebenso verstanden, dass auch eine Seele aus deiner Seele hervorgegangen ist? Denn wenn du alles weitergegeben hast, was in dir war, warum hast du dann nicht zugleich die Seele erwähnt, die doch der beste Teil des ganzen Menschen ist? Er scheint vielmehr denen, die es verstehen, anzudeuten, dass er das, was von der Erde ist, als das Seine anerkennt, sich aber nicht traut, das, was nicht von der Erde ist, als das Seine zu bezeichnen, wenn er sagt: „Bein von meinen Beinen und Fleisch von meinem Fleisch.“22 Ebenso wagt auch Laban nicht, mehr als das zu seinem Eigen zu erklären, was er als irdische Blutsverwandtschaft erkennt, wenn er zu Jakob sagt: „Du bist mein Bein und mein Fleisch.“ 23 Gewiss gibt es eine andere Verwandtschaft der Seelen, die entweder mit dem Hinabstieg Jakobs nach Ägypten verbunden ist oder unter der Aufzählung der mystischen Nachkommenschaft den anderen Patriarchen und Heiligen zugeschrieben wird. Aber ich weiß nicht, wie uns eine sehr heftige Woge in die Tiefe hinaustreibt. Wir hatten geplant, küstennah zu segeln, unseren Kurs zu halten und gleichsam am Rand des Ufers entlangzustreichen. Kehren wir also zurück zu dem, was danach hinzugefügt wird.
„Josef“, heißt es im Text, „starb und alle seine Brüder und jene ganze Generation. Die Söhne Israels aber nahmen zu und vermehrten sich und dehnten sich zu einer großen Menge aus und wurden sehr stark, denn das Land vermehrte sie,“ 24 während zu Lebzeiten Josefs nicht berichtet wird, dass die Söhne Israels sich vermehrt hätten, und in jener Zeit überhaupt nichts von Zuwachs und Mengen erwähnt wird. Ich, der ich den Worten meines Herrn Jesus Christus glaube, meine nicht, dass „ein Iota oder ein Strich“25 im Gesetz und in den Propheten ohne Geheimnisse ist, noch dass „irgendetwas von diesen Dingen vergehen kann, bis alles eingetreten ist,“25 da aber unsere Fähigkeit gering ist, wollen wir uns jetzt dem zuwenden, worin wir sicherer vorankommen. Die Söhne Israels waren sehr wenige, bevor unser Josef starb, der von Judas, einem seiner Brüder, für dreißig Silberstücke verkauft wurde. Als er aber den Tod kostete „für alle,“26 wodurch „er den zunichtemachte, der die Gewalt des Todes hat, das ist der Teufel,“27 wurden die Glaubenden vermehrt, „und die Söhne Israels breiteten sich aus und das Land vermehrte sie, und sie nahmen über die Maßen überreichlich zu,“28 denn wäre nicht, wie er sagte, „ein Weizenkorn in die Erde gefallen und gestorben,“29 so hätte die Kirche gewiss nicht diese große Ernte der ganzen Erde hervorgebracht. Nachdem daher „das Korn in die Erde gefallen und gestorben war,“ ist aus ihm diese ganze Ernte der Glaubenden hervorgegangen, „und die Söhne Israels wurden vermehrt und wurden sehr stark.“28
Denn „die Stimme“ der Apostel „ging hinaus in die ganze Erde und ihre Worte bis an die Enden der Welt,“ 30 und durch sie, wie geschrieben steht, „das Wort des Herrn wuchs und vermehrte sich.“ 31 Das hat einen sehr großen mystischen Sinn. Lassen wir aber auch die moralische Seite nicht aus, denn sie erbaut die Seelen der Hörer. Wenn daher auch in dir Josef stirbt, das heißt, wenn du das Sterben Christi an deinem Körper annimmst und deine Glieder für die Sünde tot machst, dann „vermehren sich die Söhne Israels“28 in dir. Die „Söhne Israels“ sind als gute und geistliche Sinne zu verstehen. Wenn daher die Sinne des Fleisches getötet werden, wachsen die Sinne des Geistes, und während die Laster in dir täglich absterben, wird die Zahl der Tugenden vermehrt. Auch „das Land vermehrt“ dich an guten Werken, die durch den Körper vollbracht werden, und wenn du willst, dass ich dir aus der Schrift zeige, wen das Land vermehrte, dann achte auf den Apostel Paulus, wie er sagt: „Wenn aber das Leben im Fleisch, das ist mir Frucht der Arbeit, und was ich wählen soll, weiß ich nicht. Denn ich bin zwischen beiden eingeengt, ich habe Lust, aufgelöst zu werden und bei Christus zu sein, denn das ist viel besser; doch im Fleisch zu bleiben ist um euretwillen notwendiger.“32 Siehst du, wie „das Land“ diesen Mann „vermehrte“? Denn solange er im Land bleibt, das heißt in seinem Fleisch, wird er vermehrt, indem er Kirchen gründet; er wird vermehrt, indem er Gott ein Volk gewinnt und das Evangelium Gottes „von Jerusalem ringsum bis nach Illyrien,“ 33 verkündigt. Sehen wir aber, was danach hinzugefügt wird.
„Ein anderer König erhob sich in Ägypten, der Josef nicht kannte.“34 Und er sagte zu seinem Volk: „Siehe, das Geschlecht der Söhne Israels ist eine große Menge und stärker als wir.“35 Zuerst will ich untersuchen, wer der König in Ägypten ist, der Josef kennt, und wer der ist, der ihn nicht kennt. Solange derjenige herrschte, der Josef kannte, wird nicht berichtet, dass die Söhne Israels geplagt oder „mit Lehm und Ziegeln,“36 abgearbeitet wurden. Auch wird nicht berichtet, dass ihre Männlichen getötet und ihre Weiblichen am Leben gelassen wurden. Als aber derjenige aufkam und zu herrschen begann, der Josef nicht kannte, wird berichtet, dass all dies geschah. Sehen wir also, wer jener König ist. Wenn der Herr uns führt und unser Verstand, vom Herrn erleuchtet, Christus stets im Gedächtnis behält – wie Paulus an Timotheus schreibt: „Gedenke, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist,“37 – solange er dies in Ägypten, das heißt in unserem Fleisch, im Gedächtnis hält, führt unser Geist die Herrschaft in Gerechtigkeit und schindet die Söhne Israels, die wir oben die vernünftigen Sinne oder Tugenden der Seele nannten, nicht „mit Lehm und Ziegeln,“36 noch schwächt er sie durch irdische Sorgen und Mühen. Wenn aber unser Verstand die Erinnerung an diese Dinge verliert, sich von Gott abwendet, Christi unkundig wird, dann rückt die „Weisheit des Fleisches, die Gott feindlich ist,“38 zur Königsmacht auf und redet zu ihrem eigenen Volk, den leiblichen Begierden. Sind die Anführer der Laster zur Beratung zusammengerufen, wird ein Plan gegen die Söhne Israels gefasst. Man berät, wie man die Söhne Israels bedrückt, wie man sie niederhält. Ihr Ziel ist, die Söhne Israels „mit Lehm und Ziegeln,“ 36 zu plagen, die Männlichen auszusetzen und die Weiblichen zu verschonen, die Städte Ägyptens zu bauen und „befestigte Städte.“39
Diese Worte sind nicht geschrieben, um uns Geschichte beizubringen, und wir dürfen nicht meinen, die göttlichen Bücher erzählten die Taten der Ägypter; was geschrieben wurde, „ist zu unserer Belehrung und Mahnung geschrieben worden.“40 Ziel ist, dass du, der du diese Worte hörst, der vielleicht schon die Gnade der Taufe empfangen, dich unter die Söhne Israels einreihen lassen und Gott als König in dir aufgenommen hast, und später dich abwenden willst, die Werke der Welt zu tun, irdische Geschäfte und schlammige Dienste zu verrichten, erkennst und einsiehst, dass „ein anderer König in dir aufgestanden ist, der Josef nicht kennt,“34 ein König von Ägypten, und dass er dich zu seinen Werken zwingt und dich für sich mit Ziegeln und Lehm schuften lässt. Er ist es, der dich mit Peitschen und Schlägen zu weltlichen Geschäften treibt, mit Amtleuten und Aufsehern über dich gesetzt, damit du ihm Städte baust. Er ist es, der dich durch die Welt hetzen lässt, um der Begierde willen die Elemente von Meer und Erde aufzuwühlen. Dieser König von Ägypten bringt dich dazu, das Forum mit Prozessen aufzurühren und deine Nachbarn mit Streitigkeiten um ein kleines Stück Land zu ermüden – von Anschlägen auf die Keuschheit ganz zu schweigen, von der Täuschung der Unschuld, von Schändlichkeiten im Haus, Grausamkeiten draußen, Schamlosigkeiten im Gewissen. Wenn du dich also so handeln siehst, dann wisse, dass du als Soldat des Königs von Ägypten dienst, das heißt vom Geist dieser Welt geführt wirst. Wenn aber noch etwas Tieferes daraus zu verstehen ist, kann jener „König, der Josef nicht kannte,“ 34 als der Teufel erkannt werden. Er ist „der Dumme, der in seinem Herzen gesagt hat: ‚Es gibt keinen Gott.‘,“ 41 er redet zu seinem Volk, den abgefallenen Engeln, und sagt: „Siehe, das Geschlecht der Söhne Israels – nämlich derer, die Gott mit dem Geist zu sehen vermögen – ist eine große Menge und stärker als wir. Kommt, lasst uns sie zurückhalten, damit sie nicht etwa zunehmen, und wenn Krieg über uns kommt, sich auch zu unseren Gegnern schlagen und, nachdem sie uns überwunden haben, aus unserem Land wegziehen.“42
Woher nimmt der Teufel das wahr? Woher versteht er, dass Israel ein großes Volk ist und stärker als sein eigenes, wenn nicht daher, dass er ihnen oft im Kampf begegnet, oft mit ihnen gerungen und oft besiegt worden ist? Er weiß ja auch, dass Jakob selbst rang und mit Hilfe des Engels seinen Gegner festhielt und bei Gott den Sieg davontrug. Ich zweifle nicht, dass er auch um die Kämpfe anderer Heiliger wusste, oft geistliche Auseinandersetzungen ertrug und darum sagt: „Das Geschlecht der Söhne Israels ist sehr groß und stärker als wir,“ 43 doch auch seine Furcht, es könne einmal „Krieg über uns kommen,“ und die Söhne Israels sich „zu unseren Gegnern schlagen“ und, nachdem sie uns überwunden haben, „aus unserem Land wegziehen,“ zeigt mir, dass er im Voraus das erfasst hat, was von Zeit zu Zeit über das Kommen Christi durch die heiligen Patriarchen oder Propheten offengelegt wurde, und daher weiß, dass ihm selbst Krieg droht, er erkennt nämlich, dass der kommen wird, „der die Fürstentümer und Gewalten ausplündert und sie freimütig besiegt und sie an das Holz seines Kreuzes heftet,“44 darum, wenn sein ganzes Geschlecht zusammengerufen ist, will er im Menschen den vernünftigen Sinn, der jetzt bildlich Israel heißt, einengen und begrenzen. Deshalb „setzt er Aufseher über sie,“39 um sie zu Werken des Fleisches zu zwingen, wie es auch in den Psalmen heißt: „Und sie mischten sich unter die Heiden und lernten ihre Werke,“45 er bringt sie auch dazu, für den Pharao Städte zu bauen, „Pithom“, was in unserer Sprache „Mund der Auflehnung“ oder „Mund des Abgrunds“ bedeutet, „Ramses“, was „das Getöse der Motte“ heißt, und „On, das ist Heliopolis“, das „Stadt der Sonne“ genannt wird.
Siehst du, was für Städte der Pharao sich bauen lässt! „Mund der Auflehnung,“ heißt es; denn der Mund lehnt sich auf, wenn er eine Lüge spricht und wenn er sich von Wahrheit und Beweis abwendet. Denn „er war von Anfang an ein Lügner,“ 46 und darum will er, dass solche Städte für ihn gebaut werden. Oder auch: Mund des Abgrunds, weil seine Stätte der Abgrund des Verderbens und des Untergangs ist. Und eine andere seiner Städte ist das Getöse der Motte; denn alle, die ihm folgen, sammeln ihre Schätze dort, „wo die Motte verdirbt und Diebe einbrechen und stehlen,“47 doch sie bauen ihm auch die Stadt der Sonne mit falschem Namen, weil „er sich in einen Engel des Lichts verwandelt.“48 Durch solche Mittel hindert er und reißt er an sich die Sinne, die doch dazu gemacht sind, Gott zu schauen. Er sieht aber voraus, dass ihm der Krieg droht, und er merkt, dass der schnelle Untergang seines Volkes nahe ist. Darum sagt er: „Das Geschlecht Israels ist stärker als wir.“43 Ach, dass er das auch von uns sagte, dass er spürte, wir seien stärker als er! Wie kann er das spüren? Wenn ich, sobald er mir böse Gedanken und sehr schlechte Begierden zuwirft, sie nicht aufnehme, sondern „die feurigen Pfeile mit dem Schild des Glaubens“49 abwehre. Wenn ich bei allem, was er meinem Denken eingibt, in Gedanken meines Herrn Christus sage: „Geh hinter mich, Satan. Denn es steht geschrieben: ‚Du wirst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.‘,“50 dann sagt er auch von uns: „Das Geschlecht Israels ist groß und stärker als wir.“43
Aber auch in dem, was er sagt: „damit nicht vielleicht Krieg über uns komme und diese sich auch zu unseren Gegnern schlagen,“51 sieht er aus den Worten der Propheten voraus, dass Krieg über ihn selbst kommen wird und dass er von den Söhnen Israels verlassen wird, dass sie sich seinem Gegner anschließen und dem Herrn zugezählt werden. Denn genau dies hat der Prophet Jeremia über ihn vorhergesagt: „Wie die Rebhuhnhenne schreit, sie hat sich Junge gesammelt, die nicht ihre sind, so ist, wer sich Reichtum mit Unrecht verschafft; mitten in seinen Tagen wird ihn sein Reichtum verlassen, und am Ende wird er ein Dummer.“52 Er versteht also, dass „die Rebhuhnhenne hat sich Junge gesammelt, die nicht ihre sind,“ von ihm gesagt ist, und dass die, „die er sich mit Unrecht gesammelt hat, ihn mitten in seinen Tagen verlassen,“ und ihrem Herrn und Schöpfer Christus Jesus folgen, der sie gezeugt hat. „Er hat gesammelt, die er nicht gezeugt hat.“ Und darum „wird er am Ende ein Dummer sein,“ wenn „die ganze Schöpfung,“ die jetzt „seufzt“ unter seiner Tyrannei, bei „ihrem Schöpfer“ und Vater Zuflucht nimmt, und darüber ist er wütend und sagt: „damit sie uns nicht überwältigen und aus unserem Land wegziehen.“53 Er will nicht, dass wir sein Land verlassen, sondern will, dass wir immer „das Bild des Irdischen tragen,“54 denn wenn wir bei seinem Gegner Zuflucht suchen, bei dem, der uns das Himmelreich bereitet hat, müssen wir „das Bild des Irdischen“ ablegen und „das Bild des Himmlischen“ empfangen.
Deshalb setzt der Pharao „Aufseher“ ein, um uns ihre Künste zu lehren, uns zu Erfindern der Bosheit zu machen, uns im Bösen zu unterweisen. Und weil jene Meister und Lehrer der Bosheit, die der Pharao über uns gesetzt hat, zahlreich sind und eine gewaltige Menge solcher Aufseher allesamt antreibt, befiehlt und irdische Werke abpresst, setzt, wenn der Herr Jesus kommt, andere Meister und Lehrer ein. Sie kämpfen gegen die Aufseher des Pharao und bezwingen all ihre „Fürstentümer und Gewalten und Mächte,“ 44 sie schützen die Söhne Israels vor der Gewalt der Aufseher und lehren uns die Werke Israels. Sie lehren uns wieder, Gott mit dem Geist zu sehen, die Werke des Pharao zu verlassen, aus dem Land Ägypten wegzuziehen, ägyptische und barbarische Sitten abzuwerfen. Sie lehren uns, den ganzen „alten Menschen samt seinen Taten“55 abzulegen, und „den neuen anzuziehen, der nach Gott geschaffen ist,“56 „der von Tag zu Tag erneuert wird,“57 „nach dem Bild dessen, der ihn geschaffen hat,“58 nach dem Bild dessen also, der uns gemacht hat, Christus Jesus, unseren Herrn, dem die Herrlichkeit und die Macht in die Ewigkeiten der Ewigkeiten gehört. Amen.
Schriftstellen
- Mt 13,31-32
- 1Kor 1,20
- Mt 13,32
- Ex 1,1-2
- Ex 2,5
- Jes 52,4
- Ex 1,1
- Gen 1,2
- Ex 1,5
- 1Kor 2,13
- Mt 13,52
- 1Kor 10,18
- Joh 1,47
- Offb 7,5
- Offb 7,7
- Offb 7,4
- Offb 14,4
- Eph 3,14-15
- Ps 113,24
- 1Kor 14,5
- Gal 4,19
- Gen 2,23
- Gen 29,14
- Ex 1,6-7
- Mt 5,18
- Hebr 2,9
- Hebr 2,14
- Ex 1,7
- Joh 12,24
- Ps 18,5
- Apg 12,24
- Phil 1,22-24
- Röm 15,19
- Ex 1,8
- Gen 1,9
- Ex 1,14
- 2Tim 2,8
- Röm 8,7
- Ex 1,11
- 1Kor 10,11
- Ps 13,1
- Ex 1,9-10
- Ex 1,9
- Kol 2,15
- Ps 105,35
- Joh 8,44
- Mt 6,19
- 2Kor 11,14
- Eph 6,16
- Mt 4,10
- Ex 1,10
- Jer 17,11
- Gen 1,10
- 1Kor 15,49
- Kol 3,9
- Eph 4,24
- 2Kor 4,16
- Kol 3,10
