Die ersten Christen

Das, was zuerst da war, ist wahr. Die Wahrheit ist von Anfang an.

Brief an Constantia

Eusebius ⏱️ 5 Min. Lesezeit
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1

Da du nun auch über ein Bild geschrieben hast, und wünschst, dass wir ein solches Bild zu dir senden, was sagst du dazu und welches Bild meinst du, das du als das Bild Christi bezeichnest? Ich weiß nicht, woher du anordnest, dass ein Bild unseres Erlösers gezeichnet werden soll. Welches Bild Christi suchst du? Ist es das wahre und unveränderliche, das die Eigenschaften seiner Natur trägt, oder das, welches er für uns angenommen hat, indem er die Gestalt eines Dieners umhüllte? Denn der Logos Gottes, der Gott ist, nahm die Gestalt eines Dieners an und erschien in der Gestalt des sündhaften Fleisches, um die Sünde zu verurteilen, wie der göttliche Apostel sagt.

2

So hat er uns von der alten Bitterkeit und der dämonischen Knechtschaft durch sein kostbares Blut erlöst. Es stehen ihm also zwei Formen gegenüber. Über die Form Gottes denke ich nicht, dass du sie suchst, da niemand den Vater kennt, außer dem Sohn, und niemand den Sohn kennt, außer dem, der ihn gezeugt hat, dem Vater.

3

Aber du suchst gewiss die Form des Dieners, die er für uns angenommen hat. Auch haben wir gelernt, dass dies in der Herrlichkeit der Gottheit verborgen ist und dass das Sterbliche durch das Leben überdeckt wird. Und was ist da Wunderbares, wenn nach seiner Himmelfahrt eine solche Erscheinung aufgetreten ist, als der Logos Gottes, der noch unter den Menschen lebte, den Glanz seines Königreichs offenbarte, indem er die Form des Dieners auf dem Berg über die menschliche Natur erhob, als sein Antlitz strahlte wie die Sonne und seine Kleider leuchteten wie das Licht?

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Wer könnte also die strahlenden und funkelnden Herrlichkeiten von solcher Größe und Ehre, die er offenbarte, auf leblosen und toten Farben und Schatten abbilden? Wenn niemand auch nur einen Blick auf ihn werfen konnte, wie die himmlischen Jünger, die vor dem unerträglichen Anblick niederfielen und bezeugten, dass sie das Gesehene nicht ertragen konnten. Wenn also seine irdische Gestalt eine solche Kraft hatte, die sich mit der in ihr wohnenden Gottheit verwandelte, was soll man dann sagen, wenn er die Sterblichkeit ablegt und die Vergänglichkeit abwäscht und das Aussehen des Dieners in die Herrlichkeit des Herrn und Gottes verwandelt, nach dem Sieg über den Tod und nach seiner Himmelfahrt und nach der Einsetzung auf dem königlichen Thron zur Rechten des Vaters? Die himmlischen Mächte rufen, wenn er aufsteigt: „Hebt eure Tore, ihr Fürsten, und lasst den König der Herrlichkeit einziehen!“1

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So wird auch die Gestalt des Dieners in solchen Momenten ganz in sein Licht verwandelt, das unaussprechlich und unbeschreiblich ist, das dem Logos Gottes gebührt, ein Licht, das kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und das in kein Menschenherz eingegangen ist. Wie könnte also jemand von den Unbegreiflichen zu ihm gelangen? Wie könnte man die so wunderbare und unerreichbare Form, wenn man sie denn noch Form nennen kann, die göttliche und geistige Wesenheit, abbilden?

Es sei denn, jemand würde, wie die ungläubigen Völker, Dinge malen, die in keiner Weise mit ihnen vergleichbar sind, so wie ein Maler Dinge malt, die nichts mit ihnen zu tun haben. Denn auch sie, die Götzenbilder machen, halten es für richtig, Gott so darzustellen, wie sie es für die Helden oder andere Wesen tun, und sie sind nicht in der Lage, etwas Ähnliches oder auch nur in der Nähe zu schaffen.

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Für uns ist es jedoch nicht recht, solche Dinge zu tun, und du selbst trägst dazu bei. Wenn du nicht die Form Gottes, die sich verändert hat, sondern die des sterblichen Körpers vor der Verwandlung suchst, sagst du, dass du von uns das Bild des Sterblichen forderst. Ist dir etwa das nicht aufgefallen, dass im Gesetz Gottes steht, dass man kein Bild machen soll, weder von dem, was im Himmel ist, noch von dem, was auf der Erde ist? Hast du das nicht gehört, als es in der Kirche gesagt wurde oder auch von jemand anderem? Denn in der ganzen Welt sind solche Dinge verbannt und auch weit aus den Kirchen verbannt, wurde nicht verkündet, dass es uns nicht erlaubt ist, solche Dinge zu tun?

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Denn ich weiß nicht, wie eine bestimmte Frau einmal zwei Tafeln hielt, als wären sie Philosophen, und erklärte, sie seien von Paulus und dem Erlöser. Ich kann nicht sagen, woher sie diese hatte oder wo sie das gelernt hat.

Damit weder sie noch andere Anstoß nehmen, nahm ich sie ihr weg und bewahrte sie selbst auf. Ich hielt es nicht für richtig, diese Dinge anderen zu zeigen, damit wir nicht den Eindruck erwecken, unseren Gott in einem Bild zu tragen, wie es die Götzendiener tun. Ich höre von Paulus, dass wir nicht mehr nach dem Fleisch leben sollen. Denn wenn wir Christus nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir ihn jetzt nicht mehr so.

8

Simon Magus hat unter den Ungläubigen den Brauch, in lebloser Materie verehrt zu werden. Wir haben auch den Namen des Wahnsinns bei den Manichäern gesehen, die ein Bild tragen. Uns ist es jedoch verboten, solche Dinge zu tun, denn wir bekennen den Herrn, unseren Erlöser, als Gott, um ihn mit aller Sorgfalt zu sehen, indem wir unsere Herzen reinigen, damit wir ihn rein sehen. "Selig sind die Reinen im Herzen, denn sie werden Gott sehen."2 Wenn wir also aus der Fülle des kommenden Lebens von Angesicht zu Angesicht und der Sicht unseres Erlösers die Bilder des Logos Gottes haben, dann könnten wir sie haben.

Schriftstellen

  1. Ps 24,7
  2. Mt 5,8