Die ersten Christen

Das, was zuerst da war, ist wahr. Die Wahrheit ist von Anfang an.

1. Katechetische Vorlesung

Cyrill von Jerusalem ⏱️ 8 Min. Lesezeit
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1

An die, die erleuchtet werden sollen, gehalten in Jerusalem als ein einführender Vortrag für die, die sich zur Taufe bereitgemacht haben. Mit einer Lesung aus Jesaja: „Wascht euch, macht euch rein; tut eure Missetaten von euren Seelen hinweg, von meinen Augen weg“. 1 Jünger des Neuen Testaments und Teilhaber an den Geheimnissen Christi, bisher nur durch Berufung, aber bald auch durch Gnade, macht euch ein neues Herz und einen neuen Geist, damit Freude unter den Bewohnern des Himmels sei. Denn wenn über einen Sünder, der umkehrt, Freude herrscht, gemäß dem Evangelium, wie viel mehr wird die Rettung so vieler Seelen die Bewohner des Himmels zur Freude bewegen. Da ihr einen guten und herrlichen Weg eingeschlagen habt, lauft mit Ehrfurcht das Rennen der Gottseligkeit. Denn der eingeborene Sohn Gottes ist hier gegenwärtig, bereit, euch zu erlösen, und spricht: „Kommt zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, und ich werde euch Ruhe geben“2 . Ihr, die ihr mit dem rauen Gewand eurer Vergehen bekleidet seid, die ihr mit den Fesseln eurer eigenen Sünden gehalten werdet, hört die Stimme des Propheten, der sagt: „Wascht euch, macht euch rein, tut eure Missetaten von meinen Augen hinweg“1 , damit der Chor der Engel über euch singt: „Selig sind die, deren Missetaten vergeben sind, und deren Sünden bedeckt sind“3 . Ihr, die ihr gerade die Fackeln des Glaubens entzündet habt, bewahrt sie sorgsam in euren Händen, unerlöscht; damit Er, der einst auf diesem allheiligen Golgatha dem Räuber wegen seines Glaubens das Paradies öffnete, euch gewähren möge, das Hochzeitslied zu singen.

2

Wenn hier jemand ein Sklave der Sünde ist, so bereite er sich umgehend durch den Glauben auf die neue Geburt in die Freiheit und die Annahme als Sohn vor; und nachdem er die elende Knechtschaft seiner Sünden abgelegt hat und die selige Knechtschaft des Herrn angenommen hat, möge er als würdig erachtet werden, das Reich des Himmels zu erben. Legt durch die Beichte den alten Menschen ab, der nach den Begierden der Täuschung verderbt, damit ihr den neuen Menschen anzieht, der nach dem Wissen desjenigen erneuert wird, der ihn geschaffen hat. Erhaltet den ersten Anteil des Heiligen Geistes durch den Glauben, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werden könnt. Kommt zum mystischen Siegel, damit ihr vom Meister leicht erkannt werdet; zählt zu der heiligen und geistlichen Herde Christi, um zu seiner rechten Hand gesetzt zu werden und das Leben zu erben, das für euch vorbereitet ist. Denn die, an denen das raue Gewand ihrer Sünden noch haftet, werden zur linken Hand gefunden, weil sie nicht zur Gnade Gottes gekommen sind, die durch Christus bei der neuen Geburt der Taufe gegeben wird: Mit neuer Geburt meine ich nicht die der Körper, sondern die geistliche neue Geburt der Seele. Denn unsere Körper werden von sichtbaren Eltern gezeugt, aber unsere Seelen werden durch den Glauben neu gezeugt; „denn der Geist weht, wo er will.“4 Und wenn ihr dann als würdig befunden werdet, möget ihr hören: „Gut gemacht, guter und treuer Knecht“, wenn ihr ohne die Unreinheit der Heuchelei in eurem Gewissen gefunden werdet.

3

Denn wenn einer der Anwesenden versucht, die Gnade Gottes zu versuchen, so betrügt er sich selbst und erkennt nicht ihre Kraft. Halte deine Seele, o Mensch, frei von Heuchelei, wegen dem, der Herzen und Nieren durchforscht. Denn wie die, die eine Einberufung zum Krieg vornehmen, die Altersgruppen und Körper derjenigen prüfen, die in den Dienst treten, so untersucht auch der Herr bei der Berufung der Seelen deren Absicht: und wenn jemand eine geheime Heuchelei hat, weist Er den Menschen als ungeeignet für seinen wahren Dienst zurück; findet Er jedoch einen, der würdig ist, so schenkt Er ihm bereitwillig seine Gnade. „Heilige Dinge gibt Er nicht den Hunden;“ 5 aber wo Er das gute Gewissen erkennt, dort gibt Er das Siegel des Heils, dieses wunderbare Siegel, vor dem die Teufel zittern und das die Engel erkennen; damit die einen in die Flucht geschlagen werden und die anderen es als Verwandte umgeben. Diejenigen, die dieses geistliche und rettende Siegel empfangen, benötigen daher auch die dazu passende Gesinnung. Denn wie eine Schreibfeder oder ein Pfeil einen Benutzer braucht, so benötigt auch die Gnade gläubige Herzen.

4

Du empfängst nicht einen vergänglichen, sondern einen geistlichen Schild. Von nun an bist du im unsichtbaren Paradies verwurzelt. Du erhältst einen neuen Namen, den du zuvor nicht hattest. Bis jetzt warst du ein Katechumen, aber nun wirst du Gläubiger genannt. Du wirst von nun an unter den geistlichen Olivenbäumen eingepflanzt, indem du vom wilden in den guten Olivenbaum eingepfropft wirst, von der Sünde in die Gerechtigkeit, von der Unreinheit in die Reinheit. Du wirst Teil des Heiligen Weinstocks. Wenn du also im Weinstock bleibst, wirst du als fruchtbarer Zweig wachsen; bleibst du jedoch nicht, wirst du im Feuer verzehrt werden. Lasst uns daher würdig Frucht bringen. Gott bewahre, dass in uns das geschieht, was dem unfruchtbaren Feigenbaum widerfuhr, dass Jesus nicht auch jetzt kommt und uns wegen unserer Unfruchtbarkeit verflucht. Mögen wir vielmehr alle in der Lage sein, das andere Wort zu verwenden: „Aber ich bin wie ein fruchtbarer Olivenbaum im Haus Gottes; ich habe auf die Barmherzigkeit Gottes für immer vertraut“ – ein Olivenbaum, der nicht mit den Sinnen, sondern mit dem Geist wahrgenommen wird und voller Licht ist. So wie es Seine Aufgabe ist, zu pflanzen und zu gießen, so ist es deine, Frucht zu tragen: Es ist Gottes Aufgabe, Gnade zu gewähren, aber deine, sie zu empfangen und zu bewahren. Verachte die Gnade nicht, weil sie frei gegeben wird, sondern empfange und hüte sie fromm.

5

Die Gegenwart ist die Zeit der Beichte: Bekenne, was du in Worten oder Taten, bei Nacht oder bei Tag getan hast; bekenne zur rechten Zeit und am Tag des Heils, um den himmlischen Schatz zu empfangen. Widme deine Zeit den Exorzismen: Sei fleißig bei den Katechesen und erinnere dich an die Dinge, die gesagt werden, denn sie sind nicht nur für deine Ohren gesprochen, sondern damit du sie durch den Glauben in deinem Gedächtnis bewahrst. Tilge aus deinem Geist alle irdischen Sorgen, denn du läufst um deine Seele. Du gibst die Dinge der Welt völlig auf: Klein sind die Dinge, die du aufgibst, groß ist das, was der Herr dir gibt. Lass die gegenwärtigen Dinge hinter dir und setze dein Vertrauen auf die zukünftigen. Hast du so viele Jahre vergeblich mit weltlichen Dingen verbracht und hast du nicht vierzig Tage, um für deine eigene Seele im Gebet frei zu sein? „Sei still und erkenne, dass ich Gott bin,“6 sagt die Schrift. Entschuldige dich dafür, viele leere Worte zu sprechen: Verleumde nicht und höre schon gar nicht auf Verleumder; sei vielmehr bereit zum Gebet. Zeige durch asketische Übungen, dass dein Herz gestärkt ist. Reinige dein Gefäß, damit du die Gnade reichlicher empfangen kannst. Denn obwohl die Vergebung der Sünden allen gleich gegeben wird, wird die Gemeinschaft des Heiligen Geistes im Verhältnis zum Glauben eines jeden Menschen geschenkt. Wenn du wenig gearbeitet hast, wirst du wenig empfangen; wenn du aber viel gewirkt hast, ist die Belohnung groß. Du läufst für dich selbst, achte auf dein eigenes Wohl.

6

Wenn du etwas gegen einen Menschen hast, vergib es: Du kommst hierher, um Vergebung für deine Sünden zu empfangen, und auch du musst dem vergeben, der gegen dich gesündigt hat. Andernfalls, mit welchem Gesicht wirst du zum Herrn sagen: „Vergib mir meine vielen Sünden“, wenn du deinem Mitknecht nicht einmal seine kleinen Sünden vergeben hast? Achte sorgfältig auf die Versammlungen der Kirche; nicht nur jetzt, wo die Geistlichen von dir eine gewissenhafte Teilnahme verlangen, sondern auch nachdem du die Gnade empfangen hast. Denn wenn es gut ist, bevor du sie empfangen hast, ist es dann nicht auch gut, nachdem sie dir zuteilwurde? Wenn es vor der Einpfropfung sicher ist, gegossen und gepflegt zu werden, ist es dann nicht umso besser nach der Pflanzung? Kämpfe um deine eigene Seele, besonders an Tagen wie diesen. Nähre deine Seele mit heiligen Lesungen; denn der Herr hat für dich einen geistlichen Tisch bereitet. Daher sage auch du, wie der Psalmist: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln; auf grünen Auen lässt er mich 7 weiden; er führt mich zu stillen Wassern; er erquickt meine Seele.“ 8 Damit auch die Engel an deiner Freude teilhaben und Christus selbst, der große Hohepriester, nachdem er deinen Entschluss angenommen hat, dich alle dem Vater präsentieren möge, indem er sagt: „Siehe, ich und die Kinder, die Gott mir gegeben hat.“ Möge er euch alle wohlgefällig in seinem Angesicht bewahren! Ihm sei die Ehre und die Macht in alle Ewigkeit. Amen.

Schriftstellen

  1. Jes 1,16
  2. Mt 11,28
  3. Ps 32,1
  4. Joh 3,8
  5. Mt 7,6
  6. Ps 46,10
  7. Ps 23,1-2
  8. Ps 23,2-3