Über Kinderlosigkeit und Abtreibung - 51. Predigt
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Einige Männer und Frauen, geliebte Brüder und Schwestern, werden sehr traurig, wenn sie in der Ehe keine Kinder bekommen. Schlimmer noch, sie lassen sich oft einreden, dass sie Kinder bekämen wie der Saft in den Bäumen, nicht von Gott, sondern durch irgendein gottloses Mittel. Wer sich von einem Freund des Teufels täuschen ließ und so gehandelt hat, soll mit tiefer, aufrichtiger Reue Buße tun; wer es mit der Hilfe des Herrn nicht getan hat, achte darauf, es niemals zu tun. Und nicht nur soll man selbst davon absehen, sondern man soll, so gut man kann, auch andere mit heilsamem Rat davon abhalten. Wenn Gott ihnen keine Kinder geben will, sollen fromme Christen sich nicht in übermäßige innere Unruhe stürzen. Wenn Gott Kinder schenkt, sollen wir ihm danken, und wenn er sie nicht gibt, sollen wir ihm dennoch danken, denn er weiß am besten, was uns gut tut.
Viele haben Kinder zu ihrem eigenen Schaden, und viele bleiben zu ihrem Besten ohne Kinder. Das gilt nicht ausnahmslos, aber sehr viele liefern die Seelen ihrer Kinder der ewigen Armut aus, während sie ihnen auf Erden übermäßigen Reichtum anhäufen. Weil sie ihre Kinder in dieser Welt durch Raub und Betrug reich hinterlassen wollen, verteilen sie nicht nur keine Almosen, sondern versuchen sogar, das Vermögen ihres Nächsten an sich zu reißen. Es ist zu fürchten, dass ihre Kinder zwar in dieser Welt im Überfluss leben, sie selbst aber durch ewige Strafe zugrunde gehen. Das Evangelium erzählt, was mit dem reichen Mann geschah, der in Purpur gekleidet war und seine Brüder reich hinterließ. Der, der in dieser Welt reich gewesen und seinen Brüdern all ihr Vermögen geraubt hatte, bat in der Hölle im brennenden Durst um einen Tropfen Trost und erhielt ihn nicht. Wer keine Kinder hat, oder doch fast alle ohne Kinder, da sie niemanden haben, dem sie ihren irdischen Besitz hinterlassen, lösen ihre Seelen fortwährend durch großzügige Almosen aus. Wenn sie aus dieser Welt in die ewige Seligkeit hinübergehen, werden sie ohne Sorge sein und, vom Bösen befreit, würdig befunden werden zu hören: „Kommt, Gesegnete, nehmt das Reich in Besitz, denn ich war hungrig und ihr gabt mir zu essen.“1
Niemand soll traurig sein oder über seine Kinderlosigkeit klagen, wenn er sieht, wie so viele Priester, Mönche und Gottgeweihte bis zum Ende ihres Lebens ohne irdische Kinder im Dienst Gottes ausharren. Sie werden eine größere Krone und mehr Herrlichkeit empfangen, weil sie gewollt haben, körperlich kinderlos zu bleiben, und damit erfüllen, was Christus durch seinen Apostel verkündet hat: „Es bleibt dabei: Die, die Frauen haben, seien, als hätten sie keine.“2 „Die Zeit ist kurz; ich möchte, dass ihr ohne Sorge seid.“3 Wer körperliche Kinderlosigkeit lebt, soll auf Fruchtbarkeit an Seelen achten, und wer keine irdischen Söhne haben kann, soll sich bemühen, geistliche zu zeugen. Alle unsere Taten sind unsere Söhne; wenn wir also täglich gute Werke tun, wird es uns an geistlichen Söhnen nicht fehlen. Diese Söhne werden niemals sterben; mehr noch, sie lassen ihre Eltern nicht ewig zugrunde gehen. Sobald jedoch irdische Söhne ins Mannesalter kommen, fällt es den meisten schwer, nicht den Tod ihrer Eltern zu wünschen. Das sagen wir nicht, weil wir alle Kinder für böse halten, und wir wollen auch keinen Verheirateten davon abbringen, Kinder zu wollen. Wie oben gesagt: Ob Gott uns Kinder geben will oder nicht, wir sollen ihm danken, denn er weiß am besten, was uns guttut.
Darum sollen die, denen Gott keine Kinder geben will, nicht versuchen, sie durch Kräuter, magische Zeichen oder gottlose Beschwörungen zu erlangen. Es steht Christen besonders an, nicht durch grausame, böse Verwegenheit so zu erscheinen, als wollten sie gegen die Heilsordnung Christi kämpfen. So wie Frauen, die Gott zu weiteren Kindern bestimmt, keine Mittel nehmen sollen, um die Empfängnis zu verhindern, so sollen jene, die Gott kinderlos lassen will, dieses Geschenk allein von Gott erbitten und erwarten. Sie sollen es stets der göttlichen Vorsehung überlassen und im Gebet bitten, dass Gott in seiner Güte würdige, ihnen das zu gewähren, was für sie am besten ist. Frauen, die Gott zur Mutterschaft bestimmt, sollen sich all der empfangenen Kinder annehmen oder sie zur Aufzucht anderen anvertrauen. So viele, wie sie nach der Empfängnis oder nach der Geburt töten, so vieler Morde werden sie vor dem Gericht des ewigen Richters schuldig befunden. Wenn Frauen versuchen, die in ihnen heranwachsenden Kinder durch böse Mittel zu töten und dabei selbst sterben, laden drei Verbrechen auf sich: Selbstmord, geistlichen Ehebruch und Kindesmord am Ungeborenen. Daher handeln Frauen Unrecht, wenn sie versuchen, durch böse Mittel Kinder zu erlangen. Noch schwerer sündigen sie, wenn sie bereits empfangene oder geborene Kinder töten, und wenn sie durch gottlose Mittel zur Verhinderung der Empfängnis in sich die Natur verurteilen, die Gott fruchtbar haben wollte. Sie sollen nicht daran zweifeln, dass sie so viele Morde auf sich geladen haben, wie es der Zahl der Kinder entspricht, die sie hätten zeugen können.
Daher lasst uns die Worte des Apostels bedenken: „Wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie es sich gehört.“4 Vertrauen wir uns immer Gottes Gericht und seiner Barmherzigkeit an und bemühen wir uns nicht, gegen seinen Willen zu erlangen, was er nicht geben will. So sollen wir, während wir den Trost irdischer Kinder suchen, den ewigen Lohn nicht verlieren. Sagen wir darum im Vaterunser mit ganzem Herzen immer wieder: „Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel.“5 Wenn wir unsere Hoffnung fromm auf Gottes Vorsehung setzen, gewinnen wir sein Wohlgefallen in diesem Leben und werden im kommenden mit gutem Gewissen freimütig vor ihm erscheinen. Er möge es gewähren, dem Ehre und Herrlichkeit sind in alle Ewigkeit. Amen.
Schriftstellen
- Mt 25,34-35
- 1Kor 7,29
- 1Kor 7,32
- Röm 8,26
- Mt 6,10
