Predigt an Katechumenen - 200. Predigt
Heute, liebste Brüder und Schwestern, richtet sich unsere demütige Predigt besonders an die Katechumenen. Auch wenn unsere Ermahnung vor allem an sie ergeht, sind wir überzeugt, dass sie allen Getauften gilt, die sich um das Heil ihrer Seele sorgen. Alle können aus diesem schlichten Rat Gewinn ziehen, auch wenn wir in erster Linie jene mahnen wollen, die jetzt das Sakrament der Taufe begehren. Zuerst sollen die Katechumenen, „Mitbittende“, wissen, warum sie so heißen. Sie heißen so, weil sie gemeinsam bitten, so wie Menschen, die beisammen sitzen, nichts anderes sind als eine Gruppe, die zusammen sitzen, oder wie Gesprächspartner, die miteinander sprechen, oder wie Läufer, die zusammen laufen. Daher kann man Katechumenen nur als diejenigen erkennen, die gemeinsam bitten. Nun haben die Katechumenen also gelernt, warum sie diesen Namen tragen; sie sollen aber auch wissen, worum sie bitten.
Was also erbitten die, die das Sakrament der Taufe begehren? Was anderes, als dass jene, die Gefäße des Teufels waren, würdig werden, Werkzeuge Christi zu werden, und dass sie, nachdem sie Vergebung all ihrer Sünden empfangen haben, sich guten Werken widmen und den ewigen Lohn begehren? Was, ich wiederhole, sollen Katechumenen erbitten? Gewiss dies: dass die, die Wohnung der Dämonen und Räuberhöhle waren, verdienen, Tempel Gottes zu werden, wie der Apostel sagt: „Der Tempel Gottes ist heilig, und ihr seid dieser Tempel.“ 1 Dann mögen die, die zuvor Wohnstatt des Teufels waren, zur Wohnung des Heiligen Geistes werden, wie der Apostel sagt: „Ihr müsst wissen, dass euer Körper ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist.“2 Darum, Brüder und Schwestern, wie ihr selbst seht, erbitten die Katechumenen dies: dass der Teufel vertrieben wird und sie würdig werden, Haus Gottes zu werden. Es ist etwas Gutes, was ihr sucht, etwas Großes, höchste Seligkeit, ewiges Glück. Deshalb ermahne ich euch mit Gottes Hilfe, eure Körper und eure Herzen fromm vorzubereiten, denn was ihr erbittet, ist sehr groß. Wenn Gott euch wirklich Seidengewänder anbieten wollte, könntet ihr sie mit schmutzigen, verdreckten Händen nicht annehmen. Wie viel mehr also, wenn er würdigt, sich selbst euch zu schenken, solltet ihr ihn nicht anders empfangen als in einem durch den Glauben gereinigten Herzen?
Wenn nach dem Gebot des Herrn, „niemand neuen Wein in alte Schläuche füllt,“3 wie wird dann irgendein Mensch Gott selbst empfangen können, wenn er nicht bereit war, sich ganz von seiner alten Lebensweise zu reinigen? Meldet euch einige Tage vor Ostern so an, dass das, was wegen der Sünde des ersten Menschen im Buch des Todes geschrieben stand, durch die Gnade Gottes ins Buch des Lebens eingeschrieben werde. Auch wenn ihr zuerst unter der grausamsten Tyrannei des Teufels gestritten habt, kehrt, indem ihr ihn verachtet, in den Dienst Christi, eures rechtmäßigen Königs, zurück. Kommt einige Tage zuvor zur Handauflegung und zur Salbung mit Öl, damit euch der Teufel stets bereit gegen ihn findet wie die tapfersten Athleten. Wie nämlich Ringer gesalbt werden, dass der Gegner sie nicht fassen kann, so würdigt der Heilige Geist euch durch seine Diener so zu salben, dass der Teufel euch nicht verstricken kann. Denn alles, was Menschen äußerlich an euch tun, wird innerlich in eurer Seele durch den Segen des Heiligen Geistes vollendet. Ein Mensch legt zwar seine Hand auf euer Haupt, doch der Segen kommt vom Himmel herab. Haltet also für völlig gewiss, dass alles, was durch die Zungen oder Hände von Menschen an euch körperlich geschieht, geistlich in euch durch den Dienst der Engel vollendet wird.
Und so bitte und ermahne ich euch alle, ihr Katechumenen, und zugleich erkläre ich euch, dass ihr mit Gottes Hilfe in diesen Tagen und bis Ostern euer Gewissen sorgfältig prüft, damit nicht einer von euch in seinem Herzen Hass gegen irgendeinen Menschen festhält. Wenn jemand, der getauft werden soll, Zorn oder Hass im Herzen behält, weiß ich nicht, ob ihm die göttliche Gnade etwas nützen wird. Denn er ist im Begriff zu sprechen: „Vergib uns das Unrecht, das wir getan haben, wie auch wir denen vergeben, die uns Unrecht tun.“4 Wenn sich das, was er betet, an ihm vollziehen soll, was bleibt dann anderes, als dass die göttliche Gerechtigkeit ihm in derselben Weise vergibt, wie er selbst vergeben hat, wie der Herr selbst sagte: „Gebt, und es wird euch gegeben werden; vergebt, und euch wird vergeben werden.“ 5 So verschließt der, der nicht vergeben hat, sich selbst die Tür der göttlichen Barmherzigkeit, indem er spricht: „Vergib uns, wie wir vergeben,“ und macht sie damit gegen sich selbst zu. Darum sollen die Katechumenen zuerst besonders darauf achten, gegen niemanden Hass festzuhalten. Zweitens sollen sie ihr eigenes Gewissen befragen und, wenn sie – wie es oft geschieht – jemanden verletzt haben, schnell um Verzeihung bitten. Drittens, wenn sie jemandem etwas weggenommen haben, sei es durch Diebstahl, falsche Aussage, durch die Tricks falscher Gewichte oder betrügerischer Maße, so sollen sie, wenn sie schon nicht wie Zachäus vierfach erstatten können, doch wenigstens Gleichwertiges zurückgeben. Ich weiß nicht, mit welcher Verwegenheit jemand meint, die Gnade der göttlichen Barmherzigkeit empfangen zu können, wenn er das fremde Gut, das er unrechtmäßig weggenommen hat, nicht zurückerstattet.
Ferner müssen die Katechumenen darauf achten: Wenn sie wissen, dass sie durch Einflüsterung des Teufels Diebstahl oder Mord oder Ehebruch begangen haben, oder wenn eine Katechumenin jemals teuflische Tränke zum Zweck der Abtreibung genommen und ihre Kinder getötet hat, sei es noch im Mutterleib oder schon geboren, denn das ist eine sehr schwere Sünde, sollen sie für all dies mit Seufzen und Trauer Gottes Barmherzigkeit erbitten und dann, durch Buße gereinigt, zum Sakrament der Taufe kommen. Vor allem sollen die Katechumenen, von denen man weiß, dass sie verheiratet sind, dies hören, dass sie vor der Taufe Enthaltsamkeit wahren sollen und dass sie sich eine längere Zeit nach der Taufe der fleischlichen Lust enthalten.
Männer sollen vor giftigem Neid fliehen, damit sie nicht als Nachahmer des Teufels erscheinen, von dem geschrieben steht: „Durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt, und die, die in seiner Gewalt sind, erfahren ihn.“6 Auch den Hochmut, durch den der Teufel selbst fiel, sollen sie vermeiden, weil Christus, dem sie folgen wollen, „sanftmütig und demütig von Herzen,“7 war; und sehr zu fürchten ist, was geschrieben steht: „Gott stellt sich den Stolzen entgegen, den Demütigen aber erweist er Güte.“ 8 Überdies sollen sie keine Lüge mit ihren Lippen sprechen, nach dem Wort: „Du vernichtest alle, die Falsches reden,“9 und wiederum: „Ein lügender Mund tötet die Seele.“10 Nicht nur vom Meineid, sondern selbst von Eiden sollen Menschen sich fernhalten, denn er lügt nicht, der gesagt hat: „Ein Mann, der oft schwört, häuft Schuld auf; die Geißel wird nie fern sein von seinem Haus.“11 In diesen Tagen sollen sie wenig Wein trinken, und wenn die Pascha Tage kommen, sollen sie sich mit großer Sorgfalt vor Rausch und Trunkenheit hüten. Damit nicht das, was durch das Sakrament der Taufe gereinigt und hell gemacht wurde, durch Unmäßigkeit verdunkelt wird, wenn sich unbemerkt der Rausch einschleicht.
Darum sollen sie auch dann, wenn manche sie aus verderbter Freundschaft zum Trinken zwingen wollen, das gänzlich meiden und dem innerlich niemals zustimmen; vielmehr sollen sie in Speise und Trank nur nehmen, was passend und nützlich ist. Da der Schoß der Mutter Kirche durch Christi Eingebung alle Katechumenen empfangen hat, sollen sie nichts Ungerechtes oder Unehrliches tun, damit sie nicht durch sündiges Handeln das Fleisch ihrer Mutter abschütteln und diese heilige Mutter sie vor der rechten Geburt wie eine Fehlgeburt ausstößt. Stattdessen sollen alle Katechumenen gütig, demütig, milde und maßvoll sein. Dann werden sie, wenn sie zur rechten Zeit zum heilsamen Sakrament der Taufe kommen, von Böcken zu Lämmern verwandelt und von der linken auf die rechte Seite versetzt. Zusammen mit denen, die schon zur Rechten stehen, werden sie froh jenes ersehnte Wort hören: „Kommt. Ihr habt den Segen meines Vaters. Erbt das Reich, das euch seit der Erschaffung der Welt bereitet ist.“12
Wenn eure Liebe, wie es eure Gewohnheit ist, aufmerksam zuhört, könnt ihr erkennen, dass unser Rat zwar an die Katechumenen gerichtet ist, aber dennoch allen Getauften nützen kann. Darum sollen wir, die wir schon vor langer Zeit in Christus wiedergeboren wurden, denen, die getauft werden sollen, in allem das Beispiel eines heiligen Lebens geben. So werden sie, wenn sie uns nachahmen wollen, nicht auf dem breiten, weiten Weg in den Tod gezogen, sondern verdienen, auf dem engen, schmalen Pfad zum Leben zu gelangen. Nicht nur mit Vorbildern, sondern auch mit Worten sollt ihr sie zu jedem guten Werk anspornen. Vor allem sollen jene, die sie in frommer Liebe als Söhne und Töchter aufnehmen wollen, nicht aufhören, sie vor und nach der Taufe zu ermahnen und sie in Keuschheit, Demut, Maß und Frieden zu unterweisen. Sie sollen bedenken, dass sie für die Katechumenen Bürgen sind, denn sie antworten für sie, dass sie dem Teufel, seinem Prunk und seinen Werken widersagen. Daher sollen sowohl die, die aufnehmen, als auch die, die aufgenommen werden, das heißt Väter und Söhne, sich bemühen, das Bündnis zu wahren, das sie im Sakrament der Taufe mit Christus schließen, und niemals nach irgendeinem Pomp des Teufels oder nach den zügellosen Vergnügungen dieser Welt verlangen. Wenn mit Gottes Hilfe die, die die Söhne aufnehmen, keusch und gerecht gelebt haben und die, die aufgenommen werden, sie nachzuahmen bereit gewesen sind, werden beide, wie wir glauben, gleichermaßen zum ewigen Lohn gelangen. Mit der Hilfe unseres Herrn Jesus Christus, der mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.
Schriftstellen
- 1Kor 3,17
- 1Kor 6,19
- Lk 5,37
- Mt 6,12
- Lk 6,37-38
- Weish 2,24
- Mt 11,29
- Spr 3,34
- Ps 5,7
- Weish 1,11
- Sir 23,12
- Mt 25,34
