Die ersten Christen

Das, was zuerst da war, ist wahr. Die Wahrheit ist von Anfang an.

Predigt über das heilige Passah und an die Neugetauften

Basilius von Seleucia ⏱️ 12 Min. Lesezeit
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Christus ist von den Toten auferstanden und hat das gesamte Leben der Menschen zu einem einzigen Fest gemacht! Denn indem er unser Bürgerrecht von der Erde in den Himmel verlegte, schenkte er uns den Anlass zum Feiern. Zeuge dieser Worte ist Paulus, der seine Zunge zum Werkzeug für die Worte Christi machte: „Denn unser Bürgerrecht ist in den Himmeln, von woher wir auch den Retter erwarten, den Herrn Jesus Christus.“1 Denn wer in Hoffnung wartet, feiert der nicht schon? Wer sich die Ankunft des Retters in Gedanken ausmalt, nimmt der die Freude über diese Ereignisse nicht schon vorweg? Wer hört, dass ein sterblicher König einzieht, und richtet sich nicht geistig auf, freut sich in seiner Seele und eilt der Zeit im Verlangen nach dem Anblick voraus? Da geraten Volksmengen in Bewegung, Kinder hüpfen, Mädchen tanzen, Greise zwingen ihr Alter zu weichen und blühen durch ihre Hoffnung auf; das Fest der königlichen Anwesenheit ergreift alle! Was also würde man sagen, wenn Christus, der unsterbliche König, erscheint? Er kommt nicht, um Städte zu schmücken oder Türme zu errichten, auch nicht, um Geschenke zu verteilen, die mit der Zeit zertreten werden, sondern um den Menschen mit Unsterblichkeit zu bekleiden und ihn, der vom Tod ausgeraubt wurde, an einem sicheren Zufluchtsort im Himmel anzusiedeln?

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Heute ist Christus, von den Toten auferstanden, den Jüngern erschienen, und zwar durch einen zweiten Anblick, um den Glauben an die Auferstehung felsenfest zu machen. Er erschien aber bei verschlossenen Türen! Denn wer gezeigt hat, dass der Hades keine Mauern mehr hat, der brauchte keine Türen als Eingang. Wo nämlich Gott befiehlt, da haben die Gesetze der Natur Pause. Früher lief er über das Meer, und die flüssige Natur breitete sich unter seinen Füßen aus Fleisch aus, seine Schritte vermaßen die Wellen und die offene See erstarrte zu festem Boden, weil es nötig war. Jesus trat ein, obwohl die Türen verschlossen waren. Und das, obwohl bei der Auferstehung der Stein vom Grab weggewälzt und die Tür der Gruft weit aufgerissen worden war. Aber dort wurde gezeigt: Was das sichtbare Grab erlitt, das musste der Hades unsichtbar erdulden; und als das Grab geöffnet wurde, wurde der Tod entlarvt, dass er keine Türen mehr besitzt! Denn das Grab musste zusammen mit dem Hades entblößt werden, und durch das Sichtbare musste das Unsichtbare an den Pranger gestellt werden. Hier aber tritt er bei verschlossenen Türen ein, damit alle, die nicht an die Auferstehung glauben, über diesen Eintritt entsetzt staunen und durch das eine Wunder wie an der Hand zum anderen Wunder geführt werden. Nach seiner Auferstehung erschien Christus also zuerst den Frauen, noch vor den Jüngern; und die Frauen verkündeten den Aposteln die Auferstehung Christi – und das völlig zu Recht! Denn so wurde die Schmach der Eva gegen den Teufel gewendet. Woher die Krankheit ihren Weg nahm, daher kommt auch die Heilung. Wo der Tod begann, da erscheint die Auferstehung. Denn eine Frau war die Ursache der Übertretung und eine Frau ist die Künderin der Auferstehung; sie, die den ersten Adam an der Hand zum Fall führte, bezeugt nun den zweiten Adam, der auferstanden ist.

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So erschien Christus auch den Aposteln, die sich im Haus versteckt hielten; er trat ein, obwohl die Türen verschlossen waren. Doch Thomas, der nicht anwesend war, glaubt den Ereignissen nicht! Er sehnt sich nach dem Anblick und wendet sich deshalb vom bloßen Hörensagen ab; er verriegelte sein Gehör, weil er seine Augen aufreißen wollte; er war von Sehnsucht getroffen, die Nachricht traf ihn wie ein Geschoss: „Wenn ich nicht meinen Finger in das Mal der Nägel lege und meine Hand in seine Seite lege, werde ich keinesfalls glauben.“2 Thomas, maßlos in seinem Verlangen und ungläubig, stellt seinen Unglauben zur Schau, um den Genuss des Sehens zu erzwingen. Er soll meinen Unglauben lösen, indem er erscheint, sagt er; ich werde meinen Finger in die Male der Nägel legen; ich werde den Gebieter umarmen, nach dem ich mich sehne. Soll er doch meinen Unglauben tadeln, wenn er mir nur den Anblick schenkt! Als Ungläubiger will ich sehen, und als Gläubiger werde ich ihn umarmen und genießen. Ich will die durchbohrten Hände sehen, durch die die sündigen Hände Adams geheilt wurden; ich will die Seite sehen, durch die der Tod, der aus der Seite kam, vernichtet wurde. Ich will Zuschauer, nicht Zuhörer des Gebieters werden. Durch eure Erzählung werde ich nur noch mehr vor Begierde entflammt; mit dem, was ihr mir als frohe Botschaft verkündet, vergrößert ihr nur meinen Schmerz. Ich aber werde meine Qual heilen, indem ich die Heilung selbst in die Hand nehme.

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Doch wieder war der Gebieter zur Stelle und zerschlug beim Jünger mit dem Schmerz auch den Unglauben. Oder besser: Er löste nicht nur den Unglauben auf, sondern stillte die Begierde! Er war da, obwohl die Türen verschlossen waren; durch einen Anblick, der angezweifelt wurde, beglaubigt er die Auferstehung, die angezweifelt wurde; und wieder verdoppelt er das Wunder, um Thomas völlig zu überzeugen. „Lege“, sagt er, „deinen Finger in das Mal der Nägel.“3 Den du in seiner Abwesenheit gesucht hast, den genieße jetzt in seiner Anwesenheit! Ich kenne deine Begierde, auch wenn du schweigst; noch vor deinen Worten kenne ich deine Absicht. Ich habe deine Worte gehört, auch wenn man mich nicht sah; ich war da, als du ungläubig warst, und indem ich mich nicht zeigte, gab ich dem Unglauben Zeit, um deine Sehnsucht zu bewundern. „Lege deinen Finger in die Male der Nägel, und lege deine Hand in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig.“3 Thomas aber tastete ihn ab, verjagte den Unglauben und schrie mit aufrichtigem Glauben und einem Verlangen, das Gott gebührt: „Mein Herr und mein Gott!“4 Und der Herr sagt zu ihm: „Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt. Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben.“5 Predige, Thomas, denen, die meine Auferstehung nicht gesehen haben! Zieh den ganzen Erdkreis an dich, der nicht durch Augen, sondern durch Worte glaubt; lauf durch die Völker der Barbaren und ihre Städte; bring ihnen bei, sich statt mit Waffen mit dem Kreuz zu panzern! Predige nur, und sie werden anbetend glauben; du wirst von ihnen nicht verlangen, mich zu sehen. Nenne die Berufung und sieh den Glauben; denn wahrhaftig: „Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben.“5 So sieht es aus, dieses frisch ausgehobene Heer des Gebieters, diese Wehen des geistlichen Taufbeckens, die Werke der Gnade, der Ackerbau des Geistes; ohne zu sehen, gehorchten sie, allein aus Sehnsucht glaubten sie. Sie erkannten Christus nicht mit den Augen des Körpers, sondern mit den Augen des Glaubens. Sie legten ihre Finger nicht in die Male der Nägel, sondern klammerten sich an das Kreuz und küssten das Leiden; sie wurden keine Zuschauer der Seite des Gebieters, aber durch die Gnade wurden sie mit den Gliedern des Gebieters vereinigt und bestätigten an sich selbst das Wort des Gebieters: „Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben.“5 Die nicht sahen und doch mit Christus vereinigt wurden.

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Heute legt ihr das Gewand ab, das ihr tragt, aber legt bloß nicht das verborgene Siegel ab. Zieht die sichtbaren Symbole aus, aber behaltet die Erkennungszeichen der Armee. Du legst die Kleidung ab, du Soldat Christi, aber steh nicht nackt da ohne die Waffen des Glaubens; jetzt brauchst du die volle Rüstung am allermeisten. Denn jetzt ist der Feind wachsamer gegen dich als je zuvor, und der Krieg ist härter geworden! Solange du Gefangener und Sklave des Feindes warst, hatte er dich im Griff und kümmerte sich nicht ums Kämpfen; aber seit du zu Christus übergelaufen bist, vor dem Feind geflohen und zum Gebieter gerannt bist, seit du dem Wolf entsprungen und dich der Herde angeschlossen hast, jagt er dich als seine alte Beute und heckt vielgestaltige Listen aus. Für diese Schlachtlinie salbt uns der selige Paulus, er führt das Kommando und gibt die Befehle aus: „Denn unser Kampf ist nicht gegen Blut und Fleisch, sondern gegen die Herrschaften, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher der Finsternis dieser Zeit, gegen die Geister der Bosheit.“6 Siehst du das Kriegsheer und die kochende Schlacht? Worum geht es also in diesem Krieg? Was ist der Gewinn des Kampfes? Der General selbst fügt hinzu: „Im Himmelsbereich.“6 Das heißt: Es geht um himmlischen Besitz! Er rüstet für die Unvergänglichkeit, er kämpft für die Unveränderlichkeit; er stellt uns auf, damit wir bei Christus sind. Denn das sind himmlische Güter; genau die will jener uns wegnehmen. Er lässt dich nicht nackt kämpfen; er bewaffnet dich mit den Waffen des Vaters. Und schau mir an, wie die Waffen blitzen, furchterregend für die Feinde! Denn so sagt er: „Steht also fest, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, und bekleidet mit dem Panzer der Gerechtigkeit, und die Füße beschuht mit der Bereitschaft für das Evangelium des Friedens; zu all dem ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr alle feurigen Pfeile des Bösen auslöschen könnt; und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches das Wort Gottes ist.“7 Gegen unsichtbare Feinde hat er uns mit unsichtbaren Waffen geschmückt.

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So sieht sie aus, die Kraft der Waffen! Dass aber die Schlachtordnung steht, auch wenn man sie nicht sieht, das mach dir so klar: Wenn der Teufel nicht zögerte, Christus zu versuchen, sondern in maßloser Unverschämtheit sogar den Gebieter angriff – wie sollte er da aufhören, Anschläge gegen dich zu planen? Er sah Christus getauft (achte auf den Zeitpunkt, du Neugetaufter!), und genau da erhob er sich zur Versuchung. Er sah ihn in der Wüste hungern und nahm den Hunger als Komplizen für die Prüfung; nicht einmal das Bedürfnis nach Nahrung ließ er frei von seinen Machenschaften, sondern trat heran, versuchte ihn und sagte: „Wenn du Gottes Sohn bist, sprich, dass diese Steine zu Broten werden.“8 Was so viel heißt wie: Du stolzierst herum und nennst dich Sohn Gottes, aber der Name hat dich getäuscht. Du brüstest dich mit einem Titel, hinter dem nichts steckt! Ich sehe einen Hungernden, und den soll ich Sohn Gottes nennen? Die Ehre wird durch das Leiden entwertet! Still das Bedürfnis durch ein Wunder! Wenn die Steine deinem Befehl gehorchen, glaube ich deinem Titel; wenn sie den Befehl achten, stimme ich dem Wunder zu; dann akzeptiere ich den Namen und erkenne die Ehre an. Aber er wurde mit Worten der Schrift beschossen: „Der Mensch wird nicht vom Brot allein leben, sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht.“9 Doch beschämt im ersten Ringkampf, wagte er einen zweiten Versuch: „Wirf dich“, sagt er, „von oben hinab; denn es steht geschrieben, dass er seinen Engeln befehlen wird deinetwegen, dich zu behüten auf all deinen Wegen.“10

Aber er bekam wieder zu hören: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“11 Und er ließ sich nicht lähmen beim zweiten Sturz, nein, er fährt das dritte Geschütz auf, geködert von der Hoffnung auf den Sieg, während er eigentlich in den Abgrund stürzt: „Das alles werde ich dir geben“, sagt er, „wenn du niederfällst und mir huldigst.“12 Siehst du die Flinkheit seiner Tricks? Siehst du, wie er den Betrug vorbereitet? Vielleicht glaubst du, es seien nur drei Arten von Versuchungen gewesen, weil du einfach der Zahl gefolgt bist; aber jede Art von Versuchung ist in diesen dreien enthalten! Er hätte nämlich nicht aufgehört zu versuchen, wenn er nicht seinen ganzen Köcher voller Pfeile leergeschossen hätte. Denn alle Angriffe, die auf Lust abzielen, brachte er durch die Gier nach Essen vor; mit einem einzigen Vorstoß rührte er die ganze Verwandtschaft der Begierden auf. Als er sagte: „Wirf dich hinab“, setzte er die Methoden der Prahlsucht in Gang. Und das „Das alles werde ich dir geben“ führte die Geldgier ein, die grausamste Wurzel der Sünden. Denn jede Art von Sünde wuchert aus dieser einen Wurzel. Und bei den Menschen findet die Sünde gar keinen Platz, wenn sie nicht über diese Wege einmarschiert. Entweder verwundet sie durch Lust, oder sie schießt durch Ruhmsucht, oder sie schleift einen durch die Liebe zum Geld in die Verfehlung. Als er also all seiner Pfeile beraubt war, hörte er auf zu schießen; Christus hat ihn für uns nackt und ohne seine Tricks hingestellt und seine Pfeilspitzen wirkungslos gemacht; er hat seine Täuschungsmanöver öffentlich gemacht und ihn zu einer leichten Beute für die Menschen gemacht.

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Lasst uns also in den Kämpfen des Gebieters den Sieg davontragen! Wenn Christus kämpft, lasst uns eigene Siegeszeichen aufrichten! Wir dürfen das Gewand des Glaubens, das die Gnade gewebt hat, nicht beschmutzen! Entehre nicht das Geschenk, das du von Gott empfangen hast! Denk an den Geber und bewache die Gabe! Wenn du zum Wächter einer Perle oder eines königlichen Purpurgewandes bestellt wärst, würdest du bei der Wache nicht Sorgfalt bis in den Tod beweisen? Aber jetzt wurde dir nicht nur eine Perle oder Purpur oder irgendein königlicher Besitz anvertraut, sondern der Körper des Gebieters selbst! Oder besser, ich sage dir was: Du bist zum Körper des Gebieters geworden, du wurdest ein Glied Christi! Du hast Christus angezogen, nach dem Wort des Paulus: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft wurdet, habt Christus angezogen.“13 Werde nicht zum Verräter an den Gliedern Christi! Du bist eine Wohnung des Geistes und ein Glied dessen, der in den Himmeln herrscht. Lasst uns also das Geschenk durch Tugenden ehren! Lasst uns Hüter der Besonnenheit werden, der Menschenliebe nachjagen, Almosen geben! Lasst uns das Gift des Unglaubens abschütteln! Wenden wir uns ab von der List, der Freundin des Teufels; hassen wir die Lüge, das Werkzeug des Feindes! Ahmen wir den seligen Paulus nach, der nach seiner Taufe den verkündigte, den er vor der Taufe verfolgte. Ahmen wir den Eunuchen aus Äthiopien nach, der unterwegs die Taufe fand und selbst zum Weg für die Gläubigen der Äthiopier wurde. Vervielfachen wir das Talent der Gnade, damit wir die ersehnte Stimme des Gebieters hören, der sagt: „Recht so, du guter und treuer Sklave, über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen; geh hinein in die Freude deines Herrn.“14 Ihm gehört die Herrlichkeit und die Macht in die Zeitalter der Zeitalter. Amen.

Schriftstellen

  1. Phil 3,20
  2. Joh 20,25
  3. Joh 20,27
  4. Joh 20,28
  5. Joh 20,29
  6. Eph 6,12
  7. Eph 6,14-17
  8. Mt 4,3
  9. Mt 4,4
  10. Mt 4,6
  11. Mt 4,7
  12. Mt 4,9
  13. Gal 3,27
  14. Mt 25,21